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Die neue Welt · 1936-08-04 · Heft 582 (4.8.1936) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 582 (4.8.1936)
Date
1936-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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"T^F! S|* DIE NEUE WEtT Nr. 582 vom 4. August 1936 Judenschicksal Im spanischen Bürgerkrieg Die J. T. A. meldet: Vor kurzem meldeten französische Zeitungen, daß die Lage der Juden in Spanisch-Marokko, dem Ausgangspunkt der spanischen faschistischen Erhebung des Generals Franco, gegenwärtig eine sehr tragische und Ungewisse sei und daß zum Beispiel die gesamte jüdische Gemeinde in Melilla in ein Konzentrationslager gebracht worden ist. In dem gleichen Zusammenhang wurde mitgeteilt, daß deutsche Agei^en eine sehr einflußreiche Rolle in der Aufstandsbewegung spielen. Nunmehr kommen auch aus Spanien Meldungen, die besagen, daß in Spanien selbst die Unruhen sich sehr traurig auf die kleine jüdische Gemeinde auswirken. Die von den Militärs 'geführte Aufstandspartei ist offen antisemitisch* Im Radio Sevilla, das in der Hand der Aufständischen ist, erklärte einer der Führer des Militärs in einer Ansprache, daß das „inter* nationale Judentum" einer der Helfershelfer der spanischen Linken sei. Bereits während des. letzten Wahlkampfes hatte die Partei der spanischen Faschisten „Falange Espanol" mit antisemitischen Schlagworten operiert. Der gegenwärtige Putsch wird von dem Bankier March, dem Inhaber der antisemitischen Zeitung, „Infprmaciones", die jetzt von der Linksregierüng'in Madrid verboten wurde, finanziert. Der Linksblock mit den Gewerkschaften ist zwar nicht antisemitisch, aber infolge der schwierigen Lage des Arbeitsmarktes nicht ausländerfreundlich, insbesondere Gegner jeder Neueinwanderung. Die Massenflucht von Ausländern aus Spanien, unter denen sich auch eine Reihe von Juden befindet, hat in manchen Fällen vielleicht weniger die Sorge um die persönliche Sicherheit zur Ursache, als die Ueberzeugung, daß die ohnehin von der Krise stark ergriffene spanische Wirtschaft durch die Revolution weiteren schweren Schaden erleiden wird. Wenn in Barcelona Requirierungen in einigen jüdischen Emigranten gehörenden Geschäften, ■ insbesondere Lebensmittelhandlungen, vorgenommen wurden, so teilten die Inhaber dieses Schicksal mit ihren spanischen Branchegenossen, Während des yernichtungsfeldzuges der Anarchisten gegen die Kirchen in Barcelona, die fast alle in Brand gesteckt wurden, drang ein Trupp in das B ethaus der jüdischen Gemeinde'ein und fragte nach den „curats" (Priestern). Die Schmucklosigkeit 'des Betsaales, überzeugte aber die Eindringlinge, daß es sich, hier nicht um irgend eine: einflußreiche kirchliche "Macht handelt« Spanien war seit der Judehaustreibung im. Jahre 1492 judenrein, erst in den letzten Jahren sind einige tausend Juden dort eingewandert, die schwer um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen, Ein: großer Teil vöfi ihnen scheint durph die Unruhen wieder heimatlos geworden zusein. - . ■ i Im Londoner East End Aus London wird gemeldet: Die Frage, welche Maßnahmen die englische Regierung gegenüber dem verstärkten Terror der englischen Faschisten in gewissen Stadt-» gegenden Londons treffen würde und getroffen hat, war wiederum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage im Unterhaus. Der Abgeordnete James Hall fragte den Innenminister Sir John Simon, welche Maßnahmen er erwäge, um Mitglieder der British Union of Fascists von Emschüchterungsversuchen gegenüber Personen abzuhalten, die in jüdischen Läden kaufen wollten. Sir John Simon erwiderte, daß der Polizeikommissär für die Hauptstadt ihn dahin informiert habe, die Polizei schenke deser Angelegenheit besondere Aufmerksamkeit. Abgeordneter Hall: Weiß det Innenminister, daß seit der Zeit, wo ich diese Angelegenheit zur Spräche gebracht habe, sich die Einschüchterungsversuche gegenüber Käufern und Geschäftsleuten vergrößert haben,, daß Geschäftsleute angegriffen, daß alte Leute belästigt wurden und daß in einem Falle die herbeigerufene Polizei den Täter laufen ließ? Darf ich fragen, ob der Innenminister darauf vorbereitet sein wird, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen, und verhindern wird, daß die Judenschaft genötigt sei, Selbstschutzmaßnahmen zu'treffen, und ob diese gefühllose Verfolgung unterbunden werden wird? »Innenminister Sir John Simon erwiderte, Wenn der Abgeordnete besondere Information-besitze, so würde er sehr erfreut sein, sie zu erhalten, und er wünsche alles Mögliche zu tun, und auch der Polizeikommissär hege den gleichen Wunsch. » Der Abgeordnete fragte daraufhin, ob er Einzelheiten dem Innenminister unterbreiten dürfe. Sir John Simon nickte zustimmend. Der Abgeordnete Sir Percy Harris fragte^ sodann, ob der Innenminister wisse, daß Rundschreiben, die zum Boykott