Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1921 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Wenn das Seminar am 27. Januar zum 68. Male den Er•, innerungstag seines verewigten Stifters feiert, so blickt es auf ein Jahr zurück, das wohl als das kritischste seit seinem Bestehen, bezeichnet werden muß. Noch hatte sich die Wunde nicht geschlossen, die das Ableben des sei. Herrn Prof. Brann der Anstalt geschlagen, als im- Befinden des Herrn Seminarrabbiner Dr. Horovitz eine wesentliche Verschlimmerung eintrat. Wohl konnte er noch am; 19. Januar unter allgemeiner Teilnahme das 25jährige Jubiläum als Seminardozent begehen und auf die Ansprachen des Vor-: sitzenden des Kuratoriums und des Kollegiums, sowie der Vertreter der Synagogengemeinde und zahlreicher Vereine geistvoll und le'bhaft erwidern; auch war es ihm noch vergönnt, am 27. Januar, die Entlassung eines jungen Rabbiners vorzunehmen; aber wenige- Tage spater mußte er das Krankenlager wieder aufsuchen, um es nur stundenweise zu verlassen, und am 2. April schied er im jüdischen Krankenhause aus dem Leben. Im Einverständnis mit den Hinterbliebenen wurde seine irdische Hülle nicht in die Seminarsynagoge verbracht, sondern nur auf dem Friedhofe an der Lohestraße eine Bestattungsfeier veranstaltet, deren Schlichtheit dem Wesen des Verklärten und seinen ausdrücklichen Wünsehen entsprach. Der Rede des Rabbiners Herrn Dr. Simonsohn (eines Schülers des Verewigten) folgten die Abschiedsworte des Unterzeichneten Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, dann die- ■ jenigen des Vertreters der Hörerschaft Herrn Dr. Hugo Halm.. In allen Reden kam der tiefe Schmerz zum Ausdruck über die; herbe Tragik im Leben des seltenen Mannes, der ein Menschenalter hindurch dem Seminar und der Wissenschaft sein Bestes’ gegeben, im steten Kampf gegen Krankheit und Sorge, — und! der. wenige Jahre, nachdem die Berufung zum Seminarrabbiner ihm die Möglichkeit gegeben« den ganzen Umfang seines talmudischen Wissens dem Seminar nutzbar zu machen, von dem