Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 121)
- Language
- German
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II Seminar hat mit ungeschwächtem und sicherem Schritte und in gewohnter stiller aber fruchtbringender Wirksamkeit, zu der alle Mitglieder des Lehrkörpers in rüstiger Kraft beigetragen haben, das erste Jahr des zweiten Vierteljahrhunderts zurückgelegt. 'Der Unterzeichnete ist vom hochlöblichen Curatorium der Commerzienrath Fraenckerschen Stiftungen zum Seminarrabbiner ernannt worden. Am 1. Januar 1880 kam derselbe hierher und wurde kurz darauf von dem erwähnten Curatorium in Gegenwart der geehrten Collegen und sämmtlicher Hörer des Seminars mittelst einer durch den Vorsitzenden des Curatorii, Herrn Stadtrath Dr. Marek, gehaltenen Ansprache, welche auf die grossen und wichtigen Aufgaben der Anstalt, wie des Neu ein tretenden hinwies, feierlich in sein Amt eingeführt. In Erwiderung auf diese Ansprache dankte der Unterzeichnete für das Vertrauen, mit welchem ihm Vorgesetzte und Collegen gleich von vornherein entgegengekommen sind. Dann sich an die Hörer wendend, fuhr er also fort: «Soll aber meine Wirksamkeit in Wahrheit eine gesegnete sein, so gehört dazu auch das Vertrauen und das Wohlwollen meiner lieben Hörer, der Zöglinge dieser Anstalt. Ich will daher einige Worte über meine talmudische Lehrmethode sprechen. Es soll mich freuen, wenn meine Lehrweise häufig mit der meiner seligen Vorgänger im Lehramte, der beiden berühmten Talmudheroen Frankel und Lazarus, sich begegnen sollte; allein der Individualität muss auch in dieser Hinsicht Rechnung getragen werden. Es sind besonders zwei Meister, zu deren Füssen ich gesessen und deren Worten ich gelauscht, zwei verehrte Lehrer, nach denen ich mich gebildet habe, mein seliger Vater, weiland Rabbiner in Schwerin a/W. und mein seliger Lehrer, der hochg'efeierte Rabbi Akiba Eger, Oberrabbiner in Posen. Ich kann durchaus nicht den Anspruch erheben, diese meine Ideale auch nur äusserlich — in Betreff der Lehrmethode — erreicht zu haben; aber angestrebt habe ich es, zu Vorbildern habe ich sie mir gesetzt. Es würde zu weit führen diese Lehrweise hier erschöpfend vorzutrageii. Doch kann ich es mir nicht versagen, aus der des Letzteren (des Rabbi Akiba Eger) einige Punkte anzuführen. 1. Trotz des staunenerregenden Scharfsinnes dieses gefeierten Meisters und trotz seines reichen Wissensschatzes auf allen Gebieten der talmudischen Disciplinen, schien es uns Schülern doch,