Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 582 (4.8.1936)
- Date
- 1936-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 582 vojh 4. August 1936 t>m mm mut ttm$ htaet iau^wiii Wim Wim mM'iiifi'^k'.Jdi w^^ufäffligitötonimmnm Als Darsteller des jüdischen Ghettolebcns in einem der englischen Tradition folgenden Stil und als Verfechter des territorialen Zionismus — so bleibt Israel Z angwill, der große englische Jude, der vor zehn Jahren verstarb, im Gedächtnis der Nachwelt. Ein Bild des politischen Kämpfers und großen Schriftstellers, des Verehrers und Gegenpols Theodor Herais, xoerden wir in unserer näclisten Ausgabe geben. Aus aBier Well (Nachrichten der J. T. A.) Neue Berliner Rabbiner *~" Die Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde hat zu Gemeinderabbinern Rabbiner Dr. Alexander Altmann und Rabbiner Dr.~S wa r s e n s k y berufen. Dr. Altmann ist der Sohn des Trierer Oberrabbiners Dr. Altmann und Absolvent des Berliner Rabbinerseminars, in dem er seit •einigen Jahren als Dozent tätig ist. Dr. Swarsensky hat die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums absolviert und wirkt bereits seit Jahren in Berlin. Zum Gemeinderabbiner ist ferner Rabbiner Dr. Ignaz Maybäum aus Frankfurt a. d. Oder berufen wox*den. Die Gemeinde hat weiterhin Bezirksrabbiner Dr. Jospe aus Schneidemühl sowie Dr. Max Nußbaum zu Predigern berufen. Schließlich ist Dr. Berkowits zum Rabbinatsassessor .ernannt worden. Die Neubesetzungen waren hauptsächlich durch die Uebersiedlung einer Reihe Rabbiner nach Palästina notwendig geworden. Haltung zum Zionismus Die vor * kurzem in Tannersvillo (U. S. A.) abgehaltene 36. Jahreskonferenz der Rabbinical Asse m b 1 y (Verband der konservativen — im europäischen Sinne: gemäßigt reformatorischen — Rabbiner) hat die Leitung beauftragt, „die offizielle Haltung der Rabbinical Assembly zum Zionismus zu formulieren und diese Haltung im Rahmen der Zionistischen Weltorganisation zum Ausdruck zu bringen". Ferner wurde beschlossen, sich an der Aktion zur Pflanzung von 100.000 Bäumen in Palästina zu beteiligen. Voronotf spendet Professor Voronoff ließ dem Keren Hajessod aus Paris eine Spende von 5000 Francs zukommen, um zur Wiedergutmachung des während der Unruhen erlittenen Schadens beizutragen. Jüdische PoBiiik in Polen Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, hat das Zionistische Zentralkomitee in Polen in seiner letzten Vollversammlung die vom Präsidium gemäß den Beschlüssen des Parteirates unternommenen Schritte zur Schaffung einer jüdischen politischen Ropräsentan z in Polen betätigend zur Kenntnis genommen und das Präsidium beauftragt, seine Bemühungen in dieser Richtung fortzusetzen. Erfolg des Keren BCagemetfh Aus dem Jahresbericht des amerikanischen Keren- Kajcmcth-Büros ist zu ersehen, daß die Eingänge des Keren Kajemeth in den Vereinigten Staaten im abgelaufenen Jahr die Ergebnisse aller Jahre seit 1929 übertroffen haben. Es sind in Amerika in der Zeit vom 1. Juni 1935 bis zum 1. Juni 1936 für den Keren Kajemeth Dollar 406.937.61 aufgebracht worden. Eine Jahressumme von über 400.000 Dollar hat der Keren Kajemeth in Amerika bisher überhaupt erst dreimal erreicht. Budenverfolgungen trotz Olympiade Aus Prag meldet die J. T. A.: Entgegen den von offiziellen Stellen dos Dritten Reiches im Ausland verbreiteten Nachrichten, daß die Judenverfolgungen eingestellt seien, sind der „Union für Recht und Freiheit" Meldungen aus verschiedenen Teilen des Reiches zugegangen, die von einer Fortdauer der antijüdischen Ausschreitungen berichten. So sind innerhalb der letzten Wochen in