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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-08-01 · 15 (1.8.1935) · p. Seite 337

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
15 (1.8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 337 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 337 jüdischer Verantwortlichkeit. Freilich ist an und für sich der' Vorgang der Vergebung von Arbeiten und Lieferung auch im Bereich der öffentlichen Wirtschaft nur. ein geschäftlicher; möglichste Sparsamkeit bei der Verwendung der Steuergelder ist und bleibt das wirtschaftliche Ziel, das nie aus dem Auge verloren werden darf. Die in Betracht kommenden Wirtschaft-' liehen Kreise (Handwerker, Unternehmer, Architekten. Arbeiter usw.) haben aber schon immer an die vergebenden Körperschaften Forderungen wirtschaftlicher und sozialpolitischer Art gestellt, die mit der Forderung größtmögliche Sparsamkeit häufig in Kollision geraten. Die hierauf beruhenden Probleme werden je nach den örtlichen und zeitlichen Verschiedenheiten der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse je und je eine verschiedene Lösung erfahren. Der Versuch, theoretisch eine allgemein richtige Lösung — eine sog. ideale Methode der Verdiingung — zu konstraiierani müßte scheitern'. Wissenschaftlich fruchtbar und lehrreich für die Praxis kann nur sein eine gründliche Darstellung bestimmter Perioden des Verdingungswesens konkreter Körperschaften. In solcher gründlicher Darstellung, die einerseits auf der Einsicht in die grundsätzlichen Fragen, andererseits auf umfassender Stoffbeherrschung beruht, berichtet das vorliegende Buch über die Erfahrungen, die die Gemeinden München und Nürnberg in den Jahren 1905—1930 bei ihren Verdingunigen, besonders denen auf baulichem Gebiet gemacht haben. — Das Buch Dr. Spielmanns kann den an der Vergebung der Aufträge unserer jüdischen Körperschaften interessierten Kreisen angelegentlich zum Studium empfohlen wenden. Dr. S. F. Dr. Seligmann Meyer. „Arbeit und Handwerk im Talmud". „Laubhütte"-Verlags-iG. m. b. H.. Hamburg. 2. Auflage. Mit einem Geleitwort von Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach, Altona, und Wilhelm Marcus, Vorsitzender des Zentralver- . bandes jüdischer Handwerker. Mit einem Bildnis des Verfassers. Preis 1.20 RM. Diese vor 57 Jahren zuerst erschienene sehr instruktive Arbeit des verewigten Regensburiger Rabbiners ist nicht nur nicht überholt, sondern im Laufe der Zeit immer aktueller, geworden. Sie behandelt in fünf Abschnitten das Wesen und die Stellung der manuellen' Arbeit im Judentum und schöpft dabei aus dem Vollen, nämlich aus dem Buche, das das Leben und die Gedankenwelt der palästinensischen und babylonischen Judenheit in einem Zeitraum von fast einem Jahrtausend getreulich widerspiegelt, aus dem Talmud und aus den Midraschim. Die Belesenheit des Verfassers, nicht nur in den talmudischen Disziplinen, sondern auch in den kritischen Werken der. chistliohen Theologie, mit der er sich in klarer und vornehmer Weise auseinandersetzt, macht das Buch zu einer Fundgrube für jeden, der sich über die Stellung von Arbeit und Handwerk im Talmud unterrichten will. Da die Erschütterungiein des Wirtschaftslebens der deutschen Judenheit diese gebieterisch auf eine Neuorientierung des Berufslebens hinweist, ist dieses Werk, gerade in heutiger Zeit, so recht zum Wegweiser und Wegbereiter geeignet. Das Buöh ist direkt vom „Laubhütte"-Verlag, Hamburg 13, Hallerstraße 64, und von jeder jüdischen Buchhandlung zu beziehen. L. Philo von Alexandrien, Von den Machterweisen Gottes. Ubersetzt, bearb. und eingeleitet von Hans Lewy, Bücherei des Schocken-Verlages Bd. 36 (Berlin 1935). Nicht nur der Midrasch, die Sage, vermag die Doppelaufgabe zu erfüllen, uns zugleich zu belehren und zu trösten; auch die Geschichte unseres Volkes erfüllt sie, wenn man sie recht versteht. Philo von Alexandrien, ein Jude, der. aus allen Quellen der Bildung seiner Zeit getrunken hatte, schreibt