Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 1 (15.1.1931)
- Date
- 1931-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer l Jüdische Schulzeitung. Seite 5 und Pädagogik erfährt man leider nichts. Daß die Kindesträume nur bis zum 4. und 5. Lebensjahr dauern sollen, scheint mir fraglich zu fein. Elli Lehbert-Achelis: Von der Liebe zu unfern Kindern, ein nachdenkliches Buch für alle. Verlegt bei E. Nheinhardt «in München 1930. Preis 2 M. Die beachtenswerte und mutige Schrift ist der Gräfin Milla von Profch gewidmet. Die Verfasserin gibt zu, daß sie ihre Erkenntnisse der psychoanalytischen Forschung verdankt. Kap. 3: „Die Masturbation" scheint mir in zu rosigem Lichte betrachtet. Neurosen, ausgesprochene Verringerung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeiten, Verschlechterung der Stimmungslage, Herabsetzung der Energie und Unternehmungslust sind von der ärztlichen Wissenschaft bestätigte Erscheinungen, über die nicht.hinweg gegangen werden kann. Im übrigen kann die von hohem Idealismus getragene Schrift jeder Mutter empfohlen werden, wenn sich auch über manche Punkte streiten läßt. Die Psychoanalyse steht wieder mehr >im Mittelpunkt des Jnteresies, seit Professor Bumke, München, auf dem Naturforschertag in Königsberg ein recht abfälliges Urteil über die Psychoanalyse als Wisienschaft gefällt hat. Es ist daher zu begrüßen, daß endlich ein sachlich gehaltenes Werk erschienen ist, daß vom gegnerischen Standpunkte aus Freud gerecht zu werden versucht. Psychoanalyse und seelische Wirklichkeit von Dr. P. Maag, Zürich, gebunden 10 Jl. Der Verfasser, welcher sich jahrzehntelang mit der Neurose beschäftigte, kommt zu.wesentlich anderen Ergebnisien als Freud. Auf einzelne Punkte sei kurz hingewiesen. Die sogen, prägenitale Libido wird bestritten und auf einfache Aeußerungen des Lebenstrrebes zurückgeführt. Maag verwirft eine Neurose, bei der unbewußte Verdrängungen wieder ans Tageslicht gehoben werden. Als wesentliches Verdienst Freuds wird anerkannt, daß die sogen. „Uebertragungsneurosen" einen Zusammenhang mit sexuellen Ursachen aufweisen. ' Maag sieht die Lösung der Neurose nicht in der Bewußtseinmachung der verdrängten Triebe, sondern in ihrer Sublimierung durch die Stärkung des Ethos gegenüber den unbeherrschten Trieben. Berfasier will das Verantwortungsgefühl der Jugend heben, um ihr die nötige Widerstandskraft gegen die Versklavung der Triebe zu schaffen. Bon meiner Palästina-Reise. Von Otto Geismar. 3. Mein Besuch bei den Beduinen. Wer Palästina besucht, hat, wenn er nur will, heute noch das Glück, die Romantik der Bibel wie einen verwirklichten Traum zu erleben, und der etwas schwärmerisch Veranlagte hat Gelegenheit, Genüße zu kosten wie sonst nirgends. Wie lange noch? Um aus eigener Anschauung das Leben der Patriarchen kennenzulernen, war mein sehnlichster Wunsch ein Besuch bei reichen Beduinen. Schon 'in Aegypten sah ich sie mit ihren, auf das Kamel gepackten schwarzen Zelten zigeunerhaft von Ort zu Ort ziehen. Das waren aber arme Leute, die von der Arbeit ihrer 2—3 Kamele leben (Lasten schleppen). Man warnte mich vor den Beduinen, man warnte mich überhaupt vor den Arabern, vor den arabischen Dörfern. Einzelne Dörfer sind besonders berüchtigt, so z. B. Mizpeh, Ramah sowie sämtliche andern in der benjaminischen Gegend gelegenen historischen Orte, aber auch Sunem, Endor usw. Das konnte mich aber nicht abhalten, als ich in der Nähe der Wasierfälle des Jarmuk oberhalb des Elektrizitätswerks, wo 5—600 Arbeiter beschäftigt sind, am Hügel ein großes Beduinenlager erblickte. Ich bog also vom Talweg ab und begegnete großen Herden von Schafen, Ziegen, Eseln und Rindern, die je von einem Hirten betreut wurden. Wie schwoll mir das Herz, als ich da leibhaftig einen Jakob, einen