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Die neue Welt · 1937-02-09 · Heft 630 (9.2.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 630 (9.2.1937)
Date
1937-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Preis 10 dreschen üiemstoq, den 9* Februar 1937 H* Jahrgang Nr« 630 V*D«b« DIE NEUE Zeitung vom Verleger versendet •Journal expddle par rfiditeur** R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.~; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa SO.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—g Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlioh. Redaktion u.Verxvaltung: lX,Universitätsstr.8,7 et. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freiten? ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH erst durch die so wunderbaren, delikaten Schmidl-Mazzoth die Marke des Feinschmeckers Verlangen Sie Überall nur ,,SCHMIPL"-Ma»oth! Bolschewiken . . - Die Vorgänge in verschiedenen Ländern, wo die antijüdische Hetze die nazistischen Methoden annahm, haben uns zu einer Reihe, von Betrachtungen veranlaßt. Unsere These ging dahin, - daß die; Hakenkreuzpro'päganda da und dort Fuß faßt undzu den verderblichsten Folgen führt: In Polen; Rumänien, Südafrika, Nordafrika und.— Palästina hat .eine judenfeindliche Agitation eingesetzt, die weit. über dengewohnten Rahmen hinausgeht,- und es ist wehig Hoffnung vorhanden, daß von Staats wegen: etwas dagegengetan wird. Nicht überall finden: sich:.warhende Stimmen wie in England," wb der antisemitisch .gefärbte Faschismus als Gefahr erkannt wurde.;,Wenh in- England", sagte kürzlich das" Oberhausraitglied Earl of Lytton, „eine MenschengrüppV sich für berechtigt .hält, die Juden zu verfolgen, weil anderswo ebenfalls.'Juden gehaßt und verfolgt werden, so muß solchen Bestrebungen mit allen Mitteln des Staatesentgegengetreten werden. Wir unterstützen die Regierung durch Erteilung jeglicher Vollmacht'zür Verhütüng'vbn:' Attentaten auf die persönliche Freiheit." •'.•/.,'." Diese Worte entsprechen einer alten, ehrwürdigen Tradition Englands; und Sogar sie, gesprochen von einem führenden Politiker, haben scheinbar die Versuche der Mosley-Anhänger, den Hitlerismus in England salonfähig zu maohen, nur, aufgeschoben... :>: ,• Die Goebbels-Leute leugnen, daß sie im Nahen und Fernen Orient ihre Hetzkampagne .führen. Ein deutscher Sender verhöhnt, das in .Frankreich verbreitete Gerücht, daß die Deutschen iii der Bevölkerung vpn Marokko die arabische Uebersetzung' von „Mein Kampf") .verteilen, Der Leitartikler ,des Pariser „Temps", ( Vladimir d'Ormesson, erklärt,, mit eigenen Augen, ein, arabisches Exemplardes-genannten Buches gesehen und selbst in der Hand gehalten zu haben. Die Versicherung d'Ormessons. fügt, sich der Tatsache an, daß in. den JerusaJemer Schaufenstern „Mein Kampf" in arabischer Sprache. unbeanstandet zu sehen ist. Die1 Verbreitung , dieses Buches unter den arabischen l^teijektuejlen-hat nicht wenig?ur judenfeindlichen Stimmung im arabischen Lager beigetragen ... ... .... . ' _ ,. ' ' ."... . ^Äber da^s TJnheü, das uns von der verleumderischen Xgitation des rqichsdeütschen Hakenkreuzes und der antisemitischen Giftküche in Erfurt (Deutschland) . droht, darf uns von einer zweiten Gefahrzone flicht ablenken, vom Bolschewismus. ' Das, was heute unter dem: Gewand des Antifaschismus, unter der Marke „Tod der Reaktion" oder „Zur Rettung der Freiheit" oder „Zum Schutz der Menseljenrechte" durch die Welt geht, entpuppt sich da und dort als bolschewistische Stimmungsmache, und wenn ein Teil der jüdischen Jugend, in seinem seelischen und physischen Hunger einen Ausweg suchend, den Schlagworten erliegt, so dürfen wir nicht bloß mit dieser bedauernswerten Jugend rechten, sondern auch die Augen und Ohren offenhalten gegenüber den Einflüssen, die sich ganz unmerklich in die jüdische Gasse schleichen. 