Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 4 (15.2.1933)
- Date
- 1933-02-15
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2727810-2727975-2727979--08899-2742143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Alexander Baerwald 2× ep/1032902
- Lesser Ury 2× ep/1025712
- Daniel Itzig 1× ep/1003985
- Jacob Steinhardt 1× ep/1009311
- James Simon 1× ep/1011066
- Joseph Budko 1× ep/1038932
- Jozef Israëls 1× ep/1026415
- Leopold Zunz 1× ep/1026402
- Ludwig Meidner 1× ep/1026235
- Marc Chagall 1× ep/1000027
- Max Liebermann 1× ep/1025314
- Michael Sachs 1× ep/1006104
- Moritz Daniel Oppenheim 1× ep/1028430
- Paul Nathan 1× ep/1023795
- Rudolf Levy 1× ep/1026207
OCR text
Nr. 4 Bayerische Israelitisclle Gemeindezeitung 53 an den Wänden der Eingangshalle drei Monumentalgemälde: Lesser Ury's „Jeremias" und „Sterbender Moses" und eine Prophetendarstellung von Jakob Steinhardt. In der Mitte des Raumes die Jünglingsgestalt des „David" von Arnold Zadikow. An den Wänden Tassaerts berühmte 1795 entstandene Mendelssohn-Büste und Max Levi's Büste Abraham Geigers. In dem Durchgang zu den vorderen Räumen eine Reihe kleinerer Gemälde, u. a. das „Ephraimsche Palais" von Julius Jacob, palästinensische Landschaften des verstorbenen Architekten Alex Baerwald, das Doppelbildnis Hugo Kräyns und seiner Mutter, Werke der Corinth-Schülerin Helene Tischbein, des Litauers Issai Kulviansky, Max Rappaports und Friedrich Feigels. Die drei großen jüdischen Impressionisten Pissaro, Israels und Liebermann sind an dieser Wand mit charakteristischen Arbeiten vertreten. An der anderen Wand ein Aquarell von Maurice Minkowsky und ein Porträt von Joseph Oppenheimer (Georg Kareski). Beimi Betreten der Porträt-Galerie fällt der Blick auf das Bildnis Ludwig Börnes von Moritz Oppenheim. Man sieht mehrere Porträts hervorragender jüdischer Ärzte, darunter das Porträt des Chirurgen Prof. James Israel von Max Liebermann. Von den Oberältesten der Berliner Gemeinde sind vertreten Jacob. Moses, Daniel Itzig, Isaac Daniel Itzig, man sieht das Moses MendeJssohn-Porträt von Frisch, Porträts von Leopold Zunz, Michael Sachs, Rabbiner Dr. Baeck (von Ludwig Meidner), Jozef Israels, das letzte Selbstporträt von Lesser Ury, ein Bildnis Dr. I. Kastans von Joseph Oppenheimer, das Selbstbildnis Max Liebermanns, das er in den ersten Januarwochen 1933 für das Jüdische "Museum gemalt und zur Eröffnung gestiftet hat. Man sieht werter Bildnisse Jakob Wassermanns von Suzanne Carvallo, Ernestine Eschelbachers von Käte Ephraim-Marcus und Ludwig Hardts von Eugen Spiro. An den Pilastern des Saales sind Büsten von Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan, beide von Arnold Zadikow, und der Kopf Albert Einsteins, sowie Emst Cassirers von dem Berliner Bildhauer Kurt Harald Isenstein. — Im Saal der modernen Maler fällt zunächst das bekannte Gemälde von Samuel Hirszenberg „Sie wandern" auf. Mit charakteristischen Werken sind hienyertreten Geskel Salomen, Max Band, Kanelba, Tygmunt Menkes, 0. Lubitsch, Marc Chagall, Lesser-Ury, Rudolf Levy, Joseph Budko, Henoch Barczynski, Abraham Neu. — Von einer außerordentlichen Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit sind die Kulträume 1 bis 3, die Kunst- und Kultschätze aus den ältesten geschichtlichen Epochen bis auf den heutigen Tag vereinigen. Ein vierter Raum ist der Archäologie Palästinas gewidmet. Es sind darin Gegenstände aus der ältesten Kanaaniter- bis zur Römer- Zeit. Das