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Jüdische Schulzeitung · 1935-09-01 · 9 (1.9.1935) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
9 (1.9.1935)
Date
1935-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung Nummer 9 Aufbau und Gliederung der Turnstunde Wie in den andern Fächern, so muß auch in der Turnstunde ein folgerichtiger, den neuen Forschungen und praktischen Erfahrungen berücksichtigender Aufbau. Er bezweckt in der Hauptsache eine gründliche, allseitige Durcharbeitung des Körpers. In der Anfangszeit des Turnens z. B. bei Basedow in Dessau und Guthsmuths in Schnepfentlial wurden in jeder Turnstunde die Uebungen des griechischen Fünfkampfes (Lauf. Sprung, Diskus- und Speerwurf und Ringkampf) geübt. Spieß, der das Jahnsche Turnen für die Schule reif gemacht hatte, stellte folgende Forderungen für den Verlauf der Turnstunde: „Es soll in jeder Stunde mit solchen Uebungsarten gewechselt werden, welche nacheinander den Leib und die Hauptglieder in anstrengende Tätigkeit versetzen." Daraus entstanden die amtlichen Vorschläge für die Erteilung des Turnunterrichtes. Es galten zwei verschiedene Einteilungen, gedacht wohl hauptsächlich auf Fehlen von Turngeräten und die verschiedenen Jahreszeiten. 1. Freiübungen. ... 10 Minuten 1. Freiübungen . . 10 Minuten 2. Springen.....5 Minuten 2. Volkstüml. Uebg. 15 Minuten 3. Geräteübungen . 20 - 30 Minuten 3. Spiele . . 15—20 Minuten 4. Gang-, Lauf- und Hüpf-Uebungen 4. Beruhigd. Uebg. 10 Minuten zur Beruhigung . . 10 Minuten Eine solche Gliederung nach Uebungsarten und Geräten ist, da sie von äußerlichen Gesichtspunkten ausgeht, heute nicht mehr befriedigend, lieber diese Einteilung schreibt Eckardt in seinem 1913 herausgegebenen Buch „Der Turnunterricht, entwickelt aus den natürlichen Bewegungsformen": „Diese Teilung bleibt ungenau und oberflächlich." Er schlägt vor: 5—10 Minuten /Kürturnen, 10—15 Minuten Ordnungs- und Freiübungen, 15—20 Minuten Uebungen zur Entwicklung von Gewandtheit und Schnelligkeit, 15—20 Minuten Uebungen zur Kraftentwicklung. Restliche Zeit Spiele. Einen neuen Geist atmete die „Vorschrift für Leibesübungen" vom Jahre 1921, die neue Turnvorschrift des Heeres. Nach Freiübungen sollen in häufigem Wechsel und in wohldurchdachter Abwechselung Mut-, Kraft-, Gewandtheits-, Schnelligkeits- und Ausdauer-Uebungen folgen. Dieselbe Einstellung vertritt Diem in seinem Büchlein „Zur Neugestaltung der Körper-Erziehung". Unsere physiologischen Ziele sind Entwicklung der Organkraft, Muskelkraft, Ausdauer, Schnelligkeit iund Geschicklichkeit, die psychologischen Ziele — Entwicklung der Willenskraft, Entschlußkraft, des Mutes, der Einordnung." Dabei steht die Stärkung der Organkraft an überragender Stelle. Alle Methoden, die dieser Forderung nicht gerecht wurden, befanden sich auf einem Irwege. Organkraft ist die Kraft von Herz und Lunge. Sie beide werden geübt durch Lauf oder ähnliche Uebungen. Eine energische Laufschule steht also hier im Mittelpunkt. Erst an zweiter Stelle kommt die Muskelschulung. Hier soll man zuerst die Kräftigung, dann aber auch die Dehnung beachten. Das österreichische Schulturnen hat durch die Arbeiten von Gaulhofer und Dr. Margarete Streicliet-wertvolle Bereicherung und eine völlige Umgestaltung der alten Spieß-Maulschen Turnweise erfahren. Die unhaltbare und irreführende Einteilung in: 1. Ordnungsübungen, __2. Freiübungen, 3. Geräteübungen, Vom Verlag der Jüdischen Schulzeitung, Ludwigshafen a. Rh., a) Hang-Gerät, Schulstraße 14, bestelle ich..............Exempl. S. Müller, Der Weg in b) Stütz-Gerät, wozu später noch volkstümliche Uebungen und die jüdische Neuzeit, 306 S.. brosch. RM. 2 60, Leinen geb. 3.40, Spiele kamen, wird abgelöst durch ein Stundenbild, das nach Luxusband 4.00. (Gewünschte Ausführung unterstreichen) physiologischen Grundsätzen aufgebaut ist. Von dem schwedischen Turnen her gilt die Einteilung der Stunde in einleitende Ort und Datum:..........................................................................................