griechisch das dunkelste Kapitel unserer Geschichte: die Verfolgungen der Juden unter Kaiser Caligula. Aber diese Geschichtsschreibung wird, wie der Herausgeber und- Übersetzer Hans Lewy in seinem Vorwort sagt, „transparent":. denn jedes einmalige Faktum erhält allgemeine^ paradigmatische Bedeutung und der Augenblick wird zum Zeichen der 'Vergangenheit und Zukunft. Auf dieser Transparenz beruht die zeitlose Wirkung des Werkes, dessen Eindruck sich gerade geschichtsnaihe Zeiten wie die unsrige nicht entziehen können. Aber noch auf ein Anderes weist der kenntnisreiche Herausgeber, der seit kurzem an der Universität Jerusalem MÖBEL-BALLIN jetzt Theatlnerstraße 7, Eingang Maffeistr. Billige Preise bei gediegener Qualität tätig ist, mit Recht hin: selten sind in unserer weiten Literatur die Werke, in denen Juden Mund und Herz öffnen und nicht nur von ihren Nöten, sondern auch von ihrer inneren Haltung während der großen Existenzkrisen Zeugnis ablegen. Meist sublimiert sich ihr Bekenntnis in allgemeinen Gebetformeln oder entflieht in visionäre Bezirke... Hier aber ist beides vorhanden: Tatsachenbericht und Deutung, Darstellung und Sinngebung, Wirklichkeit und Wahrheit. „Wenn wir Heutigen die geschilderten Ereignisse in . vielem anders sehen, so bleibt es uns doch ebenso wichtig zu erfahren, wie jene Generation ihre Leiden aufgenommen und ihr Schicksal begriffen hat. So wird für uns das Werk des Philon zu einem der großen Dokumente jüdischer Schicksalskunde, deren Geschichte zu schreiben unserem Geschlecht aufgegeben ist." B.B.St. Wege zum Glauben, Vortrag zur sechsten Eröffnungsfeier des Jüdischen Lehrhauses in Köln, gehalten von Professor Dr. med. Bruno Kisch. Köln. (Verlag P. Fink, Köln, Dasselstraße 22.) Gott ist kein Wassensgegenstand. Nur das Seelenleben der Menschen und ihr Versuch, sich über sich selbst zu erhöhen —. aus den verschiedensten oft beschriebenen Motiven und Bedürfnissen —. ferner die verschiedenen historisch gewordenen Religionssysteine können zum Objekt des Wissens gemächt werden. Die Frage aber: Glaubst du daran? oder: Wäre alles umsonst? Das Leben ein einziger großer Unsinn? kann erst recht nicht beantwortet werden. Nur die Frage nach den Wegen zum Glauiben ist sinnvoll. Mit dem Vorspruch „Die religiöse Gegenreform muß das, durch nichts anderes ersetzbare Kernstück der jüdischen Gegenemanzipation sein", zeigt Bruno Kisch, der bedeutende Kölner Physiologe, vernehmbar und mit dem Gewicht des ernsten wissenden Wahrheitssuchers den gottgläubigen Standpunkt als den Kernpunkt des Judentums. Gegen rituelle Werkpedanterie und gegen inhaltlosen Wortzauber! Kisch ist legitimiert, es mit aller Wucht auszusprechen: „Keine Gedstes- oder Naturwissenschaft hat uns Tatsachen kennen gelehrt, die mit dem positiven Gottesglauben unvereinbar wären." Kischs Gesamthaltung und Beweisführung im einzelnen ist diametral entgegengesetzt der eines anderen bedeutenden jüdischen Arztes, Naturforschers und Psychologen, der von' Sigmund Freud, der kühl, aber mit dem gleichen leidenschaftlichen Wissensethos wie Kisch. auch mit der gleichen, großen Menschenliebe und Erfahrung es formuliert hat: ..Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daß einegrößere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch' unternimmt, sich Glücksversicherung und Leidensschutz durch wahrhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen. Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn seihst teilt." Die Konsequenz einer solchen streng - voraussetzungslosen und nichts als wissenschaftlichen Don-Quichotterie mit umgekehrtem Vorzeichen wäre nach Vernichtung jeglicher Metaohysik und aller menschlichem Illusionen das nackte Nichts. Also an der Notwendigkeit der charakterologäschen und metawhysäschen Überwindung des psychoanalytischen Menschenbildes M. »ILBEBTHAV & CO. KAUFIN GERSTBASSE lO Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Silberpaaren

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