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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-05-15 · 10 (15.5.1932) · p. Seite 148

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
10 (15.5.1932)
Date
1932-05-15
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 Aus der Gemeinde (T)üncben Die Forschungen zur bayerisch-jüdischen Geschichte mir denen der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden seit einiger Zeit Herrn Dr. Raphael Straus beauftragt hat, haben auch in weiteren Kreisen erfreuliches Interesse gefunden. Derselbe Autor ist von der „Iewish Publication Society of America" in Philadelphia beauftragt worden, eine größere Darstellung der Geschichte der Juden in Augsburg, München und Regcnsburg zu veröffentlichen. Dr. phil. Gottfried Fraenkel aus München der Sohn von Herrn Iusiizrat Emil Fraenkel, hier, hat sich in der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. für das Fach der Zoologie und vergleichenden Physiologie der Tiere habilitiert. Uraufführung eines neuen Hörspiels von Manfred Sturmann im Bayerischen Rundfunk Am 3. Mai 1932 gelangte durch den Bayerischen Rundfunk Manfred Sturmanns neues Hörspiel, die Funkkomödie „Der Wundcrhund", zur Uraufführung. Es handelt sich hier um eine Satire auf den amerikanischen Snobismus. Der Inhalt ist kurz folgender: Giocomo, ein Strolch, unterhält sich eines Tages mit Fiedele, seinem Hund, unter geschickter Anwendung seiner Bauchrednerkunst, auf der Straße. Ein durchreisender Amerikaner, Allan George aus Boston, wird Zeuge dieser Unterredung und versucht, Giocomo, der sich scheinbar widersetzt, zum Verkauf des „Wundcrhundes" zu überreden. Nach langem Feilschen trennt sich Giocomo von Fiedele um die Summe von 800 Dollar und lacht sich ins Fäustchen. Dem betrogenen Anrcrikaner wird es klar, daß inan wohl einen Hund, nicht aber ein Wunder kaufen kann. Manfred Stunnann las auch am I. Mai bei der ersten Veranstaltung des Münchener Senders „Bayerische Dichtung im Goethejahr" aus neuen Gedichten. Außer ihm lasen Joseph Ponten und W. E. Süßkind. Der Darstellung gingen Ansprachen von Thomas Mann und Intendant Dr. Kurt von Bocckmann voraus. 75jährigcs Gründungsjubiläum des Bankgeschäftes I. L. Feuchtwanger In diesen Tagen konnte nach Meldungen der Münchner Neuesten Nachrichten und der Frankfurter Zeitung das Bankhaus I. L. Feucht- UM Bay erischeV ereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins Sorgfältige und entgegenkommendeErledigungvon Bankgeschäften aller Hrt. wangcr auf ein 75jähriges Bestehen zurückblicken. Als Familienuntcrnehrncn hat sich die Finna durch drei Generationen in unveränderter Gleichmäßigkeit mit an der Spitze der Münchener Privatbankgeschäfte gehalten, trotz den Schwankungen und der Ungunst der Zeit, begünstigt durch persönliche Tüchtigkeit, kluge Zurückhaltung und absolute Vertrauenswürdigkeit seiner Inhaber. Das Gründungsjahr 1857 ruft die Erinnerung an die damalige Situation des Bankwesens und der allgemeinen Wirtschafts- und Gescllschaftsstruktur zurück. Die Verhältnisse für die Gründung eines mittleren oder kleineren Bankgeschäftes waren damals keineswegs rosig. 1853 wurde die Darmstäder Bank ins Leben gerufen. Es war die Zeit des Aufkounnens der großen Kreditbanken. Der Cffcktenkapitalismus hat bis zu seinem heutigen Absinken seit den fünfziger Jahren eine ungeahnte Ausdehnung erfahren. Die kleinere Privatbank oblag anfangs haupsächlich dcnr sog. Sorten- und Wcchselgeschäft und beriet später das wohlhabend gewordene Bürgertum. Danrals, um -1857, kam als natürliche Begleiterscheinung des aufsteigcnden Hochkapitalismus der politische Liberalismus und die parlamentarische Demokratie hoch. Die Wahlen vom November 1858 gaben dem preußischen Abgeordnetenhaus wie heute — nur in umgekehrter Richtung — ein völlig verändertes Aussehen: Die Konservativen schmolzen von 224 auf 60 zusammen. Die Altliberalcn traten zürn erstenmal als Regierungspartei auf, und 1861 wurde die Fortschrittspartei mit 109 Mitgliedern die stärkste Partei. So war doch die Disposition für eine Blütezeit des Privatbankgeschäftes damals gegeben. 