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Die neue Welt · 1937-04-23 · Heft 650 (23.4.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 650 (23.4.1937)
Date
1937-04-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 650 vom 23. April 1937 DIE NEUE WELT, Seite 5 Die aufgerollte Judenfrage Den Teil der Szegeder Rede, die der ungarische Ministerpräsident Daranyi der Jüdenfrage widmete, hat die antisemitische Presse mit deutlich erkennbarem Behagen abgedruckt und zur Schau gestellt. Sie hat versucht, in mehr oder minder betonten Anspielungen den Zustand zu eskomptieren, der sich als Konsequenz «der Rede für die Juden Ungarns herauskristallisieren soll; sie hat verschämt oder offen zum Ausdruck gebracht, daß dem berechtigten Antisemitismus durch Ausschaltung der Juden aus dem gesamten Wirtschaftsleben Rechnung zu tragen sei. Die Politik Ungarns hat sich nach innen, trotz zeitweiliger starker Worte, auf einer demokratischen Linie bewegt, und erst kürzlich konnten namhafte politische Persönlichkeiten von autorativer Tribüne aus gegen jeden Extremismus, vornehmlich den aktuell gefährlichen Rechtsextremismus, Stellung nehmen. Man entlarvte in Ungarn die sogenannten nationalen Gruppen als Sturmtrupps und Wegbereiter des Nazismus, und das dürfte wahrscheinlich der Grund sein, warum sich jetzt die nationalistische Presse durch Ueberbetonung des Juden-Passus in der Rede Daranyis ein Alibi schaffen will. Das ungarische Judentum ist, wenn man so sagen darf, im Sinn einer liberalen Weltanschauung magyarisiert, und hat keinesfalls daran gedacht, im Rahmen einer allgemeinen Betrachtung der Lage gesondert erwähnt zu werden. Die ungarischen Juden ^halten sich in ihrer überwiegenden Zahl für völlig assimiliert. Sie werden darum erstaunt gewesen sein, zu hören, daß man sie plötzlich nur als Juden apostrophiert und gar noch für die schwierige wirtschaftliche Lage ihres Vaterlandes verantwortlich macht. Das große deutschsprachige Blatt „Pester Lloyd" kommentiert die Rede Daranyis im zustimmenden Sinne, nur zum „jüdischen Teil" macht es, als demokratisches, jüdisch-liberales Organ, einige nervöse Bemerkungen. Es sieht die Judenfrage nicht mit den offenen Augen des Zionismus, nicht mit den Erkenntnissen, die sich aus dem Schiffbruch der Assimilation ergeben haben, und sucht darum zu retten, was zu retten ist: sein gutes Recht, wenn man der Meinung ist, daß sich Ungarn gegen den rüden, terroristischen Antisemitismus wehren wird. Der „Pester Lloyd" als Sprachrohr des assimilierten Judentums streift bloß peripher das Problem, indem er in seiner Ausgabe vom 20. April schreibt: „Ministerpräsident Daranyi stellte fest, daß es eine Jüdenfrage gibt: auch diejenigen werden ihm hierin nicht widersprechen, die überzeugt sind, daß es kein Verschulden und keine unberechtigten Vorteile der Judenheit sind, die diese Frage ins Leben gerufen haben. Er wies darauf hin, wie unrichtig es ist, die Juden für alle Nöte des Landes verantwortlich zu machen, da die eigentlichen Wurzeln der Kotlage historischer und natürlicher Art sind; Man könnte diesen Gedanken weiter ausspinnen und die Frage auf werfen, ob denn die Rolle des Judentums im allgemeinen beim Ausbau des ungarischen Handels-, Kredit- und Industrieapparats wirklich eine so abfällige Kritik verdient, wie sie von denjenigen geübt wird, die in dieser Tätgkeit des Judentums nur eine „Besetzung" wirtschaftlicher Posten über ihr Zahlenverhältnis hinaus erblicken. Unserer Ansicht nach ist es höchst ungerecht und unzweckmäßig, die Frage der sozialen Mißverhältnisse in eine Judenfrage umzudeuten... Was die Frage der Galizianer anbelangt, so finden wir es nur natürlich, daß die Einwanderung dieser Gruppe der Judenheit nach Ungarn ganz unterbunden wird. Wir leben nicht in einer Periode der Freizügigkeit, und alle Länder sind zufrieden, wenn sie ihre bodenständige Bevölkerung erhalten können." Die Judenfrage ist in Ungarn aufgerollt und kein Ablenken auf die Frage der „Bodenständigkeit" und der „Zugereistheit" wird sie zum Verschwinden bringen. Da nun einmal die Juden Ungarns sich als Vollmagyaren fühlten und betätigten, ist es heute schwer, für sie die Rechte einer Minorität zu reklamieren, wie dies der ungarische Ministerpräsident bezüglich der Magyaren in den abgetretenen Gebieten tut. Es wird offiziell versucht, den wirtschaftlichen Nöten des Landes durch Beseitigung der Juden aus ihren Positionen zu mildern: in Ungarn wie in Rumänien, wie in Polen und anderswo. Der Prozeß ist im Zuge. Man muß ihm ohne Beschönigung der Tatsachen begegnen. Und man muß dieser Gefahr mutig ins Auge sehen. 9toiidje» . . rotü fcodj Marten* toeifte 3äfjnc! 25er mtBfar'&iöc 3af)\\M<®; fc>,er frei ftorfem.9faiu<fjett le'tdjt znt\td)t unib nad) unö nad) ben ßafinftfymels angreift, Samt auf bie dufadjifte STrt entfernt toerfren. Morgens als Erstes bte ^ne gninMtd) mit £hlorobont hufcen. G^lorofoonr, i>te beirltd) enfrifdjcnk Sßfefferm'imA* 3<i'fin"pafte, macht &>ürd) tfjtij"ftar«e föemigitrrgafr.aftfelbft gelibgefätfbte ßäfjne Hen>benbfto<»t{j uni> entfernt ben r)äfc liehen, [cfiäMcfjeit gafcni&ekg: Abends als Letztes bor bent <Sü)I<iifengeIjen uttfoöingr btc ©heitferefte ben ^aihnjlDj^enräuimeu imrcfi nad)mtaliöc gritnMtd>e Steinigung mit G|rorbbont=3alfinpofte .entfernen, ©frlorobont, fdjäu'menb ober nidjrfdjmtmemb, öeifoe Guaft* täten ijtnb gfoid) gut. Zwbt S —90. £5efiett. föraeugnte. 3 Spritger Chlorodont-Mundwasser in das Mundspülglas erhöhen die erfrischende Wirkung der regelmäßigen Zahn-,- und Mundpflege mit Chlorodont. Am der T§diedioslowakei Das neue Strafgesetzbuch Das soeben fertiggestellte Stz'afgesetzbuch der Tschechoslowakischen Republik enthält folgende Bestimmung, betreffend „Oeffentliches Hetzen und Schmähung einer Nation": „Wer öffentlich zu Gewalttätigkeiten oder Feindseligkeiten gegen einzelne Bevölkerungsgruppen wegen ihrer Nationalität, Sprache, Rasse, Religion, Konfessionslosigkeit oder deshalb aufhetzt, weil sie Anhänger der demokratisch-republikanischen Rechtsordnung der Tschechoslowakischen Republik sind, wird mit strengem Arrest von einem Monat bis zu einem Jahr bestraft. Wer in einer Druckschrift, in einem zur Verbreitung bestimmten Schreiben, in einer Versammlung oder vor einem Menschenauflauf eine Nation, eine nationale Minderheit oder ihre Sprache schmäht, so daß dies öffentliches Aergernis erregt, den allgemeinen Frieden in der Republik bedrohen oder die internationalen Beziehungen der Republik gefährden kann, wird mit Gefängnis yon acht Tagen bis zu sechs Monaten bestraft." Der Karlsbader Volksbildungsverein — arisch Auf der Jahreshauptversammlung des Karlsbader Völksbildungsvereins und bei den darauffolgenden Neuwahlen für den Ausschuß und den erweiterten Ausschuß wurden die auf den Listen