Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 630 (9.2.1937)
- Date
- 1937-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 630 vom 0. Fgkruar 1937 DIE NEUE WELT Seite S Bilanz der Unruhen in Palästina Meldung Die Zionistische Exekutive in Jerusalem veröffentlicht in Buchform eine Reihe von Tabellen, die eine umfassende und erschöpfende Uebersicht in Ziffern über die letzten blutigen Unruhen in Palästina geben. Die Tabellen enthalten ein chronologisches Verzeichnis der großen Zahl von Verbrechen, die im Laufe der sechs Monate des arabischen Streiks und Terrors verübt worden sind. Wie in der Einleitung betont wird, beruht der Bericht auf einem ausführlichen Tagebuch der Ereignisse, das vom Tage ihres Ausbruches an, vom 19. April, bis Oktober 1936 auf Grund der offiziellen Regierungsdokumente und gewissenhaft nachkontrollierter und untersuchter Presseberichte geführt worden ist. Von dem Umfang des Terrors, der länger als ein halbes Jahr im Lande herrschte,, gibt die folgende Bilanz einen Begriff: 82 Juden wurden ermordet, ferner sind neun Juden gestorben aus Ursachen, die eine direkte Folge der Unruhen waren. 405 Juden wurden verwundet, 36 von ihnen tödlich (diese 36 Juden sind in der Ziffer der 82 Getöteten enthalten). Die Zahl der Ueberfälle auf Juden in den einzelnen Städten, Kolonien und an anderen Plätzen betrug 1996. Ferner wurden 895 Verbrechen durch Beschädigung jüdischen Besitzes in Stadt und Land verübt. Hierbei wurden vernichtet: Ueber 200.000 Obst- und Waldbäume, zirka 17.000 Dunam Getreidefelder, Hunderte von Wohnungen, eine erhebliche Menge von Waren usw. Die Zahl der Ueberfälle auf Vertreter der R e g i er u n g, der Polizei und des Heeres usw. betrug 795. Ueberfälle und Sabotageakte gegen Verkehrsmittel (Eisenbahnen, Autobusse usw.) wurden 380 verübt. Ferner gab es 305 Fälle von Terrorakten von Arabern gegen Araber, außerdem eine sehr große Anzahl von Beschädigungen und Zerstörungen arabischen Besitzes. Dje 'Äahl der Bombenattentate, die von Arabern verübt, und bei denen militärische Bomben, Höllenmaschinen, Minen usw. verwendet wurden4 betrug 1369. Ferner wurden seitens der Regierung im Gefolge von Untersuchungen oder Verhaftungen 263 Bomben entdeckt. Im Gefolge der Unruhej-t wurdan 3111 Araber verhaftet, neben denen, die in Konzentrationslagern interniert, und denen, die wegen Uebetretung der Ausnahmsgesetzbestimmungen verhaftet worden sind. Was die Intensität der Unruhen anlangt, so war diese nach der Zahl der jüdischen Opfer am stärksten in den ersten beiden Tagen, das ist am 19. und 20. April; an diesen beiden Tagen fielen — sämtliche in Jaffa — 16 Juden, d. h. fast ein Fünftel der Gesamtzahl der gefallenen Juden. Im weiteren Verlauf d/.r Unruhen kamen solche Massenmorde wie an den ersten beiden Tagen in Jaffa nicht mehr vor, und die Ziffern für die einzelnen Tage des langen, fast siebenmonatigen Zeitraumes der Unruhen beweisen den systematischen, organisierten Charakter der arabischen Terroraktion. Auch in der Liste der verwundeten Juden nimmt zahlenmäßig Jaffa den ersten Platz ein. Die traurige Bilanz der Ueberfälle auf Juden in Jaffa wird durch 19 getötete und 150 verwundete Juden ausgedrückt. Den zweiten Platz nimmt wieder Jerusalem ein, wo die Zahl der verwundeten Juden 43 betrug. Sodann kommt Haifa mit 22 verwundeten Juden. Die Tabelle über das Lebensalter der jüdischen Opfer sieht folgendermaßen aus: Im Alter von unter 10 Jahren wurden 5 Kinder getötet (3 Knaben und 2 Mädchen); im Alter von 10 bis 20 Jahren wurden 7 Juden getötet (4 junge Burschen und 3 Mädchen); verwundet wurden in diesem Alter 38 Juden (33 Männer und 5 Frauen); im Alter von 21 bis 30 Jahren wurden 36 Personen getötet (34 Männer und 2 Frauen), verwundet 146 (132 Männer und 14 Frauen); im Alter von 30 bis 50 Jahren wurden 30 Personen getötet (29 Männer und 1 Frau), verwundet 87 (75 Männer und 12 Frauen); die Zahl der im Alter von über 50 Jahren getöteten Personen betrug 4 (sämtlich Männer); die Zahl der in diesem Alter Verwundeten betrug 20 (17 Männer und 3 Frauen); das Alter von weiteren 93 verwundeten Juden konnte nicht genau festgestellt werden. Von den 82 getöteten Juden waren 74 Männer und 8 Frauen, von den 405 Verwundeten waren 355 Männer und 50 Frauen. Von den verwundeten Juden wurden 172 nach Erteilung der ersten Hilfe nach Hause entlassen, während 233 in Krankenhäusern verblieben. Von den 233 wurden bei der Palcor 62 leichte Verwundungen, bei 110 schwere Verletzungen festgestellt. 