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Die neue Welt · 1937-05-11 · Heft 654 (11.5.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 654 (11.5.1937)
Date
1937-05-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite <fi DIE NEUE WELT Nr.^654, vom 11. Mai 1937 AUS PALÄSTINA Palästinensische Schiffahrt Das Reedereigeschäftin Palästina hat in ider letzten Zeit einen erheblichen Aufschwung erfahren. Neue Reedereien sind gegründet worden. In Haifa ist die „Middle Eeast and Continental Shipping Comp." mit einem Kapital von 10.000 Pfund gegründet worden. Die Gesellschaft wird sich im wesentlichen dem Küstendienst in den östlichen Mittelmeergebieten widmen. Der „Palestine Maritime Lloyd" in Haifa, vor einigen Jahren mit einem Nennkapital von 30.000 Pfund gegründet, betreibt mit zwei Dampfern einen regelmäßigen Wochendienst zwischen Haifa und dem Schwarzen Meer. Neben Passagieren wird auch Frachtgut befördert. Seit Betriebsaufnahme im September 1934 bis Ende 1936 machten die beiden Dampfer hundert Fahrten. Infolge der Unruhen hat die Gesellschaft mit einem buchmäßigen Verlust abgeschlossen. Die „Palestine Shipping Comp.", die mit dem Personendampfer „Tel-Aviv" die Linie T r i e s t—H a i f a 14tägig bediente, konnte der Konkurrenz der großen Tourenlinien nicht standhalten und mußte ihren Dampfer im Herbst 1936 stilllegen. Die ,,Atid Navigation Comp." in Haifa, die den Küstenverkehr nach Aegypten und der Nordlevante betreibt, arbeitet befriedigend. Die „Gdynia- American Shipping Line" unternahm 1935 insgesamt 59 und 1936 60 Fahrten mit den Dampfern ,P o 1 o n i a' und .Kosciusko' nach Palästina. Der Dienst wurde im Herbst 1936 eingestellt und ist im Februar d. J. mit der .Polonia' wieder aufgenommen worden, die die Linie Konstantz a—H aifal4tägigbedient. Man hofft, daß das neue Transferabkommen zwischen Polen und Palästina dem Verkehr neuen Auftrieb geben wird. Seit März laufen auch die Dampfer der „Messageries Maritime" Palästina an. Schließlich ist noch zu: erwähnen, daß die jüdischen Arbeitergewerkschaften Palästinas kürzlich eine Gesellschaft zur Entwicklung des Seeverkehrs mit einem Kapital von 50.000 Pfund gegründet haben. Die Gesellschaft wird die Aufgabe haben, insbesondere die mit dem Seeverkehr zusammenhängenden Wirtschaftszweige zu fördern. Antijüdischer Mai-Aufruf der Kommunisten Aus Jerusalem: Anläßlich des Tages der Arbeit am 1. Mai verbreiteten die Kommunisten in Palästina unter den Arabern antijüdische Aufrufe in arabischer Sprache. In den Aufrufen werden die Araber, die während der Unruhen ums Leben gekommen sind, als Märtyrer hingestellt. Die arabische Bevölkerung wird aufgerufen, sich die getöteten Terroristen zum Vorbild zu nehmen und den Kampf gegen die Juden fortzusetzen. (J. T. A.); Arabischer Geheimagent ermordet Aus Jerusalem: Auf dem Marktplatz von Tulkerem wurde ein Araber, der vor Jahren als Geheimagent bei der palästinensischen Polizei tätig war, erschossen. Dem Mörder gelang es, zu entkommen. Die Einwanderung in Palästina 1936 Aus Jerusalem: Von den im Jahre 1936 nach Palästina eingewanderten 29.387 Personen waren 2 7.910 Juden. Einschließlich der bereits im Lande weilenden Touristen, die im Jahre 1936 als Einwanderer registriert wurden, ergibt sich eine Zahl von 31.761 Einwanderern, davon 29.729 Juden. 3014 Personen waren Einwanderer mit einem Vorzeigegeld von 1000 Pfund; unter ihnen befanden sich 2970 Juden. 2833 Personen, davon 2810 Juden, kamen auf Anforderung ihrer Angehörigen ins Land. Von den Einwanderern kamen 11.594 oder 41 Prozent aus Polen; davon waren 11.588 Juden. Aus Deutschland kamen 8265, unter ihnen 8180 Juden. Rumänien stellte 1455 Einwanderer, darunter 1444 Juden, die Tschechoslowakei 652, Litauen 785, von denen sämtliche Einwanderer Juden waren, Lettland 507, gleichfalls alles Juden, Frankreich 621, darunter 544 Juden, Großbritannien 751, darunter 223 Juden. Aus dem Jemen kamen 754 Juden. Die Vereinigten Staaten stellten 395 Einwanderer, darunter 357 Juden. Die „Tel-Aviv" verkauft Aus Jerusalem: Das seit dem Herbst des vergangenen Jahres aus dem Verkehr gezogene Passagierschiff „Tel-Aviv", welches früher der Arnold-Bernstein-Reederei in Hamburg und später der jetzt in Liquidation befindlichen jüdischen Reederei