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Die neue Welt · 1937-12-17 · Heft 710 (17.12.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 710 (17.12.1937)
Date
1937-12-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE BHBUft WELf Nf. WO vom IT. D***mb€f 168? Verb« d« ludenstaafssionisfen Oesfcrreidis Sektion Prater, II, Erlafstraße 6. San»* tag, den 18. d., 9 Uhr abends, Im tfelm, H., Erlafstraße S, Filmvorführung und Gesangsabend. Mitwirkend J. Segall- Rosenbach (Gesang). Anschließend Vorführung des neueren Palästina-Filras. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 20. d., halb 9 Uhr abends, im Heim, II., Praterstraße 30, Vortrag Dr. Emmerich Fenyves: Nervöse Störungen und ihre Behebung. Gäste willkommen! Sonntag, den 19. d., 7 Uhr abends, Heimabend (DI., Praterstraße SO).!!l!l!!l!!!lll!lll!lllll!lllllll!!lllllll!lll!l!!!lllll|l!llllllllinillll!i;illllllllll!!ll|in Großmanns zionistischen Aemtern, daß nur der Kongreß ihn von diesen Aemtern hätte entheben können und daß jede Resolution und Entscheidung seitens unautorisierter xKörperschaften außerhalb der legitimen Verfassung steht und daher von selbst null und nichtig ist. * Ich habe versucht, so sachlich als möglich zu schreiben, aber damit soll nicht gesagt sein, daß mich diese Angelegenheit nicht tief getroffen hätte. Oroßmann ist mehr als zwanzig Jahre hindurch ein leidenschaftlicher Kämpfer für die zionistischen Ideale. Ich kenne ihn länger als 25 Jahre. Wir waren nicht immer einer Meinung in bezug auf zionistische Methoden, aber ich habe ihn immer bewundert — wegen seiner großen Emsigkeit, wegen seiner Ergebenheit für die Sache und wegen seines unerschütterlichen Mutes. Sein Mut ist vielleicht seine hervorstechendste Eigenschaft. Er w ürde es gewiß nicht gerne sehen, wenn ich mich über seine persönlichen Opfer und Sorgen und Leiden ausließe, welche er und seine Familie zu bringen und zu erdulden hatten, da er seine ganze Zeit dem Zionismus gewidmet hat. Ich bin bezüglich des Ausganges dieser Affäre nicht so pessimistisch wie diejenigen, welche glauben, e r w e r d e mit seiner Gruppe den Weg der Revisionisten wählen. Selbstverständlich werden alle seine Freunde und Kameraden in der Judenstaatspartei wie ein Mann zu Großmann stehen. Aber ich bin überzeugt, daß das Aktionskomitee, unabhängig von Partei-Vorurteilen, sich mit überwiegender Majorität dafür aussprechen wird, daß man einem Oppositionsführer nicht g ewaltsamdenMundschließendarf. ————— Der hingerichtete Helmut Hirsch Der holländische Schriftsteller A. Den Doolaard hat den tragischen Fall des jungen Juden Helmut Hirsch, der am 5. Juni d. J. in Berlin-Plötzensee wegen „Hochverrats" (angeblich Sprengstoffanschlag) hingerichtet wurde, genau nachgeprüft und berichtet jetzt im Amsterdamer „Hat Volk" über das Ergebnis seiner Untersuchungen. Er enthüllt, daß der Gestapo-Spitzel Moeschke den jungen Hirsch in die Falle lockte und sein furchtbares Ende entschied. In dem erschütternden Abschiedsbrief, den Helmut Hirsch kurz vor seiner Hinrichtung an seine in Prag lebenden Eltern richtete, hieß es: „Vater, die Schuld trifft die Leute, 'die leichtsinnig und ohne Verantwortungsgefühl diese Bereitschaft von einem dummen Jungen erst gebraucht haben, um ihn danach' schuftig zu verraten, dann auch mich selbst, weil ich im entscheidenden Augenblick nicht kräftig genug Nein gesagt und mein Vertrauen tief habe einschläfern lassen." Dazu berichtet Doolaard: Helmut Hirsch suchte in Prag Dr. Otto Strasser, den Führer der „Schwarzen Front", auf und hatte mit ihm eine Aussprache über die Judenfrage. Die Beziehung zu Strasser blieb flüchtiger