Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1931-01-15 · 1 (15.1.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
1 (15.1.1931)
Date
1931-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2825247-2825248-2825249--0470-2826074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 6 Jüdische Schulzeilung. Nummer 1 ändert. Sommer und Winter wohnen sie in diesen primitiven Zelten, bleiben einige Monate an einem Ort, bis alles abgegrast ist, um dann das Zelt in der Nähe einer anderen Stadt wieder auszuschlageu. (1.W.31). Auch Sitz Gtammvitttt hätzvti immer in der Nähe einer Stadt gewohnt, weil dort die Produkte der Viehzucht am leichtesten zu verwerten sind. Bloß im Punkte der Moral 'ist von den Erzvätern nichts auf die Beduinen übergegangen. Die beiden Männer begleiteten mich noch einige Schritte (3.18.16) und wir verabschiedeten uns dann. Als ich mich aber später umdrehte, bemerkte ich, wie mir die beiden böse Blicke nachsandten. Die Gastfreundschaft, die sie von Abraham ererbt haben und Hochhalten, gilt bloß, solange man unter ihrem Dache weilt. Nachher war ich der gehaßte Fremde, womöglich ein Jude. Literarisches. „Der Morgen", Zweimonätschrift. Jahrgang 6. Nr. 5. Philo-Verlag, Berlin. Die vorliegende Nr. 6 der bedeutsamen Zeitschrift enthält „Heinrich Aull:-Persönlichkeit oder Masse?". „Max Dienemann: Lebensgestaltung der jüdischen Frau". „Bertha Pappenheim: Vision". „Max Eschelbacher: Vom Sinn der jüdischen Trauung". „Der Trauungssegen". „Carl Gebhardt: Das Lied der Lieder". „Wilhelm Michel: Die Schicksalsfrage des Nationalismus". „Paul Bettelin: Die I. C. A." „Jakob Meitlis: Randbemerkungen zur jüdisch-deutschen Erzählungsliteratur des 16. Jahrhunderts". „Julius Bab: Das Buch Bayern" usw. Die stets interessante Zeitschrift enthält in der vorliegenden Nummer ganz besonders beachtenswerte Aufsätze,die den Kollegen viel Stoff zum eigenen Studium, sowie zur etwaigen Arbeit in den Jugendvereinen bieten. M. St. Kuno S t o m m e l: Der Idealismus neuer Menschen. Düsseldorf. Selbstverlag 1929. Die 151 Seiten umfassende Schrift stellt den biologischen Aufbau der individuellen Stufen der natürlichen Entwicklung nach dem Dienste dar, den die niederen den höheren leisten, so daß sie mit oder wider Willen neben den gesetzlichen und den sie überlagernden Kräften zugleich der universellen Zweckmäßigkeit dienen. So wird die Naturph >ilosovhie von Newton bis zu ihrer jüngsten Synthese in der Erforschung des physikalischmathematischen Aufbaus des Raumes und der Zergliederung der Bewegung durch Einstein verfolgt, auch nach Nernst die Einschränkung des Gültigkeitsbereichs der Naturgesetze dargelegt, die das Wirken der dynamischen Leistungen, die den Raum erfüllen, regeln, besonders des Grundgesetzes der Kausalität alles Geschehens. Anderseits wird anschaulich auf die Bedeutung der zweäsetzenden Lehre der Teleologie, so durch den zum Fremdartigen überspringenden Weltwillen hingewiesen. Die Grenzziehung zwischen Kausalität und Teleologie führt zu dem übersinnlichen Grunde für das Bestehen der Welt in der freien und nur durch sich selbst beschränkten schöpferischen Daseinskraft des Eotteswefens. Dieses führt zu der selbständigen Autonomie des göttlichen Weltsystems, weiche die Vorgänge des Lebens ordnet und leitet. Der fachliche Ausdruck feines Geistes in unserer Vorstellungs- und Empfindungswelt, ie nach dem Grade ihrer Entwicklung, hebt uns über den Pantheismus hinweg, der die Weltdinge für das Subjekt selber hält statt für die durch seine zeitliche Tätigkeit hervorgebrachten, das diese unterhält. Die Beziehung sämtlicher den Individuen eigentümlichen Eigenschaften, der Weltindioiduationen, zum Weltwesen, das als unbewußt wirkender Gottesgeist hinter der Natur steht, erschafft die Religion mit ihrem einheitlich sinnbetonten Verhältnis des Atoms zur Welt und des einzelnen zur Ganzheit des Allichs. Indem dieses metaphysische Subjekt im Geschöpf, dem Objekt seiner Tätigkeit, zum wirksamen Bewußtsein erwacht, wird auch die Scho l'a st i k überwunden, die Gott nur logisch als das allerrealfte Wesen erfaßt. Die Kausalität der Freiheit ist in der individuellen Tätigkeit des Einzelgeschöpfes begründet, das selber als ein Glied in der inneren Mannigfaltigkeit der absoluten Gesamttätigkeit zum individuell eingeschränkten absoluten Subjekt wird. Steigt man aber zur höheren Gesetzlichkeit aus, dann überwiegen die veränderlichen Momente die beharrlichen so sehr, daß in zunehmendem Maße an die Stelle der Eindie Mehrdeutigkeit tritt. Also wird die uneingeschränkte Freiheit nur im Fürsichfein des durch Abschließung behaupteten Einzelwesens erlebt; und nur von hier aus kann durch die Unterwerfung des individuellen Wesens