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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-12-15 · 24 (15.12.1935) · p. Seite 536

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
24 (15.12.1935)
Date
1935-12-15
Page
Seite 536 (sequence 2)
Language
German
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536 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 24 satzbereit ist, wo inan ihn hinschickt, er knüpft an das an, was zur Makkabäerzeit unter anderen Verhältnissen geschah. Immer wieder haben wir unser Volk nach Perioden der Abirrungen, die, sei,es durch äußere Ereignisse oder durch innere Irrtümer bewegt waren, auf seine eigentliche Linie zurückführen müssen. Es gab Zeiten, wo das Makkabäerlied, trutzig gesungen, vielleicht die einzige innere Waffe war, die uns blieb, um nicht in vollkommener Passivität zu versinken. Auch in der Seele des gedrücktesten unserer Juden, der für seine Person schon nicht mehr damit rechnete, daß sein Schicksal sich anders gestaltete, war es wie ein Gruß aus vergangener Zeit, wenn das „Moaus zur" emporklang. Heute ist es uns zur Fanfare geworden. Gewiß, auch manche Melodie, die nun auf dem Boden von Erez Israel entstanden ist, wie vor allem das Emeklied, erwirbt sich Heimatrecht im Herzen unserer Jugend. Wenn am Vorabend von Chanukkah in der jüdischen Stadt Tel-Awiw die gewaltige Menorah entzündet wird, wenn die Jugend dieser Stadt, mag sie noch im Galuth geboren sein oder schon der „stachliche Kaktus" des Landes, Sabre genannt, 'von ihren Lehrern und Führern in Ordnung und Zucht herangeführt, gemeinsam das Makkabäerlied anstimmte, dann findet sie damit die Verbindung zur Vergangenheit; sie findet aber auch den Weg aus dem Wort zur Tat. Hier müssen wir immer wieder die Lauen aufrufen, die Halben zu begeistern suchen. Dort spricht über Jahrtausende hinweg die Vergangenheit zur Gegenwart. Niemand weiß, wie das Judenschicksal der Gäluth seinen weiteren Weg gehen wird. Oftmals -haben sich ja in unserer Vergangenheit ganze Länder für das Judentum geschlossen; Eines ist sicher: Diese Jugend, die den Weg der Umstellung gefunden hat und ihn täglich weiter findet, wird unser Volk bewahren und dafür sorgen, daß das Wunder der Makkabäerzeit sich in jeder Generation, die nach uns kommt, erneuert. Für uns Ältere, denen dieser Weg kaum noch möglich ist, die wir aber gelernt haben, nicht mehr mit dem Einzelleben allein zu rechnen, bleibt das bei allem, was wir erleben, das Beglückende und froh Machende. Einstmals glaubten wir ein altes schon, vergreisendes Volk zu sein, müden Stimmungen des Untergangs und der Dekadenz gaben wir uns hin. Nun erleben wir das Wunder der Verjüngung, und es ist so, als ob der Geist Juda Makkabis unsere Kinder auf diesem, nicht leichten Wege zu freien, frohen und starken Menschen begleitet. Zum 30 jährigen Bestehen des Gesamtarchivs der Juden in Deutschland Von Dr. Max Freudenthal. Das Gesamtarchiv der Juden in Deutschland wird in Bälde 30 Jahre seines Bestehens vollendet haben. Diese drei Jahrzehnte führten eine stattliche Erweiterung der von ihm angesammelten Archivalien herbei; sie ließen aber auch, was nicht minder wichtig ist, die Erkenntnis seiner Bedeutung eine erfreuliche Steigerung innerhalb der jüdischen Gemeinden erfahren. Die nunmehr in Deutschland eingetretene Umwandlung der jüdischen Verhältnisse muß erst recht und von selber dazu führen, daß niemand mehr, sei es Gemeindeverwaltung oder Privatperson, sich dieser Erkenntnis verschließen kann, daß jedermann vielmehr von Herzen für das Vorhandensein einer solchen Institution dankbar sein darf. Heute begreift man in weiten Kreisen, daß die Bergung und Sicherung der Urkunden, Akten und Kultgegenstände aus den zahlreich sich auflösenden, wie in den noch weiter bestehenden jüdischen Gemeinden Deutschlands mit zu den wichtigsten und vornehmsten Aufgaben der jüdischen Gesamtheit gehört, und daß der Verlust solcher wertvollen Besitztümer einen für die geschichtliche Vergangenheit und Zukunft der Juden in Deutschland unersetzlichen Schaden -bedeuten würde. Diese Erkenntnis erhält noch einen besonders starken Antrieb durch die aus bekannten äußeren Ursachen gebotene Fatnilienforschung. Sie bildete bislang das Interessengebiet eines verhältnismäßig kleinen Kreises, hat aber jetzt wohl in allen jüdischen Familien ein Echo gefunden und