Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 2 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 19 rat Dr. Bernhard Wachstem (Wien) beschäftigt sich mit dem „Statut der. jüdischen Bevölkerung der Grafschaft Wied Runkel" , (Hessen-Nassau). Es handelt sich um eine der zahlreichen Verfassungen, welche sich autonome jüdische Körperschaften im 18. Jahrhundert gegeben haben; die eingehenden Erläuterungen reihen dieses Statut in das große Gebiet ähnlicher Urkunden ein. Die bekannte Neuerscheinungsbibliographie („Die Juden in Deutschland") von Universitätsoberbibliothekar Dr. Heinrich Loewe (Berlin) bildet den Abschluß des Heftes. III. Der Geschichte der Juden in deutschen Landen gehört auch das Schicksal der Juden in Böhmen an. Diesem Stoffbereich ist gewidmet die ausgezeichnete Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei (III. Jahrgang, Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Prag-Brünn. Herausgegeben von Hugo Gold). Soeben ist das 1. Heft des III. Jahrganges dieser Zeitschrift erschienen, deren Inhalt durch zahlreiche Illustrationen bereichert ist. Der jüdische Gelehrte Dr. Max Grunwald schrieb vor kurzem in einer Besprechung der beiden ersten Jahrgänge dieser Zeitschrift u.a.: „Nicht nur der Historiker, dem jedes neue Datum willkommen ist, sondern alle, die die jüdische Wissenschaft mit ihren Sympathien begleiten, werden diese Zeitschrift mit Dank zu begrüßen und zu fördern •sich bereit finden." — Aus dem Inhalt dieses Heftes seien besonders folgende Beiträge hervorgehoben: Dr. Ovidius Faust (Bratislava) — Der große Judenprozeß im Jahre 1742. Dr. B. Bretholz und M. Glaser (Brünn) — Ein auf Mähren bezügliches rabbinisches Gutachten aus dem 13. Jahrhundert. Chajim Bloch (Wien) — Der Ursprung der freiherrlichen Familie Königswarter. M. S. Herzog (Stupava) — Geschichte der Juden in Stampfen IV. Dr. Mano Enten (Kosice) — Zur Geschichte der Juden in Kosice II, Rudolf Rosenzweig (Prag) — Die Famiiianten von Amschelberg und Rothradek. Die kulturelle Renaissance des Nahen Ostens und der Anfeil der Universität Jerusalem Zu Ehren des in New York weilenden deutschen Romanschriftstellers und Dramatikers Lion Feuchtwanger fand nach einer Meldung der JTA ein Bankett statt, dem zahlreiche Gelehrte, Schriftsteller und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beiwohnten. Dem Festkomitee gehörten an: Felix M. Warburg, James Marshall, Walter E. Meyer, Judge Julian W. Mack, Dr. Solomon Löwenstein, Roger W. Straus, Dr. Emanuel Libman, Eugene Untermeyer und Elisha M. Friedman. Nach Ansprachen von Dr. Rosenbach. Richter Irving Lehman u. a. hielt Lion Feuchtwanger einen Vortrag „Die kulturelle Renaissance des Nahen Ostens", in dem er u. a. ausführte: Ich bin nicht ein bedingungsloser Freund des Zionismus und der Hebräischen Universität. Es gibt vier Hauptideologien des Nationalismus: die politisch-regionale Theorie, die Rassen-Theorie, die Theorie gemeinsam historischen Schicksals und die Theorie der gemeinsamen Sprache. Diese vier Ideologien kann man nur bedingt auf das Judentum anwenden. Meiner Überzeugung nach bildet das Judentum keine Rasse, verfügt über kein gemeinsames Territorium, keine geeinte Lebensweise und hat auch keine gemeinsame Sprache. Das Ziel des Zionismus ist es, den Juden ein gemeinsames Territorium und eine gemeinsame Sprache zu geben. Bei aller Sympathie für den Zionismus stehe ich dessen