verschiedenen kleinen Orten Hessens regelrechte Pogrome veranstaltet worden. Die Juden wurden öffentlich beschimpft, mit Steinen beworfen und ihre Heime demoliert. In einem Ort wurde den Juden verboten, .nach Eintritt der Dunkelheit Spaziergänge zu machen. In ein kleines Dorf kam eines Tages ein Jude, um die Gräber seiner Anverwandten zu besuchen; als er vom Friedhof zurückkehrte, rottete sich die aufgehetzte Dorfbevölkerung gegen den Juden zusammen, er konnte kaum vor ihrer Wut gerettet werden. In einem anderen hessischen Dorf forderte der Ovtspolizist den jüdischen Inhaber eines Manufakturgeschäftes auf, die Schaufensterfiguren zu entfernen, „da sie arische Gesichter hätten". In Weida (Thüringen) veranstalteten die „arischen" Händler unter Teilnahme der SA. eine wüste Pogromhetze gegen die zwei jüdischen Händler, die geschlagen wurden. Man schrie die Juden an, sie hätten über die SA. gelacht, aber das Lachen werde ihnen vergehen. Sämtliche Käufer vor den jüdischen Buden wurden Photographien. Ein jüdischer Händler verlangte daraufhin, man möge das ihm für seine Kriegstätigkeit verliehene Ehrenkreuz witphotograplijeren, Englische Truppen gegen die Aufständischen c Aus Jerusalem wird gemeldet: Zu einer der blutigsten Kampfhandlungen seit Beginn der Unruhen kam es im Samaria-Gebirge unweit Nablus. Eine Gruppe von etwa 200 arabischen Aufständischen griff eine aus 20 Soldaten bestehende Patrouille an, als diese auf Lastkraftwagen eine unübersichtliche Steilkurve der Straße Jerusalem—Nablus hinauffuhr. Bei Beginn dc3 FeuerUberfalls wurde ein englischer Soldat getötet und eüiige Soldaten verletzt. Die Engländer erwiderten das Feuer aus Maschinengewehren, doch gerieten sie infolge der großen Uebermacht der Angreifer in starke Bedrängnis. Erst nach VA Stunden traf zur Verstärkung eine Abteilung von 200 Mann ein, die die nun flüchtenden Araber zu umzingeln versuchte. Auch Flugzeuge nahmen an der Kampfhandlung teil. Sechs tote Araber blieben auf dem Kampfplatz. Später verlautete, daß in diesem Kampf 10 Araber getötet wurden. Die Militäraktionen gegen die Aufständischen haben sich nunmehr von den judäischen auf die samaritanischen Berge verschoben. Arabische Brutalitäten Der jUdischc Arbeiter Jakob K u p c r m a n, der mit zwei anderen jüdischen Arbeitern am 5. Juli in Jerusalem durch eine von arabischen Terroristen geworfene Bombe in der Nähe des Regierungsbüros für öffentliche Arbeiten schwer verletzt wurde und sich noch heute in Spitalspflege befindet, erklärte einem Mitarbeiter des „Dawar": „Als ich nach der Explosion der Bombe stark blutend auf dem Boden lag, wurde ich von Arabern, die sich auf dem Tatort versammelt hatten, heftig geschlagen und mit, Steinen beworfen," Das Gericht verfügte die Freilassung eines jüdischen Kolonisten aus Kfar Jaawez, der von Arabern fälschlich beschuldigt wurde, an der Ermordung eines Arabers beteiligt gewesen zu sein. Die arabischen Terroristen Aus Jerusalem wird gemeldet: Vierundachtzig der in Sarafend internierten Araber, darunter auch Parteiführer, haben sich an das arabische Oberste Komitee mit einem Protest gegen die Erklärung Jamal Husseinis in London gewandt, in der dieser Gewaltakte verurteilte und die palästinensischen Unruhen als nicht gegen Großbritannien gerichtet bezeichnete. In dem Protestschrelben wird betont, daß die Terroristen die hauptsächlich gegen britischen Imperialismus gerichteten arabischen Bestrebungen vertreten; ferner wird gefordert, daß das Oberste Komitee die von Hussein! abgegebene Erklärung dementiere und daß auch dieser selbst ein Dementi in der englischen Presse