Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 13 (1.7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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288 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 =*£S fltofes Berufung Don (Stovße 21. <5oIt>fd>laß WTantytv ftel>t in lauter Äi<I>t, •Stirn t>on ©w<f bcFran^t bett Scheitel, 2Cber ©Ott bejaht tyn ntc^t Uttb fem CagcttJcrB bleibt eitel. 2)o<!> ein Rubrer, ben $ultt$t (Bott er£or 3« ^eiligem 2lmte, j£at fi^ faflTungelos entfeijt, 2tte ber £)ornbuf^> t>or il>m flammte. Cammer ben er^d^te ©Ott, SDafj fem t>oIf ft$ um tyn fammle, 2)er ba trief: ,,^err Sebaot^, Warum tra^Ift bu mic£? ic£ ftammle!" &zs^ 1829 versuchte die Jaden-schaft sich von den ihr auferlegten besonderen Lasten an die Gutsherrschaft, die aus der Schutzgewährung herrührten, .z%.befreien, da sich ihre bürgerlichen Verhältnisse inzwischen 4in allgemeinen geändert und sich dadurch auch Jenes zur GriÄdherrschaft anders gestaltet hätte. Am 9. Mai und am 6. August wiederholt (die Judenschaft in Ichenhausen in einer allerüntferthänigst treügehorsamsten Vorstellung und Bittean „Se. Majestät des Königs von Bayern allerhöchstes Staatsministeraum des Innern" das Verlangen, einen Rechtszustand herzustellen, welcher die „Grenzen der grumdherrlichen Rechte wie die Pflichten der Judenschaft bezeichnet und prozessualische Weitläufigkeiten entfernt", da nämlich inzwischen >die Grundherrschaft „mit immer weniger Rücksicht mit immer weniger Schonung jedes Gefälle, selbst die sogenannten Fallgelder, auf dem Wege der Pfändung beigetrieben". Nun mag freilich niemand gern Steuern unid Abgaben leisten, namentlich wenn er sie für zu Unrecht angefordert hält. Es will aber auch niemand freiwillig auf ein Recht verzichten, das seiner Meinung nach gar wohl begründet und verbrieft ist und zudem so hübsche Summen einbringt. So zog sich der Prozeß eine lange Weile hin, und ehe er nicht entschieden war, wollten die Juden auch die strittigen Abgaben nicht mehr leisten. Damit war freilich die Herrschaft nicht einverstanden und sie zog recht ungnädige Saiten auf. Durch Trommelschlag wurden scharfe Maßnahmen gegen die Zahlungssäumigen angedroht. Da beugten sich die meisten der Gewalt, protestierten zwar — aber zahlten doch. Die anderen indes meinten, es werde keine' Suppe so heiß gegessen wie gekocht und sie wollten es darauf ankommen lassen. Man hat vor 100 Jahren auch gut kochen können, wenn man etwas zu kochen hatte und daß es daran den Frauen auf Sabbat nicht fehlte, ließen sich die Männer schon angelegen sein. Wer aber nicht so viel verdiente, daß es zu einem rechten Sabbatschmause langte, 'der bekam aus der Armenkasse soviel MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister Mönchen VII gesandt, daß er an diesem Tage nicht darben brauchte. Es brozzelte also in allen Küchen am Freitag und süßer Schaletduft drang aus den Häusern. Es gab recht viele arme Juden damals in der Juidengemeinde und einer hat um jene Zeit sogar eine Hypothek auf seinen Synagogenstand von der Gemeinde aufnehmen wollen, um das Reisegeld für sejne Kinder nach Amerika zusammenzukratzen. Aber ein paar zinnerne Teller, eine blankgeputzte funkelnde Messinglampe für Schabbos, ein silberner Kidduschbecher fand sich doch fast in jedem Hause, um dem Sabbat festlichen Glanz zu verleihen. Wer begreift daher den Schrecken der Ichenhäuser, als am Freitag, dem 3. Juni 1831, just um die Zeit, als die Hausfrauen den Sabbattisch gedeckt hatten, das Patrimonialgericht mit den angedrohten Exekutionen (Pfändungen) begann? Der größte Teil der Renitenten zahlte jetzt freiwillig, um die 15 kr. Pfändungsgebühr zu sparen; aber was wollten jene machen, die kein Geld mehr im Beutel hatten? Und so berichten denn die Akten weiter, daß das Gericht gepfändet habe, bei Heinemann Abraham, 1 silberner Becher mit 10^ Lot, Wert 18 fl., geforderte Gebühr 5 fl. Tannhauser Jainkl, 1 silberbeschlagene Meerschaumpfeife, Wert 9 fl., geforderte Gebühr 3 fl. Gerstle Abraham, 1 silberbeschlagene Pfeife, 1 silberne Uhr, Wert 10 fl., geforderte Gebühr 6 fl. Hollender Josef, 1 Dzd. Messer und Gabeln, Wert 8 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 54 kr. Ulimann Emanuel, 1 silberner Becher, Wert 7 fl. 30 kr., geforderte Gebühr 5 fl. Bernheim Jainkl, 1 silbernes Messer mit Gabel, Wert 7 fl. 30 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 45 kr. Semler Leopold, 2 silberne Bestecke s/e Lot, Wert 7 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr. Gerstle Simon, 1 silbernes Salzbüchschen, Wert 6 fl., geforderte Gebühr 5 fl. Kahn Samuel, 8 zinnerne Teller, 1 Schalethafen, Wert 7 fl, geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr. Kahn Hirsch, 2 silberne Bestecke, Wert 7 fl. 12 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 50 kr. Bissinger Elise, nichts gefunden. Fischer Jakob, 6 zinnerne Teller, 1 Zinnplatte, Zinnkannen. 1 Messingleuchter. Günzburger Lemle, 1 silbernes Salzbüchschen, 1 silberbeschlagene Meerschaumpfeife im Werte von 10 fl. 24 kr, geforderte Gebühr 5 fl. 45 kr. Ei. war das eine Aufregung! Samuel "Kahn und Jakob Bernheim mußten später sogar wegen Widersetzung gegen' die Obrigkeit in einem neuen Prozeß vor dem Kgl. App. Gericht für den Obendonaukreis sich verteidigen, weil sie gar so getobt hatten; doch hatte das Gericht ein Einsehen und sprach sie frei. Es hatte wohl Verständnis dafür, daß man den Schalethafen und das silberne Eßbesteck nicht unmittelbar vor dem Sabbath pfänden dürfe. — Erst nach zehnjährigem Kampfe wunde der Prozeß zwischen der Gutsherrschaft und der Judenschaft durch einen Vergleich beendet, ohne daß sich für die Juden viel geändert hätte. Erst das Jahr 1869 beseitigte die letzten Beschränkungen ihrer bürgerlichen Rechte. Wenige Jahre vorher (1858) endete auch die Gutsherrschaft derer vom Stain nach einer fast dreihundertjährigen, den Juden im allgemeinen wohlwollenden Ortsregierung. Eine Synagogeneinweihung in Bayern 1817 Von Rabbiner Dr. M.,Katten (Bamberg). In diesem Jahr sind 250 Jahre vergangen, seitdem es in Floß in der Oberpfalz eine jüdische Gemeinde gibt. Kein Ereignis wird je dort eine so frohe Gemeinide gesehen haben als die Einweihung der Synagoge im Jahr 1817. Der Zufall hat mir ein paar Blätter in die Hände gespielt, aus denen die Einzelheiten der Festlichkeit zu ersehen sind. In der trefflichen „Geschichte der Juden in der Oberpfalz" von Weinberg, deren