Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 2 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 J ü d i s che1 Schiilzeitiin g Nummer?; aber nicht bloß um eine Gegenwarts-sondern zugleich um eine Zukunftsfrage, deren Entscheidung von der Erhaltungsmöglichkeit der Steuerkraft abhänge. Es fehle jede Rechtsgrundlage. Unter diesem Gesichtspunkt der finanziellen Leistungsunfähigkeit müsse auch er die Frage der künftigen Prämienzahlung zur „Pensionsversicherung" skeptisch beurteilen. Zum Hinweis auf abstellbare Mißstände stehe die Schulzeitung jedem Kollegen zur Verfügung. Wie er überhaupt eine erheblichere Mitarbeit der Kollegenschaft am Verbandsorgan und an aktuellen Fragen vermisse. Ganz versagt worden sei z. Bin der Mitarbeit am angeregten „Lesebogen". Dr. Stern zeigt an einigen Erläuterungen, worum es sich dabei handele und wie man solche „Lesebogen" im Hinblick auf die heutigen allgemeinen Bedürfnisse der jüdischen Jugend zu gestalten hätte. Auf eine entsprechende Anfrage des Kollegen Wolff erwidert Dr. Stern, daß von den z. Zt. in den jüdischen Schuldienst übernommenen Studienräten, Assessoren etc. nur verhältnismäßig wenige den Weg zum Verbände bisher gegangen seien. Er könne nicht umhin, das zum Teil auf bedauerliche eingewurzelte Vorurteile jener Herren zurückzuführen. Im Mittelpunkte der geistigen Arbeit stand das Referat des Kollegen Rosenzweig, Brandenburg a. H. über das Thema: „Jüdische Heimatgeschichte in der Schule". Sonderbericht darüber folgt in einer der nächsten Nummern dieses Blattes. Eine anregende Debatte entspann sich zur aktuellen Frage: „SabbatderJugen d" bei der verschiedene Kollegen bereits ihre praktischen Erfahrungen aus den Einzelgemeinden austauschen konnten. Dem Erholungsheim in Ems wurde, wie bisher, eine Vereins-Jahresspende von 15 RM bewilligt. Guttrnann, Potsdam Wolff, Ebers walde Vorsitzender. Schriftführer. Verein jüdischer Religionslehrer und Kultusbeamten Ostpreußens 40. Jahresversammlung am 21. November 1934 in Königsberg i. Pr. I. Der Vorsitzende Mannheim- Osterode gab einen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereins während vier Jahrzehnten. In den letzten Jahren seien die Gemeinden so stark zurückgegangen, daß von 56 Gemeinden nur noch 21 ihre eigenen Kultusbeamten haben. Die heutige Tagung soll zum Austausch der Meinungen in brennenden Gegenwartsfragen und zu gegenseitigen Anregungen Gelegenheit geben. In diesem Sinne begrüßte der Vorsitzende die Kollegen aus der Provinz, sowie die Herren Vorsitzenden des Ostpreußischen Synagogenverbandes Dr. Arthur Ehrlich und der Synagogengemeinde Königsberg Geh.-Rat Prof. Falkenheim, die auch ihrerseits freundliche Begrüßungsansprachen hielten. Ferner begrüßte der Vorsitzende die vier anwesenden Rabbiner, sowie die Vertreter des Zentralvereins und der Zionistischen Vereinigung. II. Es folgte das Referat des Rektors Friedländer-Danzig: „Aufgaben des jüdischen Religionslehrers in der Gegenwart". Redner führt ungefähr folgendes aus: Das jüdische Kind sei in der Schule heimatlos. Es gehört viel Takt und Schonung seitens des Lehrers dazu, die seelischen Nöte zu lindern. Die jetzt übliche Lehre von der Minderwertigkeit des jüdischen Blutes stelle für das Kind einen seelischen Bruch dar; und deshalb müsse es Aufgabe des jüdischen Lehrers sein, der Verkrüppelung des Charakters vorzubeugen, dem jüdischen Kinde Stolz auf sein Judentum einzuflößen und ihm die hohen und ewigen Werte des Judentums zu vermitteln. Redner hatte den Religionsunterricht in den oberen Klassen der höheren Schulen besonders im Auge und brachte den Unterrichtsstoff in zwei Richtungen, und zwar die Lehre von Gott und die Lehre von dem Verhalten gegen Menschen zur eingehenden Darstellung. Er gipfelte demzufolge m zwei Hauptpunkten Glaube (Ehrfurcht vor Gott) und Tat (Jasagen zum Judentum) und hob* den Unterschied' zwischen; Judentum, und Christentum besonders hervor- Die A us s p r ach e war sehr ergiebig und vielseitig. KoR: lege Silberpfennig fragte: „Wie kommen wir an die Jugend, heran?" (Qneg Schabbat!) Kollege Lapidas forderte das Her-, anholen des Hauses und den Besuch des Gotteshauses. Dr. Aiir gerthal vom Z.