Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 2 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 erneuert ihn gründlich. Vergessen ist „Ben Hur", vergessten „Quo vadis?" Hier geschieht Weltpolitik. Ihre Pole heißen: Rom und Jerusalem. Ihre Folge ist: die Zerstörung des Tempels. Ich bewundere diesen Katastrophenteil, — die Sachlichkeit seiner Infernalität. Sie schmeckt nach Klassik. Hier fällt die Belletristik aus. Der Berichterstatter hat das Wort. Der Romancier schreibt Geschichte. Feuchtwanger liebt es ansonsten, den Respekt vor der Historie beiseite zu lassen. Sein Altertum ist nicht gerne altertümlich. Man kennt seine Darstellungskust. Sie hat den Unterton der Zivilcourage. Sie wird gerne anzüglich; sie wirkt provozierend. Sie fordert den Vergleich mit der Gegenwart heraus, — und zwar so, daß er leider stimmt. Der Miensch ist das Maß der Geschichtsschreibung; die Allzumenschlichkeit ist ihre Konstante. Ihr Fazit wäre die Weisheit Akibas: alles ist schon dagewesen Von den Römern Shakespeares sagt Goethe, sie seien „eingefleischte Engländer". Aber freilich, setzte er hinzu, Menschen seien sie; Menschen von Grund auf, und denen passe auch die römische Toga. Ich will nicht sagen, daß däe Römer Feuchtwangers keine Menschen wären. Ich bedaure nur, daß sie „eingefleischte" Feuchtwanger- Menschen sind. Sie sind wirklich schon dagewesen: in den Romanen ihres Autors. Zu gleicher Zeit mit dem neuen Roman Lion Feuchtwangers erscheint ein neuer von Arnold Zweig. Er heißt: „De Vriendt kehrt heim" (Kiepenheuer Verlag). Diese beiden Bücher stehen in einer ungeahnten Beziehung. Ihr Leser ist bestürzt: sie ergänzen sich, .ohne es zu wissen. Das eine ist der historische Roman des heiligen Landes; das andere der zeitgeschichtliche. Das eine spielt dort im Jahre 70, das andere im Jahre 1929 nach Christus. Ihr Bezug ist nicht nur äußerlich. Feuchtwanger zeigt auf, daß der Mensch nie anders war, — wie er heute ist. Zweig, daß er nicht anders ist, — wie er damals war. Sein Roman könnte auch heißen: Zweitausend Jahre nachher. Der jüdische Krieg, den Arnold Zweig beschreibt, entbrennt an der Tempelmauer, deren Zerstörung Feuchtwanger beschrieben hat. Das Land der Verr heißung ist wieder eine „nationale Heimstätte". Und alles ist wieder da. Früher war es das Imperium. Jetzt ist es das Empire, — öder der Mufti. Der Kampf im Hause ist derselbe geblieben. Er geht um das himmlische Jerusalem: — oder um das irdische. Die „Innenpolitik" ist die alte ... Ich füge hinzu, daß dieser Roman schön ist. Seine Palette ist stark. Sie läßt den Orient leuchten, aus dem das Licht kommt. Man schaut das Land Palästina. ' Seine Menschen lernt man mit seiner Politik kennen. Aus der Gemeinde München Iüdische Winterhilfe Die weitere Veröffentlichung der Spender erfolgt wegen Raummangels erst wieder in der nächsten Nummer diser Zeitung. Spendenausweis siehe Seite 28 ^1 IllJllIIIlllJlIIIIIIÜillttlftlltlltllllltfll [IVIIIIIf «IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII (Illtltlttllllf f IIllllIIIItlllllltlltlKIllIlllllIllllllllllllII lllllllltilllf^ | Verband der Wohltätigkeitsvereine ' § | Die gegenwärtige Krise lastet besonders schwer auf 1 | der jüdischen Bevölkerung, die in ihrer Existenz immer § | mehr eingeengt und gefährdet wird. Der Hilferuf, den | | die Kultusgemeinde vor einiger Zeit an ihre Mitglieder § | richten mußte, fand verständnisvolle Aufnahme und offene | | Herzen. Es ist zu hoffen, daß mit den so gewonnenen | I Mitteln die schlimmste Not gemildert werden kann. Es f | wäre aber eine Verkennung der Tatsachen, wollte man 1 | mit dem Beitrag zur jüdischen Winternothilfe die Ver- | | pflichtungen den verschiedenen Wohltätigkeitsvereinen l | gegenüber als erfüllt betrachten. Große Opfer werden ver- | 1 langt; gewiß muß jeder einzelne von uns im eigenen § | Kreise und im Stillen Hilfe leisten. Die gegenwärtige | | Not verlangt jedoch von jedem, daß er bis zur Grenze | | seiner Leistungsfähigkeit gehe. | H Die Kassierin unseres Verbandes, Frau | | Weil- Eckstein, wird wie in den Vorjahren | | bei unseren Mitgliedern vorsprechen. Wir | | bitten durch Gewährung möglichst hoher | | Beiträge den i n unserem Verband z u s a m- | i menges'ch'ios.'s'en/en Wohltätigkeitsve r- | | einen die Erfüllung ihrer Aufgaben zu er- | | möglichen. f | München, im Januar 1933. | I Der Ausschuß: 1 | Rabbiner Dr. Baerwald 1 | J.-R. L. Oppenheimer Frau I. Esslinger | fi..........II.IIIIIIIIIIIIIllIIIIIETIllftllJlllfllllllllfllllllllllllllllllllllJlJlllllIIftllllfiri Itlltlllf 11111111111 IIIIII Itlllfl IIIIIII III llllllllllllfi^ Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Januar bis März Für die Lehrkurse in der zweisen Hälfte des Wintersemesters ist folgender Arbeitsplan vorgesehen: A. Kurse: 1. Rabbiner Dr. Baerwald: Das Judentum an Wendepunkten der Weltgeschichte (Fortsetzung, auch ohne Kenntnis der früheren Vorträge verständlich). Mittwoch, 20.15 Uhr. Beginn 18. Januar. 2. Rabbiner Dr. Geis: Geschichte und Aufbau des jüdischen Gottesdienstes (Fortsetzung) Montag 20.15 Ühr. Am 16. und 30. Januar, 13. und 20. Februar. 3. Arbeitsgemeinschaft in Verbindung mit den hebräischen Sprachkursen: Rabbiner Dr. Baerwald: Leichte Stücke aus Talmud und Midrasch. Mittwoch 21.15 Uhr. Beginn 18. Ianuar. B. Vorträge 1. Dr. Ludwig Feuchtwanger: Judas, der Verräterapostel in der jüdischen und christlichen Legende. Die ■ Mythisierung des Juden von den Evangelien bis zur Gegenwart. Mittwoch, den 8. März 20.15 Uhr. 2. Dr. Josef Marschütz: Auf den Spuren altjüdischer Medizin. Mittwoch, 15. und 22. März 20.15 Uhr. Die Kurse (unter A) finden im Bibliotheksaal, Herzog- Max-Straße 7/2, die Vorträge (unter B) im Saal der Concordia, Prannerstraße 4 statt. Im Rahmen der Lehrkurse der Kultusgemeinde soll, genügende Beteiligung vorausgesetzt, ein Kurs zur Einführung ins Hebräische stattfinden, der es den Eltern erleichtern will, ihre Kinder im Hebräischen zu fördern. Dieser Kursus, der von einem Religionslehrer der Gemeinde geleitet werden soll, will Eltern,