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Jüdische Schulzeitung · 1936-05-02 · 5 (2.5.1936) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
5 (2.5.1936)
Date
1936-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung "Nummer-5 Unsere Palästinareise S. B. Die kleine Gruppe jüdischer Lehrer- und Lehrerinnen, die ich vor wenigen Wochen nach Palästina führen durfte, ist kurz vor Pessach wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Wollte ich in den hier folgenden Reisebericht all das aufnehmen, was jeder einzelne Teilnehmer aus dem Verlangen heraus, die Eindrücke festzuhalten, seinem Tagebuch anvertraut hat, es entstünde ein Dokument respektabeln Umfangs und aufschlußreichen Inhalts. Die Notwendigkeit einer Zusammenschau auf beschränktem Raum legt indes die Verpflichtung des Auswählens auf, und so sei versucht, ein paar mir wesentlich erscheinende Ausschnitte aus der Fülle des Gesehenen und Gehörten hierherzusetzen. Das Wissen um die Fragwürdigkeit des Wertes eines allzuknapp bemessenen Aufenthalts im Lande bleibe dabei als Mahnerin zur Zurückhaltung im Urteil gegenwärtig. * Die Reise war viele Monate hindurch nach ihrer technischen Seite und unter Berücksichtigung der Absichten, die wir im Auge hatten, gründlich vorbereitet worden. Und wenn auch in den letzten Tagen und Stunden vor Antritt der Reise sich mancherlei Schwierigkeiten ergaben,' die wir nicht bewältigen konnten, ohne das Palästinaamt-zuweilen mit Nachdruck —■ für unsere Nöte interessieren zu müssen, so fand am Ende doch alles den rechten Abschluß. Das Programm, das im Einvernehmen mit dem Palästina-Amt und der Schulabteilung der Reichsvertretung von der Atlantic Express G. m. b. H. in Berlin festgelegt worden war, gab uns die Möglichkeit, ohne ins Gewicht fallende Verzettelung von Kraft und Zeit einen großen Teil des Landes zu sehen und — wenn auch in flüchtigem Verweilen — die Menschen bei ihrer Arbeit zu beobachten. Dabei durften wir einen Einblick tun in die Vielgestaltigkeit des Schul- und Erziehungswerkes, sowie in das Gefüge der Institutionen, die dem Jischuw sein Gesicht geben. Ein Wort herzlichen Dankes dafür, daß uns die Eindrücke nicht gar zu ungeordnet und schemenhaft überfielen, gebührt der Lehrerschaft des Landes, die sich unserer Gruppe in geradezu rührender Weise annahm, und vor allem dem Manne, der uns durch das Land geleitete und uns meisterlich das Wesentliche schauen hieß, Herrn Dr. Richard Richter- Jerusalem. Es hätte kaum der Versicherung der „Peltours" (Palestine and Egypt Lloyd) bedurft, man habe uns einen der besten Führer gegeben, wir spürten das sehr deutlich selber. So beschlossen wir die Fahrten durchs Land denn auch mit einer Stunde herzlichen Abschiednehmens von diesem ausgezeichneten Kenner Palästinas. * Die Zentren jüdischen Lebens: Haifa, Safed, Tiberias, Tel-Aviv und Jerusalem bildeten unsere Standquartiere. An je drei Tagen ließ uns das Programm freies Verfügungsrecht über unsere Zeit, in Haifa, Tel-Aviv und Jerusalem. Wir nutzten es, einmal um Sonderwünschen zu entsprechen, mit denen jeder nach Erez Jisrael gekommen war, dann aber auch, um die jüdischen Schulen in ihrer Eigenart kennen zu lernen und die Lehrer und Schüler bei der Arbeit zu sehen. Wir sind in Erziehungsstätten aller Art gekommen, vom altmodischen, Cheder bis hin zum Prachtbau eines modernen Gymnasiums. Uns begegneten kahle Räume in primitiven Schulhäusern und farbenprächtig ausgestattete Kinderhorte. Zur Turbulenz gesteigerter Ueberschwang ungezähmten Temperaments, aber auch straffste Disziplin haben Wir beobachtet. Ein Vergleich mit unsern Schulen in Deutschland hieß uns Gleichwertigkeit der Methoden und der Leistungen im Großen erkennen, zugleich aber auch den Abstand zwischen der Qualität des Unterrichts und der Quantität der Kenntnisse auf dem Gebiet, in das alles gehört, was wir hier „Religionsfächer" nennen. Wenn wir zehnjährige Knaben ein Kapitel Teniach mit Raschi sagen hörten, da wollte uns wohl das Gefühl des Neides beschleichen. Mir schien es,, als hebe sich die Gesamthaltung der jüdischen Jugend im Lande stark von der unserer. Knaben und Mädchen ab; nicht