1 Wieviel hatten wir schon zu, leiden unter der Tatsache, daß einzelne Menschen jüdischer AJbkunft sich en die Spto bolschewistischer Bewegung setzten! Es An Hitler4)eutschland soll die Welt genesen♦♦♦ In seiner großen Reichstagsrede hat der Kanzler und Führer des Dritten Reiches, Adolf Hitler, die Welt aufgefordert, sich die nationalsozialistische Weltanschauung zu eigen zu machen, damit sie, die Welt, wieder gesund werde. Vor allem aber müßten alle Völker der Welt einsehen, daß die Art, wie Hitler- Deutschland die Judenfrage zu lösen bemüht sei, die einzig richtige sei, wenn man die höchsten Güter der Menschheit retten will. Wie ist es um diese den Völkern angepriesene Weltanschauung bestellt? Gegen welche Feinde der Menschheit ist sie gerichtet? * Gegen kranke jüdische Kinder Aus Berlin: Der „Heilstätte für kranke jüdische Kinder" wurde eine Steuer vorgeschrieben, obzwar alle mildtätigen Institutionen von Steuern befreit sind. Die betroffene Anstalt hat Beschwerde erhoben. Der Reichsfinanzhof hat am 10. Dezember 1936 entschieden, daß als mildtätig nur solche Aktionen anzusehen seien, die auss c h 1 i e ß 1 i c h und unmittelbar darauf gerichtet sind, bedürftige deutsche V o 1 k s g e n o s s e n zu unterstützen. Damit sei zum Ausdruck gebracht, daß die rasse- und blutmäßige Zugehörige k e i t im deutschen Volke entscheidet. Die Steuerbefreiung wegen Verfolgung mildtätiger Zwecke komme sonach für die beschwerdeführende israelt* tischeKinderheilstätte nicht in Betracht« Eine Unterstützung von Juden (also auch von kranken jüdischen Kindern entspricht nicht der nationalsozialistischen Weltanschauung. Gegen wehrlose Gefangene Aus Prag: Unter der Ueberschrift „Blutig' — wie am ersten Tag!" veröffentlicht ein entlassener politischer Sträfling, der vom Jänner bis zum September 1936. im Konzentrationslager. Lichtenburg gefangengehalten wurde und monatedie an seinen Kameraden verübten Mißhandlungen mitansehen mußte, seine Aufzeichnungen im „Neuen Vorwärts". Diese Schilderung bestätigt alle bisher bekanntgewordenen Bekundungen ehemaliger arischer Häftlinge, die darin überemstimmten, daß die Juden in den Lagern einer unsagbar war nicht allein die V e rallgemeiner u n g, an der sich die judenfeindlichen Kreise gütlich taten. Wir wurden auch für die Handlungen dieser „Bolschewikenführer"^ völkerverhetzenden, " die europäische Zivilisation7 ^untergrabenden Geistes. Die Widerlegung dieser Unterstellung hatte keinen großen und nachhaltigen Erfolg. Die nackten Tatsachen hatten keine greifbare Wirkung. Es ist bekannt, daß der russische Bolschewismus das lebendige, traditionsgebundene Judentum vernichtete und daß heute in Rußland die Juden ohne Zusammenhang mit den anderen jüdischen Zentren leben; daß der Zionismus als nationale Bewegung in Sowjetrußland verpönt ist, zahllose Zionisten in Kerkern schmachten, die alte hebräische Sprache als "reaktionär verboten ist, und derart das einstige reiche Reservoir der national jüdischen Bewegung, das russische Judentum, kaum mehr vegetiert. ' ' Nicht besser steht es um die Schäden der jüdischen Sache in Pa 1 ä s t i n