Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 4 (15.2.1933)
- Date
- 1933-02-15
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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52 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 schiedenen Völkern dem entgegen stellen. Gegen die imperialistischen Vereinigungen der mörderischen Industrietrusts, deren Führer fast alle Regierungen Europas und Amerikas beherrschen, gegen den Faschismus, diese schwarze Pest — müssen sie kämpfen mit uns, den freien Christen... Sie müssen sich wohl Rechenschaft darüber geben, daß jeder Erfolg der Reaktion von einer grausamen Erhebung gegen die Juden begleitet sein werde! Ob sie es wollen Das Jüdische M Seit 15 Jahren unterhält die Jüdische Gemeinde zu Berlin im Gemeindehaus eine Kunstsammlung, die ihre Entstehung dem verstorbenen Dresdner Sammler Albert Wolf, der seine in jahrzehntelanger Arbeit zusammengebrachten Schätze der Berliner Jüdischen Gemeinde vermachte, verdankt. Nach der Übersiedlung des Hospitals in andere Räume wurde das. ganze erste-Stockwerk des Hauses Oranienburger Straße 31 neben der Neuen Synagoge für die Kunstsammlung freigemacht. In letzter Zeit haben die Sammlungen durch die Arbeit des vor drei Jahren begründeten Jüdischen Museumsvereins bedeutende Förderung erfahren und im Herbst 1932 hat die Gemeinde ihre Kunstsammlungen in „Jüdisches Museum" (Sammlungen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin) umbenannt und für die Verwaltung eine besondere Kommission geschaffen, in der führende Kunsthistoriker, Kunstkritiker und Künstler mitarbeiten. Leiter der erweiterten Sammlungen ist der Kustos Dr. Karl Schwarz. Am 24. Januar wurde das Museum in seiner neuen Gestalt feierlich der Öffentlichkeit übergeben. In dem größten Saal, der Gemälde-Galerie, versammelte sich ein zahlreiches Publikum. Nach einem Musikvortrag des Wittenberg-Trios begrüßte der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Kammergerichtsrat Leo W o 1 f f, die zur Einweihung erschienenen Gäste, besonders Geheimrat Max I. Friedländer von den staatlichen Museen, Prof. Curth vom Kupferstichkabinett, Professor Glaser vom Kunstgewerbemuseum und Direktor Stengel vom Märkichen Museum. Der Dezernent des Gemeindevorstandes für Bibliothek und Museum, Dr. Aron Sandler, schilderte die bisherige Entwicklung der Kunstsammlung und legte die Tendenzen dar, die für diese Entwicklung richtunggebend waren. Die aus der Stiftung Albert Wolfs entstandene Sammlung wurde zunächst von dem Oberbibliothekar Dr. Stern und wird seit fünf Jahren von dem Kustos Dr. Karl Schwarz verwaltet und ausgebaut Der Museümverein hat die Aufgabe, das allgemeine Interesse für jüdische Kunst und Kultur zu wecken und das jüdische Museum zu fördern. Die Gemäldesammlung ist durch ein Geschenk von Professor Max Liebermann, sein letztes Selbstporträt, bereichert worden. Neben den Objekten reinen Kunstwertes befinden sich in der Sammlung Objekte von kunsthistorischem und historischem Wert, eine archäologische Abteilung mit Ausgrabungsfunden aus Palästina, eine Sammlung von Kultgeräten, ein reich ausgestattetes Lichtbil- oder nicht, der helle Haß ihrer Feinde — die auch die unsrigen sind — hat ihre Sache identifiziert mit der der großen Revolutionen, die seit einem Jahrhundert die alte Welt bearbeiten. Der Feind sieht oft klarer als der Freund das wahre Wesen seines Gegners. Und es ist wahr, daß die wahre jüdische Sache die Sache der ewigen sozialen Erneuerung ist. Euer Jerusalem ist nicht die Vergangenheit des Ruhmes eines Volkes. Es ist die Zukunft der' Gerechtigkeit für alle Völker der Erde." useum in Berlin der-Archiv und eine einzigartige Sammlung jüdischer Graphik. Die neuen würdigen Räume gestatten eine Sonderung der Objekte nach Gattungen, sowie Veranstaltungen von Spezialausstellungen. Das Museum steht in regem Austausch mit anderen jüdischen Kunstsammlungen. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Ausbau der archäologischen Sammlung, so zum Beispiel der Beschaffung von Reproduktionen der Dokumente der altisraelitischen Geschichte, zugewandt werden. Die Verwaltung des Museum sist von der Bibliothekskommission an eine neue selbständige Verwaltungskomimission der Gemeinde übertragen worden. Der Redner richtete an die jüdische Öffentlichkeit die Bitte, ihren Blick für wertvolle alte Familienstücke zu schärfen, diese Gegenstände nicht in den Rumpelkammern verstauben zu lassen, sondern dem Museum der Gemeinde zuzuführen, um so den Verlust bedeutender Privatsammlungen für das deutsche Judentum, die in der Inflationszeit ins Ausland gegangen seien, wettzumachen. Dr. Sandler schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das neue Museum seine Aufgabe als Kunstinstitut, als Lehrinstitut und als Dokument jüdischer Leistung erfüllen möge, sowie des Dankes an Dr. Stern und Dr. Schwarz. Als letzter Redner gab der Leiter der Sammlungen, Kustos Dr. Karl Schwarz, einen Überblick über die einzelnen Teile und ihre Bedeutung, gedachte der verewigten Begründer der Bewegung zur Sammlung und Nutzbarmachung jüdischer Kunst Eugen Caspary und Baurat Baerwald, dankte dem Oberingehieur Emil Hirsch für die Stiftung wertvoller Kultgeräte und bezeichnete die Tatsache, daß Professor Max Lieber mann sein neuestes Selbstporträt dem Museum gestiftet hat; als einebesonders bedeutsame Anerkennung des Jüdischen Museums und als einen Ansporn zu weiterer Arbeit. Das Museum ist die größte und bedeutendste Sammlung dieser Art in Deutschland. Es dient auch der Erziehung des jüdischen Nachwuchses und der Anregung jüdischer Künstler zu lebendigem Schaffen auf den Grundlagen jüdischen Geistes. Es ist nur ein Anfang, und viele Bestandteile der Sammlungen sind nur. Stichproben aus den durch sie vertretenen Kunstgebieten. Das Arbeitsziel ist die Ausgestaltung dieses Museums zu einer zentralen Stätte jüdischer Kunst und jüdischen Kulturstrebens. Führung durch die Museumsräume Im Anschluß an die Feier wurden die Sammlungen unter Führung von Dr. Karl Schwarz besichtigt. Gleich