Palestine Shipping Co. gehört hat, ist an eine japanische Schiffsmaklerfirma für ein Drittel des ursprünglichen Geatehungspreises verkauft worden. Das Schiff hat zwei Jahre lang die Linie Haifa—Triest befahren. (J. T. A.) Palästina-Symphonieorchester Aus Jerusalem: Die Palästina-Orchestervereinigung hat ihre Generalversammlung abgehalten. Aus dem Bericht ging hervor, daß die in der letzten Saison von dem Orchester veranstalteten 48 Konzerte von 80.000 Personen besucht worden sind. Für die siebzig Mitglieder des Orchesters, von denen nur ungefähr ein Viertel Palästinenser sind, wurden eigene Hebräischkurse eingerichtet. Von den 7000 Konzertabonnenten sind 2426 Mitglieder der Orchestervereinigung. 1500 Mitglieder leben in Tel-Aviv, die übrigen 900 verteilen sich auf die anderen Städte und Siedlungen. * Aus Beirut: Das Palästina-Symphonieorchester gab unter der Leitung von Hans "Wilhelm Steinberg im großen Saal der amerikanischen Universität in Beirut mit außerordentlichem Erfolg ein Konzert, dem u. a. der syrische Unterrichtsminister, der Kommandant der französischen Truppen in Syrien und andere hohe Regierungsbeamte beiwohnten. Es ist beabsichtigt, regelmäßig Gastspiele des Palästina-Orchesters in Syrien zu veranstalten. tCHU/EDEN Wien ist erobert! Gier nach Gold A 49 O 60 V»4. 7,6, 7,8, vao Die neue Filrasensationl Im gleichen Programm: Paartna Durbin Verb« d« ludenstaafszionistcn Oesferreisdi« Vertrauensmännerbesprechungen. Dienstag, den 11. Mai, halb 9 Uhr abends, Gruppe Leopoldstadt im Heim, IL, Erlafstraße 5. Mittwoch, den 12. Mai, 8 Uhr abends, Cafe" Residenz, III., Löwengasse 39, für den III. Bezirk. Mittwoch, den 12. Mai, 8 Uhr abends, im Heim, IX., Universitätsstraße 8, für den LX., XVIII. und XLX. Bezirk. Donnerstag, den 13. Mai, 8 Uhr abends, im Heim, XIII., Schanzstraße 32, für den XII. bis XV. Bezirk. Sektion X, Herndlgasse 23. Donnerstag, den 13. Mai, halb 9 Uhr abends, Vortragsabend. Redner: Theodor Grubner, Fritz Richter. Thema: Vor dem 20. Zionistenkongreß. * Judenstaatler! Die Schekelkampagne geht zu Ende. Sichert euch das Wahlrecht! Kauft den Schekel und verbreitet ihn! Schekelhefte und einzelne Schekalim sind anzufordern täglich von 9 bis 15 Uhr im Sekretariat, IX., Universitätsstraße 8, oder Tel. A-20-2-78. Jla$#&ttUe6ue> Von Tunkeier Es gibt ein Land, wo jetzt alle Wissenschaften, die elementaren und die hohen, gelehrt, studiert und honoriert werden, und zwar nach einer einzigen Methode: der Rassentheorie. Diese Methode durchzieht alle philosophischen und humanistischen Lehren, die religiösen Weltanschauungen, die Naturwissenschaften, Kunst und Technik, Handel und Gewerbe, Wirtschaft und Finanz, Flora und Fauna, Dissertationen, Referate, Theaterstücke, Couplets, politische Reden, Märchen und Erzählungen für Kinder, ja sogar Monologe — sie alle bewegen sich rund um die Rassentheorie. Mineralogie ist selbstverständlich eine reinrassige Lehre, das Produkt der arischen Rasse. Die Mineralogie hat selbstverständlich keinen jüdischen Vater, keine jüdische Großmutter, keinen jüdischen Vetter dritten Gliedes und nicht einmal einen getauften Uronkel. Sie hat überhaupt keine Voreltern. So viel die Mineralogen auch gegraben haben — sie sind auf keine Spur einer jüdischen Abstammung gestoßen. Die Mineralogie ist aus einem Stein geboren, weshalb sie auch die Lehre von den Steinen ist. Es gibt Steine niederer und höherer Kategorie, mit anderen Worten: Steine niederer und Steine höherer Rasse. Es gibt Steine, die aus dem Boden wachsen, und es gibt Steine, die vom Himmel herunterfallen. Niedere Rassensteine, wie die Kiesel- und Pflastersteine, eignen sich dazu, daß Juden an den Kopf geworfen zu werden. Hingegen eignen sich die Edelsteine, wie Diamanten und Brillanten, dazu, den Juden abgenommen zu werden, denn diese sind ja ohnehin steinreich. Die einzigen Steine, auf welche die Juden Anspruch erheben können, sind Gallensteine. Schließlich kommen den Juden auch jene Steine zu, die man Grabsteine nennt und die auf den Friedhöfen ausgestellt sind, damit die studierende Rassejugend sie bequem beschmutzen und umwerfen kann. Zur Mineralogie gehören auch die Mineralwässer, welche die Juden mit Beschlag belegt haben, und zwar die besten rassischen Mineralwässer — wie