Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 654 (11.5.1937)
- Date
- 1937-05-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 645, vom 11. Mai 1037 BUJ NEUE WELT Seite $ AUS ALLER WELT Nationale Einheitsfront in Litauen Aus Kaunas: Die Zentralkomitees der Allgemeinen Zionlsten (Gruppe B), des Mlsrachi und der Judenstaatsparte) in Litauen, die sich vor kurzem zu einer nationalen Einheitsfront zusammengeschlossen hatten, haben nunmehr den Beschluß der Konferenz der Einheitsfront, eine gemeinsame Wahlliste zum XX. Zionlstenkongrcß aufzustellen, ratifiziert. Als Spitzenkandidaten auf der gemeinsamen Kandidatenliste werden figurieren: Redakteur R. Rubin stein (Allgemeine Zionlsten), Rabbiner Dr. Abrainoviez (Mlsrachi) und Dr. B. Dubro- W1 c z (Judenstaatspartei). Einzige orthodox *w Konditorei Eigene Erzeugung unter Aufsicht der ADAS ISROEL (Sclti(fschul) Abraham Leib Pomeranz Kit gros: II, Hsrminangatsc Nr. 13, Telephon A-4L7-78 Detail: II, Floffgaii« Nr. 7 Für mpisw verschiedene Topfenbäckereien : Torten, Strudel, Ougihupf la Qualität und zu billigsten Preisen. Aus England Aus London: Mit der Wahl des Kandidaten der Labour Party, Major H. L. Nathan, bei der Nachwahl In Central Wandsworth erhöht sich die Zahl der jüdischen Abgeordneten im englischen Unterhaus auf siebzehn. * „Stews Chronicle" berichtet, daß nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Baldwin der voraussichtlich neue Premierminister Neville Chamberlain das Kabinett umbilden werde. Dabei sei als Nachfolger des derzeitigen Kriegsministers Duff Cooper der gegenwärtige .Verkehrsminister Hore-Belisha in Aussicht genommen. Hore-Belisha ist Jude. Zw den antijüdischen Ausschreitungen in London Aus London: In der Unterhaussitzung vom 6. Mai erklärte der englische Innenminister Sir John Simon in Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Sorensen, wie viele Berichte Über Angriffe auf Juden und jüdisches Eigentum während der letzten drei Monate in London bei ihm eingelaufen seien und welche Maßnahmen er ergriffen habe, es seien ihm während des in Frage stehenden Zeitraumes vom Polizeipräsidenten vier Berichte über Angriffe auf Juden und jüdisches Eigentum zugegangen. Er freue sich jedoch, feststellen zu können, daß keine wesentliche Schädigung des Eigentums zu verzeichnen war. Die Polizei könne natürlich nicht versichern, daß sich ähnliche Zwischenfälle nicht wieder ereignen; doch werde alles geschehen, um den Schutz der friedlichen Bürger zu gewährleisten. Zu diesem Zwecke habe die Polizei umfassende Vorkehrungen getroffen. Auf die Anfrage des Abgeordneten Sorensen, welche Maßnahmen im Zusammenhang mit einem vor etwa zwei bis drei Wochen stattgefundenen Ueberfall auf eine Synagoge ergriffen wurden, erwiderte der Innenminister: Der Abgeordnete meint wahrscheinlich den Vorfall in Leyton. Ich habe wohl von diesem Vorfall Kenntnis, doch liegt mir bisher kein offizieller Bericht darüber vor. Trennungsorfthodoxie gegen Judensfaat Aus Jerusalem: „Kol Jisroel", das offizielle Organ der Agudas Jisroel, nimmt zu den Plänen einer Teilung Palästinas in Kantone vom Standpunkt des orthodoxen Judentums aus Stellung, besonders unter dem Gesichtspunkt, daß Jerusalem nicht in das jüdische Gebiet* eingeschlossen werden soll. Das orthodoxe Judentum werde an dem Kampf gegen eine derartige Zerreißung des Landes'teilnehmen. Aber über diese allgemeinjüdischen Gesichtspunkte hinaus erblicke das orthodoxe Judentum eine Gefahr nicht nur in der Abtrennung von Teilen Palästinas, sondern auch in der Bildung de3 geplanten selbständigen jüdischen Staates. Es bestehe auf Grund der Zusammensetzung des palästinensischen Jischuw, seiner Parteiengliederung und der Einstellung des größeren Teiles der palästinensischen Juclenheit zur jüdischen Religion und ihren Heiligtümern die große Gefahr, daß die Macht in dem neuen Staate in den Händen glaubensfremder Elemente liegen werde. Die englische Palätina-Regierung sei leider für die orthodoxe Judenheit in Palästina der letzte Schutz, nur sie könne es verhüten, daß die irreligiösen Institutionen die Vorherrschaft erringen. \ Die Orgelfrage Aus Zürich: In der