Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 19 (1.10.1929)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 316 (sequence 5)
- Language
- German
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316 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 werden müssen. Folgende Frage ist noch zu entscheiden, ehe wir an einen Neubau Herangehen, der ungefähr RM. 200 000.— kostet. Es werden sich die Betriebskosten doch wesentlich erhöhen. Es sind noch nicht einmal die Mittel vorhanden, um dielaufenden Betriebskosten aufzubringen. In dem Gutachten von Oberlehrer Stoll sind die Mehrkosten für den vergrößerten Betrieb mit RM. 13 000.— eingesetzt. Aber ich nehme an, daß sich die Betriebskosten noch wesentlich erhöhen werden durch die geteilte Betriebsführung. Darin sehe ich eine weitere Schwierigkeit. Rabbiner D r. Hanover: Herr Rechtsanwalt Jung hat gestern gefragt, wird denn die große Anzahl von Schülern auch in Zukunft vorhanden sein? Auf diese Frage können wir natürlich eine absolut sichere Antwort nicht geben. Man kann eben nicht in die Zukunft hineinsehen. Aber wenn man daran denkt, wie die Verhältnisse auf diesem Gebiete sich in Deutschland entwickelt haben, daß eine große Anzahl früher vorhanden gewesener Anstalten eingegangen sind, möchte man glauben, wagen zu dürfen, die angeschnittene Frage zu bejahen. Es kommt ja noch hinzu, daß alljährlich eine Anzahl von Schülern der Mittelschulen in die Anstalt ausgenommen werden, deren Zahl man natürlich auch nicht absolut sicher angeben kann. Deswegen darf gesagt werden, daß die äußeren Raumverhältnisse keineswegs den Bedürfnissen entsprechen, auch dann nicht, wenn wir, wie es scheint, vorläufig nicht mit der Neugestaltung der Lehrerausbildung und der Errichtung einer Aufbauschule zu rechnen haben. Der Zustrom zu unserer Anstalt wird eben gerade durch diese Tatsache, daß wir noch keine Neuausbildung haben, sondern die Schüler aus der Volksschule zu uns eintreten können, unterstützt und gerade dieser Umstand ist ein Moment, weswegen der Zustrom zu uns größer ist als im Norden. Wenn Justizrat Dr. Rosenthal die Frage wiederholt, die er schon in der Kommissionssitzung gestellt hat, »wie werden wir in der Zukunft die dauernden Betriebskosten der Anstalt einbringen, so möchte ich ihm erwidern, daß auch über diese Frage eine unbedingt sichere und ausreichende Auskunft nicht gegeben werden kann, aber es ist nun doch einmal so, daß wir Jräen bei der Schöpfung unserer Institutionen immer mit einem gewissen Maße von Vertrauen und Hoffnung auf die Zukunft arbeiten müssen. Ohne dieses wären fast alle unsere Institute nicht geschaffen worden und auch Seligmann Bär Bamberger hätte unsere Anstalt vor nun 65 Jahren nicht schaffen können, wenn er erst hätte beantwortet haben wollen, ob er nun die Existenz der Anstalt für die Zukunft zahlenmäßig garantiert bekäme. Es ist auch kaum möglich zu sagen, wir wollen die Kosten der Anstalt durch Abbau vermindern. Der Weg der Beisteuer der deutschen Landesverbände läßt sich doch nicht Herstellen durch Abbruch mit den bisherigen Gepflogenheiten, durch Abweisung von Schülern. Im Gegenteil, wir müssen der Öffentlichkeit immer wieder sagen, unsere Anstalt besteht für das ganze Deutsche Reich, also helft und subventioniert. Wenn wir aber sagen, wir schließen alle außerbayerischen Schüler aus, dann können wir auch von außerbayerischen Landesverbänden nichts mehr beanspruchen und haben auf der anderen Seite noch nicht einmal eine Gewähr dafür, daß diese bayerischen Schüler nun wirklich in Bayern als Lehrer verbleiben. Wir haben uns im Kuratorium mit allen diesen Fragen wiederholt sehr eingehend beschäftigt. Die Schwierigkeiten, die hier vorgebracht werden, sind sicherlich zu einem Teile vorhanden, aber ich fühle ein gewisses Unbefriedigtsein, wenn hier nur Vemeinendes vorgebracht wird, aber keine Möglichkeit aufgewiesen wird, einen anderen, besseren Weg einzuschlagen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder folgen wir all den geäußerten Bedenken und bauen ab, dann kommen wir langsam aber sicher zu einem Abstieg und einer Zermürbung der Anstalt, oder Sie müssen mit einem gewissen Maß von Vertrauen mit uns gehen, das in allen unseren jüdischen Angelegenheiten für den Ausbau notwendig ist. Hauptlehrer Rosenfeld: Ich möchte eine kurze Bemerkung machen, nachdem gesagt worden ist, daß die Liberalen kein Interesse an der Anstalt haben. Ich muß dies aufs schärfste zurückweisen. Ich muß sagen, daß auch von liberaler Seite der Ernst dieser Frage eingehend geprüft worden ist; daß auch die finanzielle Seite eingehend geprüft wurde, versteht sich von selbst. Ich möchte auf Einzelheiten nicht weiter eingehen. Ich glaube aber, daß es keinen Zweifel darüber gibt, daß die Würzburger Anstalt die größte kulturelle Bedeutung hat, nicht nur für Bayern, sondern es ist eine Reichsanstalt. Ich möchte dem, was Rabbiner Dr. Hanover gesagt hat, noch hinzufügen, daß wir einen gewissen Optimismus einmal haben müssen. Wenn wir den nicht hätten, dann wären wir Juden überhaupt nicht mehr aus der Welt. Wir möchten doch die Frage geprüft haben vom Gesichtspunkt der jüdischen Lebensbejahung. Kommerzienrat Rosenzweig teilt mit, daß von seiner Seite keinerlei Bedenken gegen den Antrag der Volkspartei geltend gemacht werden. Es wird hierauf der Antrag der Lehrerbildungsanstalt Würzburg zugunsten des Antrags der Volkspartei zurückgezogen. Wilhelm Steigenberger G.m.b.H. KOHLEN - GROSSHflNDLUNG München-Bogenhausen Montgelasstraße 21 Telephon 4 80 6 71 - 73, 4 80 235 Kohlen, Koks, Briketts, Holz EISENWERK FRIEDRICH SCHWEITZER MÜNCHEN W Inh.; Dipl.-Ing. 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