in Vorschlag gebrachten zwei jüdischen Mitglieder von einer knappen Mehrheit gestrichen. Dabei handelte es sich bei den beiden um g r ü ndende Mitglieder, von denen sich besonders ein völlig unpolitischer, weit über die Grenzen Karlsbads bekannter Musikpädagoge die größten Verdienste um den Verein als SOEBEN ERSCHIENEN! (Kleines Wörterbuch) J»*[t3j? ^170^ von Ben-Chavlv Das praktische u. billige Taschenwörterbuch (6X9) für Jedermannl Verlag: Jos. Schlesinger, Wien I, Seitenstettengasse5 gründendes Mitglied erworben hat. Der etwa 500 Mitglieder zählende Verein wurde bisher unpolitisch geführt. Die dem Verein angehörenden nichtarischen Mitglieder haben aus dem Wahlresültat die Konsequenzen gezogen und sind korporativ aus dem Volksbildungsverein' ausgetreten. Ausschaltung der Juden von den deutschen Bühnen Wie bereits mitgeteilt, hat der Deutsche Theaterverein in Brünn die Förderung der Sudetendeutschen Partei und des Bundes der Deutscheh' nach Ausschaltung jüdischer Autoren und Schauspieler von der Arbeit am Brünner Deutschen Theater abgelehnt. Wie das „Prager Tagblatt" mitteilt, sind die genannten Parteien bestrebt, den gesamten Theaterbetrieb auch in anderen Städten, so z. B. in Reichenberg und in Gab 1 onz, unter ihre Kontrolle zu stellen. Die Zeitung schreibt hierüber: „Seit etwa zwei Jahren sind in der Tschechoslowakei Bestrebungen im Gange, die deutschen Bühnen in ein politisches Fahrwasser zu zwingen. Diese Bestrebungen haben in der letzten Zeit Formen angenommen, die geeignet sind, die Freiheit der Bühnen ernstlich zu bedrohen. Es wurden neue Theaterbesucher- Organisationen, hauptsächlich mit Unterstützung des Bundes der Deutschen und der Sudetendeutschen Partei, gebildet. Diese Organisationen wollen die Theaterdirektoren zwingen, ihnen Einfluß nicht nur auf die Gestaltung des Spielplans, sondern auch auf die Auswahl der Künstler einzuräumen. Zeigt sich ein Theaterdirektor diesen Forderungen nicht gefügig, so wird ihm Boykott angedroht." Boykott von Nazi-Filmen in Rumänien Aus Bukarest: Die Zeitschrift „Renasterea" stellt fest, daß von 89 Filmen, die in der letzten Woche in Bukarest vorgeführt wurden, bloß drei deutscher Produktion, die übrigen amerikanische, französische und englische Filme waren. Der fortschreitende Niedergang des deutschen Films in Rumänien sei ein Resultat einerseits der intensiven antideutschen Boykottagitation, andererseits des niedrigen künstlerischen Niveaus der deutschen Filme. ELISABETH BERGNER in MELO Elite I, Opern ly Stafa VII, Votivpark-Käno IX. H ■■ Ein Trafalgar-Film der United Artists bei Dr. Hauser & Co. ' ■ Der Präsident von Litauen an das jüdische Volk Aus Kaunas: Der Präsident der Republik Litauen, Antonas Smetona, übergab dem Direktor des Kerren Hajessod, LeibJaffe, folgende Botschaft: „Seit mehr als 500 Jahren, da Vytautas der Große Juden eingeladen hat, in Litauen ihren Wohnsitz zu nehmen, lebte und arbeitete die jüdische Bevölkerung friedlich auf litauischem Boden. Das litauische Volk hat denn auch die Bestrebungen des jüdischen Volkes zur Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina mit großem Interesse und aufrichtiger Bewunderung für diese immense konstruktive Leistung verfolgt. Ich habe den Wunsch, den Juden in der ganzen Welt meine tiefe Sympathie mit ihren Bestrebungen zur Wiedererrichtung der nationalen Heimat für Israel sowie meine und des