Generalversammlung der Israelitischen Kultursgemeinde in Z ü rieh, die über die Frage der Beibehaltung oder definitiven Abschaffung der Orgel beim Gottesdienst zu entscheiden hatte, brachten die Anhänger der Abschaffung vor, daß die Orgel als sichtbares Symbol einer falsch verstandenen Assimilationsepoche in unsere Zelt rage. Sie wurde von der sogenannten Aufklärung eingeführt, die auch an Stelle des Wortes Jude den Begriff „Israeli t" eingeführt hat. Die Orgel sei nur der Uebergang zum Christentum und zur Abschüttelung des Judentums. Es handle sich hier um eine Frage der Rückkehr von der D e k a d e n z p e r i o d e des Judentums zu den eigenen Seit wann leben Araber in Palästina? Als besonders schwerwiegender Einwand gegen den Zionismus, d. h. gegen die jüdische Forderung auf Palästina, gilt die Feststellung, daß die Araber nunmehr länger als 1500 Jahre in Palästina leben. Sie haben also das unbestreitbare Recht, die Herren des Landes zu sein und die Juden als E i n d r i n g- 1 i n g e anzusehen. Auf diese Behauptung stützten auch jüngsthin vor der Königlich englischen Kommission, welche die Unruhen 1936/37 zu untersuchen hatte, die Vertreter der Araber ihre Forderungen und Beschwerden. Nun geht der bekannte jüdische Publizist Benzion Katz daran, diese Behauptung, welche bisnun allgemein geglaubt und auch von den Zionisten widerspruchslos hingenommen, also resignierend anerkannt wurde, als falsch zu erweisen. Er bedient sich hiebei der Belege, die ihm der gelehrte Spezialist in der palästinensischen Bevölkerungsfrage, J e h u d a Grasowsky, zur Verfügung gestellt hat. Er führt an: 1. Der gelehrte Reisende Graf V o 1 o u g u e schildert in seinem Buche „Syrien" ganz ausführlich einen Besuch in Syrien und Palästina in den Jahren 1792 bis 1794. Er gibt an, daß damals in Palästina insgesamt fünfzigtausend Seelen lebten, darunter nur ein Teil Araber. Unter diesen wütete die Kindersterblichkeit in solchem Maße, daß von einem natürlichen Zuwachs keine Rede sein konnte. Auch kamen die Araber, welche in das türkische Heer eingezogen wurden, nicht mehr zurück. Wenn heute an die 800.000 Araber in Palästina leben, so ist das auf eine*arabische Einwanderung in den letzten 120 Jahren zurückzuführen, nicht aber auf eine 1500jährige Seßhaftigkeit. 2. Die Mehrzahl der Dorfbewohner im Süden, von Ramien bis zur ägyptischen Grenze, kamen in der Zeit des Ibrahim Pascha, also vor rund hundert Jahren, aus Aegypten. Sie führen noch heute den Namen '„Wasri". 3. Die Dörfer im Norden Palästinas sind vielfach von Emigranten aus dem Libanon bewohnt, welche in den Kriegen zu Ende des 18. Jahrhunderts ins Land kamen. Außerdem gibt es Dörfer, deren Bewohner eingewanderte Tscherkessen und Bosnier sind. 4. Im letzten Jahrhundert sind' viele Beduinen aus Arabien ins Land gekommen und dageblieben. 5. Die meisten reichen und einflußreichen Familien, welche jetzt die arabisch-nationalistische Politik leiten, sind erst in den letzten Jahrzehnten nach Palästina gekommen. So die arabisch-christliche Familie R o k (ihr Haupt Alfred Rok ist Mitglied des Obersten Arabischen Rates), welche von 65 Jahren ins Land kam. Ihr Oberhaupt, Batros Rok, mußte wegen irgendeines Vergehens aus Anatolien fliehen. Die Familie Abu Bin im kam vor fünfzig Jahren aus Damaskus nach Palästina. Das Haupt der Famiii« I s a, der Redakteur des „Feiest i n". A b i I s a, kam aus der Türkei. Er ist griechischer Abkunft, Sein Vater war Maler, kam nach Palästina, um die große griechisch-orthodoxe Kirche auszumalen, und blieb dann im Lande. Die Familie Abucharda kam aus Aegypten. Die arabisch-christliche Familie Beir u l i kam vor sechzig Jahren aus dem Libanon. Die Familie P a k ist türkisch, die Familie Nashashibi ist tscherkessischen Ursprungs. Nur die Chaldis und Husseinis sind altpalästinensisch. 6. Der arabische Führer Antonius, welcher vor der Königlichen Kommission Palästina für die Araber reklamierte, kam vor zwanzig Jahren aus Syrien. Benzion Katz weist dann darauf hin, daß A c h a d Ha am bereits im Jahre 1919 Grasowsky aufforderte, seine wichtigen Studien fortzusetzen. (Igarot Achai Haam, Band VI). Achad Haam schrieb damals: Aufnimmt? nach Polen Abreise 13. Mai — billig, bequem, D-Zug Auskünfte: Dr. S. Tocker ,ln die Welt' (W. M. Renner), IX, Liechtensteins^. 