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Die neue Welt · 1937-02-09 · Heft 630 (9.2.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 630 (9.2.1937)
Date
1937-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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«Seite 2 DIE NEUIS WELT Nr. 630 vom 9. Februar 1937 schimpflichen Sonderbehandlung unterworfen sind und daß die Anzahl der Morde an Juden höher ist als die an nichtjüdischen Gefangenen. Hier eine Episode: „An einem drückend heißen Tage machte der Kompagnieführer B r e u n i n g auf dem schattenlosen Hof mit den jüdischen Gefangenen „Sport". Die Angehörigen der Wachtruppe weideten sich an der Marterung, standen in großer Zahl herum und spornten Breuning zu „höheren Leistungen" an. Kniebeuge, Laufschritt, Liegestüte, Hebt — Senkt, Hebt — Senkt! fünfzehn-, zwanzig-, fünfundzwanzigmal. Dazu sengende Hitze und die Gefangenen in voller Kleidung. Bendix (Rechtsanwalt, Berlin), Schoops - Neisse, Landsmann-Prankfurt, Manasse-Berlin brechen zusammen. Fußtritte und Kolbens töße der Wachmannschaften! Hört Ignaz Manasse noch die furchtbaren Beschimpfungen: „Verfluchte, fette Judensau!" — „Steh' auf oder ich trete dich zusammen!" Fühlt er noch, wie er von dem anwesenden Wachtposten der H. Kompagnie (Richter) mit den Stiefeln auf den Körper und den Kopf getreten wird? Starr und strack, ohne einen Laut von sich zu geben, liegt er am Boden. Einigemal wälzt sich Manasse noch, dann hört auch das auf." „Seine Kameraden werden weggeführt, der Platz wird abgesperrt. Sanitätsmannschaften der Wachtruppe kommen, legen den Toten auf eine Bahre und tragen ihn in das Lazarett. Ihnen auf dem Fuß folgt der Kommandant Eine kurze Spanne Zeit später diktiert der Gewaltige des Lagers als Ursache in den Totenschein: „Ignaz Manasse erlag einem Gehirnschlag." — Wir aber, die Zeugen dieses Vorganges waren, wissen es besser! Manasse wurde Im wahrsten Sinne des Wortes totgetreten. Unsere Tischler bauten mit viel Liebe den Sarg und betteten den Toten hinein. Als die Woche zu Ende ging, fuhren ihn die Kameraden von der HL Kompagnie auf einem Wagen, der sonst zum Befördern von Steinen und Müll Verwendung findet, auf den kleinen Friedhof der Gemeinde Lichtenburg. Eine alte Mutter und die junge Frau des zu Tode Gemarterten waren zugegen, als ihn die Erde nahm. Niemand sonst durfte ihm die letzte Ehre erweisen." Gegen Tote In Nr. 5 des „Stürme r", dessen Herausgeber Julius Streicher der intimste.Freund Adolf Hitlers ist, findet sich die Photographie eines Leichenzuges, eines Sarges und hinter ihm ein Dutzend Frauen. Darunter steht geschrieben: „In Zons wurde die Jüdin Franken beerdigt. An und für sich eine belanglose Sache, wenn nicht außer den Rassegenossen der toten Metzgersjüdin auch noch viele deutsche Volksgenossen am Leichenbegängnis teügenommen hätten. Hauptsächlich waren es deutsche Frauen, die sich eine Ehre daraus machten, der heimgegangenen Jüdin die letzte Ehre zu erweisen. Vielleicht war es auch Dankbarkeit dafür,' daß sie jahrelang die verstunkenen Koscherwürste der Jüdin Franken kaufen und verzehren durften. Daß es dem Juden sein Geheimgesetzbuch, der Talmud, zur Pflicht macht; Aas und sonstiges verstunftenes Fleisch nicht wegzuwerfen, sondern es den Nichtjuden (Akum) zu verkaufen, davon scheinen viele Volksgenossen in Zons überhaupt nichts , zu wissen. Unter den nichtjüdischen .Leidtragenden', die hinter