zahlreiche Wißbegierige auf den Plan gerufen. Daß zur Durchführung solcher Spezialforschungen die Konservierung und Sammlung aller sowohl in öffentlichem wie in privatem Besitz befindlichen jüdischen Urkunden unbedingt geboten ist, wird nunmehr selbst jedem Laien ohne weiteres einleuchten. Notwendig hierfür wie überhaupt für die Verwertung der Urkunden ist natürlich die Sammlung an e i n e r Stelle und ihre Bearbeitung durch wissenschaftlich geschulte Persönlichkeiten. Eine solche Gesamtstelle wird dann auch imstande sein, die eigenen Bestände durch das zahllose, in den staatlichen und städtischen Archiven befindliche Urkundenmaterial, sei es in Form von Abschriften oder durch sachverständige Bearbeiter an Ort und Stelle, zu ergänzen und dadurch der historischen wie der Familienforschung erst umfassende und sichere Ergebnisse zu ermöglichen. Als im Winter 1903 der Direktor des fürstlichen Archivs zu Pleß, Dr. Ezechiel Zivier, als erster die Anregung zur Begründung eines derartigen allgemeinen Archivs der Juden in Deutschland gab, galt es zunächst den Boden für das Verständnis der Wichtigkeit einer solchen Aufgabe zu bereiten. Die Großloge Bne Brith in Berlin und, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund waren es, welche die Anregung aufnahmen. Zivier selbst unternahm die erste archivalische Informationsreise , durch zwanzig alte jüdische Gemeinden in Süddeutschland. Solche Informationsreisen bildeten fortan eine wichtige Maßnahme für die Archivleitung denn sie sollten nicht bloß dieser selbst die Kenntnis der in den Gemeinden vorhandenen Bestände verschaffen, sondern auch das Verständnis für die Bedeutsamkeit und Notwendigkeit des Unternehmens propagieren. Mit den Archivleitern waren die hervorragenden Fachmänner und einsichtig interessierten Laien, welche unterdessen im Kuratorium die Führung der Geschäfte übernommen hatten, in gleicher Richtung erfolgreich tätig. Für den Hochstand, auf dessen Plattform sofort die Arbeit eröffnet wurde, ist es bezeichnend, daß an der Spitze des Kuratoriums ein Jahrzehnt hindurch ein Historiker wie Martin Philippson stand und daß die Leitung des Gesamtarchivs über eineinhalb Jahrzehnte einem Geschichtsforscher wie Eugen Täubler übertragen war. Finanzielle Unterstützungen aus Deutschland wie aus Amerika halfen über die schweren Zeiten nach dem Kriege teilweise hinweg. Oft drohte die Gefahr des Zusammenbruchs, immer wieder wurde sie jedoch durch das Verständnis jüdischer Kreise für die Notwendigkeit der Erhaltung dieser wichtigen Institution gebannt. Nach mannigfachen Wandlungen in seiner Verfassung ist das Gesamtarchiv der Juden in Deutschland nunmehr eine gemeinschaftliche Anstalt der Jüd. Gemeinde zu Berlin, der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden geworden, welche drei Organisationen etatsmäßig seine Unterhaltung übernommen haben. Das Tätigkeitsgebiet des Gesarntarchivs hat unter dem Einfluß der gegenwärtigen Verhältnisse nicht bloß durch die Erforschung der jüdischen Personen- und Familiengeschichte, sondern auch durch die Inventarisierung jüdischer Kultdenkmäler sowie durch die Einbeziehung der wichtigen Friedhofsforschung eine bedeutende Erweiterung erfahren. Die fachliche Leitung führt zur Zeit Dr. J. Jacobson. Das Archiv befindet sich im Verwaltungsgebäude der Berliner Jüdischen Gemeinde Oranienburger Straße in technisch zweckmäßig ausgestatteten Räumen. Zu den Aufgaben des Gesamtarchivs gehörte von Anfang an auch die Herausgabe von Mitteilungen aus seinem Arbeitsgebiet, insbesondere von Inventarübersichten. Bisher sind sechs Jahrgänge solcher Mitteilungen erschienen, . die fünf ersten von Täubler, der sechste von Jacobson herausgegeben. Sie enthalten jedoch mehr als Tätigkeitsberichte und Inventarangaben. Dank der Mitarbeit von Fachgelehrten bringen sie eine Reihe von wichtigen historischen Abhandlungen, Zusammenstellungen der auf Juden bezüglichen Stellen aus der allgemeinen zeitgenössischen Geschichtsliteratur und Übersichten über jüdische Archivalien auch in öffentlichen Archiven, z. B. im Staatsarchiv zu Hannover, im Kreisarohiv zu Amberg. Aus den Tätigkeitsberichten verdienen die im dritten Jahrgang wiedergegebenen Vorträge besondere Beachtung, welche Philippson und Täubler Ende 1910 bei Verlegung des Archivs in den Neu-'

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