Sprachenideologie etwas skeptisch gegenüber. Es ist merkwürdig und schon beinahe tragisch, daß ein so hervorragend literarisch gebildetes Volk wie die Juden gerade des gemeinsamen Bandes der Sprache ermangelt. Ich hoffe aufrichtig, daß es den Zionisten gelingen wird, diesem Mangel abzuhelfen, aber den richtigen Glauben dafür habe ich nicht. Ich weiß, daß heute bereits viele Tausende Juden von Kindheit auf hebräisch sprechen. Ich selbst bin bewegt, wenn ich meine Bücher in der hebräischen Übersetzung lese. Aber offen gesagt, ich glaube nicht, daß eine so lange aus der lebendigen Entwicklung ausgeschaltet gewesene Sprache auf künstlichem Wege neubelebt werden könnte. Mit diesem Vorbehalt sind meine Einwände gegen den Zionismus erschöpft. Meines Erachtens bedeutet Judentum: Gemeinsame Geistigkeit; universelle Übereinstimmung, ein conzensus omnium in den wichtigsten Fragen. Mein Traum von Jerusalem ist kühner als der der leidenschaftlichsten Zionisten; mein Traum: Jerusalem wird einst nicht allein Zentrum des Judentums, sondern Zentrum der Welt sein. Jerusalem könnte für die Welt das werden, was die Begründer des Völkerbundes von Genf für die gesamte Menschheit erwartet haben. Ich denke an eine geistige, nicht aber eine weltliche Herrschaft Jerusalems. Ich fasse den Zionismus als die alte messianische Mission des Judentum auf. Nichts wäre törichter, als dem deutschen oder dem polnischen Faschismus mit einem jüdischen Faschismus zu begegnen. Wir befinden uns in einer Epoche der dritten Eroberung Palästinas. Diese muß auf anderem Wege als auf dem der Gewalt vor sich gehen. Für diese geistige Eroberung ist die Universität in Jerusalem wichtig. Das natürliche Zentrum eines revidierten und verfeinerten Zionismus, das natürliche Zentrum der jüdischen Welt, vielleicht der gesamten geistigen Welt, ist nicht etwa ein Regierungsgebäude, sondern die Universität in Jerusalem. Der wahre jüdische Nationalismus hat im Gegensatz zu jedem anderen Nationalismus die Tendenz, sich nicht zu materialisieren, sondern zu vergeistigen. Er ist kosmopolitisch, messianisch. Jüdischer Nationalismus strebt danach, sich in einer geeinten Welt aufzulösen, wie Salz in Wasser sich löst; nicht mehr sichtbar und doch gegenwärtig und von ewiger Dauer zu sein. Vielleicht werden noch Jahrhunderte vergehen, bis die Welt im Geiste geeint sein wird. Bis dahin ist jüdischer Nationalismus auch in seiner jetzigen materialistischen Gestalt notwendig. Darum aber ist die jüdische Universiät in Jerusalem doppelt nötig: sie gemahnt den Zionismus, seines Endzweckes nicht zu vergessen. „Der jüdische Krieg" — „De Vriendf kehrt heim" Die inneren Beziehungen der neuen Romane von Lion Feuc-htwanger und Arnold Zweig Im neuen Januar-Heft der „-Neuen Rundschau'- (S. Fischer) findet sich eine eindringende Untersuchung von Hans A. Joachim über den modernen historischen Roman. Darin interessiert besonders, wie den äußeren und inneren Beziehungen der beiden bedeutenden Palästina- Romane!von Feuchtwanger und Zweig nachgegangen wird: Ein neuer historischer Roman von Lion Feuchtwanger ist erschienen, ein großangelegtes Opus, sein zweiter Band steht noch aus. Sein Name ist: „Der Jüdische Krieg" (Propyläen-Verlag). Ein Sujet, wie man sieht, von Weltgeltung. Man kennt den Stoff, es ist der von „Quo vadis?" Das Zeitalter Neros: — man kennt es aus dem Kino. Feuchtwanger rehabilitiert den Stoff. Feuchtwanger