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Die neue Welt · 1934-12-14 · Heft 422 (14.12.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 422 (14.12.1934)
Date
1934-12-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 ©IE NUTTE WELT Nr. 422 VWanze/ge. Mittwoch, am'19. Dezember 1934, um '/29 Wir abkrids, findet im Heime (Judenstaattpariei) ein Vortrag des H. Roktkteur* Dr. Rudolf Ritt Uber Weg und Ziel jüdischer Musik .tiiiliiiiiihii.i.liUll üiiiüilliülUliiillÜlllUüi statt. Mitwirkend Prof. Joachim Stutschewsky (Cello) und Robert Walter Spitt (Klavier) Gäste willkommenf Regiebeitrag 3Q g. Ein „Führer'' der Juden§chafl Erst vor kurzer Zeit hörte man von den türkischen Juden. Es war nichts Erfreuliches: Die Verfolgung durch türkisch-thrakische Behörden . und der nicht ernst zu nehmende Versuch der türkischen Regierung, den geschädigten Juden Satisfaktion zu geben. Die türkischen Juden hatten Gelegenheit, eine gewisse Autonomie zu erlangen, aber sie ließen be wu ß t die. Gelegenheit außer acht. Sie glaubten und glauben auch jetzt, besser zu fahren, wenn sie jeden Anschein, Juden zu sein, vermeiden. Sie verzichteten freiwillig auf :die ihnen durch den Friedensvertrag zugebilligten Minoritä'tsrechte. ■ Vor einigen Tagen w;urde in Ankara ein Gesetz beschlossen, wonach alle türkischen Staatsbürger ihre alten Namen diirch. Anfügung ablegen und türkische Namen annehmen müssen. Das betrifft zum größten Teil die J u d e n. Sier müssen sich selbstverständlich dem Gesetz fügen und ihre alten, gut jüdischen Namen'werden verschwinden. Aber es gibt welche unter ihnen> die diesen Türkisieru n,g sprozeß gerade mit Wollust begrüßen. Ein Herr Dr. Tschiprut, der sich Führer der Judenschaft von Istanbul (Kons'tantinopeiy nennen läßt, erklärt in einem Blatt: „Wie alle Landeskinder werden die Juden Namen türkischen Ursprungs zu wählen haben. Sie werden dies mit Freuden tun und das neue Gesetz wird uns immer mehr dem türkischen Volk assimiliere n." Dieser Befürworter und Verkünder' der Assimilation wird, so will es die jüdische-Geschichte, noch seine hellen Wunder erleben;, d.. h. er wird eines . Tages den Fußtritt dafür bekommen, daß eres unterfing anzunehmen, die Juden könnten den Türken gleich werden. Ihm und seinen Anhängern, die, den Türken den H^s-hinhatten,.wird die bitterste-Enttäuschung nicht erspart, bleiben. . Das deutsche Beispiel scheint ihnen entgangen zu sein. Und riöcfii ein //Führer" ♦ ♦ ♦ Das große" katholische Pariser Blatt „La Croix" veröffentlicht ieiri'-'&espräch"" seines' Berliner Mitarbeiters mit Dr. Max Naumann, dem Obmann des „Verbandes der Nationaldeutsch.en Juden". Max Naumann sieht in Hitler seinen Führer Auf die Frage, ob er Jude sei, erwiderte Naumann: „Verzeihung,' ich bin Deutscherjüdischen Glaubens! Wir nationaldeutsche Juden hätten es als ein nationales Unglück für Deutschland und für uns nationale Juden gehalten, wenn Hitler nicht die Geschicke des deutschen Volkes in die Hand genommen hätte. Die Mitglieder unseres Verbandes, mehr als 5000 Menschen, haben wie ein Mann für Hitler bei seiner Wahl zum Reichspräsidenten gestimmt. Hitler ist unser Schicksal. Keiner außer ihm wird die Juden frage lösen können:"- Naumann . sagte, Hitler habe sich entwickelt, er sei ruhiger, nachdenklicher, reifer geworden; er sei auf dem besten Wege, sich auch in der Judenfrage zu ändern. Dann setzte Naumann den Inhalt des von ihm der Hitler- Regierung unterbreiteten Gesetzentwurfes zur Lösung der Juderrfrage auseinander, wonach drei Arten von Juden zu unterscheiden seien: 1. die das Gefühl haben, immer Deutsche gewesen zu sein; 2. die Assimilierten; 3. die Zionisten. Allein 1 5 0.00 0 