Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 649 (20.4.1937)
- Date
- 1937-04-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE NEUE WELT Mto 3 Judenstaat$ilonlsten! Feindliche Mächte haben sich gegen das zionistische Aufbauwerk erhoben. Man will Pa 1 a» stina aufteilen und so dem Zionismus einen 1 ö d 11 c h e n Schlag zufügen. in diesem entscheidenden Zeitpunkt tobt «In verderblicher Bruderkampf im Zionismus. . Und an der Spitze der Zionistischen Weltorganisation steht eine Leitung, die im Kampf gegen den äußeren Feind versagt hat, und auch nach innen hin versagen muß, well sie der Exponent einer Partei ist, welche sich der Herrschaft über die Weltorganisation bemächtigt und so den Bruderkampf heraufbeschworen hat. Nur der kommende Zionistenkongreß kann den Ausweg aus dieser verhängnisvollen Lage bahnen. Nur er kann eine Leitung wählen, welche dem äußeren Feind standhält. Nur er kann der einseitigen Parteiherrschaft ein Ende machen und den Zerfall der von Theodor Herzl geschaffenen Weltorganisation verhüten, Judenstaafsxionisfeit! Auf zur Sdiekelarbeift! Kaufei und verbreitet den Sdiekel! Nr. 649 vom 20. April 1837 Oesterreichs sich schicksalhaft mit dem österreichischen Deutschtum verbunden hatten, waren es die B r ü n n e r J u d e n, die das deutsche Theater stützten. Nach Errichtung der Tschechoslowakischen Republik änderte sich das Bild. Der tschechische Charakter Brünns dokumentierte sich deutlicher, und um einen kulturellen Stützpunkt des Deutschtums, das Deutsche Theater, zu erhalten, appellierte man an die Tasche der Brünner jüdischen Bourgeoisie, die alle Anstrengungen machte, auf daß das „Bollwerk" erhalten bleibe. Die Brünnerjude ndeutsche Assimi- 1 a t i o n gab Geld her, stützte den Deutschen Theaterverein, bis sich plötzlich das „Deutschtum Brünns" als Exponent der sudentendeutschen Henlein-Partei, eines Hitler-Ablegers, entpuppte. Und ebenso plötzlich erschienen die Forderungen der rassischen Belange auf dem Horizont. Das Theater, dessen Erhaltung nur durch das noch immex im deutschen Kulturkreis lebende assimilatorische Judentum möglich war, soll von nun ab im Sinne völkisch-deutschen Empfindens geehrt werden. Das Ensemble soll so zusammengesetzt werden, daß es seiner inneren Struktur nach in den Geist „volksnaher Dichtungen" einzudringen vermag. Die an reichsdeutschen Bühnen aufgeführten Werke »ollen stärkere Berücksichtigung finden. Das Brünner Deutsche Theater soll gleichgeschaltet werden. Die Juden sollen aus seinem Wirkungsbereich verschwinden. Das verlangt die Sudetendeutsche Partei, davon macht sie ihren Besuch des Theaters abhängig. Entweder, so erklärt diese antisemitische Partei indirekt, wird das Theater nach den Grundsätzen des hakenkreuzlerischen Rassismus geleitet oder es ist überflüssig. Der Brünner Deutsche Theaterverein gibt vorläufig den Forderungen der Brünner Nazis nicht nach. Sein Widerstand setzt sich aus einem Funken Kulturbewußtsein und Schamgefühl sowie aus der Angst zusammen, das Brünner liberal-deutsche Judentum vor den Kopf und aus dem Theater zu stoßen. Einst Geldgeber und Propagatoren des Deutschen Theaters stehen die jüdischen Assimilanten vor der Gefahr, jeden Einfluß in einem Institut zu verlieren, dessen bisherige Erhaltung wesentlich ihnen zu verdanken ist. Also wiederum ein Bild des Assimilantenschicksals aus unseren Tagen! Der zionistfedhe Braderkampf Die litauische Regierung verbietet Ausländern zionistische Betätigung Aus Kaunas (J. T. A.): Die litauische Regierung hat angeordnet, daß Ausländer sich in Litauen zionistisch nicht betätigen und in öffentlichen Versammlungen als Redner nicht auftreten dürfen. Betroffen sind zunächst der Direktor des Weltbüros des Heren Hajessod in Jerusalem, Leib Jaffe, und die Wizo-Bevollmächtigte Frau Dr. Karol, die gegenwärtig in Litauen weilen. Die litauischen Behörden motivieren dieses Verbot mit der Notwendigkeit der Sicherung von öffentlicher Ruhe und Ordnung. Das Verbot wurde erlassen im Anschluß an eine Störung einer Keren-Hajessod- Kundgebung durch Revisionisten und Mitglieder des Brith Trumpeldor. Am 12. April fand in Kowno eine Kundgebung des litauischen Keren Hajessod statt, mit der die diesjährige Keren-Hajessod-Aktion in Litauen eingeleitet werden