Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 13 (1.7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 289 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 289 5. Teil die - -Geschichte der Gemeinde Floß behandelt, wird auf dieses Ereignis nicht näher eingegangen, weshalb ich wohl kurz darüber berichten darf, zumal es nicht ohne kulturgeschichtliches Interesse ist. Am 26. April 1813 hatte in Floß ein verheerender Brand gewütet, der neben zahlreichen Bauernhöfen auch die alte, fast 100 Jahre lang benutzte Synagoge in Asche gelegt hatte. Die Flosser Juden ließen den Kopf nicht hängen und brachten in verhältnismäßig kurzer Zeit den Fond für einen Synagogenneubau zusammen. Zur Einweihungsfeier des nach Regierungsplänen erbauten Gotteshauses waren Einladungen an die Vorstände der Königlichen Landgerichte, die Pfarrämter und „andere Herrschaften der Umgegend" ergangen.. Am 22. August 1817,' dem •Einweihungstage, begaben sich einige- Vorsteher sowie acht berittene „Judensöhne" nach Neustadt a. d. Waldnaab, um den Landrichter v. Lichtenstein und seine Begleitung abzuholen unid nach Floß zu geleiten. Am Eingang des sog. Judenberges war eine Ehrenpforte errichtet und der damalige Rabbiner Moses Wittelshöfer, an der Spitze einer Deputation, richtete einige Begrüßungsworte an den freiherrlichen Gast und überreichte ihm sodann den Synagogenschlüssel mit dem untertänigen Ersuchen, als erster die geheiligte Stätte zu betreten. Der Bericht fährt dann fort: „Nachdem vom Königlichen Herrn Landrichter diese Anrede mit gnädigen Zusicherungen für die Gemeinde erwiedert war, sind Hochdieselben nebst Ihrer ansehnlichen Begleitung bis zum dasigen jüdischen Gemeindehaus geführt wonden. wo die sämmtliche Gemeinde im festlichen Anzüge versammelt war; von da gieng der feierliche Zug zwischen dem in Parade aufgestellten hochlöblichen Bürgermilitär zur neuen Synagoge". Den Hauptteil der nun folgenden eigentlichen Feier bildete die Rede des Rabbiners. Sie ist gedruckt worden (Rede -am Tage der Einweihung der neuerbauten Synagoge usw., _ gehalten von Rabbi Moses ben Rabbi Abraham, Sulzbach 1818) und der ihr vorangeschickten Einleitung verdanken wir die hier gegebenen Notizen über idas Festprogramm. Der Ansprache, die mehr eine wissenschaftliche Betrachtung als eine Predigt war, hat Rabbiner Wittelshöfer einen Prolog vorausgehen lassen, in dem er sich zunächst vor den Kollegen entschuldigt, daß er die Einweihung der Synagoge mit dem Vortrag einer deutschen Rede unternehme, welches nicht in der unedlen Absicht geschehe, „einen Ruhm über diejenigen Rabbiner zu erwerben, ^welche sich mit dergleichen Vorträgen nie beschäftigt haben". Die innere Berechtigung für die von ihm gewählte Form der Rede leitet er aus der Tatsache ab, „daß viele Herrschaften, Geistliche .und andere gelehrte Männer diese Einweihung beehrten, und es also sehr undankbar gewesen wäre, denselben mit einer Ihnen unkundigen jüdischen Predigt Langeweile zu verursachen? Der Vortrag selbst, der sich hauptsächlich mit dem historischen Begriff der Synagoge beschäftigt, stellt in formaler Hinsicht eine ausnehmend gute Leistung dar, und man begreift nicht recht, weshalb Wittelshöfer in einer „Vorerinnerung" zum Abdruck der Rede wegen der deutschen Sprache um Nachsicht bittet, da er „als ein jüdischer Rabbiner diese Sprache grammatikalisch nicht zu lernen