litauischen Volkes tiefempfundenen Wünsche zum Ausdruck zu bringen, daß dem jüdischen Volke bei seinem großen Unternehmen jeder Erfolg beschieden sein möge." An alle jüdischen Jugendbünde Oesterreichs! Wir erinnern Euch an unsere Besprechungen bezüglich des „Tag der jüdischen Jugen d", der am Sonntag, den 6. Juni d. J., auf dem Hakoah-Platz stattfindet und der eine machtvolle Demonstration der Kraft des jüdischen Sports und der jüdischen Jugend werden soll. Alle jüdischen Sportler Oesterreichs, die besten der Tschechoslowakei, Deutschlands, Ungarns und Polens werden sich mit ausgezeichneten Vorführungen an diesem Fest beteiligen. Neben dem Aufmarsch, an dem Ihr ja alle teilnehmen werdet, werden einen der Glanzpunkte des Festes die Massenfreiübungen des Turnvereines Makkabi bilden. Wir wollen diese Uebungen zu einem besonderen Ausdruck jüdischer Einigkeit gestalten und hiezu mindestens 2000 Teilnehmer aufbringen. Wir laden die Mitglieder Eures Bundes ein, diese Freiübungen bei unserem Fest mitzuturnen und geben ihnen Gelegenheit, ohne daß sie eigene Mitglieder des Makkabi werden, sich hiefür bei den weiter unten angeführten Uebungsabenden. des Turnvereins vorzubereiten. Wir dürfen neben der propagandistischen Wirkung bei dem Sportfest wohl auch auf den gesundheitlichen Wert dieser Uebungen, an denen Eure Mitglieder diesmal ohne Nebenspesen teilzunehmen Gelegenheit haben, hinweisen. Wir ersuchen Euch, Eure Mitglieder auf diese Vorbereitungsabende aufmerksam zu machen und eine recht zahlreiche Beteiligung zu erwirken. Wir verbleiben mit Makkabigrüßcn chasak weemaz Im Auftrag des Kreises: Die Leichtathletiksektion der Hakoah. Iflebungsabendet Makkabi II (II., Leopoldsgassc 3, Volkshochschule). Herren: Montag und Mittwoch von 19 bis 21 Uhr; Damen: Dienstag von 19 bis 21 Uhr. Makkabi IX, Turnhalle, IX., Licchtcusteinsiraßc 20. Zöglinge: Montag und Donnerstag von 18.30 bis 20 Uhr; Mädchen: Mittwoch und Samstag von 19 bis 20.30 Uhr; Herren: Montag und Donnerstag von 20 bis 21.30 Uhr; Damen: Dienstag und Freitag vom 19.30 bis 20.30 Uhr. Makkabi X. Herren: Montag und Donnerstag von 19.45 bis 20.45 Uhr, X., Uhlandplatz 1, Schule. Damen: Montag und Donnerstag von 19.45 bis 20.45, X., Quellenstrußc, Ecke Favoritenstraße, Schule. Makkabi XV, Turnhalle, XV., Herklutzgasse 23. Herren: Montag und Donnerstag von 20 bis 21.30 Uhr; Damen: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 20 bis 21.30 Uhr. Chajesrealg-ymnasium, Wien, XX., Staudingrergassc 6. Anmeldungen täglich zwischen 8 und 1 "Uhr in der Direktionskanzlei. Konzert. Samstag, den 1. Mai 1937, 8 Uhr abends, findet im Festsaale, XV., Herklotzgasse 21, ein Lieder- und Arien-Abend des Herrn Willy Millet statt. Mitwirkend: Frau Gina Lederer, Opernsängerin; die Kapellmeister Kurt Fuchs gelb und Dr. Robert Weiß. Jüdischer Klub der Jungen (J. K. J.)' Samstag, den 24. April 1937, um 11 Uhr abends, im IMPERIAl-KINO, I., Rothgasse Fest-Kinovorst zugunsten des KFAR HAMAKKADI Programm: DAVID GOLDER, der Spitzenfilm, mit Harry Baur Pal&stfnabllderreportage Februar-Marz 1937 (Begleittext liest Martin Miller) Die neueste Wochenschau u. SIlEy-Sympnonie Karten von S 1.20 aufwärts erhältlich: Jüdische Kulturstelle,!. Kai 3 (R-28-2-36); Oronner, I, Graben 28. an der Kinokasse sowie im Klubheim der J. K. J., I, Qoldschmiedgasae Nr. 9

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