Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 7 (15.7.1931)
- Date
- 1931-07-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nummer 7 Seite 8 Jüdische Schulzeitung. da ft jeder, der die Sabbathfrage als brennende Lebensfrage des zeitgenössischen Judentums empfindet, sich eingehend mit dem wirtschaftlichen Air oder Wider der sünstägigen Arbeitswoche befaftt. Erst daun ist cs möglich, die spezielle Bedeutung dieses Pkühienw füt den religiösen Juden richtig zu ermessen. iZö Mttg daher als besonders notwendig begriiftt werden, daß der Weltverband für Sabbathschutz „Schomre Schabbos" durch die Veröffentlichung der vorliegenden Studie der jüdischen Oeffentlichkeit die Möglichkeit gibt, sich ernst und sachlich mit dem ganzen Fragenkomplex auseinanderzusetzen. Der besondere Wert der vorliegenden Schrift liegt aber bei aller fachmännischen und logischen Beleuchtung und Beweisführung darin, daß trotz einer erschöpfenden Vielseitigkeit der Behandlung doch die Allgemeinverstnndlichkeit so glücklich getroffen ist, daß jeder wirtschaftspolitische Laie dem Verfasser durch das weitverzweigte Gebiet ohne Schwierigkeiten folgen kann. Für den sabbathtreuen Juden ist ja die fünftägige Arbeitswoche schon lange ein vertrauter Begriff, und ist es von weittragender Bedeutung, wenn der Versager als Konsequenz seiner Ausführungen feststellt, daß die Fünftagewoche als prinzipielle Institution ohne Beeinträchtigung der Konkurrenzfähigkeit des Einzelbetriebes durchführbar ist. Darum sollte der thoratreue Unternehmer den neuen Bestrebungen am leichtesten zugänglich sein, denn es darf gehofft werden, daß selbst diejenigen, die dem Drucke der wirtschaftlichen Verhältnisse unterlegen sind, aber doch grundsätzlich die Heiligkeit des Sabbath anerkennen, gern die entsprechenden Konsequenzen ziehen werden. Wir Juden sind dazu berufen, an der Durchführung der neuen Arbeitswoche in erster Linie mitzuarbeiten. Der Verfasser beleuchtet aber auch ungeschminkt die Schwierigkeiten der Fünftagewoche vom Standpunkt der Gesamtw i risch a f t, wobei er zu dem Schlüsse kommt, daß es zwar möglich ist, die industrielle Produktion und sogar den Büroverkehr auf fünf Tage zu beschränken, daß es aber kaum möglich fein wird, daß das gesamte Wirtschaftsleben die neue Arbeitswoche ertragen kann. Dazu kommen noch die unberechenbaren, durch die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise verursachten Hindernisse, und nicht zuletzt droht die Gefahr einer Kalenderreform, die den Sabbath in der bürgerlichen Woche alljährlich wechseln läßt, mit einem Schlage die Vorteile der fünftägigen Arbeitswoche für den Schäumer Schabbos illusorisch zu machen. Die Betrachtung aller dieser Schwierigkeiten aber sührt uns zur Erkenntnis, daß das Problem der Fünftagewoche von der ökonomischen Seite allein nicht begründet werden kanch und wir dürfen daher mit besonderem Interesse der angekündigten Veröffentlichung der nächsten Teile der Studie, die die kulturelle, ethisch-religiöse, soziale und politische Seite des Problems behandeln, entgegensetzen. Kubas Zürich. Walter Hoffma n n, Die Reifezeit. Grundlagen der Jugendpsychologie und Sozialpädagogik. Dritte neubearbeitete und erweiterte Auflage. Leipzig. Quelle und Meyer. 1930. 366 S. Preis geb. 12.80 Ml. Neben der frühen Kindheit hat keine Entwicklungsperiode die Aufmerksamkeit aller an der Erziehung beteiligten Kreise in solchem Grade auf sich gelenkt wie die Pubertätszeit. Zweifellos wurde und wird dieses Interesse mächtig gefördert durch die Jugendbewegung, die nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch die beteiligten Praktiker zwingt, den Grundlagen, den Voraussetzungen wie den Richtungspunkten dieser Bewegung nachzuspüren. Neben Eduard Spranger, Charlotte Bllhler und Otto Tumlirz hat von Anfang an der Leipziger Jugendrichter und Jugendpsychologe W. Hoffmann an der Aufhellung des ersten „gefährlichen Alters" bedeutsamen Anteil genommen. Seine praktische Tätigkeit hat der Auffassung vom Problem wie auch von der Methode eine Richtung gegeben, die sich von derjenigen der Nur-Psychologen in wichtigen Punkten unterscheidet. Vor allen Dingen hütet sich der erfahrene Praktiker vor der scheinbar unentrinnbaren Gefahr für alle Theoretiker, ein reiches und mannigfaltiges Erscheinungsgebiet von einem einzigen Standpunkt aus übersehen und