Juden sind fähig, ein Unterpfand eines erprobten Patriotismus zu liefern; diese allein sollen in die nationale. Gemeinschaft Deutschland bedingungslos aufgenommen werden. Die übrigen 300.000 müssen wie Ausländer behandelt werden, d. h. man müßte beginnen, ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen. Sie mögen ihren Geschäften nachgehen, aber der geringste Versuch der Einmischung in die Innenpolitik würde für sie die Ausweisung aus dem Lande, dessen Gastfreundschaft sie verletzt hätten, nach sich ziehen. Naumann sagte zum Schluß, der unerschütterliche Patriotismus der nationaldeutschen Juden habe sich gelbst die heimliche Bewunderung Hitlers erzwungen. Danebengegriffen Das Schweizer „Isr. Familienblatt" bringt einen interessanten Brief aus Zürich: „Fast wäre eine J ü d i n ebenso durch das Dritte Reich geehrt worden, wie der zum „Held" kommändierte Horst Wessel. Das ein-- zige, was sie allerdings mit dieser fragwürdigen Gestalt gemein hat, ist die Tatsache, daß sie erst nach dem Tode als heldisches Vorbild erklärt werden sollte. Das• Ende der Tragödie spielt in Zürich. Hier starb nämlich vor einiger Zeit die berühmteste deutsche Spionin des Weltkrieges, „F r ä u lein D o k t o r". Unter diesem Titel war die selten schöne und kluge Frau Freund und Feind bekannt. Sie hat der deutschen Heeresverwaltung unschätzbare Dienste geleistet und war im Gegensatz zu vielen andern Spionen absolut zuverlässig. Sie hieß Anne-Marie Lesser. Die aufreibende Tätigkeit zermürbte die Frau vollkommen, so daß sie Morphinistin wurde und in einer Zürcher Heilstätte vor einiger Zelt starb. Das Dritte Reich erfuhr von dem Tode, und auf der Suche nach Helden wollte es das tote Fräulein Doktor für seine Propaganda ausnutzen. Es schickte also einen Beamten von der Geheimen Staatspolizei nach Zürich, um die Ueberführung der Leiche nach Berlin zu veranlassen. Wie groß war dessen Erstaunen — so erzählt die französische Zeitschrift „Marianne" —, als er am Totenbett erfuhr, daß die JJpionin Jüdin sei. Was tun? Er telegraphierte nach Berlin um heue Instruktionen. „Stillschweigend abreise n", war die Antwort. So verschwand der Herr wieder vom schwelgerischen Boden. Es gab noch ein letztes. Nachspiel auf der Leinwand. Die Auserkorene des Führers, Leni Riefenstahl — zur Arierin erklärt trotz einwandfrei jüdisch-polnischer Abstammung — hatte gerade beschlossen, in einem Nazifilm die Hauptrolle zu spielen, in der die Taten von Fräulein Doktor behandelt werden. Das wurde ihr verboten." Ein Vorschlag Rabbiner Dr« Grunwald§ Eine Zentrale des Welt-Rabbinertums in Jerusalem Der frühere Rabbiner des zweiten Wiener Bezirkes, Dr. Max Grunwald, hat sich in persönlichen Schreiben an die Oberrabbiner Europas mit der Anregung gewendet, eine zentrale Vertretung des Rabbinertums der ganzen Welt in Jerusalem zu schaffen. Diesem Vorschlage sollen, wie die J. T. A. meldet, bereits mehrere bekannte Rabbiner zugestimmt haben, so der Oberrabbiner des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz (London), Chacham Dr. Gäster (London), Grand Rabbin Dr. Isaak L e v i (Paris), Oberrabbiner Carlebach (Altona), Lahdesrabbiner Dr. Isaak Aikalay (Belgrad), Oberrabbiner Wiener (Brüssel), Oberrabbiner Doktor Friedinger (Kopenhagen), Rabbiner Prof. Doktor S c h orr (Wärschau), Dr. Herzog (Graz), Dr. Z e 11 e r (Triest) und Dr. Samuel (Oslo). Der Zweck der zentralen Rabbiner-Organisation soll die Hebung des religiösen Ansehens innerhalb des Judentums sein, weiters die wissenschaftliche, literarische und propagandistische Abwehr jener Angriffe, denen das Judentum in religiöser Hinsicht ausgesetzt ist sowie ein möglichst einheitliches Auftreten des Rabbinertums . auf dem. bevorstehenden jüdischen Weltkongreß. Die Gesamtvertretung aller Rabbiner der Welt soll jedoch völlig unpolitisch sein und alles vermeiden, was: etwa einem Papsttum ähnlich sehen würde,' Sie: sollauch .keine Erneuerung des alten Synedrions sein und es soll keinerlei Ingerenz auf die religiöse Einstellung einzelner Gruppen innerhalb des Judentums genommen werden. In einer Artikelserie, die Dr. Grunwald in Jder^'^l^ub^ü^tß"^--?