Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 703 (23.11.1937)
- Date
- 1937-11-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 703 vom 23. November 1937 """ ■' ■ ■■— * DIE NEUE WELT Seite 3 Aus Frankreich Der Innenminister zur antisemitischen Propaganda Der französische Innenminister Max Dormay erklärte einer Abordnung der in der Volksfront vereinigten Parteien, die vor dem Ueberhandnehmen der antisemitischen Propaganda in Frankreich warnte und von der französischen Regierung eine Kontrolle der Finanzquellen der für diese Propaganda Verantwortlichen forderte, die französische Regierung werde mit aller Energie jeden Versuch, die Juden anzugreifen, unterdrücken, und die Einführung rassischer Theorien in Frankreich verhindern. Zum Schluß gab der Innenminister der Abordnung die Versicherung, er werde der Forderung der Volksfront Rechnung tragen und dafür sorgen, daß dJe Juden in Frankreich entsprechenden Schutz genießen. Ein Zwischenfall Im Verlauf der Kammerdebatte über die Unruhen In Norrlnfrika griff der Abgeordnete der Rechten, Ch iappe, den sozialistischen Abgeordneten Lussy an. Er erwähnte, daß Lussy jüdischer Herkunft sei und «einen Namen gelindert habe. Diese Bemerkung wurde in Äincm abfälligen Tone gemacht und veranlaßte die Kammer zu eine" scharfen Protestkundgebung. Der Deputierte LiViSsy verlangte das Wort und erwiderte, daß er den ganzen Krieg an der Front mitgemacht habe, aber nicht wisse, wo sich Chiappe während dieser Zeit aufhielt. Die Haltung der Kammer bestimmte Chiappe, seine Aeußerungen zu berichtigen und zurückzuziehen. Er, erwiderte, daß ihm ferngelegen sei, Lussy irgendwie zu beleidigen oder gar wegen seines Glaubensbekenntnisses zu kränken. * Diesmal hat sich Herr Chiappe noch entschuldigt. V/ird or es nächstens auch tun? Ein französischer Generalkonsul über Judentum und Palästina Aus Prag: Der französische Generalkonsul in Prag, Leon F r o m a n, äußerte sich' anläßlich eines Besuches in Bratislava einem Mitarbeiter der „Jüdischen Presse, Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums" gegenüber, er liebe die hebräische Sprache und Literatur und sei fest davon überzeugt, daß das jüdische Volk „kraft seiner Literatur und herrlichen Sprache das intelligenteste, intellektuellste und ein gerechtes Volk sei". Zu der gegenwärtigen Lage in Palästina übergehend, sagte er: „Die gerechte Sache der Juden muß siegen. Gibt es denn eine berechtigtere Forderung, als das historisch verbriefte Recht der Juden?" Der Anspruch der Araber auf Palästina sei unberechtigt, denn Palästina gehöre und gebühre ausschließlich dem jüdischen Volke. Die Lage der rumänischen Juden verschlimmert Aus Prag (J. T. A.): In den jüdischen Kreisen wird die neueste Entwicklung der innerpolitischen Lage in Rumänien mit tiefer Sorge betrachtet. Die Reglerungs-. krise wurde durch Bildung eines Koalitionskabinetts (Liberale Parel, die von Vaida Voevod geführte Rumänische Front, sowie die von Professor Jorga repräsentierte Nationaldemokratische Partei) gelöst. Die Bildung eines Kabinetts durch die von Mihalache geführte demokratische Nationalzaranistische Partei (Nationale Bauernpartei) ist an dem Willen des Königs gescheitert. Hatte schon das bisherige liberale Kabinett unter dem Druck der Kräfte von rechts nationalistischen Tendenzen gehuldigt, die u. a. in dem Dekret des Handelsministers Valer Pop, betreffend Romanisierung der Wirtschaftsbetriebe durch möglichste Ausschaltung der Angehörigen der nationalen Minderheiten, insbesondere der Juden, ihren Ausdruck fänden, so wird von einer Verbindung der Liberalen mit dem Urheber der Idee des Numerus Valachicus Vaida Voevod und mit Professor Jorga, der sich zu einem Freund des radikal-antisemitischen Apostels Cuza entwickelt hat, eine weitere Verschärfung der Lage der Minderheiten, ganz besonders aber der Juden, befürchtet. Aus Litauen Aus Kaunas: Die litauische Regierung hat vier angesehene jüdische Bürger eingeladen, sich an dem Komitee, das zur Durchführung der Vorbereitung der Feierlichkeiten aus Anlaß des 2 0. Jahrestages der litauischen Republik eingesetzt wurde, zu beteiligen. Dieser Schritt der litauischen Regierung wird in jüdischen Kreisen als um so bemerkenswerter angesehen, da weder die deutsche noch die polnische Minderheit in das Komitee eingeladen wurden. In die litauische Handelskammer, der insgesamt 75 Mitglieder angehören, sind 2 8 J u d e n gewählt worden. H: Der Verband der jüdischen Frontsoldaten