Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 1 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nummer 1 ' . ... /' Jüdische Schulzeitung Seite 7 Verlag Friedrich Bahn, Schwerin i. Mcklb. 1931. Preis: 4,80 E, gebunden 6,50 E Bereits der Untertitel des Buches deutet auf feine Wichtigkeit für alle Erzieher und besonders für den Lehrer hin. Vor allen Dingen aber weift der Verfasser auf die Bedeutung hin, die im Erziehungsprozeß dem Charakter des Erziehers zukommt. Zwar ist die moderne Pädagogik auf die Erziehung des Zöglings zur Selbständigkeit einerseits/ zur Einordnung in die Gemeinschaft und zur spontanen Aneignung ihrer Kulturgüter andererseits ausgerichtet. Aber nur zu häufig wird das Wachsen dieser Fähigkeiten durch die Persönlichkeit des Erziehers unterdrückt-, ^Wir Erzieher sind — individualpsychologisch gesprochen — zu ichhaft eingestellt,' wir besitzen überdies eine außerordentlich große Macht über unsere Schützlinge, eine Macht, deren Grenzen wir nur zu häufig nicht beachten. (Die Jüngeren unter uns werden sich dessen aus ihrer eigenen Schulzeit erinnern!) Fritz Künkel, ein Jndividualpsychologe von Ruf, stellt diesen Sachverhalt von der positiven Seite her dar. Nach Einführung einiger Grundbegriffe — die Hauptrolle spielt der Begriff der Verantwortlichkeit — beschreibt er die Entwicklung und die Erziehung des Kindes, behandelt dann das Wesen der Selbsterziehung und schließlich die Fremderziehuna, die eigentliche Psychotherapie, im Sinne der individualpsychologischen Schule. Der besondere Wert des Buches liegt in der Anschaulichkeit infolge zahlreicher Beispiele und in der leichten Faßlichkeit, die durch Vermeiden aller terminologischen Schwierigkeiten erreicht wurde. Hans Löwenberg. Franz Werfel: Juarez und Maximilian. Dramatische Historie in drei Phasen und 13 Bildern. Pavel Zsolnay Verlag. Berlin- Wien-Leipzig. Dieses neueste Werk Werfels behandelt in fast strenger Anlehnung an die Wirklichkeit die beiden letzten Jahre des unglücklichen mexikanischen Unternehmens. Es ist ein Kampf der Republik gegen die Monarchie, Marxismus gegen Kapitalismus, Realismus gegen Idealismus. Juarez. der kleine Indianer gegen Maximilian, den schönen Menschen. Eine ehrgeizige Frau, der Maximilian die ganze Welt zu Füßen legen möchte, treibt ihn in das Abenteuer hinein. Mit aufrichtigem Wollen geht M. nach Mexiko, trotzdem wohlmeinende Freunde ihn warnen. Und M. bleibt sich auch selber treu, als er, bereits zum Tode verurteilt, die Möglichkeit einer Flucht verschmäht. Sein eigenes Dekret, das Vlutdekret, bringt ihn zu Fall. Treffend charakterisieren ihn die Worte: „Sein ganzes Verbrechen war, daß er sich Kaiser nennen ließ." Seine Freunde sahen das Unheil nahen, unter ihnen Doktor Samuel Basch, ein Jude, der als Leibarzt M.s nach Mexiko mitgefahren ist, ein „geistiger und unabhängiger Mensch, der seine freie Würde wahrt". Der Kaiser ist Dr. Basch gegenüber leicht beangen, was er aber hinter großer Freundlichkeit zu verbergen ucht. Einerseits achtet er in Dr. Basch den Mengen, anderereits kann er sich aber von einem traditionellen, wenn auch vieleicht unbewußtem Antisemitismus nicht ganz frei machen. Das Werk, das im Jahre 1924 entstand, ist ein interessanter Versuch Werfels, die dramatische Historie und Legende neu zu beleben. A—r. Die Buchhandlung Erünebaum, Kassel, Bahnhofstr. 7. teilt uns mit, daß sie bereit ist das Werk Kizzur Schulchan Aruch on Dr. Bamberger den Mitgliedern des Lehrerverbandes statt für 40 Ml für 15 Ml zu überlassen. 