Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1921 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2721023--04-2726207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-5 Innigen Religiosität. Hier durfte furchtlos. wissenschaftlich geforscht werden; jede Aengstlichkeit konnte verbannt werden, weil ein inniges Verhältnis au den Quellen der Lehre bestand und weil treue Anhänglichkeit an die Traditionen des jüdischen Lebens wissenschaftlicher Arbeit und wahrem Thorastudium sicheren Halt verlieh. Lehre und Lehen waren durch ein festes Band umschlungen. Vergangenheit war der Gegen* wart Lehrmeisterin, der Zukunft Deuterin. So erhielt in der Arbeit der großen Männer, die am Seminar wirkten, _ das Wort der Schrift וכור יסית פילם- בעי שצח ריר וריד seine volle ErfüUung. Für sie war die Lehre des Judentums eine חידת דדים, das Schrifttum unseres Volkes אש דת. Durch die Glut, die das jüdische Gesetz durch• lodert, suchten sie dem jüdischen Leben Kraft und Wärme zu verleihen; das aus der Thora ausstrahlende Licht sollte das Dunkel der jüdischen Schicksale durchleuchten, die Wesensart des Judentums inmitten der anderen Kulturen erhellen, um so seine Ursprünglichkeit zu wahren und ihm Ewigkeit zu verbürgen. אין עוקדן נמשות לצדיקים — דבריהן הן זהייונן. Deren Worte sollen uns nun Vermächtnis sein. ומזיעה שמתיתיהם דיבבית בקבר! Das Fortwirken ihrer Lehren möge die höchste Ehrung für sie sein. Es wirkte in ihnen der ewige Geist des Judentums, das ja auch nicht eine ״Vor״ mittelung“ zwischen Religion und Wissenschaft als zwei starten, feindliehen Systemen hat erklügeln wollen, sondern aus seiner Seelentiete heraus zur Einheit und Wahrheit emporstrebte, In den einzigartigen מלחמית זד, in dem Ringen um die Wahrheit» das im Judentum so alt ist, wie es selbst, ist das ureigene Wesen dos jüdischen Geistes beschlossen, in der Errungenschaft dieses Bingens, In dem festen Gottesgiauben, die Größe jüdischer Weltanschauung begründet. In diesem Kampfe, in diesem Siege liegt das Geheimnis der nie versiegenden Schöpfertätigkeit des jüdischen Volkes. Die Kraft seines Genius äußert sich bald in der Bereitschaft.dpr Volksseele, die einmaligen Erscheinungen revolutionärer Art, wie sge in unmittelbarer Einwirkung göttlichen Geistes, in Offenbarungen, ihren machtvollen Ausdruck finden, auf sich wirken zu lassen, bald in stiller, geistiger Arbeit, im verborgenen Wirken und Weben dieser Volksseele, in ununterbrochener Tätigkeit, durch welche auf dem Wege der Evolution Neues entsteht, oder richtiger: das Alte sich erneuert und das Ewige in neuem Gewände in Erscheinung tritt. . - Daran mitzuwirken, dasWahre, dasGöttUche zuerkennenundesanderen zugänglich zu machen,war stetsdie edelste,höchsteAufgabe jüdischerGe&hirten. Die Kleinarbeit wissenschaftlichen Forschens, die notwendige Grund* läge aller Wissenschaft, war in jüdischen Lehrhallen nur Mittel. Ihr Zweck blieb immer die Auffindung des Neuen (ביו* המדרש בלא חרוש ptju Vor allem aber war die Erhaltung der lebendigen Kraft der Lehre, deren stete Erneuerung ihr höchstes Ziel.. Das von den Vätern Ererbte wurde immer von neuem erworben; so könnte die Thora — מודשה״«# — Besitz des gesamten Volkes bleiben. Treu dieser Tradition, treu den Idealen des positiven, historischen Judentums, hat unsere Anstalt besonders jetzt, wo die Regeneration des jüdischen Geistes sich in den breitesten Schichten der Judenheit an? bahnt, wo eine Vertiefung jüdischer Geistesarbeit und eint Belebung unserer unvergänglichen geistigen Schätze allseitig als gebieterische