in Litauen geht nunmehr daran, den Plan der Errichtung eines Denkmals für die in den Kämpfen um Litauens Unabhängigkeit gefallenen Juden zu verwirklichen. Das Denkmal wird im Hofe der großen Synagoge im Zentrum von Kaunas aufgestellt werden. Das Kriegaministerium hat eine größere Spende zugesagt. Bei Fettsucht, Gicht und Zuclterharnruhr vorbessert das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser die Magen- und Darmtätigkeit und fördert nachhaltig die Verdauung und den gesamten Stoffwechsel. Fragen Sie Ihren Arzt, B Wovon Palästina jetzt §pridit Die politische Höchstgrenze für Ein¬ Kriegsgerichte, — Ketzerische Keden in der Hlstadruth. Wanderung Von Dr. N. Vardi (Tel-Aviv) Im Vordergrund stehen jetzt die Frage der politischen Höchstgrenze für dieweitere jüdische Einwanderung in Palästina, welche in das neue Einwanderungsgesetz aufgenommen wurde, und die der Kriegsgerichte. „Davar", Organ der Histadruth (Sozialistische Arbeitsgemeinschaft), nimmt gegen das neue Einwanderungsgesetz Stellung, bezeichnet es als Ausgangspunkt für die neue antizionistische Richtung der britischen Politik. Die Zeitung führt aus, daß das Gesetz jedes weitere jüdische Wachstum in Palästina unterbindet. Es sieht eine Höchstgrenze von tausend jüdischen Zertifikatenbesitzern vor, die monatlich ins Land einwandern dürfen. Diese Grenze darf im Laufe von acht Monaten nicht überschritten werden. Es sei aber auch keineswegs klar, ob nach Ablauf dieser acht Monate eine Erleichterung eintreten würde, denn Ormsby-Gore erklärte hiezu^im Parlament, daß die Regierung nach Ablauf dieser Zeit ihre weitere Politik nach Belieben festsetzen werde. Gegenwärtig übertrifft der arabische monatliche Bevölkerungszuwachs den jüdischen um tausend Seelen. Die neue Einwanderungsnorm ist also dazu angetan, den Ueberschuß des arabischen Zuwachses durch einen gleichwertigen Zuwachs der jüdischen Seite auszubalancieren. Auf diesem Wege sind also die Juden dazu verurteilt, hierzulande ewig eine Minderheit zu bleiben. Die jüdische Einwanderung, welche bisher vom Mandat als schöpferischer Faktor im Leben Palästinas betrachtet wurde, wird durch die neue Verfügung als peinliche Unannehmlichkeit betrachtet, gegen die ernste Mittel administrativer und gesetzgeberischer Natur ergriffen werden müssen. „H a b o k e r", Organ der rechtstehenden Parteien, teilt diese pessimistiscehe Einschätzung des Einwanderungsgesetzes, fügt aber hinzu, daß sich der „Davar" und die linksstehenden Parteien auf den Pessimismus beschränken, ohne effektive Kampfmittel gegen die drohende Gefahr vorzuschlagen. Die Zeitung weist darauf hin, daß sogar das Weißbuch Churchills vom Jahre 1922 die jüdische Einwanderung nach Palästina nicht als Gnade, sondern als jüdisches Grundrecht festsetzt. Und Ein- CaßA*ketk$ I, Hoher Markt - Lichtensteg Nr.4 wanderungsrecht bedeutet, daß keine politischen Beschränkungen den einwandernden Juden auferlegt werden können. Wenn man uns das Recht auf Einwanderung, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Wirtschaft, nimmt, so heißt es, daß wir kein größeres Recht in bezug auf Palästina als auf Südafrika oder Brasilien haben. — Die Zeitung beschuldigt die Zionistische Exekutive und. die Arbeiterpartei, daß sie mit Rücksicht auf die kommende Teilung, die angeblich alle Fragen lösen würde, keinen Kampf gegen die Regierung aufnehmen wolle. Es sei die Pflicht der gesamten zionistischen Bewegung, dieser politischen Atrophie der Leitung entgegenzutreten und einen großzügigen Kampf gegen die Verletzung der jüdischen Grundrechte auf Einwanderung nach Palästina aufzunehmen. •>:- Die Einführung der Kriegsgerichte im Lande hatte wider Erwarten keine begeisterte Aufnahme bei der hebräischen Presse gefunden. Das aus zwei Gründen: Erstens weil diese Verfügung, wie der „Hajarden" betont, mit einer Verspätung von anderthalb Jahren gekommen ist, und es einer verspäteten Liebe oft an Leidenschaft mangelt. Zweitens besteht im Jischuw nach den bisherigen Erfahrungen kein großer Glaube an den Ernst der Regierungsabsichten. Jüdische Kreise in Palästina sprechen die Befürchtung aus, daß. die Kriegsgerichte nicht so sehr der Bestrafung der arabischen Terroristen, als der Demonstration der englischen „Unparteilichkeit" dienen werden. Man befürchtet, daß um den Arabern das englische Wohlwollen noch mehr zu beweisen, die Kriegsgerichte das „Fifty-fifty-System" in ihren Urteilssprüchen anwenden und für jeden arabischen Sträfling