beurteilen zu wollen. Er weiß ferner, „daß alle wissenschaftliche Arbeit ohne einen Vorgefundenen Bestand von vorwissenschaftlicher Erfahrung und vorwissenschaftlichem Denken zur Unfruchtbarkeit verdammt ist." Die Grundrichtung des Werkes wird aber, .worauf schon der Untertitel hinweist, durch die Verbindung von Psychologie und Sozialpädagogik bestimmt. Denn gerade in der Reifezeit ist der Jugendliche ebensowohl von den Lebensverhältnissen der Umwelt wie von inneren Entwicklungstendenzen beeinflußt. In der Problemauffassung wendet sich der Verfasser ganz deutlich von der physiologischen Richtung ab. welche die Pubertätsentwicklung mit Sexualpsychologie gleichsetzt oder dieser auch nur. wie Freud, zentrale Bedeutung beimißt. Die Reifung erscheint vielmehr in ihren Erundzügen als ein biologischer (genetischer) Prozeß, der ebensowenig allein von der psychologischen Seite her wie anderseits von der physiologischen (d. h. als Begleiterscheinung von Drüsensunktionen) verstanden werden kann. Während im Anfang die seelischen Neubildungen mehr Uly Symptome des biologischen Prozesses erscheinen, aewinnt mit dem Fortschreiten der Reifung die p s y ch i s ch e Seite immer mehr Bedeutung. Es ergeben sich neue geistige Strukturbildungen durch die Formen des sozialen Lebens llnd der Keisteskultur, wie denn der Fortschritt vom Kinde zum Jugendlichen als der Uebergang vom Naturmenschen zum Kulturmenschen - erscheint. Demnach mutz auch die Methode einen Wechsel des Standpunktes vornehmen, indem sie von der biologischen Betrachtung zur sozialpsychologischen und geistesgeschichtlichen übergeht. (Hier berührt sich der Verfasser mit Spranger. der allerdings seinerseits die biologische Betrachtungsweise vernachlässigt hat.) Ihrem Wesen nach unterscheidet sich die Pubertätszeit von der Bor- und Nachperiode durch die Spaltungen des Seelengebildes. Denn nicht nur der reife Mensch, sondern auch schon der Zwölfjährige ist ein geschlossener Charakter in seiner Umwelt. So erscheint die Pubertät sozusagen als eine normale Anomalie. — Für die Schule ergibt sich aus diesen Erkenntnissen als wichtigste Reformaufgabe, das Bildungstempo mit dem Entwicklungstempo in Einklang zu bringen. — Das ausgezeichnete Werk strömt in jeder Zeile den Geist gründlichster Forschung und vorsichtigster Urteilsbildung aus. Dr. H. Ster n. Der der Schriftteilung eingegangene Bücher. Gedanken über eine neue Grundlegung des Rechenunterrichts nach Hegelscher Methode. Von Hermann Glöckner, a.o. Professor der Philosophie an der Universität Heidelberg. Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. O.: Preis 1 ML Jawne, Jüd. Neformrealgymnasium i. E. in Köln: Bericht / über das 12. Schuljahr (1930—31). Erstattet von Studiendirektor Dr. K l i b a n s k y. Die Umschau. Illustrierte Wochenschrist über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik. Heft 21. Herausgegeben von Prof. Dr. I. H. V e ch h o l d. H. Bechhold Verlagsbuchhandlung. Frankfurt a. M. „Der Morgen." Zweimonatsschrift. Jahrgang 7, Nr. 2. Begründet von Prof. G o l d st e i n. Philo-Verlag, Berlin. Die zeitgemäße Schrift. Heft 17. Sonderheft 8. Studienhefte für Schrift und Formgestaltung. Berlin-Leipzig. Heintze & Blanckertz. 1,20 pro Heft. Der Puppenspieler, Blätter für das gesamte Puppenspielwesen, Heft 8. Schacht-Verlag. Bochum, Brückstraße -10. Der Volks-Brockhaus. Deutsches Sach- und Sprachwörterbuch für Schule und Haus. Mit über 3000 Abbildungen und Karten i.m Text und auf 71 einfarbigen und bunten Tafel- und Kartenseiten sowie 36 Uebersichten und Zeittafeln. A—Z. 7,80 ML f '. Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig. i E. Engel: „Deutsche Stilkunst." XU und 330 Seiten. 8". In Leinen gebunden 12 Ml, Leipzig. G. Freytag A.-G. Kerschen st einer: Das Grundaxiom des Bildungsprozesses. Berlin SW. 19. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Geb. 4.— 'ML Stadtrabbiner D r.' Rieger, Stuttgart: Vom Hcimatsrccht der deutschen Juden. Berlin. Philo-Verlag. Brosch. —.bl) ML r:;:....13 Kollegen! werbt für die Verbreitung der Jüdischen Schulzeitung Probeinmunem in bcschrftnktcr Zahl atchen "bei der Schriftleitung zur Verfügung. X Wir suchen an allen Orten > nebenberufliche Vermittler Victoria zu Berlin Allgemeine Vers. - A.-G. . Subdlrektlon: Hamburg 1, ffannaunstr.W \ Günstigste Tarife. X rfp} IMMWWIHI.)“ .'I1, -' X '