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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-01-15 · 2 (15.1.1933) · p. Seite 18

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
2 (15.1.1933)
Date
1933-01-15
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Bayerische Israelitische Gemeihdezeitung Nr. 2 Zur Geschichte der Juden in deutschen Landen i. Dem verstärkten und sichtlich noch wachsenden Sinn für die Vergangenheit der deutschen Juden kommen drei neue Veröffentlichungen entgegen, die-im Verlaufe der letzten zwei Jahre erschienen sind und dem engeren landsmannschaftlichen Kreis wie der Allgemeinheit wertvolle und zum Teil unbekannte Ergebnisse kulturgeschichtlicher Forschungen vermitteln. Der als namhafter Geschichstforscher bekannte Kölner Rabbiner Dr. Adolf Kober hat in Verbindung mit der dort wirkenden Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Moses als Heft 1 des 24. Jahrgangs (1931) der Publikationen des Rheinischen Vereins für Denkmalspflege und Heimatschutz eine Arbeit „Aus der Geschichte der Juden im Rheinland — Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler"1 der weiteren Öffentlichkeit vorgelegt. Das Werk gibt einen Uberblick über die Spuren jüdischer Siedlung im rheinischen Gebiet von der Schweiz bis zur heutigen Grenze gegen Holland. Von den ersten Zeugnissen über die Anwesenheit von Juden bereits zur Zeit der römischen Kolonisation bis ins 20. Jahrhundert erstreckt sich die lebensvoll geschriebene Darstellung K o b e r s. Ohne sich in Einzelheiten zu verlieren, läßt er ein eindrüokliches Bild des wechselvollen jüdischen Geschickes erstehen und gibt durch zahlreiche Verweisungen Gelegenheit, sich nach Wunsch ausführlicher in die Quellen und eingehendere geschichtliche Darstellungen zu vertiefen. Vom Konstantinischen Dekret an die Kölner Dekurionen aus dem Jahre 321, das die Berufung von Juden zu den städtischen Ämtern regelte, bis zu unseren Tagen wird das Leben der rheinischen Juden in ihrer Gemeinschaft, in ihrer Beziehung zur Umwelt, in ihren geistig^kulturellen Leistungen geschildert. Diese vorbildliche Rückschau über ein Jahrtausend jüdischer Geschichte wird auch den interessieren,, der mit dem Schauplatz des vor uns aufgerollten Geschehens keine direkte Bindung besitzt. Ergänzt und bereichert werden die Ausführungen Kobers durch die Darstellung jüdischer Kult- und Kunstdenkmäler in den Rheinlanden, die Frl. Dr. Elisabeth Moses zur Verfasserin hat. Aus guter Kenntnis der Literatur und aus eigener Anschauung — hat sie doch als Mitarbeiterin Kobers ein Hauptverdienst am Zustandekommen der „Jüdischen Abteilung" der Kölner „Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande" im Jahre 1925 — entwirft sie einen umfänglichen Überblick über Bauwerke mit jüdischer Zweckbestimmung, über das Kultgerät zu synogogalem und häuslichem Gebrauch und geht dabei bis in die letzten Jahrzehnte des 11. Jahrhunderts (Speyerer Synagogenreste) zurück. Das mit Abbildungen reich versehene Werk wird nicht nur jedem Geschichtsfreund Freude bereiten, es sollte jedem, der sich und anderen ein lebendiges Bild jüdischer Vergangenheit entwerfen will, als wichtiges Hilfsmittel vertraut werden. Im Rahmen einer durch das Zusammenwirken berufener Kenner entstandenen „Geschichte der Jüdischen Gemeinde Kassel" hat Dr. RudolfHallo, der sich in der Bearbeitung der jüdischen Volkskunst in Hessen wie in seiner Familiengeschichte als feinsinniger Schilderer bewährt hat, die „Kasseler Synagog enge schichte"2 behandelt. Seine Darstellung enthält über die Lokalbedeutung einer Ortsgeschichte hinaus genug an Bedeutsamem für die Allgemeinheit. Besondere Beachtung verdienen die Abschnitte, die die Entstehung der im Jahre 1839 errichteten Synagoge nach langwierigen Beratungen und den wegen der Eigenart seiner liegenden Grabsteine bemerkenswerten Friedhof behandeln. Für die Berufsgliederung der Kasseler Juden in der vormärzlichen Zeit aufschlußreich sind die Kapitel, die die Verbreitung von Kunst und Handwerk unter ihnen eingehend darlegen und bekunden, daß diese Betätigungsgebiete lange Zeit in hoher Blüte standen. Die Anfügung zahlreicher Anmerkungen und eines instruktiven Illustrationsteiles erhöhen den Wert dieser Schrift. Vorzugsweise auf dem Reichtum an bisher unbekannten Ab- 1 'Druck und Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1931. 