Natur. Dagegen trat Hirsch in nähere Beziehung zu Strassers Sekretär Heinrich Grunow, bei dem er auch einen gewissen Moeschke kennen lernte, der sich als Mitglied der „Schwarzen . Front" ausgab. Zu diesem Moeschke hat Hirsch wahrscheinlich Aeußerungen seines Hasses gegen die Machthaber des Dritten Reiches getan. *» Als Hirsch über die deutsche Grenze ging, geschah es ausschließlich, um einen Jugendfreund in Stuttgart zu besuchen. Zu diesem Zweck war er auf das deutsche Konsulat in Prag gegangen, um sich ein Visum für seinen Staatenlosenpaß zu beschaffen. Er war zwar amerikanischer Staatsangehörigar, die Famüie war aber damals noch nicht im Besitz der amerikanischen.Pässe. Inzwischen war Moeschke nach Deutschland zurückgegangen und hatte der Gestapo Informationen über Hirsch' Person und seine Beziehungen zur „Schwarzen Front" Strassers gegeben. Als dann das Prager deutsche Konsulat wegen des Visums an Hirsch in Deutschland anfragte, gab die G e s t a p o unverzüglich Anweisung in Prag, das Visum für Hirsch zu erteilen. So ging der junge Mensch der Geheimen Staatspolizei ins Netz. Als er mit vollkommen unschuldigen Absichten bei Eger die deutsche Grenze passierte, wurde er verhaftet. In dem Bericht Uber den Prozeß gegen Hirsch ist die Rede von dem Stuttgarter Freund Hirsch', der anderthalb Jahre Gefängnis bekam, und von einer dritten, von den Behörden nicht genannten Person. Diese ist niemand anderer als Moeschke, der als Belastungszeuge gegen Hirsch auftrat und dessen haßerfüllte Aeußerungen in Prag zu ihm haarklein wiedergab. Aber, so sagt Den Doolaard, böse Worte sind noch keine Höllenmaschinen. Moeschke war auf einer ZwischenstaÜon mit ein paar Koffern in den Zug, in dem Hirsch fuhr, eingestiegen, einer dieser Koffer enthielt wirklich Sprengstoffe, die von der Gestapo geliefert waren. Hirsch, der selber kein Gepäck bei sich hatte, half Moeschke beim Tragen der Koffer und wurde auf dem Bahnsteig mit dem „h o c h v e r r ä t e r is c h e n" Gepäckstück in der Hand verhaftet. Aus Polen „Monat des christlichen Handels*4 Der auf dem letzten Kongreß der polnischen Händler als Auftakt zum Kampf gegen den jüdischen Handel in Polen proklamierte „Monat des christlichen Handel s" ist in zahlreichen Provinzorten Polens durch Gottesdienste eingeleitet worden. In den Straßen wurden Flugblätter verteilt, in denen zum antijüdischen Boykott aufgerufen wird. Die Folgen dieses ßoykott-Feldzuges machen sich bereits deutlich bemerkbar. In Bydg o s z c z wurden an den Hauswänden und Mauern große Boykottplakate angebracht; die Erregung unter der christlichen Bevölkerung wächst immer mehr. Angesichts der gefährlichen Stimmung halten die jüdischen Kaufleute ihre Läden geschlossen. In Wloclawek Caß Buchsbaum iMi Bürgerliches Familiencafe. In- und auslündiieh» Zeitungen. I Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herab* I gesetzte Preise. Mokka 45 Groschen, Melange 50 Groschen, veranstalteten die Nationaldemokraten einen Demonstrationszug. Die Demonstranten trugen Transparente mit der Aufschrift „Juden nach Madagaskar" und stießen Rufe „Tod den Juden aus. In W i s z k o w kam es am Markttag zu schweren Zusammenstößen, als nationalradikale Boykottposten die jüdischen Läden blockierten und christliche Käufer am Betreten derselben zu hindern versuchten. Dabei fielen auch Schüsse. Mehrere jüdische Häiidler wurden verletzt. Wieder schwere. Stndentenkrawalle Auf den Lemberger t Hochschulen dauern die Studentenunruhen an. Am Donnerstag, 9. Dezember, begannen die nationaldemokratischen Studenten an der Polytechnik eine Blockade der Vorlesungssäle; auf dem Dach des