Altertum dokumentiert sich im Museum durch Abgüsse von für das Judentum bedeutsamen historischen Denkmälern, wie der Mesa-Stein, die Siloa-Inschrift, der Warnungstafel des Herodianischen Tempels u. a., sowie durch photographisohe Abbildungen, die das Verständnis für die ausgestellten Ausgrabungsobjekte vertiefen. Besonders sehenswert ist die stets wachsende Sammlung der palästinensischen Tonlampen aus älterer, sowie römischer und byzantinischer Zeit. Ein wichtiges Zwischenglied in der Entwicklung der Ohanukkalampe bietet die schwarze Basaltlampe mit den acht getrennten Ölreservoiren, eine Leihgabe aus der Sammlung Alex Baerwald. Gefäße, Siegel und Münzen, darunter eine Anzahl Neuerwerbungen, gestalten diese Abteilung auf vielseitige und reizvolle Weise. Im Gange ist eine Auswahl von Werken moderner jüdischer Graphiker. Es folgt eirte Wand mit Bildern, die dm Geschichte der Jüdischen Gemeinde Berlins und anderer jüdischer Großgemeinden illustrieren, daneben sieht man Darstellungen jüdischer Feste und Gebräuche. Der letzte Teil stellt einen Vorraum einer Synagoge dar, anschließend einen Synagogenraum, der wertvolle Gegenstände aus ältesten jüdischen Gemeinden Deutschlands enthält. Pressestimmen über das Jüdische Museum Die Berliner Kunstkritiker werten die Eröffnung des Museums der Jüdischen Gemeinde Berlin als ein wichtiges Ereignis für das Kunstleben der Reichshauptstadt. Max Osborn schreibt in der „Vossischen Zeitung": So ist ein kleines Museum entstanden, das sich mit gutem Recht diesen Titel beilegen darf und neben den großen Berliner Kunstinstituten als Spezialität seinen Platz behaupten wird. Das Haus mit seinen weiten, hellen Räumlichkeiten entstammt noch der splendiden Bauweise des versunkenen Zeitalters vordem Krieg. Was die wissenschaftliche und museumsmäßig-praktische Erfahrung von Dr. Schwarz mit den heute selbstverständlich begrenzten Mitteln daraus gemacht hat, ist rühmenswert und verlangt aufrichtige Anerkennung. In übersichtlicher Systematik, mit klugem Geschmack, ist ein kulturhistorisch-künstlerisches Dokument geschaffen, das zwar weiteren Ausbau als ersten Punkt auf sein Programm gesetzt hat, aber schon jetzt außerordentlichen Reichtum aufweist." Als ein Kuriosum notiert Osborn: auf einer der palästinensischen Tonlampen sind ganz primitiv zwei symbolische Ornamente nebeneinander eingeritzt, ein Davidszeichen und ein — Hakenkreuz in trautem Verein. Adolf Donath schreibt im „Berliner Tageblatt": „Seit gestern hat Berlin ein Jüdisches Museum, ein richtiges Museum mit Bilder-Galerie, Kupferstichkabinett und Kunstgewerbeabteilung, und man darf schon sagen, daß die Anordnung, die Dr. Karl Schwarz zu danken ist, sehr glücklich durchgeführt wurde." „8 Uhr-Abendblatt" überschreibt seinen Bericht über die Museumseröffnung: „Unvergängliche Dokumente. Eine neue Kunststätte in Berlin." „Berliner Morgenpost" nennt das Museum „ein Spiegelbild jüdischen Kunstschaffens von der ältesten Zeit bis auf unsere Tage". Rahel Wischnitzer-Bernstein schreibt in der „Jüdischen Rundschau": „So führt das Jüdische Museum uns von den Anfängen der Geschichte Israels in allgemeinem Abriß zur aktuellen Gegenwart. Wir fürchten diese Gegenüberstellung nicht, weil es uns heute auf die schöpferischen, erzieherischen Werte des modernen Lebens mehr denn je ankommt. Wir hoffen, daß das Jüdische Museum den Jungen eine Stätte besinnlichen Schauens, des Forschens und unmittelbaren Erlebens bedeutenwird."