Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 2 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nummer; 2 Nachwort jzur Frankfurter „Pädagogisehen Woche" Der Bericht über den Verlauf der Pädagogischen Woche in Nr. 1 u. Bl. enthielt sich jeder sachlichen Kritik. Mehrere . Leser — auch aus dem Kreise der Frankfurter Lehrerschaft — haben auf diesen Sachverhalt In Zuschriften bedauernd hingewiesen. Wir selber schrieben in einer Vorschau auf die Pädagogische Woche in der Sonderausgabe u. Bl. vom 19. Novbr.: ...........deshalb ist es gut, der Kritik erst dann Raum zu geben, wenn der Plan in die Tat umgesetzt sein wird.' Die Jüdische Schulzeitung machte sich einer Unterlassung schuldig, wenn sie es dabei bewenden ließe, ohne jede kritische Stellungnahme zum Verlauf der Pädagogischen Woche an diesem bedeutsamen Ereignis vorüberzugehen. Wir freuen uns deshalb, aus der Feder des Verbandsvorsitzenden eine fachlich bedeutsame Nachbetrachtung veröffentlichen zu können. Die Schriftleitung. Eine Veranstaltung wie die „Pädagogische Woche" des Fhilanthropins erfährt die ihrer Bedeutung entsprechende Würdigung erst durch die kritische Betrachtung, die, über den bloßen Bericht hinausgehend, feststellt, wie weit sie eine Klärung der pädagogischen Probleme brachte und inwieweit sie Impulse für die Weiterentwicklung unserer in einer grundstürzzenden Umgestaltung befindlichen Schularbeit auszulösen imstande war. Unter diesem Gesichtspunkt verdient zunächst die Organisation der Veranstaltung besondere Beachtung, und dann erhalten die Aussprachen, d e in dem Bericht in der vorigen Nummer unserer „Schulzeitung" m. E. viel zu wenig gewürdigt werden, eine ausschlaggebende Bedeutung. (Diese Kritik gilt auch für den Bericht über die Sitzung des Lehrervereins, in dem die eingehende, zum Teil leidenschaftliche Diskussion mit einem Hinweis in drei Worten abgetan wird.) frt den Aussprachen hatten die Gäste des Philanthropins nicht nur Gelegenheit, das ihnen durch die Arbeit des Kollegiums gebotene Gastgeschenk mit vollwertiger Münze zu vergelten, sie stellten auch die Persönlichkeiten heraus, von denen eine Beeinflussung der jüdischen Schulentwicklung zu erwarten ist. In der Organisation der Veranstaltung mußte sich zunächst die Frage enthüllen, ob die Pädagogische Woche die Unterrichtsarbeit des Philanthropins oder die brennenden didaktischen Probleme unserer Tage in den Gesichtskreis rükken~ wollte. Das Programm zeigt die unzweideutige Tendenz nach jener Richtung hin, und dasselbe gilt von der Eröffnungsrede des Direktors Dr. Driesen. Nun kann man gegen diese Kritik den durchaus sachlichen Einwand erheben, daß infolge der Ausgliederung der jüdischen Lehrerschaft aus dem pädagogischen Leben der Umwelt eben der gesamte Unterricht in die Veranstaltung einbezogen werden mußte. Dieses Argument wäre nach drei oder fünf Jahren gewiß anzuerkennen; heute,aber ist ihm nicht viel Gewicht beizumessen. Gegen die Programmgestaltung durch das Philänthropin sprechen auch die praktischen Auswirkungen: Erstens machte die Ausdehnung der Veranstaltung auf eine volle Woche gewiß vielen Kollegen die Teilnahme unmöglich; zweitens bedeutete sie für die Teilnehmer eine ungebührliche Ueberlastting: fünf Lektionen an jedem Vormittag, ebensoviele Aussprachen am Nachmittag und dazu die Abendveranstaltungen; drittens kamen . die vordringlichen Aufgaben nicht zu ihrem vollen Recht — vor allem nicht die Geschichte und insbesondere wieder die .jüdische, und endlich viertens konnten in der Hetze der Aussprachen wesentliche Fragen nicht zur wünschenswerten Klärung gebracht werden. Es muß" auch gesagt werden, daß für manche Lektionen die Gegenstände nicht so glücklich ausge- . wählt waren, daß an ihnen die besondere Problematik des Faches zur Darstellung gekommen wäre. Wesentlicher als alle diese Bedenken wiegt jedoch die Tatsache, daß die Volksschule nicht'genügend herausgestellt wurde — allerdings nicht durch die