jüdischer Kaufle.ute auffordern, in weitestem Umfange verbreitet würden, und ob er ihm eine Abschrift eines solchen Rundschreibens Übermittein solle. Sir John Simon stimmte dem zu. * Auf die Frage des Abgeordneten Vyyian Adams; ob ein Uniforrav er bot in Erwägung gezogen worden* sei, erfolgte keine Antworte. (J. T. A.) Palästina im Auf bau Palcor meldet aus Jerusalem: Die Regierung hat drei der vier Forderungen der Zionistischen Exekutive, betreffend den beschleunigten Bau von n euen Straßen, die Sicherheitsrücksichten als notwendig erscheinen lassen, bewilligt. Die nach Norden führende Landstraße von Tel-Mond nach C h eile r a, die den nördlichen Teil des Scharon und des Emek Hefer mit Tel-Aviv und der Eisenbahn in Chedera verbindet, soll ausgebaut werden, wodurch, eine ausschließlich jüdisches Gebiet berührende Chaussee zwischen Tel- Aylv und Haifa entstehen wird; der für diesen, Zweck festgesetzte Betrag ist. von 60.ppÖ auf 100.000 Pfund erhöht worden. Ferner wird eine Straße von Gin e gar nach Nahalal gebaut werden, die den Verkehr in nördlicher und südlicher Richtung .unter Ausschaltung von Nazareth ermöglichen wird. Die dritte Chaussee (A.fuleh—Schutta) wird den' Bezirk von Ejn Charod mit der Haifa-Chaussee verbinden;' gegenwärtig, kann Haifa von dieser Gegend, aus tnur^per;Eisenbahn erreicht werden. Die beiden E m e_k - Straßen Werden 701000 Pfund kosten. Der gesamte Plan gelangt unter ausschließlicher Verwendungj..ü d is.c.h e.r ,. Arbeit zur Durchführung. . l . ,{ , '. ■ ... , W.--<'«> f ■«««.•! .».* In Kf ar Saba werden demnächst 40 neue: Wohn- , ■ - . ' I r häuser für Arbeiter errichtet werden. Die „Bitzur"- ' s Gesellschaft hat zu. diesem Zwecke eine, fünfjährige Anleihe gewährt. > ,/ ' Aus de* Bukowina Fortgesetzte antisemitische Ausschreitungen . Aus C e r n a u t i (Czernöwitz): Im Bezirk Pv.a-; dau t z kam es wiederum zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. In; der Gemeinde S t r a j a wurde der jüdische Bürger David Rudich, ein 78jähriger Greis, in Seiner Wohnung von Exzedenten überfallen und mit F$ßen getreten. Sein Zustand is.t.sehr ernst. In der Nachbargemeinde Falc au wurde der jüdische Bürger. Teiler von Exzedenten malträtiert, Einige, jüdische Sommerfrischler, die im Hause Teilers Aufenthalt nahmen, wurden ebenfalls attackiert, sie verließen sofort Falcau. ihrem Beispiel ■ folgten jüdische ^Sommerfrischler, in Straja. Nicht nach den Gesellen Hitlers Im jüdischen Nationalhaus fand der Kongreß der Landesorganisation Bukowina der Nationalzaranisten (Nationale Bauernpartei) statt. Der Präsident der Landesorganisation, Moldovanu, erklärte: Die Rechtsbewegung ist eine Verirrung. Hier ist nicht Deutschland. Wir wollen in Frieden leben, aber nicht nach den Gesetzen Hitlers, sondern nach denen, die der König und unser Führer M i h a 1 a c h e schaffen werden. Die Rechtsextremisten sind bezahlte Emissäre Hitler-Deutschlands, die in Rumänien das Faustrecht einführen wollen. Die Juden mögen ihre separatistische Politik aufgeben und in die Nationalzaranistische Partei eintreten. Die Deutschen aber mögen sich damit begnügen, vollwertige Bürger zu sein. Wenn sie aber glauben, uns die Philosophie Hitlers und seine Befehle aufdrängen zu können, so täuschen sie sich. Deutschland Uber alles, aber nicht über Rumänien. Die knappe Million Deutscher in Rumänien möge Vernunft annehmen. Die Ukrainer werden treu zu Rumänien halten und es ebenfalls nicht dulden, daß die Grenzen Deutsch^ lands bis zum Dnjestr reichen. (J. T. A.), , MorrB$*§diwartz-Truppe in Wien Nach einem einmütigen Erfolg in Wien hat sich Morris Schwartz nach Karlsbad begeben, um nach kurzer Erholung nach Amerika zurückzukehren. Sein Ensemble, die Morris-Schwartz-Truppe, weilt zur Zeit noch in Wien. Es sind Bemühungen im Zuge, das ausgezeichnete Ensemble zu einem kurzen Gastspiel zu bewegen. Die Aussichten hiefür sind um so größer, als die Dekorationen für bisher noch nicht aufgeführte Stücke »ich In Wien befinden und daher Aufführungen im künstlerischen Stil und Ni^au von Morris Schwartz möglich sind. Sollte es zu einem Vertragsabschluß kommen, so wird die Morris-Schwartz-Truppe noch Ende dieser Woche zu spielen beginnen, und zwar ein jüdisch-historisches Stück in der amerikanischen Originalbesetzung. Der Tag des Wiederbeginns des Gastspiels wird gegebenenfalls durch die Tagespresse bekanntgegeben werden. j^-r- '<z-2kj~ ' -.'ÄiSfe- '/Ii' ^*».- W imm- Von S 2 Wochenralen «r« hallen Sie alle Gegenwände in größter Auswahl und basler Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggasse 122-124 Telephon B-32-2-24, B-35-6-55 KINO-PROGRAMME STAFA, VII Mari ahi I f arstraOe 120 . Telephon B-33-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr II LEU 1ACHT Barbara Stanwyk, Otto Kruger SCHAFFEß Vi, Mariahilferstraße.37 Telephon B-2Q-203 . 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