25 blieben im Gefolge der erhaltenen Verletzungen Invalide, während 36 gestorben sind. Insgesamt wurden über zehnmal beschossen: 28 jüdische landwirtschaftliche Siedlungen und neun Städte. Elfmal wurden seitens der arabischen Terroristen jüdische Gebethäuser angegriffen (darunter fünf Fälle von Bombenwürfen und Beschießungen und vier Fälle von Brandstiftungen). Dreimal wurden jüdische Friedhöfe geschändet. 26mal haben die Terroristen jüdische Krankenhäuser, Ambulatorien und Sanatorien beschossen, neunmal versuchten sie, jüdische K i nder- und Waisenhäuser zu vernichten, in denen sich im Augenblick der Tat Hunderte von Kindern befanden. 19mal haben sie jüdische Schulen beschossen oder mit Bomben belegt, dreimal — Altersheime. Die Statistik der Angriffe auf die Regierung zeigt folgendes Bild: Von der Gesamtzahl von 795 solcher Angriffe wurden 140 auf Regierungsbeamte (einschließlich Polizeifunktionäre) ausgeführt. Die Zahl der Angriffe auf Polizei- und Militärpatrouülen betrug 331, darunter 236 aus dem Hinterhalt und 95 durch bewaffnete arabische Banden. 81mal wurden Polizei- und Militäreskorten, die Passagier-Autobusse, Eisenbahnen usw. begleiteten, beschossen, davon 31 aus dem Hinterhalt und 50 von bewaffneten Banden. Militärpatrouülen wurden 109mal beschossen, und zwar 16mal aus dem Hinterhalt und 93mal durch bewaffnete Banden. Die 3111 verhafteten Araber verteilen sich, nach den von ihnen begangenen Verbrechen, in folgender Weise: 106 Araber wurden im Gefolge von 22Mordtaten verhaftet, 811 wegen Beteiligung an bewaffneten Ueberfällen, 385 wegen böswüliger Beschädigung fremden Besitzes, 21 wegen Raub und Diebstahl, 760 wegen illegalen Waffenbesitzes, 472 wegen Terror gegen Araber, 47 wegen Agitationshetze, 154 wegen Beteiligung an ungesetzlichen Versammlungen, 103 wegen Zugehörigkeit zu illegalen Verbänden und wegen anderer Verbrechen. üflasaryk als Mronzencge Für den Judcnstaat Wir erhielten folgende Zuschrift: „Prag, am 3. Februar 1937. Sehr geehrte Redaktion! In den Verhandlungen-vor der Königlichen Kommission hat Lord Peel einem der jüdischen Zeugen vorgehalten, daß im Mandat nicht von einem „Judenstaa t", sondern nur von einer „n a t i onalen Heimstätte" die Rede sei. Die Worte „nationale Heimstätte" sind in das Mandat aus der Balfour-Deklaration übernommen, und es ist schon früher von zionistischer Seite darauf hingewiesen worden, daß sie dort im Sinne der Errichtung eines jüdischen Staatswesens gemeint waren. Dafür hat man Aeußerungen einzelner englischer Staatsmänner zitiert. Ich weiß nicht, ob schon einmal darauf hingewiesen worden ist, daß auch ein sehr bekannter nichtenglischer Staatsmann die Balfour- Deklaration im gleichen Sinne aufgefaßt hat. Es handelt sich um einen Mann, der damals mit der angelsächsischen Politik in engster Fühlung stand, weil er von ihr die Verwirklichung der nationalen Ansprüche seines eigenen Volkes erwartete; ein Mann von bekannt realistischer Auffassung der politischen Probleme und gleichzeitig von international anerkannter Autorität. In den Aufzeichnungen dieses Mannes über seine Tätigkeit während des Weltkrieges wird die Balfour- Deklaration nur mit einem einzigen Satz gestreift, und zwar — da sie im übrigen außerhalb seines Interessengebietes liegt — nur als politische Kriegsmaßregel. Es heißt dort: „Im November 1917 machte England den vorzüglichen Zug, daß es sich für einen jüdischen Nationalstaat in Palästina erklärte, — dadurch gewann es die Zionisten und auch die nichtzionistischen Juden der ganzen Welt." Dieser Satz steht in dem Buch „Die Weltrevolution, Erinnerungen und Betrachtungen 1914—1918" von T. G. Masaryk. (S. 221.) Masaryk ist kein Phüosemit. Er ist für die Sache der Juden immer nur aus seinem unbeirrbaren Gerechtigkeitsgefühl heraus eingetreten, das er auch seinem eigenen Volk gegenüber TUA RES AGITURI AUCH DICH GEHT ES AN! NAHUM GOLDMANN „SckUksalsftafeH des \jMisdm Votkes" Donnerstag, den 11. Februar d. J„ halb 9 Uhr abds,, im Festsaal des Hotel Continental, Wien Ii, Taborstraße Karten ab S 1.