Schuld des Philanthropins, wie ich mich überzeugen konnte. Hier aber liegt nicht nur darum ein ausgesprochener Organisationsfehler vor, weil die Volksschule für die Gegenwart und nächste Zukunft der wichtigste Schultyp ist, sondern weil unserer Volksschule ganz besondere Aufgaben gestellt sind, die einem großen Teil der jüngeren Leh- Seite.T Hauptlehrer i. R. Samuel Müller-Heidelberg zu seinem 70. Geburtstag Am 12. Januar d. J. beging Kollege Samuel Müller in Heidelberg seinen 70. Geburtstag. Wir wünschen ihm von Herzen Glück. Eine Würdigung dieses hervorragenden Schulmannes soll in der Märzausgabe unseres Blattes nachgeholt werden. rer, die gar nicht für die Volksschule vorgebildet sind, große Schwierigkeiten bereiten. Die einzelnen Darbietungen begegneten je nach ihrer Art dem Sonderinteresse des Fachmannes oder dem Allgemeininteresse aller. Die zweite Gruppe trat naturgemäß in der pädagogischen Diskussion in den Vordergrund. Von ihnen sei nachstehend die Rede, wenn ich zu meinem Bedauern auch gestehen muß, daß auch ich nicht allen Stunden und Aussprachen, die mein Interesse erregten, beiwohnen konnte. Gleich der erste Tag brachte ein Hauptproblem auf die Tagesordnung: Deutsch. Die Stunden von Fräulein Dr. Gump über „Mundart" und von Herrn Dr. Epstein über eine biblische Legende von Herder führten unmittelbar zu den Fragen des Deutschunterrichts in der heutigen jüdischen Schule und des jüdischen Stoffkreises im Deutschunterricht. Die ausgedehnte Debatte, die das lebhafteste Interesse an diesem ernsten Problem zum Ausdruck brachte, war wohl die einzige, die ein klares Ergebnis hatte, das sozusagen eine programmatische Stellungnahme bedeutet: die Einführung jüdischen Geistesgutes in den Deutschunterricht ist eine Notwendigkeit; aber was deutsch ist, soll deutsch bleiben; der Deutschunterricht soll nicht „judaisiert" werden. — Die nicht weniger lebhafte Aussprache über den hebräischen Unterricht (Dr. Neuhaus: Iwrith und J. B. Levy: Pentateuch) wandte sich mehr den methodischen Fragen zu: dem Verhältnis der — sozusagen — beiden Disziplinen des Hebräischen zueinander, der Stellung der Grammatik bei der Behandlung religiöser und poetischer Stoffe (Gebetbuch) u. a. m. Es wäre wünschenswert, daß die Fachleute diese noch ganz ungeklärten Fragen an dieser Stelle noch einmal aufgriffen. — Die Lektion in Bibellesen (Jeremias von Dr. Lemle) führte leider zu einer religiös-politischen Auseinandersetzung, wozu der Lehrer durch die „Erklärung" seines Standpunktes zu Beginn der Stunde selbst den Anlaß gegeben hatte. — Allgemeinem Interesse begegnete dann noch die Aussprache über die Jugendverbände. Die beiden referierenden Primaner entledigten sich ihrer Aufgabe in geschickter und symphatischer Weise. Sie schilderten das Verhältnis zur Schule als durchaus freundlich, beklagten nur, daß die den Schülern theoretisch zugestandene Selbständigkeit praktisch nicht in wünschenswerter Weise zur Geltung komme. In der Aussprache wurde von unserer Seite betont, daß die Spannungen zwischen Jugendbund einerseits, Elternhaus und Schule anderseits weniger durch die Ideologie als durch die praktische Haltung der Bünde, vor allem durch die übermäßige An den Verlag der Jüdischen Schulzeitung Ich bestelle hiermit ab........................................................................die monatlich lmal erscheinende (Datum) Jüdische Schulleitung Verlagsort: Mannheim 2 Das BezuPsgeld von vierteljährlich 45 PIg zuzüglich 6 Pfg. Postzustell gebühren bitte ich du<*ch den Pos!boten einziehen zu lassen. Genaue Adresse des Absenders Voru. Zuname:................................................................................................................... Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich. Ort:............._..........................._.............................................................................................. 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