Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 1 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. Nummer 1 höchste Lob spenden, das einem Buche zuteil werden kann, daß es nämlich den angestrebten Zweck erfüllt.. So lobenswert die Anlage und Methode, so tadelnswert ist die äußerst flüchtige Ausführung des Buches, die den Anschein erweckt, als Hätte es der Verfasser mit feiner Veröffentlichung gar zu eilig gehabt und sich nicht die Zeit genommen, es genügend durchzuarbeiten. Die von ihm zitierten Raschitexte enthalten sehr viele Fehler, die nicht alle auf Kosten einer schlechten Vorlage (warum wurde nicht die kritische Ausgabe von Berliner benutzt?) gesetzt werden können. Hier einige Beispiele: Abt. I, 1. Kap. a: änV mrm statt: 1^, 4. Kap. b: V'VIIIV Ml' statt: um Abt. 2. Kap.: 1s 'X' statt: it 'X 221, 5. Kap. ölf? -V ’jrw statt: Q’irn (bei Vp gibt es keinen ststus con8tructu8(; 10. Kap.: V.112X ,1'X. statt rx (damit wäre das l'U in Klammern überflüssig); Abt. III, 1. Kap., hat einen völlig korrumpierten Text, da zwei ganze Sätze fortgelassen find' 3. Kap.: nain^' statt 'owS Kap. 7: Auch hier fehlt ein ganzer Satz von zwei Textzeilen, und viele andere. — Inkonsequent zeigt sich der Verfasser in seiner Orthographie. Während er an manchen Stellen der neuen Orthographie vor der alten den Vorzug gibt-viL» 2lM''21Mr 2"N'2'Nr ^M2^V2,) (EH’D bleibt er an anderen Stellen bei der alten Schreibweise 7MX22, r>v"vm)' Er bringt es sogar fertig, in einem Satze beiden zugleich gerecht zu werden (Abt. II, Kap. 8: -janV nach der neuen, nach der alten Schreibweise). Daß der Verfasser ferner mit der hebräischen Grammatik auf Kriegsfuß steht, zeigt er schon in dem hebräischen Titel, den er seinem Buche gegeben, TtnV nso heißt nicht, ein Lehrbuch für den Raschiunterricht, sondern ein Lehrbuch für Raschi. Es sollte richtiger ttrtVfl *TloV 2A0 oder iPVrsV heißen. In all den Wortverbindungen im Wörterverzeichnis, wie 'ü'lit |15S6/ D^3"l usw. muß es heißen, da das Wort im statu8 co»8tructU8 steht. Es heißt auch nicht sondern (S. 33), nicht rVD^n “QX sondern (S. 37), v TT - : nicht sondern Von den vielen unmöglichen Uebersetzungen im Wörterverzeichnis sei zum Schlüsse nur ein Beispiel gegeben. Auf S. 34, Abt. III, 4 wird das Wort düYI im Rafchitext (vom Stammwort üV2-Zelchnen, als Hauptwort VM2-Zeichen, Merkmal, übertragen: Eindruck) von der Wurzel VN — Armut, Gift abgeleitet. Weil aber die richtige Bedeutung (Armut, Gift) für die betreffende Stelle sinnlos wäre, erfindet der Verfasser noch eine neue Bedeutung für das Wort und übersetzt es: Lücke, eine Bedeutung, die das Worten nie gehabt hat. In einer neuen Auflage, die das sonst gute Buch verdient, sollten diese Mängel verbessert werden. Notizen. Hans Frentz: Ueber den Zeiten. Künstler im Kriege. (Mit 20 Tafeln und Textbildern.) Urban-Verlag, Frelburg im Breisgau. Dies ist kein Kriegsbuch im üblichen Sinne; denn es erzählt nichts vom Muskoten, auch nichts vom Künstler im Schützengraben. Darum täuscht der Untertitel über den Inhalt. Und „über den Zeiten" steht wohl ebenso wenig der Verfasser wie eine der in seinem Buche herangezogenen Menschen. Das wahre Kriegsbuch wird erst am Ende unseres Jahrhunderts geschrieben werden können. „Dem Zeitgenossen bleibt die Berichterstattung." Diese versucht Frentz ehrlich zu geben, fast nur Selbsterlebres und dieses subjektiv. Er war während der ersten Kriegsjahre Leiter der Presseabteilung beim „Oberost". Diese „war für frontungeeignete aber schöpferische Geister, die sich hier immer mehr zusammenfanden, in dieser eigenartig bunten Umwelt zwischen den Östlichen Fremdoölkern ohne Zweifel eins der bedeutsamsten Krjsgsunkökschlupfe". Dieses Milieu dürfte dem Leser von Eronemanns „Hawdoloh und Zapfenstreich" bekannt sein. Hier führten Dehmel, Eulenberg, Zeller, Struck u. m. T ihren Privatkrieg. Kulturhistorische Betrachtungen aus den Ostenstaaten, literaturgeschichtliche Plaudereien, amüsante „Kriegs"erlebniffe fesseln das Interesse. Nicht minder aber der zweite Teil des Buches, der von den letzten Kriegsjahren erzählt, als der Verfasser im Kriegsministerium tätig war. Es entsteht ein Bild des literarischen Berlins dieser Zeit. (Frentz