^»^^^! „'ließ,,; .würdendiese Gedanken bereits näher ausgeführt und insbesondere darauf verwiesen, daß angesichts der Zentralisierung des Antisemitismus, wie er auf dem Brüsseler Kongreß '"zutage, trat, andererseits der Zentralisierung des POLEN / WEIHNACHTSREISE Abfahrt: 20. und 23. Dezember / Rückkehr 6. Jänner 1935 Billig — Bequem „FRANCOPOL" Polnisches Verkehrsbüro Wien III, Rennweg 1 // Telephon tM>4-90 *W3 Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquia Aller Komfort. Elegante Zimmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt. Komplette Pension: fFrcs. 35.— Protestantismus, der dadurch seinen Anhängern in der ganzen Welt zur Stütze werden konnte, die zentrale Organisation der religiösen Führer des Judentums mit dem Sitze in Jerusalem, der Stadt, der sich die Sehnsucht des Judentums der ganzen Welt zuwendet, sehr aussichtsreich erscheint. AchiiMeir — 18 Mona!e Kerker Für Achi-Meir statt 21 Monaten 18 Monate Kerker Aus Jerusalem: Das Jerusalemer Berufungsgericht hatte sich mit der vom Führer der Jung-Rovisionisten Palästinas Abba Achi-Meir und von Haim D v i r i gegen das Urteil des Jaffaer Distriktsgerichtes vom 19. Juni d. J. eingebrachten Revision zu befassen. Achi-Meir und Dviri wurden vom Jaffa er Gericht wegen „Verschwörung zwecks Vollführung von Taten aufrührerischen Charakters, Er« mntigung ungesetzlicher Akte, Zugehörigkeit zu einer illegalen Vereinigung (Brlth Mabirjonim) und Besitzes von Dokumenten aufrührerischen Inhalts" zu 21, bzw. 18 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Das Berufungsgericht hat nunmehr Achi-Meirs Strafe von 21 Monaten auf 18 Monate, die Strafe Dviris von 18 Monaten auf 15 Monate herabgesetzt. Das Gericht setzte sich aus den Richtern C o r r i c, F r u m k i n und Khayat, einem Engländer, einem Juden und einem Araber, zusammen. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, indem sie ausführte, es lägen Beweise für das Vorhandensein einer Verschwörung nicht vor, ebenso sei es nicht erwiesen, daß ein gemeinsames Ziel zur Begehung eines bestimmten Aktes bestand. Oberstaatsanwalt Dr. B a r d a k y, der die Anklage vertrat, erklärte, „Brith Habirjonim" habe die Demonstration in Tel-Awiw im Jahre 1930 gegen den damals anwesenden britischen Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels, die Krawalle anläßlich der ersten Vorlesung von Prof. Norman B e n t w i c h über „Fried e" an der Hebräischen Universität und den Fahnendiebstahl beim deutschen Konsulat arrangiert. Dr. Bardaky bemerkte ironisch, man täte Achi-Meir unrecht, würde man sagen, daß das Sikari- Dokument, in welchem Achi-Meir als das Haupt der „Sikari" und der „Birjönim" bezeichnet wird, eino philosophische Abhandlung 3ei. Der Spruch der zweiten Instanz hat an der barbarischen Strenge des ersten Urteils so gut wie. nichts geändert. Demonstrationen gegen einen mißliebigen englischen Beamten, gegen einen jüdischen Professor, dessen antijüdische Haltung sogar von der Zionistischen Exekutive' getadelt wurde, und Wegnahme einer Hakenkreuzfahne im jüdischen Palästina sind gewiß keine „Verbrechen", die mit schwerem Kerker zu bestrafen wären. Dazu kommt, daß Achi-Meir die vielen Monate, die er wegen des Arlosoroff-Mordes