Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 9 (1.9.1935)
- Date
- 1935-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2825247-2825355-2825364--1010-2826666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nummer 9 Jüdische Schulzeitung Vom jüdischen Buch In dem Aufsatz „Hilfsmittel für den Leseunterricht" in Nr. 8 der J. Sch. ist die Anregung gegeben worden, zuweilen eine Uebersicht über bedeutsame Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt zu bringen, damit die Lehrerschaft in der Lage sei, Geeignetes zur Durcharbeitung in der Schule zu beschaffen. Dieser Anregung soll im folgenden insoweit entsprochen werden, als es sich um Werke handelt, die bisher in Linsern Blättern noch nicht angezeigt worden sind*) Von neuerer Palästinaliteratur liegt der .Schriftleitung vor: AnnieMainz, „Das ist Tel Aviv" (Verlag M. L e ß m a n n - Hamburg). Eine ansprechende Sammlung von .»Schnappschüssen" aus dem Stadtbild und den Menschen, die ihm das Gepräge geben mit begleitendem Text. Zum schulgemäßen Gebrauch bei Heimabenden haben Dr. E. G r ü n t h a 1 und G. K u t s c h u k im Kommissionsverlag der Varia- Verlags-Auslieferurig Berlin „613 Fragen und Antworten" erscheinen lassen. Ein amüsantes Büchlein, dessen Inhalt manche Anregung zur Beschäftigung mit jüdischem Schicksal in Vergangenheit und Gegenwart gibt. Freilich enthält es manche Frage, die abseits liegt, und manche Antwort, die fehlerhaft ist. Schon die erste Frage „Wie gliedern sich in religiöser Beziehung die Juden"? wird schief beantwortet: „In Priester, Tempeldiener und das übrige Volk". Es heißt nicht „Chewrah Keduschah", sondern Kaddischa. Frage 26 „Wie wird in der Biber die Zahl H beschrieben?" ist schlecht gestellt und fehlerhaft beantwortet. Das „Eherne Meer" wird nicht im 2., sondern im 1. Buch Melachim beschrieben. Das Büchlein bedarf, einer gründlichen sachlichen Korrektur. — Frieda Weißmann hat bei J. Kauffmann in Frankfurt ein „Schabbos"-Buch erscheinen lassen. Inhalt: Seppl und Mirjam erleben im Schoß der Familie den Sabbat. Die Darstellung ist reichlich süß und erinnert peinlich an die Erzeugnisse einer überleibten Backfischliteratur, die fernab liegt vom wirklichen Geschehen. Unsere Zeit verlangt denn doch kraftvollere herbere Kost. Zwei Gedichtsammlungen liegen vor, deren Lektüre die Problematik einer möglichen jüdischen Dichtung spürbar werden läßt: „Herkunft und Gesinnnung" von Manfred Sturmann (Erich Reiß Verlag, Berlin) und „Das Mal der Sendung" von Fritz Rosenthal (Ben Chorin) aus dem Verlag B. Heller, München. Beide Sammlungen tragen ihr eigen Gesicht und zeigen dennoch viel Verwandtes in der Themenstellung und in dem sprachlichen Bemühen. Die Dichter ringen mit echter Leidenschaft um die künstlerische Bewältigung jüdischer Gestalten und Begebenheiten vom Urbeginn bis zur leidvollen Gegenwart hinein. Sie tun es durch das Medium der deutschen Sprache, und die Frage mag sich vor den Leser hinstellen: Ist es deutsche Lyrik? Ist es jüdische? Es scheint wenig Sinn zu haben, nach einer Antwort zu suchen. Wesentlich ist es zu wissen, ob das deutsche Wort aus dem Munde eines jüdischen Menschen so zum Leser hin vordringt, daß ihm ein Stück jüdischen Seins lebendig wird. Das trifft bei beiden Lyrikern zu. Ob Fritz Rosenthal ein paar Gedichte, in deren Mittelpunkt der „Rabbi von Nazareth" steht, nicht zweckmäßiger hätte fehlen lassen, bleibe unerörtert. Manfred Sturmann unterliefen in der sonst urkräftig dahinströmenden Sprache ein paar Wendungen, die auch dem nicht schulmeisterlich prüfenden Leser verbesserungsbedürftig klingen. In beiden Bändchen finden sich eine Reihe Gedichte, die dem Lehrer für die Schule willkommen sein werden. Der Oberrat der Israeliten Badens konnte im vergangenen Jahre auf ein 125jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß ist bei J. Kauffmann in Frankfurt ein würdig