nur die in Erez geborenen Kinder sind innerlich ausgeglichener, weniger nervös, geistig gefaßter als die gleichaltrigen bei uns, sondern auch die, die erst vor einer kurzen Zeitspanne zugewandert sind. Eine eingehende, Darstellung des palästinensischen Schulwesens unterbleibe hier, weil die Absicht besteht, in einer der nächsten Ausgaben unseres Blattes einen gesonderten Bericht über es zu veröffentlichen. - An einer Reihe von Abenden waren wir-Gäste der Orisvereine des jüdischen Lehr er Verbandes, dem die Lehrenden aller Schulsysteme angehören. Ein paar erholsame Stunden saßen wir dann mit den Kollegen und ihren Frauen und mit den Kolleginnen an festlich gedecktem Tisch beisammen. Die Ansprachen, die an uns gerichtet wurden, waren uns deshalb von besondrem Wert, weil sie uns ein Stück jüdischer Kultur im Medium der hebräischen Sprache boten. Wir verstanden zwar die eine oder andre Vokabel und Wendung nicht, dennoch stellte sich uns der gedankliche Zusammenhang des Gehörten her. Weit schwieriger war es, jeweils in hebräischer Sprache zu antworten.. Da eine Anzahl Kollegen aus unserer Gruppe sich gute Kenntnisse angeeignet hatten, wurden wir stets der Fährnisse Herr. In diesem Zusammenhang darf allen Kollegen, die die Absicht haben, einmal in Erez Jisrael als Lehrer tätig zu sein, gesagt werden, daß die Aussichten nicht ungünstig beurteilt wurden. Indes wird niemand mit Anstellung rechnen dürfen, der mehr als 45 Jahre alt ist oder der die hebräische Sprache nicht völlig beherrscht. Männer, die hier mitzubestimmen haben, rieten uns, daheim gerade auf die Unerbittlichkeit hinzuweisen, die im Hinblick auf die zweite Forderung an den Tag gelegt wird. Ich möchte den Bericht über die Empfänge nicht beschließen, ohne der besondern Ehrung zu gedenken, die uns in Tel- Aviv das verehrungswürdige Stadtoberhaupt, Herr Bürgermeister Dizengoff zuteil werden ließ. Obgleich dieser ewig junge Schöpfer Tel-Avivs die Festvorstellung in der Mugrabi, die ihm zum 75. Geburtstag Habima gab, vorzeitig wegen Unpäßlichkeit verlassen hatte müssen, empfing er uns am darauffolgenden Nachmittag dennoch in seinem schlichten Amtszimmer in der Irija. Während uns Erfrischungen und Zigaretten gereicht wurden, erzählte Herr Dizengoff aus seinem vielbewegten Leben, insbesondere von seinen zionistischen Werbereisen durch Deutschland. Wir dankten ihm in hebräischer, und auf seinen besondern Wunsch dann auch in deutscher Sprache. Alsdann folgten wir seiner Einladung, uns auf das Dach des Rathauses zu begeben. Dort bot sich uns ein schöner Rundblick auf die Stadt. Einer der Mitarbeiter, des Bürgermeisters schilderte uns das rasche Werden und Wachsen der Stadt und gab uns einen Ueberblick über die geplanten Erweiterungsbauten. Später besuchten wir das junge jüdische Museum, das im Hause des Herrn Dizengoff Unterkunft gefunden hat, und dessen Direktor, Herr Dr. Schwarz (früher in Berlin) uns durch die Sammlungen führte. Mit gleicher Bereitwilligkeit ließ uns Frau Dr. Persitz Einblick tun in den führenden Buchverlag Palästinas, in den Omanuth-Verlag zu Tel-Aviv. Eine Unzahl von Schulbüchern sind in kurzer Zeit von ihm herausgebracht worden, unter denen sicherlich manche auch in unsern Schulen gebraucht werden könnten. Wir fanden die wichtigsten in einem besondern Raum ausgelegt, doch mußten wir uns der Kürze der Zeit wegen mit einem flüchtigen Ueberblick begnügen. * Eine Schilderung der Städte selber, ihrer Anlage, ihrer Bauart, ihres Werdeganges, ihrer Menschen, des Lebens innerhalb ihrer Mauern, ihrer Beziehungen zur Geschichte darf hier unterbleiben. Von dem verträumten Safed hoch am Ber-, gesabhang, dem friedvoll am Kinerethsee h ngebreiteten Tiberias, von Haifa, das uns mit tausend funkelnden Lichtern am Abend der Ankunft entgegenblinkte, von dem ungebärdig vorwärtsstrebenden Tel-Aviv und der altvornehmen, von den Spuren einer gewaltig bewegten Geschichte umwitterten heiligen Stadt Jerusalem wollen wir unsern Kindern erzählen,, nun nicht mehr aus Schilderungen und Bildern allein schöpfend, sondern hinabtäucherid in die Fülle der Vorstellungen,

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