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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-05-15 · 10 (15.5.1932) · p. Seite 149

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
10 (15.5.1932)
Date
1932-05-15
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 149 Die letzten Jahre verbrachte er in beschaulicher Ruhe, verehrt von allen, die ihm nahestanden, in Nürnberg. 2m Januar 1911 entschlief er nach kurzer Krankheit. Die Beerdigung, der ich beiwohnte, und bei der Rabbiner Dr. Freudenthal amtierte, gestaltete sich zu einer Kundgebung, wie sie die Stadt Nürnberg nicht oft gesehen hat. Tausende seiner Freunde gaben ihm das letzte Geleit; in eindrucksvollen Worten dert Dankbarkeit wurde des Mannes nochmals gedacht, dessen Andenken bei denen, die ihn kannten und schätzten, nie erlöschen wird. — Auch Löwcnstein war ein Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht; er war ein mannhafter Jude. Emil Pelz (München)^ 5lus der Gemeinde Augsburg Das abgelaufcne Winterhalbjahr hat trotz der Ungunst der Zeit eine erfreuliche Regsamkeit der Israelitischen Kultusgcmeinde und der jüdischen Vereinigungen in Augsburg in kultureller Hinsicht gezeigt. Die Gemeinde selbst eröffnete die Vortragstätigkeit des Winterhalbjahres mit einem Vortrag von Dr. Hans Kohn über „Bolschewismus und abendländische Kultur" (Eindrücke von einer Studienreise in Sowjet-Rußland). Dr. Kohn gab eine ausgezeichnete Charakterisierung der Kulturdes Bolschewismus, die er als ein neues Mittelalter unter Anwendung der modernsten Errungenschaften der Technik bczeichnetc. Eine neue Religion, nämlich die der Arbeit, sei an Stelle der alten entstanden; diese neue Religion habe ihre stärksten Wurzeln in dem utopischen Glauben des 19. Jahrhunderts an die Maschine und Naturwissenschaften. Wenn diese aufkommende neue Kultur für Westeuropa auch nicht in Frage kommt, so bestände zweifellos die Möglichkeit einer weitgehenden Beeinflussung der westeuropäischen Kultur. Als Abschluß des Winterhalbjahres hatte die Gemeinde wiederum einen ausgezeichneten Redner in Dr. Ernst Simon (Haifa) gewonnen, der in vorbildlicher Art über „Goethe und die Bibel" sprach. Diese Veranstaltung bedeutete gleichzeitig die Feier des Goethe-Jubiläums durch die Gemeinde. Dr. Simon, der in seinenr Vortrag neben dem europäischen Blickpunkt im besonderen Maße auch das jüdische Kulturgut behandelte, zeigte, wie sich Goethes Weltanschauung schließlich stark an die des jüdischen Menschen näherte. Der Jüdische Iugendverein hat auch in diesem Jahre eine sehr große Anzahl von Veranstaltungen aufzuweisen. Direktor Wallach, der Präsident der Schwaben-Loge, sprach vor der Jugend über: „Der Logengedanke". Direktor Wallach verbreitete sich bei diesem Vortrag über die Entstehung und die humanitären und jüdischen Ziele der Loge. In einem weiteren Vortrag vor einem sehr zahlreich erschienenen Publikum sprach Dr. Heinrich Lemle über: „Religion und Philosophie". Aus dem Kreise der gegenwärtigen Führerschaft des Iugendvercins sprachen Walter Teutsch über: „Politik und Wissenschaft", Hellmuth Feist über: „Religion und Bühne" und in Anlehnung an das bekannte Werk von Stefan Zweig über: „Die Heilung durch den Geist". Dr. Iaqucs Waitzfelder referierte über: „Die deutschen Juden in der deutschen geistigen und wirtschaftlichen Krise". Mit dicseur Vortrag wurde an Hand des bekannten Buches von Alfred Marcus zu einem sehr aktuellen Problem Stellung genommen. Einen weiteren interessanten Einblick in die Verhältnisse Sowjet-Rußlands vermittelte Herr Richard Schaidt in seinem Lichtbildcrvortrag: „Das neue Rußland unter Berücksichtigung der Lage der Juden". Im Mittelpunkt einer Bcrthold-Auerbach-Gedenkfeier stand die Festrede von Dr. Fränkel. Interessante Ideen vermittelte der Vortrag von Dr. W. Hager (München) über: „Rudolf Maria Holzapfel, der Schöpfer des Panidcals, und seine Bedeutung für unsere Zeit". Gegenwärtig findet eine Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Dr. Cahnmann über: „Der neue deutsche Nationalisnrus" statt. Schließlich ist noch eine Veranstaltung des jüdischen Iugendvercins zu erwähnen, in der Herr Bernhard Banka (München) ernste und heitere