veröffentliche. (Palcor.) t ■ ■ B>a§ 51« jüdische Todesopfer Aus Jerusalem wird gemeldet: Der bei dem Anschlag arabischer Terroristen verwundete Jechiel Haimovitk ist seinen Verletzungen erlegen. Er ist das 51. jüdische Todesopfer der Palästina-Unruhen. (J. T. A.) Brand in TehAviv Palcor meldet: Im großen HolzlagervonMann und Behrm a n n in Tel-Aviv, nahe der Grenze von Jaffa, brach ein Brand aus, der die ganze Stadt beleuchtete, auf anliegende Gebäude übergriff und Sachschaden anrichtete,, der auf 5000 Pfund Sterling geschätzt wird. Die freiwillige Feuerwehr löschte das Feuer. Es handelt, sich dabei um eine Brandstiftung, da zahlreiche Oeldoehte gefunden worden sind. Während der Löscharbeiten trafen Polizei und Militär ein; aus anliegenden arabischen Plantagen wurden auf sie Schüsse abgefeuert. Drei Araber, von denen einer verletzt wurde, sind in Haft genommen worden. Ueberdies wurde auch ein Jude verhaftet, den die Araber beschuldigen, auf sie geschossen zu haben. frtö&El-(BlWTW Jür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-2U5-31 Sturm auf Tiberjas Aus Jerusalem wird gemeldet: Die jüdische Bevölkerung von Tiberlas ist ernstlich bedroht. Schon seit drei Tagen werden auf die* jüdischen Einwohner immer wieder Ueberfälle von" Arabern verübt. Die Unruhen breiteten sich jetzt auch auf ganz Untergaliläa aus. Eine mehrhundertköpfige arabische Menge bewarf jüdische Häuser und Passanten am Morgen mit Steinen, zertrümmerte Fenster und Türen, steckte zwei jüdische Läden in Brand, plünderte sie und vernichtete die Einriqhtung. Die arabische Polizei verhaftete statt der Angreifer zwei Juden wegen angeblich verbotener Selbstwehr. , .Weitere Meidungen besagen: In Tiberias wurden fünfzehn Juden und sechs Araber verhaftet und werden noch heute abgeurteilt werden. Den Juden wird vorgeworfen, daß sie während der arabischen Angriffe auf das jüdische Viertel aus den Häusern geschossen haben. (J. T. A.) Das Steinbombardement in Tiberias hat die ganze Nacht angedauert; außerdem wurde von den Bergen geschossen, Auch auf D a 1 h a m i a und M i g d a 1 ist 'geschossen worden; in Migdal erwiderte Polizei das Feuer und verletzte einige der Angreifer. (Palcor.) * . . In Tiberias ist nach der durch die wiederholten Angriffe der letzten Tage und insbesondere durch die gestrigen pogromartigen Ausschreitungen hervorgerufenen Panik wieder ziemliche Ruhe eingetreten. Fast alle Geschäfte, die nach den Exzessen geschlossen worden waren, sind wieder geöffnet und die aus der Stadt geflüchteten Einwohner kehren allmählich zurück. (J. T. A.) Geld für englische Interessen Aus Jerusalem: Zum fünften Male wurde dl» I» Ipe Line der Irak Petroleum Co. beschädigt. Di« Gesellschaft hat eine Summe von 150.000 Pfund für die Bewachung der Oeleitung bereitgestellt. (J. T. A.) Aufhebung einer kollektivstrafe Aua Jerusalem: Der Oberste Gerichtshof in Palästina hat die kollektive Strafe in der Höhe von 5000 Pfund Sterling, die der Stadt Gaza auferlegt worden war, aufgehoben, weil seiner Ansicht nach der High Commissioner „seine Rechtsbefugnis durch die Herausgabe des Gesetzes, betreffend die Verhängung von Kollek* tivstrafen, überschritten habe". (J, T. A.) Itden Sonntag billige Ferien-Son- - Äli ■».§.._.