dem Sarge der verewigten Wurstjüdin gingen, sah man: eine Frau Derix, Frau Schreinermeister Richrath, Gattin eines Ratsherrn, Frau Jak, Görgeus, Frau Flick, Frau Libertus, Fräulein Longerich, Frau Senden und Frau Schreiner. Dem Ortsverwalter der . N, S. V. und des Winterhilfswerkes wäre zu empfehlen, einzelnen seiner Betreuten in Zukunft etwas mehr zuzuwenden, als Dank dafür, daß sie der toten Judenmetzgerin die lezte; Ehre erwiesen haben. Vielleicht sieht auch der Herr Bürgermeister nach, ob es sich nicht empfiehlt, die eine oder andere Frau, die in städtischen Diensten steht, für ihre Judenfreundschaft besonders .auszuzeichnen'. Vielleicht vergeht ihnen dann der Geschmack für das .auserwählte' Volk!" * Gegen kranke jüdische Kinder, gegen wehrlose Gefangene, gegen tote Jüdinnen ist die Weltanschauung Hitler-Deutschlands gerichtet. Darum wird die Welt an ihr genesen... Lebenslängliches Konzentrationslager für luden Aus Berlin: Der Chef der SS, Himmler, erklärte in einer Rede über die Konzentrationslager, die Personen, die gegenwärtig festgehalten werden, seien Untermenschen, Rädelsführer jeglichen Verbrechens, meist Juden oder Halbjuden. Er schloß mit den Worten: „Für diese Personen werden sich die Tore der Konzentrationslager niemals öffnen. Deutschland muß von ihnen fürimmer befreit bleiben." In den Konzentrationslagern beflnd«n sich heute »och zahlreiche Juden, die gleich nach Hitlera Machtantritt festgehalten wurden. Namentlich die Lage der Juden, die auf Befehl JUllus Streichers seinerzeit aus den fränkischen Städten in die Konzentrationslager geschickt wurden, ist verzweifelt. Alle Schritte zu Ihrer Befreiung waren bis jetzt erfolglos. Auch der sächsische Statthalter Mutschmann weigert sich grundsätzlich, Juden aus sächsischen Konzentrationslagern zu entlassen. Soweit diese Juden in den bayerischen und sächsischen Konzentrationslagern noch leben, sind sie physisch und geistig nur noch die Schatten von Menschen. Von den in die Konzentrationslager gebrachten jüdischen „Rückkehrern" befinden sich noch viele dort. Anfänglich war es manchen Häftlingen möglich, durch die schriftliche Verpflichtung, innerhalb 24 Stunden ins Ausland zu gehen, ihre Enthaftung zu erwirken. Jetzt besteht diese Ordnung für Althäftlinge nicht mehr. Jetzt weiß man'st Im „Stürmer" vom 23. Dezember steht geschrieben : „Wie an allem Unglück in dieser Welt, so sind die Juden auch an derenglischenKönigstragödie schuld. Der blonde König, ein Freund des neuen Deutschland und eifriger Bewunderer des Nationalsozialismus, mußte gehen — weil A11 j ud a es so wollte! Die Weisen von Zion, Gauleitung Whitechapel, haben ihm" die Jüdin S i m s o n zugeführt, einen Abkömmling jenes Massenmörders Simson, der tausend Philister mit einem Eselskinn zu Ritualmordzwecken umbrachte. Wie Mathilde Ludendorff einwandfrei festgestellt hat, soll das in den Namen hineingeschmuggelte ,p' — die Jüdin heißt jetzt Simpson — auf die hingeschlachteten Philister (Anfangsbuchstabe: P) hindeuten. Diese schwarze Jüdin hat nun den König zur Rassenschande verführt und ihn so dem germanischen Volk der Engländer entfremdet. Juda hat ihn zu Fall gebracht! Wie sehr sich der arme, unglückliche König in den Krallen der Hebräer befindet, geht am besten daraus hervor, daß er aus London direkt auf Schloß Enzesfeld in Niederösterreich zum Haupt judenRothschild gebracht wurde, wo er Chanuka, das jüdische Siegesfest über