sollte. Als Hauptredner war Leib Jaffe vorgemerkt. Da man Störungen seitens der Revisionisten befürchtete, wurden nur persönlich Eingeladene in den AUS ALL Saal gelassen. Trotzdem gelang es mehreren Revisionisten, hineinzukommen. Die Begrüßungsanspra.che von Dr. Gregory Wolf im überfüllten Saal wurde ruhig angehört. Doch als Leib Jaffe zu sprechen anfing, unterbrach ihn der Führer des litauischen Betar und verlangte, daß man ihm. das Wort zur Darlegung der Frage der Betar-Zertifikate erteile. Es entstand ein großer Tumult. Der Betar-Führer und einige seiner Kollegen wurden durch die Ordner aus dem Saale entfernt. Als dann Leib Jaffe wieder zu sprechen anfing, entstand ein noch größerer Tumult. Die Betarim riefen: „Zertifikate für Betar!" „Nieder mit Arierparagraph von Juden gegen Juden!" usw. Als der Tumult nicht aufhörte, schloß der anwesende Polizeikommissär die Versammlung. Draußen hinderten die Revisionisten Leib Jaffe, in sein Auto zu steigen. Er mußte zu Fuß ins Hotel gehen, wobei ihn seine Gegner mit Ausrufen wie „Bus!" (Schande) usw. in einem großen Demonstrationszug durch die Hauptstraße von Kaunas zum Hotel Metropol begleiteten. — Der Zwischenfall hat in Kaunas ungeheure Erregung verursacht. Die Tageszeitungen befassen sich in Leitartikeln mit der Angelegenheit. ER WELT gestattet." Die jüdische Jugend Jugoslawiens, die ihre Sommerlager alljährlich in Kranjska Gora abzuhalten pflegte, hat, obwohl die obige Verordnung sich lediglich auf Ausländer bezieht, dennoch beschlossen, ihre Sommerläger auf dem Gebiete von Kranjska Gora nicht mehr abzuhalten. Die Madagaskar-Expedition der polnischen Regieruns Aus Warschau: Wie die J. T. A. erfährt, werden an der Expedidtion, die von der polnischen Regierung zur Erforschung von Ein wanderungsmöglichkeiten für Juden in Madagaskar entsandt wird, drei Fachleute teilnehmen. Die Expedition wird Ende April abgehen und ungefähr ein halbes Jahr lang in Madagaskar bleiben. Die Expeditionsteilnehmcr sind von der polnischen Regierung im Einvernehmen mit der französischen Regierung ausgewählt worden. Es sind dies der polnische Weltreisende und Verfasser einer Reihe von Reisebüchern, Major B. L e p e c k i, der durch seine Mitarbeit an jüdischen Siedlungsbestrebungen in Deutschland bekannte Agronom Salomon Dyk und der Direktor der Jeas (Gesellschaft Hias in Polen), Leon Alter, ein bekannter Fachmann für Auswanderungstechnik. Alle diese Personen nehmen nur in persönlicher Eigenschaft, nicht aber als Vertreter von Organisationen (die jüdischen Organisationen haben die Einladung abgelehnt) an der Expedition teil. Die Schweizer Regierung und die jüdischen Flüchtlinge Aus Zürich: In der Neuen Helvetischen Gesellschaft hielt der Chef der Eidgenössischen Fremdenpolizei, Dr. Rothmund, ein Referat über die Richtlinien, mit denen die Schweiz sich der Gefahren erwehren müsse, die durch den Andrang der Fremden, und speziell der Flüchtlinge, ihr erwüchsen. Dr. Rothmund erwähnte insbesondere auch das jüdische Problem. Er lehnte es ab, die fast ausnahmslose Verweigerung von längeren Aufenthaltserlaubnissen an Juden auf antisemitische Gründe zurückzuführen. Der Arbeitsmarkt erlaube keine Belastung durch Fremde. Auf den Einwand von Nationalrat Mcierhans, daß man den 150 jüdischen Flüchtlingen gegenüber doch etwas menschlicher durch Erteilung der Arbcitserlaubnis sich zeigen solle (es gibt nämlich 300.000 arbeitende Ausländer in der Schweiz, die allerdings durch Verträge und vor allem durch Gesandte geschützt sind) und daß man beim Völkerbund auf weitere Regelung drängen solle, erklärte Dr. Rothmund, die Schweiz habe keinInteresse daran, in Genf besonders aktiv auf-* zutreten, denn die Erfahrungen mit den Nansenpässen hätten gezeigt, daß die Schweiz, die stets ihren unterschriebenen Verpflichtungen nachgekommen sei, durch da3 illoyale Verhalten änderer Länder geschädigt sei. DiQ Schweiz wolle erst sehen, ob die anderen Mächte das neue Flüchtlingsabkommen nicht nur unterschreiben, sondern auch halten: dann würde auch sie unterschreiben. Jiidfedie Paläitnia sWanderung im Jahre 1936 Amtliche Zahlen Dem von der Einwanderungsabteilung der Palästina-Regierung herausgegebenen Bericht für das Jahr 1936 ist zu entnehmen, daß in diesem Jahr 29.727 Einwanderer