Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 7 (15.7.1931)
- Date
- 1931-07-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2825247-2825248-2825255--0525-2826135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nummer 7 Jüdisch^ Schulzeitung. Seite 7 rufs- und Fachschulen und'den Volkshochschulen. Im Volks- Vroclhaus liegt das geradezu ideale Schülerarbeitsbuch vor! Unzählige Arbeitsmöglichkeiten bietet er: vom unterrichtenden „Schmökern" über planvolle Einzelarbeit und organisierte Gruppenarbeit bis hin zur umfassenden Klassenarbeit. Arbeitslellung und Arbeitsuerelnigung, Einzellelstung und Gemeinschaftsarbeit: hier treffen diese der Persönlichkeitsbildung fo überaus förderlichen Arbeitsformen zusammen. Hier kann didaktisches Geschick des Lehrers sich entfalten, Findigkeit des Schülers sich beweisen, handele es sich nun um Stofferarbeitung, Stoffnuswertung, Uebung oder Anwendung. Mit Recht weisen darum die „Richtlinien" verschiedener Länder für die Arbeit in den verschiedenen Schularten auf den Gebrauch des Sachnachschlage-Buches nachdrücklich hin. Ein Buch wie der Volks-Vrockhaus mit seiner Fülle von Möglichkeiten selbständigen Arbeitens, eigenen Euchens und Findens mit all seinen Freuden und manchmal auch Leiden wird zu mehr als einem „Schulbuch": zu einem getreuen Begleiter durch viele Jahre, wenn nicht durch ein ganzes Leben. Und wer dann auch immer weiter vordringt in der Erkenntnis Land, gerade weil der Volks-Vrockhaus den Drang nach solchem Suchen und Forschen unstillbar weckte, der wird bei diesem Hineinschreiten in das Reich des Geistes sich immer wieder dankbar des ersten Führers in dieses Wunderland erinnern, jenes Buches, das zum Grundstock seiner Bücherei wurde: des Volks-Vrockhaus. (Wir haben es oorgezogcn, statt einer eigenen Besprechung zwei Urteile von hervorragenden Fachgelehrten wiederzugeben und behalten uns vor, aus einer Sonderbroschüre von Prof. Erich Hylla — Referent im preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung — einzelne kleinere Artikel über dieses „unentbehrliche Arbeitsmittel von heute" gelegentlich zum Abdruck zu bringen. DieSchriftleitung.) . Der „Morgen". Nr. 2, 7. Jahrgang. Philo-Verlag. Das Juniheft enthält folgende besonders beachtenswerte Aufsähe: Max Dienemann: „Die Proletarisierung der deutschen Juden. Ihre geistigen und religiösen Folgen." Ausgehend von dem aktuellen Vorgang der Umschichtung sucht er deren geistige und religiöse Folgen zu erschließen. Der Aussatz will vor allem zur Aussprache über diese wichtige Frage der Gegenwart anregen. — Heinrich Frick spricht in einer Betrachtung, „Heiligtümer", von der Marburger Religionskundlichen Sammlung. — Rudolf Stahl berichtet über „Probleme jüdischer Jugendbewegung". — Michael Müller-Claudius schildert in einer als Zwiegespräch wiedergegebenen Begegnung den „Antisemitismus als Angriff auf die Seele", als Angriff aus die Seele aller, nicht nur auf die des Juden. — Erich Stern fetzt die in Heft 6s 6. Jahrgang, begonnene Darstellung „Religiöse Entwurzelung und Neurose", in einem zweiten Aufsatz über „Religiöses Leben und 9?eiirofe“jort. — Eine Besprechung von Gerhard von Mutius' Buch: „Wort, Wert und Gemeinschaft" erweitert W. E l i a s b e r g zu einer grundsätzlichen Betrachtung: „Der handelnde Mensch und das Rationale." — Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich (jedes Heft ist zirka 100 Seiten stark) und ist durch jede Buchhandlung oder direkt durch den Philo-' Verlag, Berlin W15, Emser Str. 42, zum Jahrespreis von 12^ zu beziehen. * Pentsteuet, and Ilaftoralis, cdited by The Chief Rabbi, Exödus, Oxford University Press Milford Humphrey, London. Von dieser vorzüglichen Ausgabe, die durch Dr. I. H. Hertz, den Oberrabbiner des Britischen Reiches, veranstaltet wird und deren erster Band im Septemberblatte 1930 besprochen wurde, ist nunmehr ein weiterer Band erschienen. Auch von ihm gilt es, daß er in vorzüglicher Weife die einfache und gelehrte Deutung des Textes mit einer' moralischen Nutzanwendung verbindet. Vielleicht 30 jüdische und nichtjüdische Kommentare sind eingesehcn worden und werden gelegentlich zitiert, dazu noch die Schriften zur Bibelforschung, die nicht zum Kommentar des Bibeltextcs wurden. Dazu kommen die vorzüglichen apologetischen Bemerkungen, die Mitteilungen über die Lokale der Handlung und die Karten, die zu deren besserem Verständnis dienen. Wertvoll sind neben den großen Abhandlungen — z. B. über die Zehn Gebote, die lleberschriften über den einzelnen Kapitelteilen, die Hinweise auf das religiöse Leben des Hauses und der Synagoge. Wiederum ist ausführlich auf die Fragen der kritischen Bibelwissenschaft eingegangen, so auf Hammurabi u. a. Die Bilder z. B. beim Stiftszelt und feinen. Geräten helfen dem Verständnis