2, A-14-504 (nächst Schottenring) „Mit größtem Interesse habe ich Ihr Material über die A b s t a m m u n g der jetzt in Palästina lebenden Araber gelesen. Wenn man nachweisen kann, daß die Mehrzahl der Bewohner erst im Laufe der letzten hundert Jahre aus fremden Ländern gekommen ist, dann würde es sich lohnen, der Frage Zeit und Arbeit zu widmen. Ich glaube zwar nicht, daß man damit den Hetzern gegen den Zionismus die Mäuler ganz stopfen könnte, aber man würde die Zweifel bei jenen abschwächen, welche in den jetzigen Bewohnern die Nachkommen der einstigen Palästina-Völker erblicken und fragen: Ist das Recht dieser Menschen nicht größer als das jüdische Recht?" Benzion Katz übernimmt diese Anregung Achad Haams und fordert die jüdischen Gelehrten, welche das Arabische, Türkische und Griechische beherrschen, auf, die Forschungen in den Archiven der ehemals türkischen Staaten durchzuführen, weil damit der Anmaßung, welche die Araber vor der Königlichen Kommission an den Tag legten, wirksam begegnet werden könnte. Werten; die Entscheidung der Generalversammlung sei eine historische. Demgegenüber legten die Anhänger der Beibehältung der Orgel an Hand der Literatur dar, daß der Orgelfrage gar nicht die hohe Bedeutung zukomme, die man ihr beilege. Die Orgel sei religiös-gesetzlich nicht verboten, sie führe vielmehr aus der früheren Erstarrung des Gottesdienstes heraus. Ein Gewissenskonflikt sei unbegründet. In der Hauptabstimmung wurde der Antrag auf definitive Abschaffung der Orgel mit 177 gegen 61 Stimmen angenommen. Für die Abschaffung stimmten u. a. die beiden Rabbiner, die Zionlsten, aber auch zahlreiche als liberal bekannte Persönlichkeiten. Kein Doktortitel für Juden Aus Berlin: Der Reichserziehungsminister hat mit sofortiger Wirkung angeordnet, daß Juden, welche die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, zur Doktorprüfung nicht mehr zugelassen sind. Auch hat die Erneuerung von Doktordiplomen bei ihnen zu unterbleiben. Bisher konnten auch Juden den Doktortitel, unter der Voraussetzung, daß sie aus Deutschland auswand e r'n, erhalten. In der Praxis jedoch ist es in den letzten Jahren kaum vorgekommen, daß Juden an deutschen Hochschulen den Doktortitel erwarben. Lage der 100.000 Juden in Algier Aus Paris (J. T. A.): Anläßlich ihrer Rückkehr nach Paris erstattete die von der französischen Regierung nach Algier entsandte Kommission zur Untersuchung der Lage der dortigen Juden in Algier und die stetig wachsende antisemitische Bewegung schildert. In maßgebenden Kreisen mißt man dem Bericht, der aller Voraussicht nach veröffentlicht werden wird, insofern große Bedeutung bei, als sich die unter den algerischen Moslems betriebene antijüdische Propaganda gleichzeitig auch gegen die Franzosen richtet. Die Pariser Zeitungen brachten in letzter Zeit wiederholt Schilderungen in Algier lebender Franzosen, wonach die moslemltische Bevölkerung von aus dem Ausland Inspirierten Agitatoren aufgefordert wird, „alle Juden und alle Franzosen Algiers ins Meer zu werfen". Die Hetzpropaganda nimmt einen immer ernsteren Charakter an und richtet sich nicht nur gegen die alteingesessenen 100.000 Juden, sondern auch gegen die Million Franzosen, die sich in Algier niedergelassen haben und im Handel und in anderen Berufen tätig sind. Verein Jüdische Volksbibliothek „Zion", Klub der Freunde der Jüdischen Volksbibliothek „Zion'', Wien, II., Kleine Mohrengasse .3. Anläßlich der Wiederkehr des Todestages des Gründers des Vereines und der Volksbibliothek „Zion", des allbekannten Zionistenführcrs Herrn L ö b 1 Taub e a>s. A. findet am Mittwoch, den 12. d., um halb 9 Uhr abends (2. Siwan), in unserem Heim eine Trauer-Gedenkfeier statt. Jüdische Küustlerspielc, II., Praterstraße 34. Wegen des außerordentlichen Erfolges verbleibt „Die Sendung Semaels" von Arnold Zweig mit den Gästen Leo Reuß-Brandhof er und Jenny Lovic in den Hauptrollen weiterhin auf dem Spielplan. elegant, modern, tadellos passend u. besonders preiswert FrUhjahrs-SlIpper oder Anzug