Salzwasser für den Seder, das „Nägelwasser" für den Morgen und das echte Rassenwasser „Majim achronim" für den Nach-Tisch. Den anderen haben die Juden bloß das bißchen Bier übriggelassen. Zum Schluß noch eine bescheidene Bemerkung: Letztens haben die Juden wiederum einige Mineralien mit Beschlag belegt! Sie produzieren aus Pech und Schwefel Greuelpropaganda, die nur mit Eisen und Blei abgewehrt werden kann. Medizin ist eine Wissenschaft, die mit den Krankheiten zu tun hat, richtiger: mit den Rassekrankheiten. Denn Krankheiten sind eine Rasse-Angelegenheit. Es gibt jüdische und arische Krankheiten, höhere und niedere Krankheiten. Hämorrhoiden zum Beispiel sind eine niedrige Krankheit einer niederen Rasse, den Juden zugehörig. Die anderen leiden an Hämorrhoiden, an dieser niedriggelegenen Krankheit niemals. Sie leiden vielmehr an einer oberen Krankheit, an einer erhabenen Krankheit, wie es Uebermenschen ziemt. Sie sind krank im Kopf, im Hirn, im Oberstübchen. Aristokratische, arisch-hochgezüchtete Hämorrhoiden gibt es nicht. Mit der Medizin befassen sich bekanntlich Aerztc. Die jüdischen Aerzte machen natürlich die Arier justament krank: Weil sie so große Gelehrte sind, Nobelpreisträger und Kapazitäten, verschaffen sie den anderen Herzweh, Kopfschmerzen und das Galle - Uebergehen. Deswegen müssen die jüdischen Aerzte weg. Die Juden kann man mit anderen Mitteln und Medikamenten heilen: mit Hungerkuren, Aderlaß, mit Beurlaubung und Abbau, mit Erholung in den komfortablen Konzentrationslagern. Man muß gestehen, daß die arische Medizin jetzt auf sehr hoher Stufe steht und einfach Wunder tut. Sie macht Tote lebendig. Sie macht jüdische Großmütter wiederauferstehen, Längstbegrabene werden wieder ans Tageslicht gebracht, zergliedert und zerlegt, auf daß man aus ihnen die entsprechenden medizinischen Ergebnisse für die lebendige jüdische Rasse ableiten könne. Die Chemie ist sehr verbreitet, denn es gibt viele dunkle und finstere Elemente. Die alte Chemie kannte bloß vier Elemente: Wasser, Feuer, Luft und Erde. Nun ist ein fünftes Element hinzukommen: der Arierparagraph. Unter den Elementen gibt es zwei arische, und zwei semitische. Zu den arischen zählt man das Wasser (für Friedensreden) und das Feuer (für Reichs- und Parteitage). Hingegen haben sich die Juden der Luft bemächtigt, um mit ihr zu handeln, und der Erde, um wo liegen zu können. Die Chemie ist auch die Lehre von den Elementenverbindungen. So ist Kultur mit Hooliganismus verbindbar, Krieg mit Frieden, zynisches Lachen mit Krokodilstränen usw. Letztens sind auch einige chemische Umwandlungsmöglichkeiten entdeckt worden. Um nur eine zu nennen: Aus einer ganzen jüdischen Gemeinde ist Asche geworden. * Das sind nur einige Stichproben aus dem reichen Gebiet der angewandten Rassentheorie! Ihr unterliegen ja auch solche Gebiete, wie Hühnerzucht, Photographie, Zahntechnik, Viehhandel — kurzum: Rassentheorie über alles. Leopoldine Stern s. A. In Budapest starb die Frau des Präsidenten der Pester Israelitischen Kultusgcmeinde, Leopoldine Stern, geb. Reisz. Frau Stern war vor allem auf sozialem Gebiet tätig und es gab keine jüdische Institution, für die sie sich nicht interessiert hätte. Frau Stern war zweimal in Palästina und mit tiefer Sympathie und großer Begeisterung propagierte sie den Aufbau des jüdischen Landes. Das ungarische Judentum trauert um diese edle jüdische Frau. — M. P. Viel Freude für wenig Geltiln Wirtschaftsschürzen aus gemustertem Blaudruck......S Charmeuse^Hosen für Damen alle Farben bis Größe VI.......S Reinseiden^Georgette schwarz, braun, dunkelblau, 90 cm, p. M. S Damen^Ktinstseidenstrümpfe Sohle besonders verstärkt, 2. Wahl . . . S Charmeuse^Rockkombination O mit Stickerei-Motiv..........S U Aparte Dirndlhandtaschen mit Reißverschluß, 24 bis 36 cm . , . . S Gemusterte Schlafröcke oder Kretonne-Hauskleider ....... S Moderne Darnen^Filzhüte neueste Fassons mit Modeband . . . c . 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S II, Taborslraße 48 * ■25 98 98 90 •90 •90 •90 •90 .90 •90 •90 •90 ■90 80 90 90 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker, — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide Wien, IX., Ualveraltätestraße 6-8«

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