Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-02-23 · Heft 343 (23.2.1934) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 343 (23.2.1934)
Date
1934-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2711966--4199-2717647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 343 DIE NEUE WELT Seite 5 Der Kluge denkt schon Jetzt daran daß es für den Kenner und Feinschmecker zu Pessach nichts B«M«r«s gibt, als die auf höchster Stufe stehenden, In Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das bette und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Erzeugnis bekannt und beliebtl Sin Versuch wird Sie begeistern! Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad - Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt l Verlangen Sie die neue, besonders schmackhafte Schmidl- Mazzoth SPEZI AL ■ MARKE uNs B«11 grimszu%°rv£i.! Zentrole: N. Brodetzkl, II, Leopoldsgasse 43 Tel. A-46-1-90 A-60-2-63 A-48-4-48 In allen besseren Geschäften erhältlich I Die Miftelmeer-Fesfspi'ele TehAmw 1934 Von Dr. J. Adler (Tel-Awiw) Der Plan der ersten Festspielsaison im neuen Palästina, der „Mittelmeer-Festspiele Tel-Awiw 1934", anläßlich des 25jährigen Bestehens der Stadt Tel-Awiw und in engster Verbindung mit der diesjährigen Tel- A./iwer Levantemesse, hat nunmehr endgültig festen Umriß angenommen. Zur Durchführung der Festspiele ist im Rahmen des Levante-Meßamtes eine Kunstabteilung geschaffen worden, deren Leitung in den Händen von Otto Hans Norden liegt. Norden schloß im Vorjahr seine Tätigkeit auf europäischem Boden, indem er die Initiative zur Gründung des heutigen Jüdischen Kulturbundtheaters in Deutschland gab. Zum Schauplatz der Festspiele ist definitiv der architektonisch und landschaftlich hervorragend gestaltete „Platz der jüdischen Nation" im Zentrum des Messegeländes bestimmt. Die Aufführungen werden sich über die gesamte Messedauer (26. April bis 26. Mai) verteilen. Sie gliedern sich zyklisch in fünf Gruppen. An der Spitze steht der „Tag des jüdischen Liedes", für den ein Chor der 250 besten palästinensischen Sänger unter der musikalischen Leitung des jüdisch-amerikanischen Dirigenten Leo Low organisiert worden ist. Das Programm wird sich über zwei Aufführungstage erstrecken. Der erste wird der religiösen Musik in A-cappella-Chören gewidmet sein, der zweite dem jüdischen Volkslied unter Mitwirkung eines Orchesters, voraussichtlich des gegenwärtig im Aufbau begriffenen palästinensischen philharmonischen Orche- Ablehnung der Ei'nkommen§leuer Aus Jerusalem: Die Mitglieder der Zionistischen Exekutive Dr. Arthur R u p p i n und Mosche S h e r t o k hatten eine Zusammenkunft mit dem von der englischen Regierung im Zusammenhang mit der geplanten Einführung der Einkommensteuer in Palästina als Sachberater nach Jerusalem entsandten Beamten des britischen Schatzamtes, Huntington. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist die Haltung der Exekutive gegenüber dem Einkommensteuerplan nach wie vor negativ. Die Exekutive ist der Ansicht, daß die Einführung einer Einkommensteuer mit einer ungerechtfertigten und schwer tragbaren Belastung des Jischuw (jüdische Bevölkerung) zugunsten der übrigen Landesbevölkerung verbunden sein wird, indem der Jischuw die Hauptlast der neuen Steuer tragen, während die Regierung den weitaus größten Teil der neuen Steuererträgnisse zum Besten der nichtjUdischen Bevölkerung verwenden wird. Das Wachstum TelvAwiws bis 1932 Aus Tel-Awiw: Der Jüdischen Telegraphen- Agentur wurde Ziffernraaterial übergeben, durch das das bemerkenswerte Wachstum der Stadt wie folgt illustriert wird: Die Zahl der Häuser im Stadtgebiet von Tel- Awiw ist von 50 im Jahre 1909, dem Jahre der Gründung der Stadt, auf 4472 im Jahre 1932 gestiegen. Der Flächeninhalt des Stadtgebietes ist von 109 Dunam (1 Dunam gleich 1000 Quadratmeter) bei der Gründung auf 6500 Dunam im Jahre 1932 angewachsen. Der Ausbau der Stadt geht aus folgenden Ziffern hervor: 1909 50 Häuser, 109 Dunam; 1914 139 Häuser, 991 Dunam; 1919 200 Häuser; 1921 1431 Dunam; 1923 1474 Häuser; 1927 3781 Häuser; 1932 4472 Häuser, 6500 Dunam. Die Zahl der Fabriken und Werkstätten betrug 1932 über 2000; in ihnen waren etwa 7000 Menschen beschäftigt. Weitere Tausende von Arbeitern waren beim Häuserbau und den mit ihm im Zusammenhang stehenden Berufen sowie bei öffentlichen Arbeiten tätig. Einschließlich der Büroangestellten und Verkäufer betrug die Zahl der Lohnempfänger schon in jenem Jahre über 15.000. 