Hochschulgebäudes hißten sie eine grüne Fahne. Sie erklärten, daß sie das Hochschulgebäude so lange nicht freigeben werden, bis der Rektor der Polytechnik nicht die Anordnung zur endgültigen Absonderung der jüdischen Studenten von . den arischen Hochschülern auf speziellen Bänken erlassen werde. Während der Blockade kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen nationaldemokratischen und jüdischen Studenten. Die Vorlesungen an der Lemberger Universität und an der Polytechnik bleiben bis auf weiteres eingestellt. Antisemitisches Bundschreiben des Gourverneur» von Posen Abg. Dr. Emil Sommerstein interpellierte im Sejm den Premier Slawoj Skladkowski wegen des am 9. Juni 1937 vom Gouverneur von Posen, Wienckowski, veröffentlichten Rundschreibens, in Weif eirridh*G&! MmMiiMu Ii [ei lirtil Z. e i c h n e r IL Komttdicngasse Nr. 10 welchem die städtischen Angestellten bei Androhufcg mit Repressalien davor gewarnt wurden, in jüdischen Geschäften zu kaufen oder jüdische Aerzte zu konsultieren. Dr. Sommerstein brandmarkte das Rundschreiben als ein die Juden diskriminierendes Dokument und ersuchte den Ministerpräsidenten, die Zurückziehung des Rundschreibens zu verfügen. * Vor dem Kreisgericht in B i e 1 i t z hatten sich acht Teilnehmer an den antijüdischen Exzessen in Biala im Oktober d. J. zu verantworten. Der Hauptangeklagte wurde zu 18 Monaten, ein zweiter zu 12 Monaten, drei zu 10 Monaten und drei zu 8 Momnaten Gefängnis verurteilt. Im Verlaufe des ersten Prozesses gegen 31 Teilnehmer an den Ausschreitungen in Bielitz, bei dem, wie bereits gemeldet, 16 Angeklagte zu Strafen von 8 bis 12 Monaten Gefängnis verurteilt wurden, hatte Polizei« kommissar Dr. Kerri gegenüber den Aussagen einiger Beschuldigter, daß die Angriffe auf jüdische Läden und Wohnungen durch Provokationen hervorgerufen wurden, als Zeuge ausgesagt, die Behauptung, es seien aus jüdischen Wohnungen Steine auf Demonstranten geworfen worden, sei unwahr. Ein zweite»* Pollaset" beamter hatte ausgesagt, daß die Steine, die aus der Synagoge und aus einem Kaffeehaus auf ri.ie Straße flogen, von den Hauptangeklagten Mlhalacha und Masowicz selbst geworfen wurden. Zur Laqe der Jaden in Rußland Alis .Wien: Der J.T.A.-Veftfeter h*tte Gelegenheit, mit einem soeben aus Rußland zurückgekehrten jüdischen Ingenieur zu sprechen, der dort sehn Jahre lang in der Äehwefindustrle leitend tätig gewesen war und, wie fast älle, Ausländer in der letzten Zeit, im Zusammenhang mit angeblich überhandflehfiflendef Spionage- und Sabotagetätigkeit ausländischer Emissäre entlassen wurde. Eine Judenfrage im engeren Sirine de* Wortes, erklärte der Gewährsmann, gibt es in Rußland nicht, da das Sowjetregime jedem Volke und jeder Rasse volle kulturelle Autonomie einräumt. Der Druck, der auf den Juden in Rußland stets lastete, ist zum großen Teil gewichen, der Antisemitismus als soziale Erscheinung kaum mehr fühlbar. Da das gesamte Schulwerk verstaatlicht ist, besuchen die jüdischen Kinder zusammen mit den nichtjüdischen die Volks-, Bürger- und Mittelschulen. Wahrscheinlich als Folge des Umstandes, daß der auf den Juden in Wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht lastende Druck aufgehört hat, greift eine starke Assimilationsbewegung um sich, die sich darin äußert, daß der Gebrauch des jiddischen und Hebräischen allmählich verschwindet. Bis 1926 erschienen noch hebräische Bücher. Seither ist dies nicht mehr der Fall, da in den Staatsverlägeh hebräische Bücher nicht gedruckt werden und private Verlage nicht zugelassen sind. Bei der Volkszählung im Jahre 1938 wurde es den Juden freigestellt, die Rubrik „Nationalität" mit „Jewrej" auszufüllen. — Die ZioniatenVerfolgungen, die tatsächlich vorkommen, sind darauf zurückzuführen, daß der Zionismus als politischeimperialistische Bewegung angesehen wird, die — ebenso wie jede andere politische Betätigung außer der kommunistischen — verboten ist. Was die wirtschaftliche Struktur der russischen Juden betrifft, so ist bezeichnend, daß diese gerade im Kleinhandel und in der starken Schicht der „Spekulanten" am wenigsten vertreten, hingegen zahlreich als Fabriksarbeiter und Fachleute tätig sind. Auch in führenden Industriesteyungen findet man viele Juden. Dagegen verschwinden die Juden vollständig aus den leitenden politischen Stellungen. Im großen und ganzen kann gesagt werden, daß dem Judentum als nationaler Gruppe in Sowjetrußland keine Entwicklungsmöglichkeit gegeben ist. Betarim dringen In das Palästina-Amt Kowno ein Aus Kaunas: Anläßlich des Besuches des-Vorsitzenden der „Histadru t" und Sonderbeauftragten des Keren Hajessod, Josef Sprinzak, fand mit dessen Beteiligung und im Beisein von Vertretern aller zionistischen Parteien eine Sitzung des Kownoer Palästina- Amtes statt. Während der Sitzung erschienen etwa 50 Mitglieder des „Betar" und des „Brith Hachajal", besetzten sämtliche Eingänge, schalteten das Telephon aus und verlangten, daß ihr Führer Glaamanndas Wort zu einer Erklärung erhalte. Sprinzak und der Vorsitzende, Dr. Grigori Wolf f. lehnten dies zunächst ab. Auf Intervention der Vertreter de» „Nationalen Blocks", dem der „Misrachi", die Judenstaatspartei und die Allgemeinen Zionisten Gruppe B angehören, wurde ihm jedoch das Wort erteilt. Glasmann protestierte in einer kurzen Rede dagegen, daß Betarim k e i n e P al äs t in a - Z e r t if i k a t e er- ■ halten, und verlangte eine Beseitigung diesc3 Unrechtes. Seine Forderung wurde von Redakteur Rübinstein und anderen Vertretern bürgerlicher zionistischer Partelen unterstützt. Danach verließen die Betarim das Palästina-Amt. Zu irgend welchen anderen Zwischenfällen kam es nicht. Die „Cägoulards" und der Wiener Aütisemitenbund Aus Paris (J. T. A.): Wie französische Zeitungen melden, hat die Pariser Polizei einen Zusammenhang zwischen der antisemitischen Tätigkeit deutscher nationalsozialistischer Agenten und den auf Umsturz hinarbeitenden Elementen in Frankreich festgestellt. Sie fahndet nun nach dem nationalsozialistischen Agenten Baron de Potevre, der unter dem Verdacht steht, Verbindungsmann zwischen der Gestapo und den Cägoulards zu sein. De Poterre ist einer der 26 Naziagenten, die auf. der im Hause Toedlis in Bern von der Schweizer Polizei entdeckten Liste figurieren. Er arbeitete mit deutschem Geld unter den Decknamen Meikert, Farmer und Lecleuq in verschiedenen Ländern als antisemitischer Propagandist. Eine von der Polizei durchgeführte Untersuchung ergab, daß de Poterre der Drahtzieher hinter den Kulissen des Berner Prozesses um die „Protokolle der Weisen von Zion" war. De Poterre weilte in der letzten Zeit wiederholt in Wien und hielt in verschiedenen antisemitischen Vereinen, Inabesondere in dem berüchtigten „A n t i« sem,itenbund", wo er sich als Vorkämpfer des panarischen Gedanken» vorstellte, Vorträge. Er spielte auch im ,,Lumen-Kiub'*, der die Verwirklichung der panarischen Idee zum Programm hat, eine Rolle. In Wien ist man der Ansicht, daß der wahre Charakter des Österreichlechen Antisemitenbundes durch die Verbindung mit de Poterre in die Erscheinung getreten ist. »^«^»'^^■^»'»^»^»^■^»^^►'^^ Porträtsammlung Bojko Ist Sonntag, den 19. d., den letzten Tag, von 10 bia 1 Uhr und von 4 bis 7 Uhr geöffnet.

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