a. Untersuchungen haben ergeben, daß der arabische Aufstand gegen England und gegen das zionistische Aufbauwerk zum Teil mit ausländischen Mitteln, materiellen und agitatorischen, bestritten wurde. Ueber die verbrecherische Wühlarbeit der Kommunisten hat man bisnün wenig erfahren. Vor uns liegt das Buch eines hohen palästinensischen Polizeibeamten, Douglas Duff,' ,'Palestine Picture", das ein lebendiges Bild des heutigen Palästina gibt und auch politische Probleme (Befürwortung der Kantonisierung des Landes!) enthält. Es ist interessant-, zu erfahren, wie dieser englische Polizeibeamte die letzten Unruhen sieht. „In den Dörfern", schreibt Duff, „treiben sich kommunistische Agitatoren herum. Es ist schon so weit, daß die Fellachen tatsächlich glauben, eine bolschewistische Revolution in Palästina werde jedem von ihnen drei Kühe verschaffen, 4 Pfund monatlich bar und 20 Dunam Land. Außerdem, so glauben sie, werden die Kommunisten die Juden hinausjagen und all die reichen Kolonien Eigentum der arabischen Bauern werden." Die Mehrzahl dieser in Moskau trainierten Hetzagenten — erzählt Mr. Duff weiter — sind Araber, viele Syrer und einige sogar Juden, Juden der Geburt nach, aber auch nichts mehr und auf jede Weise erbittert in ihrem Haß gegen Religion und Tradition, in der sie geboren, erbitterter noch als gegen jede andere Religion und Tradition... Pas geschieht auf dem heiligen Boden Palästinas. So weit ist es gekommen, daß einzelne Juden jede Scham und Selbstachtung verloren haben und in nichtswürdiger Weise auf fremdes Geheiß die Wiedergeburt des jüdischen Volkes zu stören versuchen. * *H &> i§t notwendig daß $vic in unserem eigenen Lager Umschau halten; die Lage prüfen; uns.fragen, was der Zionismus, die zionistische Lehre, der jüdischen Jugend geben kann. Wir lesen von Umschichtung, wir hören von Kolonisation; von den Rednertribünen werden die Juden aufgefordert, für die; Fonds zu sammeln. So oft ein Schicksalsschlag die jüdische Gemeinschaft in der Galuth und in Palästina trifft, wird zu neuem Sammeln aufgerufen. Und zwischendurch vernimmt man von Gewerkschaft und Arbeiterorganisation, von Streik und Konflikt, und wenn's gut geht, von einer prosperity, die kurz oder lang dauern wird... Man hat das Gefühl, daß das zionistische Leben mechanisiert worden ist. Wo ist der Elan, mit dem Herzls Großzionismus, die heute so geschmähte, ironisierte heroische Bewegung, die Massen mitgerissen und zu heroischen Taten verpflichtet hat! Der praktische Zionismus, die tägliche Kleinarbeit, die Sorge um den Dienst am alltäglichen Werk, das Sammeln und Organisieren, das Agitieren für die heilige Sache — all das ist unumgängliches Tun. Aber die mitreißende Kraft des Glaubens an die Lösung, an die E r 1 ö s u n g, wie Herzl sie besaß und seinen besten Jüngern mitgab, diese Kraft ist, seitdem eine Gruppe im Zionismus die Herrschaft an sich gerissen hat, beiseite geschoben worden, Sie wieder zum Mittelpunkt der jüdischen Renaissance zu machen, die < I d e e in den Dienst des -Alltags > zu stellen ~ das ist' eine große, drängende, verheißungsvolle: Aufgabe. ' o. r. PURIN »n> PESSACH EREZ ISRAEL 25% ERMÄSSIGUNG auf Hin- und Rückfahrkarten vom 17. Februar bis 20. März von Trieat und Genua nach Haifa mit den vorzüglichen Dampfern .Marco Polo«, .Esperlas ,Galilea<, .Gerusalemme' Aus kunf t e: ADRIATICA S. A. ~ LLOYD TRIESTINO Gl NERALACENTU R Wien I, Kärntnerring 6, Tel. U-f7-5-60, und Reisebüros

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