100 Jahre I. F. Schreiber (Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Firma). Die Arbeit des Verlags I. F. Schreiber, Eßlingen und München, stand von jeherin engster Beziehung zur Schule. Man darf nur erinnern an die Bilderbücher, naturwissenschaftliche Werke, die bekannten Lehrmittel, Wandbilder und Modellierbogen. Anläßlich ihres 100-Jahr-Jubiläums gibt die Firma in vornehmer Aufmachung eine Festschrift heraus „100 Jahre JFS", die für Liebhaber Sammelwert besitzt und gegen Voreinsendung von 1,20 Ml zugesandt wird. Literarisches. Der Morgen. Zweimonatsschrift. Berlin. Philo-Verlag, Berlin W 15. Heft 5 des VH. Jahrganges des „Morge n" spiegelt in der Mannigfaltigkeit der Aufsätze die Mannigfaltigkeit der Wirkenssphäre dieser Zeitschrift wieder. In zwei klemen Legenden zur Schriftvorlesung am Chanukkahfest, von Max Dienemann mitgeteilt, kommen Grundgedanken der jüdischen Rel^ giosität in der Eigenart alter Formulierung zum Ausdruck. — Martin Vubers Aufsatz „Der König" ist der Vorabdruck eines Kapitels aus seinem demnächst erscheinenden Buche „Das Kommende, Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte des messiunischen Glaubens". — Selma Sterns: „Probleme der Emanzipation und der Assimilation" ist besonders beachtenswert in einer Zeit, in der um diese Fragen von allen Seiten neu gerungen wird. — in ein vielen völlig fremdes Gebiet fühlt GerhardS chachers Aufsatz: „Die Wissenschaft vom jüdischen Recht", in dem der Standort des jüdischen Rechts in der Rechts- Artikel „Jugend der Werdezeit" kommt ein Vertreter der fugend selbst zu Wort und führt die im Morgen begonnene Ausiprache über Fragen der jüdischen Jugend weiter. Felix Perles widmet dem verstorbenen Alttestamentler Max Löhr Worte liebenden Gedenkens, und Felix Goldmann setzt sich nut Theodor Lessings Buch „Jüdischer Selbsthaß" kritisch auseinander. — Bücherbesprechungen oeschließen das anregende Heft. Bei der Schristleitung eingegangene Bücher: Otto Heller: Der Untergang des Judentums. Verlag für Literatur und Politik, Wien/Berlin. Francis E. Wickes: Analyse der Kindesseele. Untersuchung und Behandlung nach den Grundlagen der Jungschen Theorie. Mit einer Einleitung von C. G. Jung. 322 Seiten oktav. Geheftet 7,50 WC, in Leinen 9,50 WC. Julius-Hoffmann- Verlag, Stuttgart. Schicksal und Leistung. Juden in der deutschen Forschung und Technik von Felix A. Theilhaber, 250 Seiten, Eroßoktav. In Ganzleinen gebunden. — Der Heine-Bund, eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 57, Pallasstraße 10/11 (Mitgliedsbeitrag jährlich 12 WC, wofür den Mitgliedern drei Bände nach freier Wahl zustehen: ausführliche Prospekte kostenlos). — Eine Parallelausgabe des Buches für Nichtmitglieder ist im Weltverlag erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen. Preis 6 WC. V'VIXI. Predigten, von Rabbiner Jak. Meier Sa galowitsch. Danzig. I. Band. Reich Gottes — Marxismus — N.-tionalfozialismus. Ein Bekenntnis religiöser Sozialisten. Herausgegeben von George Wünsch. 1931. V. 116 S. 8°. 4 WC, in Ganzleinen 5,50 m. I. F. Schreiber. Verlag und graphische Kunstanstalt. Eßlingen a. N. und München. 100 Jahre I. F. Schreiber (Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Firma). Das Schächten vom Standpunkt der Religion und des Tierschutzes, von Rabbiner Dr. Unna. Mannheim. Zu beziehen durch die Reichszentrale für Schächt-Angelegenheiten, Berlin N 24, Artilleriestraße 31. Die zeitgemäße Schrift. Studienheft für Schrift und Formgestaltung. Heft 19. Verlag für Schriftlunde Heintze & Vlanckertz, Berlin. Preis pro Heft 1,20 WC. ■»EH Lehrbuch für einen elementaren Unterricht in Raschi von Jakob Prag. Preis 2,20 WC. Berlin. C. Boas Nachfolger. Aus dem Lehrer-Berbande. Verein jüdischer Lehrer in Schlesien. Bericht über die 49. Jahreshauptversammlung in Br» am 18. November 1931 Der Vorsitzende Moops, Breslau, eröffnete die zad „ besuchte Tagung. Sein Jahresbericht wies auf die immer sk,u,.'eriger werdende Lage der Gemeinden und damit auch der jüdischen Beamten hin, betonte den trotz aller Nöte immer noch bewiesenen Idealismus der letzteren, der sich u. a. in der rührigen, auch materielle Opfer heischenden Arbeit der Arbeitsgemeinschaft des 1. Pflegschaftsbezirks kundtut. Er erinnert u. a. an einen Fall von willkürlicher Kündigung eines Beamten seitens seiner Gemeinde und schließt im Hinblick auf das bevorstehende Goethe- Jahr mit der Hoffnung auf bessere Zeiten. Betreffs des oorgetragenen Kündigungsfalls entspinnt sich eine ausgedehnte Aussprache, ob dieser Fall in öffentlicher Sitzung oder durch eine Kommission zu behandeln sei. Man entschied sich für letztere, und diese trat sogleich, unter Vorsitz von Herry Justizrat Kalisch, in Funktion.'