Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 1 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8; Jüdische Schulzeitung. ' ' Nummer 1 Herr Rabbiner Dr. Eoldschmidt-Vreslau beklagt das Fehlen einer Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Lehrer Breslaus. Er wird in seinen Ausführungen von einer Anzahl Kollegen unterstützt. Nach Erstattung des Kassenberichts folgt das Referat des Kollegen Freudenthal-Vunzlau über „Die Entwicklung des meffia irischen Gedankens in derVibe l". , Redner führt aus, er könne sein Thema auch nennen: „Die ethische Konzentration im Religionsunterricht". Er bekennt sich als Anhänger des systematischen R. U., aber nicht jenes systematischen R. U. einer längst überwundenen Zeit, der nur wenig Freude und Erfolg verschafft hat. Aber auch die gegenwärtig gebräuchliche Methode genügt ihm nicht. Er will eine Synthese der beiden Methoden und nennt dieses didaktische Prinzip „ethischen Konzentration". Er zeigt dieses Prinzip an der „Entwicklung des mefsianischen Gedankens" und entwickelt zunächst eine Vorstufe der mefsianischen Lehre und nennt sie die „propädeutische Stufe". Auf dieser zeigt er das Vorhandensein aller Hauptgedanken der später von den Propheten formulierten Lehre. Es sind hauptsächlich vier Motive, die auf den späteren Entwick^ lungsstufen zur Messiasharmonie zusammenklingen, nämlich: das Friedensmotiv (Paradies, goldenes Zeitalter), Untergangsmotiv (Sintflut). Segensmotiv — Abraham (durch dich sollen gesegnet werden alle Geschlechter), Israel-Knechtmotiv (Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern usw.). Auf dieser Grundlage bauen sich seine weiteren Ausführungen auf. Die Entwicklung vollzieht sich in drei ziemlich scharf abgegrenzten Stufen, die er aus dem prophetischen Schrifttum nachweist: Stufe Gott Messias, Stufe David Messias, Stufe Israel Messias. Das methodische Prinzip der „ethischen Konzentration" verschafft uns auf allen drei Entwicklungsstufen die Reinheit, Einheit und Ganzheit des mefsianischen Gedankens. Nebengedanken werden abstrahiert, neue Momente assimiliert (diese neuen Momente sind aber in Äirklichkeit auf der propädeutischen Stufe schon bekannt gewesen), Hauptgedanken konzentriert. Besonders wird auf der dritten Stufe gezeigt, wie der Begriff „leidender Gottesknecht", das bekanntlich schwierigste Moment in der Messianologie, sich zwanglos einfügt in die Struktur des mefsianischen Gedankens. Somit ist die Einheit, Geschlossenheit und Totalität des mesfianischen Gedankens erarbeitet. Für den Unterricht ist er ein Konzentrationspunkt,. von dem aus der gesamte Unterricht in der Religionslehre nach allen Seiten vorgetragen werden kann. Denn der messianische Gedanke durchläuft die ganze biblische Geschichte, mit ihm sind im Laufe seiner Entwicklung eine Fülle ' grundlegenden Lehren in Verbindung getreten. Jetzt dehnt ie Konzentration auf diese Lehren aus und gestaltet sie '.r mefsianischen Lehre zu einer immer größeren Einheit, rbreitet sich auf den Monotheismus, auf den Friedensm, auf den Tag des Gerichts (Neujahrs- und Versöhnungsauf die Nächstenliebe, auf den erzieherischen Wert der;, auf das soziale Gebiet (Arme und Reiche). Der Schüler ungt jetzt alle die religiösen und ethischen Lehren nicht mehr einzeln und.zerstreut wie bei der heute noch gebräuchlichen Methode, sondern sie treten im Zusammenhang mit anderen Lehren auf. Sie bilden nunmehr das Wurzelgeflecht, aus dem der Baum der Religion, der „Baum des Lebens", hervorwächst. Dieses Erfassen der religiösen Lehren — durch das methodische Prinzip der ethischen