Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1935-07-01 · 7 (1.7.1935) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
7 (1.7.1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2825247-2825355-2825362--0994-2826648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nummer 7 Jüdische Schulzeitung Seite 7 Germania Judaica. Im Auftrage der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums nach dem Tode von M. Brann herausgegeben.von J. Elbogen, A. Freimann und fl. Tykö einski. Von den ältesten Zeiten bis 123S. Breslau, Verlag M. und H. Marcus. 1934. XLVIII u. 540 SS. gr. —8. Wenn auch keine Neuerscheinung im vollkommensten Sinn, begrüßen wir doch eine geradezu sehnlich erwartete Bereicherung des jüdischen Büchermarktes in diesem umfangreichen Band, dem sein annäherndes Lexikonformat so gut zu Gesicht steht. Schon ein oberflächlicher Blick auf jede beliebige Seite lehrt, welche Riesenaufgabe sich die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums 'stellte, als sie vor mehr als einem Menschenalter sämtliche Judensiedlungen deutschsprachiger Lande im weitesten Begriff dieser Worte nach alphabetischer Ordnung mit ihrer Geschichte und dem Wirken ihrer irgendwie bedeutenden Einwohner zu schildern beschloß. Kein Wunder, daß inmitten der Beschwerden, ja der Leiden, von denen man mit Recht beim Werden eines solchen Werkes sprechen darf, schon einmal Halt gemacht wurde, indem man 1917 den die Buchstaben A—L umfassenden Teil veröffentlichte. Dieser begegnet uns nun hier als erstes Drittel des neuen Bandes wieder, im einzelnen kaum verändert, aber auch er vermehrt um Elbogens einleitenden Qesamtartikel „Deutschland", der* schon für sich allein zeigt, was das Unternehmen einmal bedeuten wird, wenn es, heute nur bis zum Jahre 1238 als demjenigen der Judenordnung Kaiser Friedrichs IL reichend, an das endgültige Ziel gelangt sein wird, das ihm erst mit dem Wiener Kongreß gesteckt ist: eine wörterbuchmäßig zusammengedrängte Geschichte der deutschen Juden, die mit ihrer Reichhaltigkeit, Zuverlässigkeit und bequemen Anordnung des Materials die großen, namentlich für private Bibliotheken nicht mehr leicht erschwinglichen Geschichtswerke auf diesem Gebiet entbehrlich macht. Die heute fast unwirklich anmutende Weite des letzteren aber wirkt sich nun erst in dem neu erscheinenden Teil als höchst schätzenswerter Gewinn aus. Man denke an Ginsburgers Beiträge „Metz" und „Straßburg" und vor allem an den wohl zwei Bogen umfassenden über „Wien" von Tykocinski, dem überhaupt unter den überlebenden Bearbeitern bei weitem der Löwenanteil gebührt. Denn die zu Anfang des Bandes noch einmal gegebene Geschichte seiner Entstehung ist leider selbst wieder zum Memorbuch für eine ganze Reihe jüdischer Gelehrter geworden, von deren Schaffen er nun erst nach ihrem Tode eine reiche Ernte — so in den Artikeln „Mainz", „Speyer", „Würzburg" — einbringt. Heinrich Groß ist ilnter ihnen, der mit seiner' „Gallia Judaica" schon vor der Jahrhundertwende dem ne.uen Werk ein leuchtendes Vorbild gegeben hat. Und wenn dieses Vorbild im Hinblick auf . die erstaunliche Fülle seiner Inhaltsregister und Quellen Verzeichnisse für den dereinstigen Abschluß dieses seines Nachfahren noch verpflichtet bleibt, so ist es doch in einem überaus wesentlichen Punkt überholt. Anders als es dort geschehen war. ist der Text der eigentlichen Darstellung in der literarischen Gestalt wie im Schriftbild aufs wirksamste von allen gelehrten Nachweisen unterschieden, und schon dadurch ist dem ausgesprochenen Hauptstreben der Verfasser, ihr Wissen in angenehm lesbarer Form darzubieten, ein gutes Stück des Erfolges gesichert. Niemand aber wird für den Plan dieses Werkes dankbarer sein müssen als der jüdische Lehrer, der seinen Unterricht, in welchem Sonderfach es auch immer sei. wie es sich heute gebührt, entschieden judaistisch einzustellen gewillt ist. Und niemand wird daher aufrichtiger als er wünschen, daß der veranstaltenden Gesellschaft trotz aller Beschwernisse unserer Tage der Mut. die Kraft und vor allem ein ausreichender Nachwuchs fähiger Mitarbeiter nicht fehlen möge, den noch ausstehenden größeren Teil des so kühn