1857—1932, nach dem Kalender nur 7 5 Jahre, zählen im Wirtschaftsleben doppelt, im Bankwesen aber drei- und vierfach. In der Münchener Wirtschaftsgeschichte geht deshalb ein solches Jubiläum über die rein private Bedeutung weit hinaus. Jüdische Abgeordnete in den alten bayerischen Landtagen Die Aufzählungen und die kurzen Lebensbeschreibungen in den vorigen Nummern konnten nicht annähernd vollständig sein. Dazu müßte man sämtliche Listen der bisherigen Landtagsabschnitte hernehmen und jedes Parlamentsmitglied nach Herkunft und allen Äußerungen streng methodisch untersuchen. Herrn Rabbiner Ecksteins Arbeit zum gleichen Thema aus dem Jahre 1902 war schon zitiert. Einige ergänzende oder berichtigende Mitteilungen sind uns aus dem Leserkreis zugcgangen. Herr Rabbiner Dr. Eckstein (Bamberg) hat auf seine Behandlung des Gegenstandes hingewiesen. Herr Professor Süßhcim von der Münchener Universität schreibt uns: Als Enkel des Dr. David Morgenstern, dessen Lcbensabriß auf Seit 116 der Bayerischen Israelitischen Genreindezeitung verzeichnet war, möchte ich auf einen Irrturn des Verfassers Hinweisen, der den Dr. Morgenstern in München wohnen und in München sterben läßt. Dr. Morgenstern hatte seit etwa 1850 seinen Wohnsitz zu Fürth i. B. und ist auch daselbst gestorben. Herr Emil Pelz (München), Neuhauserstraße 21, schreibt uns: Leider hat Herr Dr. Jenkwitz übersehen, den letzten jüdischen Abgeordneten zu nennen, den im Jahre 1911 verstorbenen Gabriel Löwenstein aus Nürnberg-Fürth. Ich habe mir erlaubt, dem Heinrgegangenen, dem intimsten Freund meines verstorbenen Großvaters und treuen Freunde meines Elternhauses, beiliegende Worte des Gedenkens zu widmen: Gabriel Löwenstein wurde gegen Ende 1825 in Fürth geboren. Er stammte aus einem einfachen Handwcrkcrhause und wandte sich bereits frühzeitig der Politik zu, mit der er bis zur letzten Stunde seines Daseins aufs innigste verbunden blieb. So stand er bereits im Rcvolutionsjahr 1848 mit meinem verstorbenen Großvater an der Spitze der Fürthcr Demokraten. Inr Jahre 1868 führte Löwenstcin auf dem Parteitage der Demokraten, auf dem sich die Loslösung der sozialistischen Richtung von der Partei vollzog, gemeinsam mit Bebel den Vorsitz. Anfang der siebziger Jahre begründete er mit Gleichgesinnten ein demokratisches Blatt, das als Vorläufer der heutigen Nürnberger sozialdemokratischen Zeitung bezeichnet werden kann. Cr verlegte später seinen Wohnsitz nach Nürnberg, trat in die Redaktion genannter Zeitung ein und widmete sich fortan seinem Lieblingsgcbiete, der Gemeindepolitik. Die glänzende, aber sehr scharfe Feder, die er führte, brachte ihn wiederholt in Konflikt mit dem Strafgesetzbuch und als dessen Folge oft ins Gefängnis. So mußte er noch als Greis von 72 Jahren wegen Prcßvergehen einige Monate hinter Schloß und Riegel absitzen. Als im Jahre 1893 erstmalig Sozialdemokraten in den Bayerischen Landtag gewählt wurden, befand sich auch Löwenstein unter diesen. Rednerisch ist er wegen vorgerückten Alters nur selten im Parlament hervorgetretcn. Sein Mandat behielt er bis 1905 bei; nachdem er inzwischen nahezu 80 Jahre alt geworden war, verzichtete er auf eine Wiederwahl.

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