— bei Buchhandlung A. Mejstrik, Wien I, Wollzeile 0-8, Tel. R-25-4-52, Buchhandlung M. Rath, Wien II, TaboiStraße 20a, Tel. R-45-305, Jüdische Kulturstelle, Wien I, Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-28-2 36 Ommer vähxind der kurzen Saisonl Jaff a Orangen und Grapefrucht sind saftiger PALÄSTINENSISCHES W ACHSTUH bewährt hat. Er . deutet das selbst an anderen Stellen seines Buches an. Um so wichtiger ist es für uns, daß wir uns auf die Auffassung dieses Mannes, des großen tschechischen „Realisten", berufen können, und es wäre wichtig, die zionistische Oeffentlichkeit — falls dies nicht schon früher geschehen ist — hierauf hinzuweisen. Hochachtungsvoll Alfred Fischer." Um eine WessmannsRedc Das Organ der litauischen Regierung „Lietuwos Aidas" veröffentlichte eine scharfe Kritik an dem Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Professor Chaim Weizmann, wegen eines Passus in seiner Rede vor der britischen Kgl. Kommission in Jerusalem in betreff Litauens. Weizmann soll laut „Lietuwos Aidas" die Lage der litauischen Juden mit der der Juden in Deutschland und in Polen verglichen haben. Die Aeußerungen des litauischen Regierungsorgans sind jetzt Gegenstand einer lebhaften Erörterung in der litauischen und in der jiddischen Presse. Der litauische Innenminister General Julius Tschaplikasübergab im Namen der litauischen Regierung dem Kownoer J.-T.-A.-Vertreter folgend© Erklärung: Der von „Lietuwos Aidas" mitgeteilte Bericht über Professor Weizmanns Rede vor der Kgl. Kommission in Jerusalem hat in litauischen Regierungskreisen einen unangenehmen Eindruck gemacht. Die litauische Oeffentlichkeit fühlt sich über den von Professor Weizmann gezogenen Vergleich zwischen Litauen und jenen Ländern, in denen ein offizieller Antisemitismus herrscht, verletzt. In Litauen genießen die Juden formell und faktisch Gleichberechtigung und freie Möglichkeit, sich auf allen nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Gebieten auszuleben. Die Regierungspolitik wird bei uns von den Prinzipien der Toleranz und der Freundschaft gegenüber den Juden geleitet. Zum Beweis dafür dienen die ungestörte Tätigkeit der vielen verschiedenartigen jüdischen Institutionen und Organisationen in Litauen, die Unterstützung, die der Staat au3 seinem Budget den jüdischen religiösen und kulturellen Institutionen zuteil werden läßt, schließlich die Art, wie die Regierung auf die vereinzelten Versuche seitens unverantwortlicher Elemente, antijüdische Exzesse zu organisieren, reagiert. In solchen Fällen werden die Schuldigen hart bestraft, auch werden die energischsten Maßnahmen ergriffen, um es nicht zuzulassen, daß sich ähnliche Geschehnisse wiederholen. Wohl sind gewisse Reibungen zwischen dem Mehrheitsvolk und den Juden vorhanden, aber dieses Kapitel gehört mehr zum Komplex des allgemeinen Minderheitenproblems und darf durchaus nicht als der Ausfluß eines Antisemitismus aufgefaßt werden. Gerade darum aber ist zu befürchten, daß die Erklärung Dr. Weizmanns gerade von jenen Elementen ausgenutzt werden kann, die gerne in ihr einen Anlaß sehen möchten, die normale und freundschaftliche Art des jüdisch-litauischen Zusammenlebens zu stören. Die jiddische Tageszeitung „D i Y d i s c h e S t i m e" versucht nachzuweisen, daß „Lietuwos Aidas" die Worte Weizmanns falsch gedeutet hat. Dagegen erklärt die jiddische Tageszeitung „Unser Moment", daß das litauische Regierungsorgan mit seinem Vorwurf recht hat und daß Weizmanns Worte einen gegen Litauen unbegründeten Vorwurf darstellen.