Angelegten und so trefflich Begonnenen in absehbarer Zeit hinzuzufügen. Prof. Werner, Frankfurt a. M. -Der rührige P h i I o - V e r I a g zeigt eine glückliche Hand bei der Arbeit zur Förderung des jüdischen Buchwesens. Er darf es als einen geradezu einzigartigen verlegerischen Erfolg verbuchen, daß sein Philo-Lexikon in kurzer Zeit in 18 000 Exemplaren abgesetzt werden konnte. Neuerdings hat der Verlag 'begonnen, gediegene Prosa in ansprechendem Kleide herauszubringen. Es liegen drei Bändchen vor: Leo Hirsch, Gespräch im Nebel; Hermann S i n s h e i m e r, Rabbi, Golem und Kaiser; Max Samter, Der Gast. — In dem erstgenannten Bändchen weist der Autor die sachlichen und persönlichen Beziehungen zwischen Leibniz und Spinoza auf. Der lebensgewandte deutsche Gelehrte besucht den totkranken Philosophen. Während sich Leibniz in die Lektüre der „Ethik" vertieft, schleift Spinoza im Nebengemach optische Linsen. Vier Monate später trägt man ihn zu Grabe. Seine gewaltige denkerische Arbeit wirkt aufs stärkste auch in dem Schaffen Leibnizens. Zu den besonders wirkungsvollen Schilderungen gehört die Darstellung des Todes Jan de Witts, des Freundes Spinozas. . S i n s h e i rn e r führt uns in die Welt des Hohen Rabbi Low. Wir sind Zeugen der magisch umwehten Golemerschaifung, einer Audienz beim Kaiser Rudolf IL, während der Rabbi Low hehrste Weisheit vorträgt und so den Kaiser und Magier aufs tiefste betroffen macht. Samter versetzt uns auf eine einsame Insel, die von Siedlern in fruchtbares Land verwandelt wird. Ein Fremder wird auf die -Insel verschlagen. Er verschwägert sich mit einer Bäuerin und glaubt am Ende, mit seiner Familie heimisch geworden zu sein. Er hat sich getäuscht; man setzt ihn und seinen Anhang aus. Das Schiff verläßt die Insel, und in spontaner Aufwallung der Gefühle hißt man die Fahne der Heimat. Wir Juden lesen diese in knapper treffsicherer Darstellung gehaltene Skizze mit besonderen Gedanken. Im gleichen Verlag erschien jüngst ein Gedichtband von Hilde Marx: Dreiklang, Worte vor Gott, von Liebe, vom Tag. Die junge Dichterin, die als Gymnasiastin den Jean-Paul- Preis ihrer Heimatstadt Bayreuth erhalten hat, findet in dieser Sammlung eine in ihrer Einfachheit schöne Reimsprache für tiefe, auf den positiven Sinn des Lebens gerichtete Gedanken. Der Sprechchor „Chor der jüdischen Frauen in Deutschland" hat jüngst den ersten Preis für Literatur bei dem Wettbewerb der Künstlerhilfe der Berliner Gemeinde erhalten. Wir dürfen von Hilde Marx noch Gutes erwarten; sie zählt zu den wenigen Menschen, die der Zeit vom Jüdischen her wahren dichterischen Ausdruck zu geben vermögen. * Abraham Heschel: Maimonides. Erich Reiß Verlag, Berlin. 288 Seiten. Aus der Flut der Veröffentlichungen ragt dieses Buch dadurch hervor, daß es sich vorwiegend im Bereich des Biographischen bewegt. Dennoch kommt die Darstellung auch des Wesentlichen aus dem Schaffen Maimonides nicht zu kurz. Wer also einen Einblick gewinnen möchte in die Art, wie einer der größten jüdischen Menschen sein Leben gestaltet hat und wie er durch seine schöpferische Kraft das Leben andrer mitgestalten wollte, der greife zu dem gediegen ausgestatteten Buch des jungen Autors. Er wird es nicht ohne großen Gewinn lesen. 0 Heinrich Lemle: Jüdische Jugend im Aufbruch. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Preis 0.75 RM. Der Verfasser gibt in diesem „Wort an alle" eine eindrucksvolle Analyse der Situation, aus der heraus die jüdische Jugend unserer Zeit ihr Leben zu gestalten versuchen muß. Wesentliche Beziehungen und Bindungen haben entweder einen andern Akzent erhalten oder sind sinnlos geworden. Die Jugend steht im Begriff, mit dem erforderlichen Ernst und mit Mut die sich ergebenden Folgerungen zu ziehen und ins Neuland zwingender Notwendigkeiten vorzustoßen. Vor ihr steht ein Leben harter Arbeit, fast ohne Aufstiegmöglichkeit, fern der gewohnten räumlichen Umgebung, aber dennoch nicht ohne die Hoffnung auf Erfüllung. Da das Band zu den Eltern, zu Freunden, zum ändern Geschlecht, zur jüdischen Vergangenheit, zu Gott sich neu und fest knüpfen will, wächst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.