-. dermhrJen mit der Cl«m. Allg. ZtJtlinSj «.ch POLEN u„d CZERNOWITZ Nächsie Abfahrten: t, Au§mt W6 Anmeldungen MUKchiiaiMiett Reisebüro „M4ri«nbru<fcI, Rotcnturmstr. as, R-24-2-te,j Zusammenbrüche arabischer Firmen Aus Jerusalem: Die ßarclays Bank hat gegen die Gebr. Rock, eine bekannte arabische" Familie, die in der arabischen Streikbewegung führend tätig ist, Kon kursantrag gestellt, über den in diesen Tagen gerichtliche Entscheidung ergehen wird. Der Antrag ist wegen eines Wechselbetrages von 1000 Pfund als Teil einer Gesamtschuld von 40.000 Pfund gestellt worden. ' Bs herrscht die Ansicht vor, daß dieser Zahlungseinstellung nach Abbruch des arabischen Generalstreiks und Wiederaufnahme des normalen Geschäftsverkehrs wahrscheinlich eine Reihe weiterer Zusammenbrüche arabischer Firmen folgen wird, sobald die Präsentierung der In den letzten Monaten unbezahlt gebliebenen Wechsel erfolgen wird. Der Gesamtbetrag der bisher nicht vorgelegten fälligen Wechsel wird auf über zwei Millionen Pfund'geschätzt. Pläne darüber, wie man über diesen plötzlichen Ansturm der Wechsel gläubiger hinwegkommen soll, liegen noch nicht vor. Vor allem die Großbanken haben es in der, Hand, zu vermeiden, daß ein plötzlicher Ma s s e n z u s.a m m e n b r u ci h vieler arabischer Firmen erfolgt. Im übrigen ist auch eine Reihe jüdischer Schuldner nicht mehr ihren. Verpflichtungen nachgekommen, was auf die wirtschaftliche Spannung infolge ' der Unruhen zurückgeführt wird. ' (J- T,:Ä.) Zur Gesdhidite des PalasfinaWtfaridafs Aua London wird gemeldet: Die Sitzung da» Unterhauses anv 27. Juli, in der der Außenminister Anthony Eden die Erklärung der Regierung über die Mandatsfrage abgab, brachte interessante; Reminiszenzen über die Meiiuigsverschiedenhelten, die die Frage der Zuteilung des Palästina-Mandats. seinerzeit in den, politischen Kreisen Englands^ erzeugt hat. Sir Austen Chamberlaln erwähnte in seiner Rede u. a., daß er, als die Zuteilung des Palästina- Mandats erörtert wurde, verlangt habe, das Mandat sollo den Vereinigten Staaten von Amerika übertragen werden. Chamberlain - tat dies, um die Vereinigten Staaten stärker ' in den Interessenkreis der europäischen Politik hineinzuziehen und eine festere Verbindung zwischen Amerika und dem Völkerbund Herr zustellen. Gegen diesen Vorsehlag habe sich aber Lloyd George mit Entschiedenheit gewandt und darum sei . dieses Projekt nicht verwirklicht worden. Lloyd George, der ebenfalls in der Debatte das Wort ergriff, fügte hinzu, daß bei der Verteilung der Kolonien und Mandate das Schicksal des Palästina-Mandats tatsächlich in diesem Sinn erörtert worden sei. (J. T. A.) „Manchester Guardian" warnt Aus London: In einem Leitartikel warnt der „Manches t er Guardian" die englische Regierung vor einer zeitweiligen Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Das Blatt meint, daß ein solcher Entschluß die Schlußfolgerungen der Kgl. Kommission vorwegnehme und den Arabern den Eindruck vermitteln würde, daß die britische Regierung dem Zwang nachgibt. Was auch immer die Kommission feststellen möge, so sagt das Blatt weiter, das letzte Ziel muß die aus sich heraus zustande gekommene und frei beschlossene Aussöhnung der beiden Völker sein; es muß eine Beilegung des Konfliktes erfolgen,, die beiden, Teilen die Furcht nimmt, eine von dem anderen beherrschte Minderheit zu sein, und die dem Nationalhelm .die Möglichkeit gibt, «ich an der Seite einer aufblühenden arabischen Gemein» schalt zu entwickeln. Dieses' sollte nicht jenseits der Macht von britischer und jüdischer staatsmänniseher Kunst Hegen. Nach zionistischer Ansicht müßte es ein Ge,bot der elementarsten Gerechtigkeit sein, daß die Kommission die Lage untersucht, während'die Einwanderung normal vor sich geht. (J. T. A.) Eine ungarische Zuckerfabrik iu Palästina Aus Budapest (J. T. A.): Der Zucker-Kon»era der Ungarischen Allgemeinen Kreditbank errichtet in Palästina eine Zuckerraffinerie; für diese sollen ungarische Maschinen ausgeführt werden.