mit seinen Einzelheiten unter die Einheit der absoluten göttlichen Zwecksetzung der gute Witts angsstrsdt werden. Durch die Flucht der egoistischen Individuation zu Gottes Allgeist wird in der Herrschaft über die Glücksgüter des Lebens die sittliche Kraft gestärkt. Sie hebt die Vereinsamung des einzelnen auf und führt zum Gemeinschaftsleben, dessen innerliche Steigerung selbst die Grundsätze der Humanität durch das religiöse Erleben des Weltwesens im Mystizismus überhöht.. Dieser Kultus der Zukunft wird im Gebet schon jetzt innerlich erlebt, und das Streben, ihn zu verwirklichen, erschließt den S r n n d e s Lebens in der Mitarbeit an der Erscheinung Gottes in der Welt. Die auf ihn zurückgehende Einheit des vernunftgemäßen Geistes aber wird zum Anfang einer neuen höheren Kausalreihe, in der allein das den.Erscheinungen des Naturwie des Menschenlebens zugrunde liegende Tätige das rein geistige und zeitlos zwecksetzende Erlebnis ist. Es erhebt durch innere Selbstbefreiung bis zu der religiösen Erhebung, die das Einzelmenschliche mit dem absoluten Ich und All vereinigt. So vermag die geheimnisvoll mystische Vereinigung den zuerst nur im religiösen Bewußtsein erlebten Gott so zu verwirklichen, daß der Mensch aus der Gewißheit seines Seins heraus zu seinem Mitarbeiter und Ebenbild erhoben wird. In diesem Ereignis der idealen Eotteswelt fallen Denken und Sein zusammen und sind eins, das individualisierte endliche Ich wird abgestreift, über Bewußtsein und Unbewußtsein logisch erhoben, bis es sich hellseherisch den persönlichen Bindungen mit dem kosmisch unendlichen Ich des erscheinenden Eotteswesens nähert. Doch besitzen wir kein Erkenntnisorgan für die hinter der wirklichen liegende Eeisteswelt, sondern die Schule der Menschheit für die Erkenntnis des Sinnes der Welt ist allein das Leben. Wenn wir auch nicht in die Totalität des Gotteswesens eindringen können, so wird die Eotteshilfe mit ihrem letzten Trost und Frieden doch zu einem bedeutsamen Teil unseres irdischen Daseins. Damit befähigt die freie Selbstbestimmung des den religiösen Geist Erlebenden ihn zu einem individuell unvergänglichen Leben wie sündlose Geister. So ergibt die Zwecksetzung, Freiheit und Vereinigung mit Gott die rn ihren einzelnen Teilen zwar unfaßbare Gottähnlichkeit, die als Ganzes aber ein Einzigartiges, hier und jetzt so Beschaffenes ist, daß es uns mit dem darüber hinausreichenden ewigen Sinn erfüllt. Dieses religiöse Bewußtsein des geistigen Weltwesens haben die Juden zu allen Zeiten sich in rhrer eigenen Mitte unvergänglich frisch und unversehrt erhalten, seinem geistigen Sinne nach auch über ihre eigenen Grenzen hinaus durch das Vorleben rhrer Gemeinschaft so zu betätigen gewußt, daß der sie belebende Gottesgeist sich nicht auf eine gnadenspendende menschenähnliche Person beschränkte, sondern das mitten in der Welt wirkende geistige Leben selber war. Dabei vertreten sie die darin lebendig wirkende Gottesidee gerade dadurch, daß sie sich von jeder nationalen Staatenbildung abkehrten und, den Mahnworten rhrer Provheten wie den Weisungen der ihnen nachfolgenden Eesetzeslehrer getreu, allein der überstaatlichen Kulturarbeit zuwandten, sowie der darin lebendig wirkenden Eottesidee mit der universellen Spannweite, der alle Wertzusammenhänge und Fügungen des Lebens ein- und unterzuordnen sind. Doch können uns diese Einwände gegen die Ansichten des greisen, ehrwürdigen Verfassers nicht davon zurückhalten. uns der ausgezeichneten Führung seiner philosophisch kritischen Forschung und tief erprobten Lebensweisheit (seine Schrift: Der Kampf gegen die Volkskrankheiten ist in Düsseldorf 1917 in 7. Auflage erschienen) anzuvertrauen, sondern wir schöpfen daraus reichen Gewinn fiir Lehre und Leben. Seminaroberlehrer Dr. Max Golde. Mathilde Vaertina, Die Macht der Massen in der Erziehung. Machtsoziologische Entwicklungsgesetze der Pädagogik. Verlag Dr. M. Pfeiffer, Berlin-Friedenau. 1930. . Das vorliegende Werk der bekannten Jenaer Psychologin ist der 3. Band der vielbändigen „Soziologie und Psychologie der Macht". Der letzte Band soll „Das Machtprinzip in der Geschichte der Pädagogik" darstellen. Wir besitzen bereits den Versuch einer soziologischen Betrachtung der Pädagogik in Paul Barths „Geschichte der Erziehung in soziologischer und geistesgeschichtlicher Beleuchtung" aus der Vorkriegszeit. Während hier aber, wie schon der Titel anzeigt, der soziologische Standpunkt neben einem entgegengesetzten eingenommen wird und in praxi immer mehr in den Hintergrund tritt, je näher die Darstellung der Gegenwart kommt, will der Verfasser die Erziehungskrrse der Gegenwart, als Teil der allgemeinen Kultur-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.