unschuldig in Untersuchungshaft verbrachte, in die Kerkerstrafe nicht eingerechnet werden. Das alles kennzeichnet das Urteil als tendenziös und übertrieben streng. . Oberkomnu§§är Waudiope ^nd die Araber Aus Jerusalem: Das über den Empfang einer arabischen Delegation durch den High-Commissioner veröffentlichte amtliche Kommunique lautet: Sir Arthur Wauchope hat heute die Beauftragten der Arabischen Exekutive empfangen. Namens der Arabischen Exekutive überreichte Auni Bey Abdul Hadi ein Momerandum, betreffend den Verkauf von arabischem Land und jüdische Einwanderung. Im folgenden ist die Ansprache Auni Beys zusammengefaßt: 1929 und 1930 gaben englische, arabische und jüdische Vertreter vor der Shaw-Kommission und an anderem Ort Schätzungen über den im Besitz arabischer Landwirte befindlichen Bodenüberschuft ab. Die von diesen Exporten angegebene Höchstziffer betrug 100.000 Dunam. Die offiziellen Grundbucheintragungen ergaben für die Jahre 1930 bis einschließlich 1933 die Uebertragung von 118.000 Dunam aus arabischem in jüdischen Besitz. Die Arabische Exekutive zweifelt nicht daran, daß außerdem noch eine große Zahl unregistrierter Bodentransaktionen durchgeführt wurde. Dies hat sowhl den Landbewohnern wie den Stadtbeohnern Schaden gebracht: der von den ersteren erzielte Ertrag ist gesunken, während Stadtbewohner ihr von den umwohnenden Fellachen abhängiges Geschäft verloren. In bezug auf die jüdische Einwanderung erklärte Auni Bey, daß diese in den beiden letzten Jahren sogar darüber hinausgegangen sei, was Jabotinsky vor der Shaw-Kommission gefordert habe; mit Berücksichtigung der Labour Schedulen dieses Jahres könne die Arabische Exekutive mit gutem Grund annehmen, daß die Zahl deir Einwanderer des Jahres 1934 4 0.0 0 0 oder sogar 5 0.0 0 0 betragen werde. Man habe argumentiert, daß eine so hohe Gesamtsumme durch die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes gerechtfertigt sei; doch könne die Arabische Exekutive dies, möge es zutreffen oder nicht, als einziges Kriterium nicht anerkennen: in erster Reihe müßten die Stellung der Araber, ihre bürgerlichen und religiösen Rechte, deren Schutz eine Verpflichtung auf Grund des Mandats sei, in Betracht gezogen werden. Bei dem gegenwärtigen Umfang der Einwanderung würden die Juden innerhalb ganz weniger Jahre zahlenmäßig da3 Uebergewicht über die Araber erlangen. Sir Artur Wauchopes Antwort: „Ich freue mich sehr, Sie heute hier zu sehen. Wio Sie wissen, bin ich bereit, Ihre Ansichten über palästinensische Fragen zu hören. Dem, was Sie zu sagen haben, und dem von Ihnen überreichten Memorandum werde ich meine volle Aufmerksamkeit schenken. Was den Bodenverkauf betrifft, so will ich, bevor ich Ihr Memorandum gelesen habe, bloß zwei Erklärungen abgeben, die für die von Ihnen angeschnittene Frage wesentlich sind: 1. Die Regierung bemüht sich, die Produktivität des Landes zu erhöhen. Sie wissen, daß ich einen großen Teil meiner Zeit der Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden widme, und ich freue mich darüber, daß unsere Bemühungen nicht erfolglos sind; 2. die Regierung hat Maßnahmen zum Schutz der Bauern durch die Pächterschutzverordnung (Cultivators Ordinance) und die Zusatzverordnungen zu ihr getroffen. Sie haben die Einwanderung erwähnt. Wio Sie wissen, richtet sich die Regierung bei der Entscheidungüber die Zahl der zuzulassenden Einwanderer nach der SEEFELD IN TIROL / 1200 Meter, idealer Wintersportplatz / Mntol m PuneiAH TwvaI Zentralheizung, 'Hellendes noiei # Pension i yroi warm„ und ha|tcI waH8r, GeiellMhflfUrtiijm«, «rstkl. Varpflagung. - Pension S 8.- bis 10.«

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