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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-12-15 · 24 (15.12.1935) · p. Seite 535

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
24 (15.12.1935)
Date
1935-12-15
Page
Seite 535 (sequence 1)
Language
German
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Jfcoditifdjc <BcmcmÖc3citung IJadjpidjt^ unö Öc6 Öet&anöe$ ^oyccifrfjet flftaelttifcfjet (ßcmdnöcn Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XI. Jahrgang München, 15« Dezember 1935 Nummer 24 Inhalt: Die jüdische Jugend und das Chanukkahfest — Zum 30jährigen Bestehen des Gesamtarchiys der Juden in Deutschland— Die Staatszionästische Organisation — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüdischer Turn- und Sportverein — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereiiis — Jüdischer 'Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München — Chanukkah- Beilage — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung der Isr. Kultusgemeinde München: Kartei der Gemeindemitglieder — Personalia — Geschäftliches. Die jüdische Jugend und das Chanukkahfest Von Studienrat a. D. Dr. Willy Cohn (Breslau). Am Sabbath, vor Beginn des Monats Kislew, ertönt uns zum erstenmal bei der Neumondweihe die altvertraute Weise des Chanukkahliedes wiederum entgegen, und. von da an begleitet sie uns 4 Wochen hindurch auf unserem Wege. Es gibt heute keinen jüdischen Kindergarten mehr, wo das Kleinkind, lange bevor es lesen und schreiben kann, diese Melodie nicht singen hört, und unsere jüdischen Schulen bereiten das Makkabäerfest viele Wochen vor. Es ist etwas Eigenartiges um dieses Fest. Es gehört nicht zu denen, die als Feiertage religiös vorgeschrieben sind. Im religiösen Sinne Feiertag ist nur so lange, wie die Lichter brennen. — Und doch! In immer steigendem Maße hat sich dieses Fest eine besondere Stellung vor allem im Herzen unserer Jugend erobert. Diese Zeit findet sie besonders aufnahmefähig für das, was die Makkabäer getan haben. Die Feiertage des Herbstes brachten die Auseinandersetzung mit uns selbst. Ihr Ausgang im Simchath Thora-Fest erfüllte uns mit der Freude über unsere Lehre, aber das Makkabäerfest zeigt unseren jungen Menschen, daß der Jude, der in diesen 20ÜO Jahren, die das Galuth nun bald dauert, wohl einen Heroismus des Leidens in ungeahntem Maße aufzubringen imstande war, auch noch einen anderen Heroismus kannte, den Heroismus der Tat. Als Juda Makkabi die Führung des Judentums in einem Augenblicke übernahm, wo dieses innerlich und äußerlich durch den Einfluß des Hellenismus zugrunde zu gehen drohte, fand er Unterstützung vor allem bei den jungen Menschen, die sich nicht nur mit Worten gegen die Überfremdung wandten, sondern die sich mit dem Einsatz ihrer Persönlichkeit vor das bedrohte Heiligtum stellten und das Wunder vollbrachten, daß aus dieser schwach und immer schwächer werdenden Flamme des Judentums wiederum ein leuchtendes Fanal wurde, dessen Glut nun 2000 Jahre gereicht hat, immer neue Geschlechter zu entflammen. Eine unmittelbare Linie führt von jenem Makkabäergeschlecht zu den jungen Menschen unserer Tage. Die ältere Generation hat sich wohl in unzähligen Diskussionen gesorgt um die Zukunft des Judentums. Sie hat darüber beraten, welche Wege man einzuschlagen hat, um unser Volk innerlich und äußerlich vor dem Untergang zu bewahren. Das Wort von der Renaissance war in aller Munde. Aber sehr häufig blieb es beim Wort. Wie viele haben wohl in ihrer Jugend sich gelobt, einmal selbst hinauszuziehen, und mit ihrer Hände Arbeit den Boden der alten Heimat zu erlösen. Als dann das Leben an sie herantrat, da erwies sich der Zwang des Bestehenden stärker als der Wille zum Neuen, und sie blieben eben in der ausgefahrenen Bahn, die ihnen gewiesen. Gewiß, es steht außer aller Frage, daß auch auf dieser Hervorragendes geleistet worden ist, und wir wollen nicht in den Fehler verfallen, unsere eigene Vergangenheit zu lästern. Die Jugend von heute kann diesen Weg nicht gehen, und was mehr ist, sie will ihn auch zum überwiegenden Teil nicht mehr. Sie will aus dem Kreislauf heraus, der durch das Galuthschicksal begründet ist, und zu ihnen spricht vor allem unser Fest Heute heißt es nicht, den Tempel zu reinigen, heute heißt es nicht, Fremde aus unserem Lande zu weisen, heute wird der Kampf um das Bestehen des Judentums an der Front der Siedlungen ausgetochten. Jeder Fußbreit Boden, der nach jahrtausendelanger Pause wieder unter Bearbeitung genommen wird, jeder Bach, dem sein Weg gewiesen wird, damit er nicht mehr die Umgegend versumpft, ist ein Stück Makkabäertum. Der unbekannte Pionier, der unbekannte Chaluz, der dort ein- Spendet reichlich zur 2. Pfundsammlung am 22.Dezember! Gedenkt zu Chanukkah Eurer bedürftigen Glaubensgenossen!

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