nach Palästina gekommen sind, gegen 61.854 im Jahre 1935. Seit 1920 sind 282.643 Personen nach Palästina eingewandert. Unter den Herkunftsländern steht Polen an erster Stelle. Doch ist die Einwanderung aus Polen anteilsmäßig von 46 Prozent im Jahre 1935 auf 41 Prozent im Jahre 1936 gesunken. Von der Kategorie der Personen mit einem Mindestkapital von 1000 Pfund sind 1936 2970 Personen (1935: 6309) ins Land gekommen. Ebenso wie 1935 machte die Kapitalisteneinwanderung auch 1936 10 Prozent der Gesamteinwanderung aus, dagegen betrug sie 1934 12 Prozent und 1933 11 Prozent. Die Zahl der eingewanderten Handwerker mit einem Eigen kapital von mindestens 250 Pfund betrug 170 gegenüber 301 im Jahre 1935. Auf Grund einer zugesicherten Stellung mit einem Mindestverdienst von 4 Pfund monatlich sind im letzten Jahr 105 Juden '(1935; 113) nach Palästina eingewandert. Die Zahl der Arbeitereinwanderer betrug 6981 Juden (davon 2062 Frauen) und 221 Nichtjuden. Als Angehörige von Palästina-Einwohnern sind im letzten Jahr 17.658 Personen, gegenüber 37.739 im Jahre 1935, eingewandert. Im letzten Jahre wurden aus Palästina 1887 Nichtjuden und 152 Juden deportiert. Insgesamt haben 273.812 Personen die Grenzen überschritten, davon über 100.000 die syrische Grenze; über Haifa sind 84.200, über Jaffa 9200 Personen in das Land gekommen. Ausgereist sind 70.663 Palästinenser und 55.217 Touristen. Zum Schluß werden in dem Bericht Berechnungen über die Herstellung eines arabisch-jüdischen Bevölkerungsgleichgewichtes angestellt. Bei einer jährlichen Einwanderung von 60.000 würde es 1947 je 1,210.000 Juden und Araber, bei einer Jahreseinwanderung von 30.000 im Jahre 1960 je 1,560.000 Juden und Araber geben. KINO'PROGRAMME VOTIVPARK TANZENDE JX, Währingerstraße 12 Dl 9$ ATEM Telephon A-18-3-96 I «W Beginn: %*,*, M, WO *t«IH OUHB, CtlOrlCl ColllnS Ein eingeborener Jude — Bürgermeister von Bombay Aus Bombay: Zum dritten Male innerhalb von fünf Jahren ist in Bombay ein Jude zum Bürgermeister gewählt worden. Der neue Bürgermeister, Dr. E. Moses, ist gleichzeitig der erste AngehörigederBne Israel, der zu diesem Ehrenamt berufen wird. Die früheren jüdischen Bürgermeister waren Sir David Sassoon und Doktor Meir Nissim. Die Bne Israel, zu denen der neue Bürgermeister gehört, gleichen äußerlich den indischen Eingebornen. Sie sind von dunkelbrauner Hautfarbe und sprechen, den Maharati-Dialekt. Ihren Ueberlieferungen zufolge sind sie die Nachkommen von Juden, die nach der Zerstörung des zweiten Tempels aus Palästina flüchteten. Nur sieben Männer und sieben Frauen sollen aber Indien erreicht haben, während die übrigen auf der Reise zugrundegingen. Von diesen sieben Paaren leiten die Bne Israel ihre Herkunft ab. Bis vor wenigen Jahren lehnten sie eine engere Gemeinschaft mit den anderen Juden ab und heirateten nur unter sich. Andererseits lehnten die weißen Juden Indiens, die sogenannten Bagdad- Juden, eine engere Gemeinschaft und Eheschließung mit den Bne Israel ab, weil sie diese nicht als V o 11 j u d e n ansahen. Das alles hat sich in den allerletzten' Jahren geändert. Dreißig litauische Juden müssen Biro-Bidschan verlassen Aus Kaunas (J. T. A.): „Ydische Stimc" teilt mit, daß dreißig litauische jüdische Bürger, die vor zwei Jahren nach Biro-Bidschan ausgewandert waren, vor kurzem die Weisung ei'hielten, sofort Rußland zu verlassen. Sie sind bereits auf der Rückreise nach Litauen ih Moskau eingetroffen. Zwei von ihnen weilen bei'eits wieder in Kaunas. Diese Ausweisung steht im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Trotzkismus; insbesondere werden die aus dem Auslande nach Biro-Bidschan gekommenen Juden Irotzkistischer Neigungen verdächtigt. Amtsenthebung Aus Moskau: M. Chawkin, Generalsekretär der Kommunistischen Partei und der Sowjets in der „jüdischen Republik" Biro-Bidschan, wurde als Trotzkist, Verräter am Kommunismus und als Saboteur aus seinem Amte ontfernt. Auch in Jugoslawien! Aus Zagreb (J. T. A.): Die Gemeinde K r anjska Gora in Jugoslawien, Provinz Slowenien, hat eine Verordnung „über die Einquartierung von Gästen und Kolonisten" erlassen, deren § 11 lautet: „J ü d isehen Organisationen aus dem Ausland ist die Unterbringung auf dem Gebiete dieser Gemeinde nicht Tmaamammmmma )