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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1922-01-01 · 1921 (1922) · page 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1921 (1922)
Date
1922-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721023--03-2726206
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4_ Schauplatz seines Wirkens abgerufen wurde. Wie das Seminar ihm zu unauslöschlichem Danke verpflichtet ist, so fand die Trauer der G$lehrtenwelt in Beileidsbezeugungen der Schwesteranstalten und zahlreicher Männer der Wissenschaft ergreifenden Ausdruck; ihnen allen sprechen wir unsem herzlichsten Dank aus. Die schwere Sorge, die bei dem Hinscheiden des Herrn Seminarrabbiners alle Freunde unserer Anstalt erfüllen mußte, erfuhr freilich schon während der Trauerwochen eine gewisse Linderung. Die Verhandlungen wegen Neubesetzung des Lehrstuhls des Herrn Prof. Dr. Brann führten zu einem günstigen Ergebnis. Herr Dr. Israel Ra bin1), der auf Mitveranlassung des sei. Herrn Dr. Horovitz zu persönlichen Verhandlungen nach Breslau gekommen war, erklärte sich bereit, den Lehrauftrag zu übernehmen und, was für den Fortbestand des Seminars geradezu von entscheidender Bedeutung war, schon zu Beginn des Sommerhalbjahrs sein Amt anzutreten. Bereits am 2. Mai konnte seine Einführung erfolgen, bei welcher der Vorsitzende des Kuratoriums; Herr Geheimrat Freund, herzliche Worte der Begrüßung an den neuen Dozenten richtete. Herr Dr. Rabin erwiderte etwa folgendes: Die Eigenart des Breslauer Seminars bestand seit seiner Be• gründung darin, daß es tiefgründige, vorurteilslose Forschung auf allen Gebieten des jüdischen Schrifttums zu verbinden wußte mit einer tiefen *) Ueber seinen bisherigen Lebens- und Studiengang ist folgendes zu bemerken: Am 18. Oktober 1882 in Proskurow (Ukraine) geboren, besuchte er zuerst die Talmudschulen seiner Vaterstadt, wurde dann von seinem Vater, dem Gemeinderabbiner daselbst, in das rabbinische Studium eingeführt, bezog darauf die litauischen Jeschiboth (Telschi, Slobotka, Kowno) und erhielt die Approbation als Rabbiner von den bekanntesten rabbinischen Größen in Slobotka und Kowno. Gleichzeitig betrieb er auch Gymnasiaistudien, die er ebenda zum Abschluß brachte, und bereitete sich so auf privatem Wege für den Besuch der Universität vor. In Bern und Berlin studierte er Geschichte, orientalische Sprachen und Philosophie, wurde in Bern summa cum laude zum Doktor der Philosophie promoviert und bestand eben dort die Staatliehe Oberlehrerprüfung in Geschichte, Erdkunde, hebräischer Sprache und Pädagogik. Nach einer einjährigen Lehrtätigkeit in der Schweiz (Bern und Neuchatel) ging er Ende 1909 als Oberlehrer (für jüdische Geschichte, Erziehungslehre und Erdkunde) an das Lehrerseminar des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem. Im Jahre 1911 wurde er als Rektor an die Rabbiner-Bildungsanstalt in Odessa berufen, wo er bis zum Juli 1914 wirkte. Vom Ausbruch des Krieges in Deutschland überrascht, blieb er wahrend der Kriegszeit in Giessen, wo er im Jahre 1918 zum Lektor für jüdische Wissenschaften an der Großherzoglichen Landes- Universität ernannt wurde. Im selben Jahre erhielt er einen Lehrauftrag für das aljttestamentiiche Hebräisch an der Universität in Frankfurt a. M. und würde kurz darauf an derselben Universität zum Lektor für Geschichte und Literatur des nachbiblischen Judentums ernannt.

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