Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 19 (1.10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 395 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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19 Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 395 den einzigartigen, wichtigen Bau zeitlich genau festlegen auf das Jahr 244 der gewöhnlichen Zeitrechnung, also zu Beginn der Blütezeit jüdischen Geisteslebens in Babylonien. Der durch Sukenik gegebene wertvolle Überblick über die Synagogenreste aus dem späten Altertum wird durch eine Karte der Fundstätten in Palästina aufs dankenswerteste ergänzt. Es ist zu holl'en, daß ihm noch manch weiterer glücklicherer Fund beschert sei und uns noch viele nicht minder beachtliche Resultate seiner Forschungen zufließen. Die klare, einfache Diktion des Buches wird dem Autor viele weitere Freunde erwerben. In eine von der eben behandelten räumlich und zeitliceh weit entfernte Epoche des Synagogenbaus führt eine gleichfalls in diesem Jahre erschienene Schrift, die in Fachkreisen schon seit längerer Zeit erwartet wurde, nämlich die in ihrem Kern auf Studien und architektonische, wie photographische Aufnahmen vor dem Weltkrieg zurückgreifende Arbeit des Oberbaurats Alois Breier „Holzsynagogen in Polen"2, die mit einem Vorwort des Wiener Professors Dr. Max E i s 1 e r und einem ikonographischen Anhang aus der Feder des verdienten Erforschers der jüdischen Volkskunde, Rabbiner Dr. Max Grunwald eine wertvolle Bereicherung unserer Kenntnisse auf diesem Gebiete darstellt. Das Werk behandelt eine besonders wichtige Gruppe jüdischer Kultbauten, da sie mit ihrer einzigartigen und von einem als „jüdisch" zu bezeichnenden Geiste erfüllten Innenausmalung eine der wenigen Betätigungen jücli- Kapernaum: Salomos" - Holzsynagogen in Polen. Von Alois Breier, Max Eisler und Max Grunwald. 1934. 68 u. 23 S. XXXII Tafeln. Teilstück des Gesimses der antiken Synagoge mit sog. „Siegel Phot. Th. Z. Harburger scher Künstler darstellen. Die Werke des Elieser Susmann CaZ im fränkischen Stammesgebiet3 sind durch diese Veröffentlichung in ein neues Licht gesetzt; die von mir getroffene Entscheidung, daß der Heimatsort des Elieser Susmann CaZ ..Brody" und nicht ..Brod" in Böhmen war, findet im Hinblick auf das Verbreitungsgebiet der polnischen Holzsynagogen — das in einer Karte übersichtlich dargestellt ist — erneute Bestätigung in genauer Einzelschilderung, unterstützt durch vorzügliche Bildbeigaben und instruktive Grundrißzeichnungen, ist der architektonische, wie malerische Bestand festgehalten, was um so wichtiger geworden ist, als diese Gotteshäuser zum großen Teil durch den Krieg und die ihm folgenden Zerstörungen vernichtet worden sind. Die Festhaltung der Jahresangaben und Hinweise auf die ausübenden jüdischen Künstler, auch auf einzelne Persönlichkeiten und Stifter ist mit der gleichen Gewissenhaftigkeit erfolgt. Ebenso eingehend und durch eine weitreichende Heranziehung einschlägiger Literatur wohl kaum übertreffbar ist die Darstellung Grunwalds, die sich mit dem Sinn der verwendeten Symbole und Embleme befaßt. Es ist dies das erste Mal. daß eine solche Zusammenfassung, die es für das Gebiet der christlichen Kunst schon lange gibt, unternommen wurde. Von hohem Interesse ist das Vorkommen des Tierkreises an hervorragender Stelle, wie etwa in Chodorow. wo er das Tonnengewölbe als Mittelstück ziert und das wirksame Fortleben alt-magischer Vorstellungen in der Kunst bei den Juden dokumentiert, wenn auch ein gewisser Sinnwandel dabei angenommen werden darf. Auch das Auftauchen des ..Hasenwirbels", den Elieser Susmann CaZ fast regelmäßig verwendet Kapernaum: Wieder aufgerichtete Westwand der antiken Synagoge Phot. Th. Z. Harburser 1 Vgl. hierzu meine Darstellung „Werke jüdischer Volkskunst in Bayern" („Bayerischer Heimatschutz", 26. Jahrg., München 1930. bzw. ..Bayerische Israelitische Gemeinde- Zeitung", München, 1. VII. 1931).