1933 hat die Bautätigkeit und Industrialisierung ganz immense Fortschritte gemacht, so daß die vor« «teilenden Ziffern jetzt weit überholt sind> sters. Den Darbietungen der Vokalmusik wird die Instrumentalmusik folgen; der „Tag der jüdischen Musik" (Dirigent voraussichtlich Generalmusikdirektor Rosenstock, Hamburg-Berlin) wird Werke von Rosowsky, Schönberg, Sternberg, Kaminsky und Bloch bringen. Die dritte Gruppe wird der „Tag des jüdischen Tanzes" sein, der unter Mitwirkung sämtlicher palästinensischen Tanzschulen die Entwicklung des Kunsttanzes in Palästina darstellen wird. Ein gemeinsames Band soll das Sängerfest, das Musikfest, das Tanzfest umschließen, nämlich ein fünffaches Preisausschreiben für eine neue jüdische Hymne, erstens für den Text, zweitens für die Komposition (Chbr und symphonische Bearbeitung), drittens für eine choreographische Bearbeitung, viertens für die beste Choraufführung) der Hymne, fünftens für die beste Tanzaufführung der Hymnen-Choreographie. Die vierte Gruppe der Festspiele ist für den „Orientalischen Tag" bestimmt, unter Beteiligung von Tanz-, Lied- und Spielgemeinschaften der jemenitischen, kurdischen, persischen und b u c h arischen Juden Palästinas. Als Krönung des Ganzen ist die fünfte Gruppe dem Schauspiel eingeräumt, in Gestalt von zwei historischen Revuen, die eine die Geschichte Tel-Awiws, die andere das Aufbauwerk der jüdischen Arbeiterschaft darstellend. Die hebräischen Landesbühnen Palästinas, die weltberühmte „Habimah" und die ganze ausgezeichnete „O h e 1"-Truppe, haben dafür ihre besten Kräfte zur Verfügung gestellt. I, Wollzeile 17 Tel. R-24-2-16 Vom 23. Februar bis 1. März 1934: „S her lock Holmes" nach Conan Doyle mit Cliva Brook Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr Deutscher Export nach Palästina }ie J. T.-A. meldet aus Leipzig: Die „Zentralstelle für Interessenten der Leipziger Messe" veröffentlicht in ihrem Jännerheft einen Artikel „Deutscher Export nach der Levante im Lichte der Leipziger Messe". Darin wird dargelegt, daß P e r s i e n und Palästina im Jahre 1932 ungefähr den gleichen Gesamtimport hatten, während sich aber in Persien der Import auf 9 Millionen Einwohner verteile, hat Palästina nur 1,1 Million Einwohner. Daraus ergibt sich für Palästina ein Einfuhrwert je Kopf von gut 7*/3 Pfund Sterling (rund RM. 110), eine im Orient sonst nirgends erreichte Zahl. Gerade dieser letztgenannte Markt weist noch eine zweite Eigentümlichkeit auf, nämlich eine starke Einfuhrsteigerung in neuester Zeit bei besonderer Begünstigung der deutschen Erzeugnisse. Von 1931 bis 1932 ist Palästinas Import von 5,940.000 auf 7,770.000 Pfund Sterling angewachsen, davon aus Deutschland Die nächsten Palästina-Reisen, veranstaltet vom Reisebüro „M a r i e n b r U c k e", finden ab Wien am 19, März (Pessach in Palästina) und am 10. April zur Levante-Messe in Tel-Awiw statt. Mit Rücksicht auf die große Beteiligung liegt es im Interesse der Reiseinteressenten, möglichst rasch die Anmeldungen vorzunehmen. — Am 21. Februar hat eine größere Reisegesellschaft unter Führung von Frau Berta Taubes die Reise nach Palästina angetreten, um am 21. Februar sich auf dem Riesenozeandampfer „Conte di Savoia" in Neapel einzuschiffen. Die Reisegesellschaft verbringt den Purim in Tel-Awiw und nach Absolvierung des Programms in Palästina begibt sie sich zu mehrtägigem Aufenthalt nach Aegypten. — An dieser Reise nimmt auch der Herr Oberrabbiner Dr. Max Grünwald samt Gemahlin teil. Herr Dr. Grünwald wurde von der hebräischen Universität in Jerusalem zur Abhaltung von Gastvorlesungen eingeladen, von 638.185 auf 775.074 Pfund Sterling, was also fast 10 Prozent der palästinensischen Gesamteinfuhr ausmacht. Somit ist Deutschland nächst der — hauptsächlich mit den Regierungsaufträgen bedachten — Mandatarmacht England und den Nachbarstaaten Aegypten und Syrien der wichtigste Lieferant der aufwärtszielenden