Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 9 (1.9.1935)
- Date
- 1935-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung Nummer 19 sie mit Wasserfarben bemalen lassen. Geeignete Schrift ergibt sich aus der Hafdalah. Dann wird mit Bernsteinlack lackiert. Noch viele andere Gelegenheiten bieten sich dem Zeichenlehrer, um den Schülern das Judentum näher zu bringen. Nimmt er sie wahr, dann wird ihm die Genugtuung werden, daß er redlich seinen Teil dazu beigetragen hat, die ihm anvertraute Jugend zu bewußten Juden zu erziehen. Otto Geismar, Berlin. König t>^£ und seine sieben Söhne Eine Sage aus dem Lande der hebräischen Grammatik Diese nette und geistvolle Plauderei findet sich in der hebräischen Beilage "»msr fjoia zur „Jüdischen Rundschau" vom 22. Januar d. J. als Einsendung von Xinuiiä&n* also einer Hamburgerin. In der sicheren Annahme, daß sie den Beifall auch unserer Leser finden wird, se? sie hier, ins Deutsche übertragen, wiedergegeben. M. A. Vor vielen Jahren lebte im Lande der Grammatik ein starker und gewaltiger König, bvs mit Namen. Der hatte 7 Söhne. Obwohl nun die Söhne Kinder eines und desselben Vaters und von Gesicht und Gestalt einander ähnlich waren, verwechselte man sie doch zuweilen, bis daß sie Männer geworden waren. Ueberdies waren sie in ihrer Natur und ihrem Charakter verschieden. Der Name des Erstgeborenen war . Er war ein fleißiger, einfacher und bescheidener Knabe- Zwar wich auch er manchmal vom geraden Wege ab, trotzdem aber war er bei den Menschen sehr beliebt. Nicht so verhielt es sich mit seinem jüngeren Bruder, dem ^»w. Der ging alle Tage müßig, saß umher und sang immerfort a ~ a " J oder lachte laut n ~ n " n , so daß die Leute ihn schließlich schon von fern an der Stimme seines Lachens erkannten. Der dritte Sohn tos war eifrig und tätig (aktiv) wie sein Bruder bp_ , nur stärker; darum nannten ihn auch die Leute ins, d. h. „schwerer Junge". Diesen Sohn liebte der König besonders und er setzte ihm als Ehrenzeichen ein Witt auf die Brust. Die beiden folgenden Brüder tos und tosn, auch tosn geheißen, Zwillinge von Geburt, waren nur schwächliche Kinder. Darum beschäftigte sie auch ihr Vater, der König nicht mit schweren Arbeiten. Aber der Herrscher, unter allen — das war doch der Bruder V'tfsn Dieser Jüngling zog es vor, seine Arbeit lieber durch andere machen zu lassen. Stets verlangte er von andern, daß sie seine Wünsche erfüllen und sein Begehren ausführen sollten. Der siebente, der jüngste Sohn des Königs, war ein verwöhnter, egoistischer Knabe, der nur sich selbst liebte. Allezeit redete er nur von sich und seinen „Taten". Darum nannte man ihn tosinn und wollte damit sagen: dieser da tosfian begeisiert sich nur von sich selbst und seinem Tun. Dies ist die Geschichte des Königs tos und seiner 7 Söhne. Und da sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch- Zur Lage unserer Hilfskasse Am 1. September 1927 hat Koll. Abraham-Berlin in der Jüd. Schulzeitung einen Artikel gebracht, der die Ueberschrift trug: „Für die Hilfskasse, ein offenes und ernstes Wort". In ihm richtete er einen Appell an die Lehrerschaft, der Hilfskasse zu gedenken und. aus sich heraus Beiträge zu senden, damit der Not der Kollegen, die sich an die Kasse wenden, gesteuert werden könne. Nicht von außen her solle der jüdische Lehrer das Heil erwarten, sondern von ihm selbst solle es ausgehen. Abraham warf mit Recht gewissen Teilen der jüdischen Lehrerschaft Mangel an Solidarität vor. An Beispielen zeigte er, wie oft schlecht besoldete Kollegen mehr Ofermut aufbrächten als die in besserer Position befindlichen, und aus der Korrespondenz, die ich fast 3/i Jahren leite, kann ich auch hur sagen: der ärmste Kollege ist oft das treueste Mitglied. Brauche ich den Kollegen an dieser Stelle noch auseinanderzusetzen, wie groß die Not unter uns ist? Wie stände heute unsere Hilfskasse da, wären nicht zwei andere Kassen in meiner Hand, die der Hilfskasse geholfen hätten? So hat der Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen vom Januar bis jetzt 1735 RM verausgabt, dessen weitaus größter Teil unserer Hilfskasse zugute gekommen ist. Nur so auch war es möglich, fast alle eingelaufenen Gesuche in wohlwollender und , aufrichtiger Kollegialität zu befriedigen. Doch auch bei den letztgenannten beiden Kassen droht der Quell zu versiegen, denn die Zinsen, die den Kassen hier jährlich zufließen, sind bald verbraucht, und somit dürfte unsere Hilfskasse auch bald vor dem Nichts stehen, und zwar deshalb, weil es so viele Kollegen gibt, die wohl fordern, aber nur wenige, die geben können. Wenn wir in so bewegten Worten einen Appell an die Kollegen richten, so sind wir uns dessen wohl bewußt, daß manchem, der früher geben konnte und es auch getan hat. heute Verpflichtungen auferlegt sind, die er früher nicht kannte und denen er heute nachkommen muß. Wir sind nicht blind gegen die Nöte der Zeit, und gerade die Unterstüzurigsgesuche, die an uns herantreten, sprechen eine in diesem Sinne beredte Sprache. Aber wenn wir uns die Frage vorlegen: „Von wannen kommt mir Hilfe?" Dann bleibt uns doch kein anderer Ausweg als den Appell an die Koliegenschaft. Heute stehen wir in bezug auf Unterstützung allein da. Selbsthilfe muß heute deshalb unsere Parole sein und es ergeht von dieser Stelle eine zwiefache Aufforderung: 1. Jeder Kollege sorge selbst dafür, daß seine Mitgliedsbeiträge pünktlich eingehen, denn sie sind die Grundlage unserer Hilfskasse, aus ihnen fließen der Hilfskasse die Uriterstützungsgelder zu. 2. Mögen die Kollegen, die die Not der Zeit noch nicht so hart angefaßt hat, einen freiwilligen Beiträg spenden! Hier haben Erfahrungen gezeigt, daß es immer ein und derselbe Kreis opferwilliger Kollegen ist. der sich zu freiwilligen Spenden bereit finden läßt; aber auch die Gebefreudigkeit dieser Kollegen muß erlahmen, wenn sie beobachten, wie der größere Teil auch derjenigen Kollegen, die heute noch geben können, gleichgültig beiseite steht. Darum halten wir es für eine Ehrenpflicht aller Kollegen, ihrer notleidenden Amtsgenossen zu gedenken. Wenn so von allen Seiten der Kasse Beiträge zufließen, dann wird sie ihrer Aufgabe,, eine Hilfskasse zu sein, weiter wie bisher, ja vielleicht noch in stärkerem Maße gerecht werden können. Bei Zahlung der Beträge bitte g e n a u auf die Anschrift achten: Dipl. Handelslehrer Max Reschke, Berlin C 25, Postscheckamt Berlin NW., Postscheck-Nr. 15 496. Silberberg;