2 Kasseler Synagogengeschichte. Synagogen und Friedhöfe, Kunst und Handwerk der Juden in Kassel von Rudolf Hallo. Abdruck aus der Geschichte der Jüdischen Gemeinde Kassel, im Januar 1932. bildungen baut sich die vom Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs herausgegebene Publikation „J ü - dische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württ e m b e.r g" 3 auf. Das geschichtliche Vorwort, das den als Historiker verdienten Stuttgarter Stadtrabbiner Dr. Paul R i e g e r zum Verfasser hat, ist mit Absicht knapp gehalten, wie die kurzenAngaben über die erloschenen und bestehenden jüdischen Siedlungen unseres Nachbarlandes. Von hohem Interesse für den Forscher mittelalterlicher Geschichte ist die Inschrift in dem Kellergewölbe eines Heilbronner Hauses. Ob es sich dabei um eine an Ort und Stelle verbliebene unberührte Beschriftung der Knochenkiste des Gemeindevorstehers Nathan handelt und das Gewölbe den bisher einzigen Beweis der Verwendung von Katakomben als Begräbnisstätte deutscher Juden darstellt, ist nach den gebotenen Abbildungen nicht nachprüfbar. Die Ausführung der Wölbung scheint vielmehr die Ansetzung der Entstehungszeit auf das 9. Jahrhundert nicht zu rechtfertigen. Das als Heimatbuch wertvolle Werk zeigt die noch vorhandenen Spuren aus den noch bestehenden und den aufgelösten jüdischen Niederlassungen in guten Lichtbildern und wird als Erinnerung jeden erfreuen, der die Bindung zu seinem Herkunftsort pflegt. Das Buch erwekt den Wunsch, daß der württembergische Oberrat das anläßlich seines hundertjährigen Bestehens begonnene Werk, sein Archiv an Abbildungen zu veröffentlichen, bald fortsetzen kann. Die Bilder von Kultgeräten und Urkunden werden nicht minder aufmerksame Betrachter finden. T h. H a r b u r g te r. II. Wissenschaftlich wertvolles Material aus allen Zeitepochen und Forschungsgebieten, aus allen deutschen Ländern zusammenzutragen ist die wesentlichste Aufgabe der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" (Philo-Verlag). Viermal jährlich erscheint diese Zeitschrift, bald geht sie ins fünfte Jahr ihres Bestehens. Und jedes Heft enthält eine Fülle neuer Forschungsergebnisse aus dem scheinbar engen und doch, wie sich immer zeigt, so weiten Spezialgebiet. Das jetzt vorliegende Doppelheft 2/3 des IV. Jahrgangs beweist aufs neue, wie groß der Reichtum an wenig oder gar nicht bearbeiteten Geschichtsquellen und Literaturerzeugnissen in Deutschland ist. Vorgänge aus dem Mittelalter, der Reformations- und der Aufklärungszeit werden behandelt; der deutsche Westen, Bayern, die Schweiz kommen zu ihrem Recht, eingehende Quellenstudien stehen neben zusammenfassenden historischen Überblicken. Das Heft wird mit einer von Dr. Hannah Arendt-Stern (Berlin) verfaßten geschichtsphilosophischen Abhandlung zur Emanzipationsgeschichte „Aufklärung und Judenfrage" eröffnet. — Als wichtige Vorarbeit zu einer geplanten Gesamtgeschichte der Juden in der Schweiz kann der Beitrag von Professor Dr. M. Ginsburger (Straßburg) über „Niederlassungen und wirtschaftliche Lage der Schweizer Juden unter der Regierung Kaiser Sigismunds (1411—1437)" angesehen werden. Die gründliche Arbeit über „Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus" von Dr. Otto Kluge (Berlin) wird beschlossen mit einer ausführlichen Darstellung der Träger und Methoden des hebräischen Sprachunterrichts, wie er im Reformationszeitalter an den wissenschaftlichen Bildungsstätten, vor allem an den deutschen Universitäten erteilt wurde. In die Epoche der Bemühungen um den innerdeutschen Religionsfrieden im 16. Jährhundert fällt die Erneuerung der Privilegien Karls V. für die Judenschaft durch Kaiser Maximilian II. auf dem Reichstag zu Augsburg 1566. Rabbiner Dr. Max Freudenthal (Nürnberg) hat zahlreiche Materialien und Urkunden zur Geschichte dieses Judenprivilegs, seines Zustandekommens und seiner verschiedenartigen Wirkung auf die damals im allgemeinen ungünstige Situation im Reich zusammengetragen. — Uber die Schwierigkeiten der Niederlassung des ersten jüdischen Arztes in Fürth in Bayern gegen Ende des dreißigjährigen Krieges berichtet Professor Dr. August Jegel (Nürnberg) in einem interessanten Aufsatz, betitelt' „Kampf um die Fürther Judenapotheke". — Eine Spezialuntersuchung von Regierungs- 3.Stuttgart 1932 (Dr. Benno Filser Verlag G. m. b. H. Augsburg).

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