bestens nach. Gern hätte ich daher auch den Personennamen einen Stammbaum — etwa zu 6.16 ff. — und Erörterungen gewünscht. Auch für Haftaroth werden eine glänzende Uebersetzung und viele Anmerkungen geliefert. Ausstattung und Druck sind hervorragend. Wir besitzen ein solches Werk in dieser Zusammenfassung noch nicht und könnten es uns gern zum Muster nehmen, praktischerweise könnten vielleicht auch die Sabbathgebote mitbeigegeben werden. In den Anmerkungen zur Ventateuchübersetzung werden oft bessere Uebertragungeu vorgeichlagon (bester . .), weohalb werden diese nicht gewählt? Der Herausgeber zeigt auch feine große Belesenheit in dichterischer und philosophischer Literatur. Die besten Fortschritte seien der lobenswerten Arbeit gewünscht. Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Kiel. Wilhelm Möller : Nückbeziehungen des 5. Buches Mofis auf die vier ersten Bücher, ein Beitrag zur Einleitung in den Pentateuch im Sinne seiner Einheit. Wilhelm Möller: Um die Inspiration der Bibel, eine Auseinandersetzung mit Professor D. Baumgärtels Vortrag „Die Bedeutung des Alten Testaments für den Christen". Wilhelm Möller: Geschichte und Prophetismus im alttestamentlichen Religionsunterricht. Heinrich Cornelius: Die unbedingte Zuverlässigkeit der Bibel auf geschichtlichem und naturwissenschaftlichem Gebiet. Insgesamt Veröffentlichungen des „Bibelbundes" (Pastor Heinrich Cornelius, Bad Salzuflen, Lippe), im Selbstverlag des Bundes. Die oben genannten Bücher, die nicht in großer Aufmachung herauskommen und für die wohl auch nicht genügend Propaganda gemacht wird, verdienen in jüdischen Kreisen unbedingte Beachtung. Es wird durch sie nicht nur die wildeste Bibel- und Textkritik bekämpft, sondern es sind auch so wertvolle Einzelbeobachtungen angestellt, daß auch der bibelfeste Leser neue Hinweise finden wird. Bei den „Rückbeziehungen" wird gezeigt, in wie ungeheurem Umfange Geschichte und Gesetz der früheren .Bücher im Deuteronomium vorausgesetzt wird, wie unendlich viele Wendungen, Formeln, sprachliche Ausdrücke sich nur durch die Reminiszenz aus den früheren Texten erklären lassen, wie dadurch auch die zeitliche Ansetzung und die Autorenschaft gesichert ist. In dem Buche „Inspiration" werden die Fragen der Schöpfung, der theologischen Anschauungen des Alten Testaments und die Inspiration von einem mehr rationalen Gesichtspunkt aus behandelt. In der Schrift „Zuverlässigkeit" wird nachdrücklichst die Art der Geschichtsdarstellung im Pentateuch, die nur Tatsachen — ohne Kritik, auch ohne Betonung dessen, daß hier sittliche Wahrheit veredelt oder gutgeheißen werden soll — meldet, erörtert. Danach wird zu dem Problem der Naturwunder, zu Sonne und Mond usw. Stellung genommen. Und schließlich in der Schrift „Geschichte" werden die Ergebnisse der neuesten Ausgrabungen untersucht, die die biblischen Angaben in so reichem Maße bestätigen, hierbei wird die Gunkelsche Sagentheorie aufs schärfste bekämpft. Daß der Gedanke von der höheren Sittlichkeit des Reuen Testaments oft durchblickt, stört wohl, kann aber den wirklichen Wert dieser Abhandlungen nicht herabsctzen. Auch in der Frage der Textkritik werden wir der Auffassung, die vorgetragen ist. nicht folgen können. Dennoch glaube ich. auf dieje Veröffentlichungen, die wenig kosten — 1,50 bis 2,50 01H — Hinweisen zu müssen. In demselben Verlage ist auch von Grete Möller, stuck, theol. ein sehr nettes „Dramatisches Gedicht in 5 Aufzügen" mit dem Titel „K i d c o n" erschienen. In Sprache und Charakteristik, im Aufbau und Art gut. Der Bibelbund gibt außerdem ein Monatsblatt heraus, das „Rach dem Gesetz und Zeugnis" heißt und von Pastor Cornelius und Lic. theol. Möller herausgegeben wird. Ich möchte den Raum dieser Anzeige nicht zu sehr überschreiten, vielleicht darf ich die Anregung kurz geben, daß wir auch einen solchen Vibelbund begründen und doch auf diese Weise versuchen, unserer Bibel einen größeren jüdischen Leserkreis zu gewinnen. Rabbiner Dr. Ä. P o s n e r, Kiel. Dr: Joseph Stern: Die fünftägige Arbeitswoche und ihre Problematik. Teil 1. Das wirtschaftliche Problem. In unserer Zeit der Wirtschaftskrisen, in der ein wirtschaftliches System das andere jagt, erscheint als eines der umstrittensten das Problem der fünftägigen Arbeitswoche, wie es besonders stark von Amerika propagandiert wird. Für uns Juden hat dieses Problem aber ein ganz besonders großes Interesse, weil mit ihm neue Hoffnungen auftauchen, die lebenswichtigste Gegenwartsausgabe des Judentums, die Sabbathfrage. aus ihrer augenblicklich trostlosen Unlösbarkeit herauszuheben. Trotz ihrer kulturellen und ethisch-religiösen Bedeutung ist die fünftägige Arbeitswoche doch auch für den sabbathtrcuen Juden in erster Linie ein wirtschaftliches Problem. 'Es ist darum unerläßlich,