viele Tausende arische Griechen, feiern mußte. Merk's, deutsches Volk! Wer vom Juden frißt, der stirbt daran...!" Skandal ohne Ende Das Warschauer Palästina-Amt gestürmt Aus Warschau wird gemeldet: Dreihundert Mitglieder des revisionistischen Brit Trumpeldor und ariderer der „Neuen Zionistischen Organisation" (N. Z. O.) angeschlossener Organisationen stürmten am Dienstag die Büroräume des Palästina-Amtes, zertrümmerten die Inneneinrichtung und griffen, die Angestellten der Zionistischen Organisation an. Herbeigerufene Polizei drängte die Angreifer zurück und verhaftete 46 von ihnen. Ursache der Unruhen ist der bekannte Konflikt um die Eihwanderungsrechte des Betar. Das Palästina-Amt erkennt dem Betar, seitdem er aus der Zionistischen Organisation ausgetreten ist, nicht mehr Einwanderungsrechte zu, sondern will einzelnen Betarim auf Grund des Hachschara-Schlüssels Zertifikate geben, während die Betar-Leitung auf dem Standpunkt steht, daß diese Praxis einer Verweigerung der Alijarechte überhaupt gleichkommt, weil ja das Palästina-Amt keine Kontrolle über den Betar kaben kann. Die Betar-Leitung fordert, daß ihr die dem Betar zukommenden Zertifikate kollektiv zur Verteüung an die einzelnen Betarim übergeben werden. (J. T. A.) Aus Kaunas (Litauen): Misrachi, Allgemeine Zionisten Gruppe B und Judenstaatspartei vereinigten sich zu einem NationalenBlock, der am 7. März in Kaunas seine erste Konferenz abhalten wird. Einer der Punkte der Tagesordnung ist die Schaffung von Möglichkeiten für Mitglieder des Brit Trumpeldor Litauens, in Palästina einzuwandern, um endlich den KINO-PROGRAMME KREUZ-KINO 1, Wollzeile 1? Telephon R-24-2-16 Vorstellungen; %6, Va«, V*!0 Gefährliche Fracht Ciaire Trevor, Brian Doulevy STAFA, VII Marlahl If erstraOe 120 Telephon B-83-0-68 Wochentags: S, 7, » Uhi VOTIVPARK Kain und CLARK GABLE IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 DAVIES Beginn: k, %6, Vi», %10 »■" Habel SCH'ÄFFER Vi, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20.203 tiegium *M, ft«, 'M, ftio FURV Sylvia Sldney, Spencer Tracy skandalösen Vorgängen (Sturm auf das Warschauer Palästina-Amt) ein Ende zu machen. Die jüdischen Arbeiterkrawalle in Palästina dauern an Aus Tel-Aviv: Wie bereits gemeldet, ist es vor einigen Tagen zu blutigen Kämpfen zwischen den Mitgliedern der sozialistischen Arbeitergewerkschaft „Histadruth", welche vor einem Neubau Streikposten aufstellten, weil dort nicht in der Histadruth organisierte Arbeiter beschäftigt werden, und diesen gekommen. Polizei trieb die jüdischen Arbeiter auseinander und nahm viele Verhaftungen vor. Schwerverletzte gab es auch. Nun wird gemeldet, daß der Skandal andauert; Die von der Histadruth aufgestellten Streikposten wurden neuerlich von der Polizei auseinandergetrieben« Vier Arbeiter wurden hiebei verletzt, sechs verhaftet. * Was tut die Leitung der Zionistischen Weltorganisation, die Zionistische Exekutive, um mit diesen beschämenden Vorgängen Schluß zu machen und den inneren Frieden herzustellen? Da die Zionistische Exekutive heute in den Händen der Arbeiterpartei liegt, müßte es ihr doch möglich sein, ein Machtwort zu sprechen. Das jüdische Palästina hat heute einem Generalsturm der äußeren Feinde standzuhalten. Die Führer der Zionistischen Exekutive rufen die jüdische Welt zum Zusammenschluß in der Zeit größter Gefahr auf, aber sie tun nichts, um die Leute üirer eigenen Partei zur Mäßigung zu