Konzentration — in ihrer Einheit und Geschlossenheit, muß notwendigerweise auf den Charakter des jungen jüdischen Menschen abfärben. Aus einem solchen Religionsunterricht werden charaktervolle jüdische Persönlichkeiten hervorgehen, die uns heute mehr denn je nottun. Reicher Beifall folgte den Ausführungen des Referenten. Herr Eemeinderabbiner Dr. Vogelstein nimmt das Wort, um sich als Ratsmitglied des Preußischen Landesverbandes über die künftige Ausbildung von Volksschul- und Religionslehrern auszulassen und die Meinung der Kollegen zu hören. Er berichtet über die bisherigen Verhandlungen und Besprechungen und plädiert für eine zu gründende jüdische Lehrerakademie unter Betonung verstärkter Ausbildung in den Religionswissenschaften. Es solle aber den seminaristisch nicht vorgebildeten Beamten, wenn sie sich als Lehrer bewähren, Hindernisse nicht in den Weg gelegt werden. In der sich anschließenden Aussprache wird von fast allen Rednern der Standpunkt vertreten, daß es im Hinblick auf die schlechte Finanzlage aller Gemeinden und das Ueberangebok von Bewerbern für einige wenige Stellen zurzeit gradezu ein Verbrechen sei, junge Leute dem Lehrerberuf zuzuführen. In der folgenden internen Sitzung werden Willkürakt.-; von Gemeinden ihren Beamten gegenüber besprochen und den beteiligten Kollegen die Wege gewiesen, die sie einschlagen sollen, bevor der Vereinsoorstand die Sache ergreift. H. Moops, Breslau. B. Heidenfeld, Striegau. Vorsitzender. Schriftführer. An alle Berbandsmitglieder in Preuße». Der Jüdische Lehrerverband in Preußen hat in seiner Sitzung am 28. Dezember 1931 beschlossen, den Beitrag zur Hilfskasse für das Jahr 1932 von 3 W. auf 4 Mt au erhöhen, umwenigstens in den Fällen dringendster Not im Kollegenkreise helfend eingreifen zu können. Da der Verbandsbeitrag zugleich um 2 Ml, also von 8 aus 6 M herabgesetzt wurde, hofft der Verbandsvorstand auf willige Zustimmung aller Kollegen. Berlin, den 6. Januar 1932. Stern. Abraham. Vereinstagungen: Die „Arbeitsgemeinschaft am Niederrhein" tagt am 21. Januar, 16 Uhr, in Duisburg in der Loge (Talmud Tr. ntua 1. Abschnitt, Wiederholung und Fortsetzung). Briefkasten. Briefkasten. Wir beabsichtigen, einen Teil der Voreinsberichte und auch die Tagesordnungen der Lehrerversammlungen nicht mehr in den „Blättern für Erziehung und Unterricht", sondern an dieser Stelle zu veröffentlichen,' die Tagesordnungen müssen aber stets bis spätestens zum 1. des Monats in unseren Händen sein. Die „Blätter für Erziehung und Unterricht" werden nur noch Ort und Zeit der Versammlung (ohne Tagesordnung) bekanntgeben. Wir bitten die Vereine dringend, davon Notiz zu nehmen. Die Vereine wollen ferner berücksichtigen, daß gegen Mitte des Monats, d. h. in der Woche, in der die Schulzertung erscheint, die „Blätter für Erziehung und Unterricht" ausfallen. Wir müssen ferner immer wieder daran erinnern, daß alle Personalnotizen, die unsere Verbandsmitglieder betreffen, an unsere Adresse und nicht an die Redaktion des „Israelitischen Familienblattes" zu senden sind. Kollegen, die dagegen verstoßen, haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn von ihnen eingesandte Mitteilungen dann viel später oder möglicherweise gar nicht erscheinen. Die Schriftleitung. M. Steinhardt, Magdeburg, Uhlandstraße 12. Koiisgsni werbt IBP die Verbreitung der jüdischen Schulzeitung Probanummarn In baschrllnktar Zahl atahan bat dar Sehrlftlaltung zur VarfUgung. I n£D I I Lehrbuch I rar einen elementaren ■ Unterricht in I1 Raschl Preis geb. RM. 2.20 Verlag C. Boas Nach!. Berlin C 2 Nene FrledrJcbslraßa 89