-V. forderte drei Dinge: Geschichte, Hebräisch, und das Versehen des Lebens mit jüdischem Sinn; dabei absolute Freiheit von jüdischer Politik. Rabbiner Dr. O chs vermißte im Referat den unumgehbaren Punkt der Offenbarung. Die jüdischen Lehrer müssen ihren Gemeinden Religion, insr besondere die Erhaltung des jüdischen Lebens vorleben. Der Vorsitzende berührte die Lehrerbildung in der neuen Zeit und die Erwachsenenbildung. Dr. Licht betonte den jüdischnationalen Standpunkt. Im. Schlußwort klärte der Referent manches Unklare auf und wies darauf hin, daß er bei dem Riesenumfang des Themas nur einen Teil herausgreifen konnte. III. Nach einer Mittagspause gab der Vorsitzende einige wichtige Schulerlasse bekannt und empfahl Aufbietung des ganzen Einflusses, zwecks Durchführung der Befreiung der Schüler vom Schulunterricht an den Sabbaten. Ferner berichtete er über den gegenwärtigen Stand der Versuche mit elektrischer-Betäubung beim Schächten des Großviehs. Außerdem referierte der Vorsitzende über die neue Pensionsversicherung des Preußischen Landesverbandes, die er bis zum 50. Lebensjahre warm empfahl. Kollege Wollheim berichtete über die geänderte Schiedsgerichtsordnung- Im Anschluß daran wurden 5 Schiedsrichter: Wollheim, Hoff mann, Fein, Wasser und Rosenberg und 1 Oberschiedsrichter Mahnheim, sowie dessen Stellvertreter Silberpfennig gewählt. Bei Besprechung der Kulturfahrten" erklärten sich sämtliche Anwesenden bereit, sich daran mit ganzer Kraft zu beteiligen. ' IV. Hierauf erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht für die letzten zwei Jahre. Die Mitgliederzahl ging von 44 auf 29 zurück. 10 Kollegen sind verzogen, 2 verstorben. Die Reichsverbandsleitung hat den Vertrag mit Leßmann-Hamburg gelöst und eine eigene Schulzeitung gegründet. Der Reichsverband ist vor kurzem ins Vereinsregister eingetragen worden. Für mehrere Kollegen in der Provinz konnte Nothilfe geleistet werden. V. Kollege Wollheim hielt nunmehr sein Referat: „Die Lage der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten in Ostpreußen". Im Jahre 1930 sei die Lage kritisch gewesen, 1932 katastrophal, 1934 ist sie vernichtend und deprimierend geworden. Die Beamtenabwanderung habe sich quantitativ und qualitativ bitter bemerkbar gemacht. Selbst bessere Mittelgemeinden wie Tilsit, Elbing, Insterburg haben ihre Beamten abbauen müssen. In Königsberg sind 8 Beamte und Angestellte in denRuhestand versetzt worden. Die Bildung von Bezirksgemeinden-hat sich auch nicht nach Wunsch durchführen lassen- Die Gehaltskürzung und die Art der Gehaltszahlung hat naturgemäß verbitternd gewirkt. Die Einzelschilderung der Verhältnisse gab ein erschütterndes Bild. Es folgte eine gründliche Aussprache, bei der Rabbiner Dr. Neufeld einer Zentralisierung des jüdischen Steuerwesens für ganz Preußen das Wort redete. Man war allgemein der Ansicht, daß das Prinzip „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" im deutschen Judentum zur Zeit nicht herrsche und daß besonders die kleinen und kleinsten Gemeinden für jüdische Dinge wenig Opfer zu bringen bereit sind. Die Versammlung beschließt, einen Beamten-Notfond für Ostpreußen zu gründen, wenn er auch bei 50 Pfennigen Monatsbeitrag schwach genug sein wird. Die Verwaltung wird dem Vorsitzenden übertragen; Es folgte der Kassenbericht und die Vorstandswahlen- Die meisten bisherigen Mitglieder wurden wiedergewählt. . VI. Unter Punkt „Verschiedenes" wurde auf das Erholungsheim in Ems und auf Kompositionen des Oberkantors Meisel-Danzig empfehlend hingewiesen. Mannheim-Osterode W a s s e r - Braunsberg Vorsitzender. Schriftführer.