mahnen, zur Besinnung zu bringen, und so den inneren zionistischen Frieden wenigstens zeitweise zu sichern. Die schwarzen luden in Abessinien Aus Rom (X T. AJ: Der Direktor der Schule der Falaschas in Addis Abeba, Taamrat Emmanuel, erhielt vom Haupt der Falaschas, Blatta Tagga, aus Gondar, dem Hauptzentrum der Falaschas, ein Schreiben, in welchem es u. a. heißt: „Seitdem die Italiener Abessinien besetzt haben, hat man uns Israeliten einen neuen Führer gegeben. Wir haben die Italiener würdig empfangen. Wir freuen uns, von dir zu hören, daß eine Person nach Addis Abeba gekommen ist in Vertretung Italiens und der dortigen jüdischen Gemeinden (gemeint ist Advokat Carlo Alberto Viterbo). Wir erinnern uns noch gern dessen, was während dreißig Jahren Maestro J. F a i t- 1 o v i c h für uns getan hat. Wir freuen uns, nun bald eine Schule in Gondar zu haben. Wir bitten dich, sorge dafür, daß unsere Söhne nicht ebenso u n-* wissend bleiben, wie wir es geblieben sind. Bisher haben wir niemanden gefunden, der uns die Bücher unserer Väter und das Hebräische gelehrt hätte. Jetzt erwarten dich alle, in der Hoffnung, daß du uns die Tradition unserer Väter lehrst. Unser Volk lebt in Frieden und in Liebe; niemand von uns ist im Kriege gefallen. Ich, Blatta Tagga, der ich die Ehre hatte, zum Haupt der Falaschas ernannt zu werden, grüße dich. Was hier aufgeschrieben wurde, ist das Wort des ganzen Volkes und wurde geschrieben in Gegenwart der Leute von Israel zu Gondar." — In Addis Abeba wurde eine jüdische Gemeinde gegründet. Ihr gehören 178 Mitglieder, 163 Männer und 15 Frauen, aus den verschiedensten Her«* kunf tsländern an. Südafrikanische Eiitwanderimgssperre in Kraft getreten Atis Johannisburg: Das neue südairikaaischs Einwanderungsgesetz (Aliens' Bill) ist am 1. Februar in Kraft getreten. Die Bestimmungen des neuen Gesetze« wurden bereits gegenüber einer Gruppe von 29 Ein/wanderern angewandt, die an Bord des Dampfers „Warwick Castle" eingetroffen sind. Sämtliche 29 Einwanderer* unter denen sich 3 Juden befanden, erhielten zunächst dl« provisorische Aufenthaltserlaubnis für zwei Monate. Als „Fremder" wird in der Aliens' Bill jede Person bezeichnet, die nicht als britischer Untertan geboren ist oder nicht Bürger der Südafrikanischen Union ist. Kein Fremder darf das Gebiet der Union zum Zweck dauerndem Niederlassung betreten, sofern er nicht im Besitz einer, Einwanderungserlaubnis ist; ebenso nicht zum Zweck vorübergehenden Aufenthaltes, wenn er nicht im Besitz einer zeitweiligen Erlaubnis ist. Gesuche von Fremden um Erlaubnis zum Betreten der Union zum Zweck dauernden Aufenthaltes müssen der von der Regierung ernannten Einwanderungskommission (Board) im vorschriftsmäßigen Wege vorgelegt werden. Die Erteilung oder Verweigerung dieser Ermächtigung bleibt vollkommen dem Gutdünken des Board über« lassen. Jede dauernde Aufenthaltserlaubnis kann w i d e r-i rufen werden, wenn es sich später herausstellt, daß slei auf Grund unrichtiger Angaben ausgestellt wurde. Eine besondere Klausel der Bill verbietet die Namensänderung ohne besondere Erlaubnis des Generalgouverneurs. Von den Einwanderungsbestimmungen ausgenommen sind diejenigen Fremden, die das Auf« enthaltsrecht in der Union bereits gesetzmäßig erworben haben oder die von dem 1. Februar 1937 gesetzmäßig »um Zweck dauernden Aufenthaltes in die Union ge« kommen sind,

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