wurde damals Sudermanns Schwiegersohn.) Dazwischen aber stehen die Führer auf, Fürsten, Heerführer, Diplomaten. Manches Ereignis, das für den Ablauf des Geschehens von Bedeutung war, und das Frentz aus nächster Nähe miterlebte, ist hier skizzenhaft ausgezeichnet und dürfte denjenigen interessieren, der nicht die umfangreiche Erinnerungsliteratur zu wälzen vermag. In charakteristischen Porträts vereinigen sich die Linien Hindenburgs und Ludendorffs. Und der jüdische Leser mag erstaunt sein, gerade den letzteren als den Protektor der Künstlerkolonie in „Oberost" zu erkennen und auch sonst unvermutete Eigenschaften zu entdecken, die seine heutige Persönlichkeit nur aus einem hohen Grad seelischer Konfusion erklären lassen. Durch alle Ereignisse hindurch zieht sich ein Kranz der Erinnerungen an den Freund Richard Dehmel, den Dichter, den Offizier, den Menschen, der Jedes dieser Drei ganz gewesen ist und für den das Buch ein Denkmal „über den Zeiten^ ist. Rb. Die Kranzbücherei ist eine Serie von Jugendschriften, die der Jugendschriftenausschuß des Frankfurter Lehrervereins durch den Verlag Moritz Diesterweg in Frankfurt a. M. zur Veröffentlichung bringt. Es sind bereits gegen 200 Nummern erschienen, alle gut ausgestattet, schön geheftet und gut gedruckt, viele mit vortrefflichen Illustrationen versehen. Die Sammlung ist vielseitig, der Preis ist niedrig. Es finden sich neben heimischen Sagen und Märchenstoffen nordische Geschichten, orientalische Legenden, die bekanntesten Volkserzählungen und Meistergeschichten unserer beliebtesten Erzähler der älteren und neueren'Zeit. Neben deutscher Belletristik finden sich auch zahlreiche Beispiele aus der Literatur des Auslandes. Die jüngsten Nummern der Sammlung sind: Von MütternundihrerLiebe. Aus den Lebenserinnerungen von Isolde Kurz, Helene Voigt-Diederichs und Friedrich von Bodelschwingh; DerStadtpfeifer von W. H. Niehl; Ein Held der Güte von Victor Hugo; Ein Fest auf Haderslevhuus von Theodor Storm; Südafrikanische Gestalten von Hans Grimm; Von Schelmen undNarren. Alte deutsche Fabeln: Wurstel. Eine Bubengeschichte von Franz Bauer. Dem Referenten sei gestattet, aus der Zahl der Neuerscheinungen zwei hervorzuheben, die nach seiner Auffassung durch ihre gesamte jugendgemäße Haltung sich besser als die übrigen für die kleinen Leser eignen. Das erste Heft „Van Schelmen und Narren" enthält 25 alte deutsche Fabeln, die ausnahmslos gut erzählt sind. Es begegnen uns da alte Bekannte, wie die Fabel vom Wettstreit zwischen Sonne und Wind, oder die vom Streit vom Magen mit den Gliedern. Die meisten jedoch sind weniger bekannt. Alle eignen sich als Kurzgeschichten gut zum Vorlefen, noch besser natürlich zum Vorerzählen, einige regen zu dramatischer Gestaltung an. Die Federzeichnungen von Hanna Förster sind in ihrer naiven Darstellungsform dem Charakter der Fabel geschickt angepaßt. Als zweites sei erwähnt „Wurstel", eine Bubengeschichte von Franz Bauer. Das Thema von dem kleinen Jungen, der seine arme Mutter aus ihrer ewigen Notlage befreien will — so klassisch dargestellt in Erich Kästners „Emil und die Detektive" —» bildet den Kernpunkt auch dieser Kindergeschichte, die ein Lebrer unter Benutzung einiger Typen seiner 6. Schulklasse für ihre Schulzeitung verfaßt hat. So ist eine Geschichte entstanden, die — wie der Verfasser in einem Nachwort sagt — zwischen Dichtung und Wahrheit schwebt. Das Ganze ist in eine ziemlich große Zahl von Kurzgeschichten aufgelöst, die als Einzelglieder sich geschickt zu einer Kette vereinigen. Keine ist ohne Handlung, viele verraten eine besonders erfreuliche Frische der Erzählweise. Dabei spricht aus dieser echten Bubengeschichte viel warmes und gesundes Gefühl, das nie zu flacher Sentimentalität herabsinkt. Es ist viel von Mutterliebe die Rede, es fließen oft Tränen, es gibt zum Schluß ein happy-end, und doch wirkt das Buch modern und gesund, weil in seinem Mittelpunkt ein Junge steht, der sich neben vielen Scheinhelden als wirklicher Held erweist. E. G u t, Frankfurt a. M. Fritz Kunkel: Die Arbeit am Charakter. Die neuere Psychotherapie in ihrer Anwendung auf Erziehung, Selbsterziehung und seelische Hilfsleistung. Zweite Bearbeitung, 12. Auflage.