ausgestattetes Gedenkbuch erschienen. Dem Geleitwort des Oberrats folgt die Ansprache, die Leo Baeck bei der Gedenkfeier gehalten hat. Ein Beitrag von Selma Täubler- Stern über die Emanzipation der Juden in Baden und ein zwei- *) Ueber das bedeutsamste Buch aus jüngster Zeit, Franz Rosenzweigs „Briefe" (Schocken-Verlag), wird in der Oktoberausgabe d. Bl. eingehend gesprochen werden. Die Schriftl. Seite 5 ter von Sigmund Reichenberger über den Oberrat Naphtali Epstein geben mit dem uns Lehrer besonders angehenden sehr instruktiven Aufsatz unseres Kollegen Berthold Rosenthal über die jüdischen Volksschulen in Baden dem Gedenkbuch seinen sachlichen Wert. Der Schocken Verlag setzt mit erfreulichem Schaffensmut sein eminent wichtiges Kulturwerk fort. Die Schocken-Bücherei wird bald in der respektabeln Zahl von 40 handlichen und aufs beste ausgestatteten Bändchen vorliegen. Es seien hier eine Reihe kurz charakterisiert. In dem Sabbatbuch (25) von Moritz Zobel ist in umfassender Weise das jüdische Schrifttum zusammengetrager!, das sich mit dem Sabbat befaßt. Die Leser finden das Wesentlichste vom 1. Kapitel der Tora an bis ins nachtalmudische Schrifttum hinein; weiterhin die Grundzügo des Werk Verbotes, die Sabbatgebete und. das Sabbatritival, die Sabbatbräuche und die häuslichen Sabbatgesänge. Es ergibt sich so ein ausgezeichnetes vielfach ungekanntes Material zur Verarbeitung in der Schule. Midraschim der Klage und des Zuspruchs. (36). Der Uebersetzer, Max Dienemann führt in einem längeren Vorwort den Leser in das Wesen des Midrasch als Auslegungsform des Schriftworts ein1 und bietet dann in feinsinniger Auswahl eine Reihe von Midraschim. die um Trauer und Niederbr.uch des Einzelnen und der Gesamtheit kreisen. Das Werkchen erschien zur rechten Zeit in den drei Trauerwochen. Jüdische Volkslieder (30). Ludwig Strauß, der diese Sammlung von 48 jiddischen Volksliedern vorbereitet hat, leitet das besonders wertvolle Bändchen mit einer Untersuchung über das Wesen des Volkslieds und namentlich des jüdischen ein. Es werden sodann die vielfachen Zusammenhänge zwischen deutschem und jiddischem Sprachgut aufgewiesen. Dem Text der Lieder folgen jeweils ausgezeichnete Anmerkungen des Herausgebers, die das Verständnis der Texte fördern und die auch dem Lehrer Fingerzeige zur Behandlung der Lieder im Unterricht geben. Abel i a s, Erzählung von Adalbert Stifter (31). Dieser wundersamen Geschichte eines Juden Hintergrund ist das Problem und Mysterium des Judentums überhaupt. Mit Recht sagt Marg. Susman von ihr, daß sie einen Gipfelpunkt aller Kunst darstelle. Es gibt wunderbar tief und vollendet schön gestaltete Szenen in der Erzählung, etwa die Darstellung der Bemühungen Abdias, seine Tochter Ditha das im Gewitterschlag plötzlich gewonnene Augenlicht gebrauchen zu lehren, oder die Schilderung ihres Todes im Gewittersturm. Margarete Susman'. gibt in ihrem Nachwort eine tiefsinnige Deutung der Erzählung. Mit reiferen Schülern kann das Buch ganz gelesen werden; in Volksschulen dürfte sich eine Auswahl empfehlen, etwa die Szene, in der die Treue eines Hundes und seine auf Mißverständnis beruhende Tötung dargestellt wird. Die Josefslegende (22). Sechs aquarellierte Zeichnun- Auf die Herbstfeiertage erscheint bei uns: Der Weg in die jüd. Neuzeit Von S. Muller Jüdische Geschichte von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart 306 Seiten. Broschiert 2.60 RM, in Leinen gebunden 3.40 RM, Luxuseinband 4 — RM. „Klar, vornehm sachlich und im besten Sinne erbauend zeigt sich diese Darstellung unter Heranziehung auch der hebräischen und jiddischen Literatur den Weg nach innen, den Weg zu uns selbst." (Aus Kritiken) Verlag der Jüdischen Schulzeitung Ludwigshafen am Rhein Schulstraße 14 Geben Sie uns bitte noch heute Ihre geschätzte Bestellung mit umseitig gedrucktem Bestellschein! ■BHHnHBHHBHHMHHBHBHHHHHHMHi