~ Uebungen, Hauptübungen und Schluß-Uebungen. Während die 8—10jährigen Kinder keinen so strengen Plan haben („ihre Genaue Adresse:.......................................................................................................... Lebensübungen lassen sich nicht gut in eine Stundentafel zwängen"), lautet er für die älteren: gen, aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts stammend, wohl von einem jungen, hochbegabten, dem Chassidismus nahestehenden Künstler geschaffen. Der den Bildern zugrundeliegende Bibeltext ist in der Uebertragung von Martin Buber und Franz Rosenzweig beigegeben. Erna Stein erläutert feinsinnig diese jüdische Volkskunst. R e j t e Pomeranzen, Ostjüdische Schwanke und Erzählungen (23). Der Herausgeber Immanuel O 1 s w a n g e r ist uns kein Unbekannter; seine Sammlung „Rosinkess mit Mandlen" hat manchen Leser ergötzt. Eine Anzahl der Stücke sind diesem Buch entnommen. Die meisten aber hat sich Olswanger im Osten Europas in den letzten Jahren erzählen1 lassen. Zur Erleichterung der Lektüre gibt der Autor einen kurzen Ueberblick über die Grammatik des Jiddischen, ein Wörterverzeichnis und eine Umschrift und Erläuterung schwieriger Ausdrücke jeweils als Fußnoten. Man liest sich so leicht ein in die köstlichen Erzählungen, mit ihrem echten Humor und ihren ein herzhaft Lachen auslösenden Pointen. Derartige Kost tut wohl in den Zeiten, da das Leid gewaltig an die Herzen greift. Im Unterricht mag eine Auswahl Verwendung finden. S a 1 o m o n Maimon, Geschichte des eigenen Lebens (33/34). Neuausgahe der Lebensbeschreibung dieses genialischen, zuweilen hemmungslosen jüdischen Philosophen, Lehrers, Quacksalbers und Abenteurers, der 1800 im 46. Lebensjahre gestorben ist. Das Buch enthält aufschlußreiche Schilderungen der Zustände, wie sie um die Wende des 19. Jahrhunderts sowohl im Osten als auch innerhalb der deutschen Judenheit herrschten, aber auch — über das rein Selbstbiographische hinausreichend — tiefe Gedanken religiöser und pädagogischer Natur. Als „exemplum vitae" und kulturgeschichtlich höchst bedeutsam. Philon von Alexandrien: Von den Machtweisen Gottes (35). Eingeleitet und übersetzt von Hans Lewy. Das Bändchen enthält eine Schilderung der Leiden, die über die Juden in den ersten nachchristlichen Jahrzehnten hereinbrachen. Sie stammt von dem jüdischen Philosophen Philon, der vom Jahre 20 n. Chr. an lebte. Es sind nicht nur nackte Tatsachenberichte, die liier gegeben werden, sondern auch Versuche, die Tatsachen zu deuten. Das macht dieses Werk Philanis wertvoll. Man liest es mit eigenen Gedanken. Zum Schluß darf auf einen besonders willkommenen Doppelband hingewiesen werden, in dem Ernst Simon versucht, Verständnis für das Leben und das Werk Ch a jim Nachman B i a 1 i k s zu erwecken (37/38). Die Arbeit ist Frucht einer zehnjährigen liebevollen Beschäftigung mit Bialiks Schaffen. Simon spürt dem Werdegang des Dichters nach und weist auf, wie seine Dichtungen „Bruchstücke einer großen Konfession" sind. Wir werden das Buch demnächst eingehend würdigen. Siegfried Braun- Bestellschein Hn den :........................j | Porto 3 Pfg. I; Falls keine •Marke zur Hand,: unfrankiert in ■ i den Postkasten : werfen! Porto j i trägt dann i ■ Empfänger, j Verlag der Jüdischen Schuizeitung Ludwigshafen a. Rh. Schulstraße 14.

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