ein jüdisches Opfer suchen werden. Es ist abzuwarten, inwiefern dieser Pessimismus berechtigt ist. *• Die jetzt abgeschlossene Konferenz des Rates der Histadruth zeigte, daß es bei den Linken weitgehende Meinungsverschiedenheiten in der Teilungsfrage gibt. Der größte Teil der Redner sprach sich in schärfsten Worten gegen die Teilung des Landes aus, Die Führer des linken Flügels der Histradruth, Loevy, Riftin, Jitzchaki und Alexander, griffen die Exekutive wegen ihrer Teilungstendenzen heftig an, Arara fragte Ben-Gurion, der noch im vorigen Jahr erklärt hat, daß für ihn nur ein Judenstaat annehmbar wäre, in den mehrere Millionen von Juden einwandern könnten, wie er dazugekommen sei, seine frühere Anschauung zugunsten eines Judenstaates m Taschenformat zu wechseln... Der Zwergstaat, führte Riftin aus, sei viel weniger als das gegenwärtige Mandat, denn der „Staat" wird unter die unbeschränkte Kontrolle Englands geraten, während das Mnndatsland sich an 52 Nationen anlehnen konnte. Tabenkin, einer der einflußreichsten Arbeiterführer, der eine leidenschaftliche Rede gegen die Teüung hielt, bezeichnete die „Ja-Sager" als Vertreter der jüdischen VerzweiflungsStimmung. Wenn alle Juden „Nein" sagen, würde es nie zu einer Teilung kommen können. Man soll uns nicht sagen, der Zionismus stehe und falle mit Englands „Wollen" oder „Nichtwollen". Daran haben wir nicht einmal in Ugandazeiten geglaubt. Nie wird das jüdische Volk mit der Ab- OPTIKER KARL SEIDNER I, Franz-Josefs-Kai 33 II, Hollandstraße 7 Fachmännischer Rat Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert trennung von neun Zehnteln seines Territoriums, auf dem eine bewaffnete arabische Macht ins Leben gerufen werden soll, einverstanden sein. Wenn die Exekutive fortfährt, den Teilungsweg weiterzugehen, wird es zu einem vernichtenden Bruderkampf in den Reihen der Zionisten kommen. Im selben Geist sprach Idelson. Für die Teilung sprach nur Remes, in sehr milder und verwässerter Form. Ben-Gurion, der am Schlüsse der Debatte das Wort ergriff, vermied es, auf die Grundfrage selbst einzugehen, sondern beschränkte sich auf den Versuch, den Abgrund zwischen den linken „Ja"- und „Nein-Sagern" zu überbrücken. Man solle, sagte er, die Ja-Sager nicht als „Verräter" betrachten, auch die Nein-Sager nicht als schlechte zionistische Patrioten bezeichnen. Die Bewegung solle die Diskussion ohne Schärfe und gegenseitige Beschuldigungen weiterführen, bis die Exekutive dem Kongreß ihren Plan vorlegt. .. Er war in die Defensive gedrängt. Das einzige Blatt, welches hartnäckig und konsequent für die Teilung kämpft, ist der „Eaaretz Organ des Herrn Salman Schocken aus Deutschland. Der Hauptredakteur der Zeitung, Herr Medsini, ging so weit, daß er in einem Artikel erklärte, es sei nun das erstemal seit 1917, daß wir „mit ruhigem Gewissen" erklären können, England habe seine Verpflichtungen dem jüdischen Volk gegenüber durch den Teilungsvorschlag infairerWeise erfüllt... Arabische Stadträte lehnen einen gemeinsamen Friedensappell ab Aus Jerusalem: Entgegen der ursprünglichen Meldung, daß auf einer Sitzung der jüdischen und arabischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrates beschlossen wurde, eine gemeinsame Proklamation gegen den Terror zu erlassen, wird gemeldet, daß die arabischen Stadträte es ablehnten, den gemeinsamen Aufruf an die Einwohner von Jerusalem zu unterzeichnen. Es verlautet, daß die Ablehnung der arabischen Räte, den gemeinsamen Aufruf zu unterzeichnen, auf Grund einer von dem illegal wieder eingesetzten Obersten Arabischen Ausschuß ausgegangenen Warnung, mit Juden, Engländern und den gemäßigten Arabern zusammenzuarbeiten, erfolgt ist. Für den Fall der Nichtbefolgung dieser Warnung wurde mitdemTod gedroht. Für die „nichtarischen" Kinder in Deutschland Aus London: General Sir Wyndham D e e d e s und Leonard G. Montefiore veröffentlichen in den „Times" einen Aufruf zugunsten der Kinder von Nichtariern in Deutschland. Die Lage der aus rassischen Gründen In Deutschland Verfolgten, heißt es in dem Aufruf, werde immer drückender. Während aber die in Deutschland zurückgebliebenen Juden von jüdischen Organisationen unterstützt werden, gebe es für die christlichen „Nichtarier" keine Hilfsquellen. Verband der Judenstaatszionisien Oesterreichs Samstag, den 4. Dezember, halb 9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental GesellschaffsaE»end mit Tanz Reichhaltiges künstlerisches Programm Entree $ 1.50