David in der uralten Kleidertracht bei einer Hitze von mindestens 50 Grad die Schafe hüten sah! Es fiel mir Jakobs Vorwurf ein: n^'^2 mpv xin ■»aVsx ava 'w'N (l* 31* 40)* Es sind auch noch dieselben Fettschwanzschafe, die da gezüchtet werden, wie im Altertum. Ich kam mir wie in einem Traumland vor. Das Zelt des Scheichs ist keicht zu erkennen,' es ist das größte. Ein finster -dreinblickender jüngerer Beduine empfing mich ganz förmlich und'bedeutete mir, daß er nicht der Scheich sei, sondern sein Stellvertreter: der Scheich sei nicht zu Hause, aber in der Nähe. Aha! dachte ich, also ein Elieser ^ia.1 »uva )j?T »vnJ7 iVlWK VD3 (l*24‘2*) der in Abwesenheit des Scheichs über alles befiehlt. Dieser uy>:i p^a p (1. 15. 2) war, nachdem ich dann das Zelt betreten hatte, die Freundlichkeit und Gastfreundschaft selbst. Er überbot sich in Zuvorkommenheiten, eilte in den andern Raum ‘•.rc*’ (1.18.6), schleppte einen prächtigen Teppich herbei und ein reines weißes Kisten und forderte mich zum Sitzen -auf, was mir auch gelang, obschon ich es nie vorher geübt hatte. Er bereitete mir eine Wasserpfeife (Nargile) und zündete sie mit einer Kohle des ewigen Feuers, das in einem Loch in der Mitte dieses seitlich offenen Raumes glühte, an, und da ich dankend ablehnte, kochte er mir am selben Kohlenfeuer einen arabischen Kaffee, der mir gut mundete. Und ich dachte dabei an Abraham, der seinen fremden Gästen auch allerhand Erfrischungen anbot (1.18). Dabei blieb er ehrerbietig vor mir stehen, und ich sah im Geiste den Abraham vor den sitzenden Gästen stehen (1.18.8) a,vbv mir Kin> Cr hatte aber schon den Scheich von dem Besuch benachrichtigt, und als dieser ankam, stand ich auf, grüßte und erklärte ihm, daß ich den Wunsch habe, das Lager zu besichtigen, zu zeichnen und zu photographieren. Er war damit einverstanden. Bloß ein Raum, der von allen-Seiten durch Teppiche abgeschlossen war, und in dem sich seine Frauen mit den kleinen Kindern befanden, blieb mir verwehrt. narO (1- 18. 9). Der Scheich holte aber diese Familienmitglieder heraus, damit ich sie photographieren konnte, während sie um das Feuer saßen. — Das Zelt besteht aus 2—4 Abteilungen, die durch die Konstruktion bedingt sind und durch Teppiche oder Reisigwände markiert werden. 3—5 Paar oben gegabelte Stangen werden so aufgestellt, daß sie eine lange Doppelreihe bilden, je ein Paar Stangen wird in den Gabeln durch eine Querstange verbunden, und der ganzen Länge nach wird ein oder werden mehrere schwarze, regendichte Tücher über diese Querstangen gelegt. Wenn dann die Stangen und die Tuchenden durch lange Schnüre angepflockt sind, und eine Seite (die dem Hügel abgelegene Wetterseite) durch Teppiche oder Reisigwände abgeschlosten ist. steht das Zelt fertig da; nur die einzelnen Räume müsten abgeteilt werden. Jeder Raum ist etwa 3,3 Meter groß. Der offene Vorraum im Zelte des Scheichs bildet eine Art Amtszimmer. Der mittlere Raum in diesem Zelt ist etwas höher, die seitlichen fallen etwas ab. Rechts und links an den Enden des Zeltes wird der Raum als Speicherraum benutzt. Die meisten andern Zelte haben bloß 2 Räume und die beiden Speicherecken. HXT>d 3h m Grundritz eines Seitenansicht eines groben Zeltes groben Zeltes kleinen Zeltes So und nicht anders haben auch die Zelte der Stammväter ausgesehen und in der Weise der Beduinen haben sie auch gelebt; vielleicht waren sie noch wohlhabender als diese hier. Sarah hatte z. V. ein eigenes Zelt (1.24.67). Doch auch diese Beduinen verfügen über große Herden; ich schätzte 60—80 Stück Rindvieh, 200—300 Fettschwanzschafe, ebenso viele schwarze Ziegen und etwa 30 Esel. Zu dem Lager gehörten ungefähr 15 Zelte. Spurlos sind die Jahrtausende an diesen -Leuten vorübergezogen, fast nichts hat sich in ihrer Lebensweise ge-