Gelegenheit hatte". Zu dem aktuellen Geschehen leitet Wittelshöfer mit der Frage über, weshalb die bei der Grundsteinlegung des zweiten Tempels anwesenden Priester, Leviten, Familienhäupter und Ältesten so laut geweint und geschluchzt hätten, daß das Freudengeschrei der jüngeren Menschen nicht mehr gehört werden konnte. Die Alten, so beantwortet er sie, kannten noch die Grundfeste des salomonischen Tempels und wußten also, daß er nach der Solidität seiner Bauweise noch Jahrtausende hätte stehen können. Nicht das Alter hatte ihn morsch gemacht, sondern die von der Nation begangenen Sünden führten seine Zerstörung herbei. Eine der jüdischen Religiosität zutiefst eigene. Empfindung gibt sich da kund, wenn er der Gemeinde ans Herz legt, bei allen Ergötzungen. Spiel, Tanz und Trunk, zu denen „der frohe und freudenreiche Tag" berechtige, sich darüber Gedanken zu machen, weshalb die vorige Synagoge ein Raub der Flammen wurde. .Mit einem von Rufen der Gemeinde lebhaft begleiteten Treugelöbnis für das Herrscherhaus und die Regierung beschließt der Rabbiner, der eine Torarolle in den Arm genommen hatte, seine Rede. Dreimal wird der erhebende Akt durch Chorgesänge unterbrochen. Nach der Huldigung an die bayerischen Majestäten wurde Ps. 21 in der Ubersetzung von Mendelssohn gesungen, desgleichen Ps. 72 nach dem Gebet für den Kronprinzen Ludwig. Der Segen für die Behörden und Verwaltungen schloß mit dem Gesang von Ps. 101. Schließlich brachte Wittelshöfer dem Landrichter Carl v. Lichtenstein die Ergebenheit der Gemeinde zum Ausdruck und sprach, auf den Namen anspielend, den Wunsch aus, daß „licht wie der Stern hoch am Firmament" noch nach unzähligen Jahren der Name derer v. Lichtenstern glänze. Wittelshöfer hat offenbar mit seiner Rede großen Eindruck gemacht und viel Anerkennung davongetragen. Wie er in der „Vorerinnerung" angibt, hat er auch noch eine für einen rein jüdischen Zuhörerkreis bestimmte Rede in „jüdischer Sprache" gehalten, die gleichfalls in Druck erschien und der deutschen beigefügt war. Vielleicht besitzt sie jemand van denen, die diese Zeilen zu Gesicht bekommen. Eine Gemeinde erlischt Von S. Brückheimer in Marktbreit Das fränkische Dörfchen, dem wir zustrebten, lag vor uns in der glutenden Naohmittagssonne. Seine niederen Häuser, weit auseinander gestellt, wirkten in der schmalen Talsenke so, als seien sie einem Baukasten entnommen. Die aufsteigenden Hügel ringsherum mit ihren schwarzen Waldkappen erschienen dagegen wie riesenhafte Wächter. Trotz der geringen Einwohnerzahl und der vom großen Verkehr abgewandten Lage des Dorfes hatte sich hier vor über hundert Jahren eine jüdische Gemeinde gebildet, die — wenn sie auch wohl nie weit über 15 Familien hinaus angestiegen war — eine Synagoge gebaut und einen eigenen Lehrer angestellt hatte. Vor 30 Jahren etwa setzte dann die Abwanderung «in, die das nicht allzu entfernt gelegene Würzburg oder die es umlagernden Gemeinden als Ziel hatte. Vier oder fünf Familien blieben. Sie scharten sich um ihre Synagoge, die sich Palästina 1935 100 Bilder und ein Film von Dr. Nach u m Gidale witsch Rm Donnerstag, den 4. Juli 1935 20,30 Uhr im Museumssaal Promenadestraße 12 Eintritt: RM. 1.20 und 0.80, für Jugendliche Ermäßigung. Vorverkauf: ZOG., Schlosserstr. 2/1; Ewer-Buchhandlg., Ottostraße 2; Kraus, Westenriederstraße 19. Zionistische Orf sgruppe München