jüdische Literatur rczidiertc. Der Ortsausschuß Augsburg für die Iewish Agency hatte zu einem Vortragsabend Dr. Schmarja Lcvin aus Tcl-Awiw über: „Schicksalsfragen der Juden" gewonnen. Der Vortrag des altbewährten Kämpfers für die Sache des Palästinaaufbaues und der jüdischen Kulturrenaissancc machten tiefen Eindruck auf das zahlreich vcrsanrmelte Publikum. In einem von der Zionistischen Ortsgruppe und dem Jüdischen Iugendverein gemeinsam veranstalteten Lichtbildervortrag sprach Dr. Dankwerth (Nürnberg) über: „Eine Reise durch Palästina". Der Central-Verein veranstaltete mehrere Ausklärungsvcrsammlungcn vor der Reichspräsidenten- und Landtagswahl. In' eincin weiteren fesselnden Vortrag gab Dr. Holländer (Berlin) einen ausgezeichneten Überblick über die Situation der deutschen Juden. Schließlich ist noch ein Tccnachmittag des Israelitischen Fraucnvercins Augsburg zu erwähnen, in dem Frl. Margarete Bach (Wien), Frau Gertrude Maser (München) und Frau Cläre Landauer (Augsburg) rnit großem Erfolg mitwirkten. Dr. M. Israelitischer Männerverein Augsburg Ich lade hiermit die Mitglieder des Israelitischen Männcrvcrcins Augsburg zu der ordentlichen Mitgliederversammlung, welche am Sonntag, dem 29. Mai 1932, vormittags 10.30 Uhr, im Trauungssaalc der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg stattfindct, ein. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht, 2. Kassabcricht, 3. Neuwahl der Vorstandschaft und des Ausschusses, 4. Verschiedenes. Joseph H e r r m a n n , l. Vorstand Rus bayerischen Gemeinden Kleinstcinach i. Unterst. Eine hohe Ehre wurde der Kultusgcmeinde Kleinsteinach in Untcrfrankcn am zweiten Tage des Pesachfcstes zuteil. Anläßlich der Kirchenvisitation durch S. Cm. Bischof Dr. v. Ehrenf r i e d aus Würzburg erhielten die dortigen jüdischen Mitbürger seitens der Gemeinde und Kirchenvcrwaltung ebenfalls Einladung zum offiziellen Empfang des hohen Kirchenfürstcn. Nach einer 'Ansprache in der Kirche, in welcher S. Em. insbesondere auf das schöne harmonische Verhältnis unter den Konfessionen in Kleinsteinach hinwics, berief er den Gemeinde- und Kirchenrat in.den Gcmeindesitzungssaal. Im Laufe der Unterhaltung stellte S. Em. fest, daß sich im Gcmeinderat auch das demselben schon 27 Jahre angehörende jüdische Kultusmitglied Maier Walter befand, gegenüber welchem er den Wunsch äußerte, auch die Synagoge besichtigen zu wollen. Er fand sich dann dort in Begleitung von fünf anderen Geistlichen zu einem nahezu halbstündigen Aufenthalte ein und ließ sich alle Einrichtungen eingehend erklären. Zürn Schluß sprach der Herr Bischof der Israelitischen Kultusgemeinde seinen Dank aus, mit dem Bedauern wegen Zeitmangel nicht auch den historisch berühmten israelitischen Bczirkssriedhof besichtigen zu können. Dieses bedeutsame Ereignis ist für die Kleinstcinachcr Kultusgemeindc um so erfreulicher und ehrenvoller, als der ganze 'Aufenthalt des Bischofs in der dortigen Kirchcngemeindc nur eineinhalb Stunden dauerte. Kochel (Obb.). Herr Ignatz Schwarz feiert am 18. Mai in unverminderter Gesundheit seinen 70. Geburtstag. Rus dem Reiche Jüdische Siedlungsarbeit Bericht über die Tätigkeit der Jüdischen Landarbeitsgesellschaft m. b. H. Im Jahre 1931 ist es nach langwierigen Verhandlungen mit den zuständigen Behörden gelungen, am 11. Dezember die Ansiedlungsgcnehmigung zu erhalten. Die Schwierigkeiten waren dadurch besonders groß, daß die Finanzkatasirophe im Juli den Abschluß der Verhandlungen auf einige Monate unterbrach. Nunmehr stehen der Sicdlungsarbcit auf dem Gut Groß-Gaglow bei Coltbus alle die Vorteile zur Verfügung, die auch andere gemeinnützige Siedlungen in Preußen genießen. Selbstverständlich ist aber schon nrit der Übernahme des Gutes rnit den Arbeiten zur Ansiedlung jüdischer Landwirte und Gärtner begonnen worden. 6 Gärtner sind bereits ein Jahr lang in Groß-Gaglow tätig, 8 Gärtnerstellen und die Zentralgärtnerei wurden in diesem Jahre fertig angelegt und bezogen. Die Unterkunft dieser 8 Siedler ist vorläufig noch behelfsmäßig, die ihnen zugedachten 8 .Häuser werden erst 1932 fertiggestellt werden können. Dagegen ist die Zentralwasser-

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