palästinensischen Volkswirtschaft. Im Laufe von 1933 hat sich diese Entwicklung noch stärker ausgeprägt, im Zusammenhange mit der starken Einwanderung, insbesondere von Kaufleuten und Industriellen aus Deutschland, die sich „auch in ihrem neuen Wirkungskreise der .bewährten Bezugsquellen* gern weiter bedienen". (Es ist für jeden Unterrichteten klar, daß die Steigerung des deutschen Exports nach Palästina keineswegs auf die „bewährten Bezugsquellen", sondern — wie in der Messenotiz selbst angedeutet wird — auf die Massen Wanderung deutscher Juden nach Palästina, die auf Grund des Transferabkommens zwischen der deutschen Regierung und der britischen Mandatarmacht einen Teil ihres Vermögens in der Form von deutschen Waren nach Palästina bringen, zurückzuführen ist. (Anmerkung der J. T.-A.) Der Zusammentritt des Jüdischen National» rates anfangs Marz Aus Jerusalem. Die Assefath Haniwcharim, die große Delegiertenversammlung der organisierten Judenheit Palästinas (Knesseth Jisroel), deren für anfangs Februar anberaumt gewesene Tagung aus technischen Gründen verschoben werden mußte, soll nunmehr, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, am 5. März in Jerusalem zusammentreten. Es wird mit Bestimmtheit erwartet, daß bis dahin die für die Beratungen ungemein wichtigen Arbeiten zweier Kommissionen, nämlich der Kommission für Umgestaltung des Wahlverfahrens und der Kommission für Fragen des Arbeitsverhältnisses, abgeschlossen sein werden. Der Bericht der einen der beiden Kommissionen ist schon fast fertiggestellt. Au§ der güdi§dten Welt Ritualniordlegende nn Bulgaraen Aus Sofia: In das Haus des jüdischen Ladenbesitzers Buco L e w y im Dorfe Wassilowtzi drangen um Mitternacht schwer bewaffnet der Vizebürgermeister des Dorfes in Begleitung von vier Gendarmen und zwei Bauern aus dem benachbarten Dorfe Stalijska Machala und durchsuchten es nach zwei zehnjährigen Bauernmädchen aus dem letztgenannten Dorfe, die zum Einkauf in den Laden von Lewy geschickt wurden und nicht zurückkehrten. Dabei wurde Lewy beschuldigt, er halte die Kinder verborgen, um an ihnen ein Ritualverbrechen zu begehen. Bald stellte sich heraus, daß die Kinder sich zum Uebernachten in das Haus von Aus Jerusalem: Die Assefath Haniwcharim, die wohlauf sind. Da in dieser Gegend in der Vergangenheit schwerste Exzesse gegen die Juden in Verbindung mit Ritualmordlegenden stattgefunden hatten, wandte sich die jüdische Gemeinde der Wassilowtzi benachbarten Stadt Lom a. d. Donau an das Zentralkonsistorium der bulgarischen Juden mit dem Ersuchen, die Behörden zu einem Einschreiten gegen Ritualmordhetzer zu veranlassen. Das Konsistorium brachte den Fall den zuständigen Stellen und dem Erzbischof Stefan zur Kenntnis und forderte Untersuchung des Falles und Aufklärung der Bevölkerung, ferner Bestrafung der behördlichen Funktionäre, die durch solche Mißgriffe zur Fanatisierung der Bevölkerung beitragen. Das Konsistorium gab auch die Anregung, das Verdammungsurteil des Heiligen Synods der bulgarischen Kirche vom 14. März 1897 gegen die Lüge vom jüdischen Ritualmord neuerdings der Bevölkerung zur Kenntnis zu bringen. Der Griechenführer Venizelos und die Juden Aus Saloniki: Nach den Wahlen in Saloniki, bei denen der Regierungskandidat zum Bürgermeister gewählt wurde, wurde die Kampagne der venizelistischen Opposition gegen die Juden, denen vorgeworfen wird, durch ihre Stimmen den Ausgang der Wahl beeinflußt zu haben, verschärft fortgesetzt. Der Oppositionsführer und ehemalige Ministerpräsident Venizelos hat in Beantwortung eines Telegramms, das ihm von der jüdischen Sektion seiner Partei zugesandt worden war, erklärt, die zwischen Juden und Griechen aufgerissene Kluft werde nur durch Wiederherstellung der besonderen jüdischen Wahlkurie überbrückt werden können. Als nationale Minderheit hätten die Juden Salonikis Anspruch auf eine ihrer Zahl entsprechende Vertretung. Unzulässig aber sei ihre Forderung, durch ihre Stimmabgabe das Kräfteverhältnis der nichtjüdischen Parteien in einem Wahlkreis zu beeinflussen, dessen nichtjüdische Bevölkerung neunmal so groß ist wie die jüdische. Das Ungeheuer von „Loch Ness" und die „Protokolle der Weisen von Zion" Aus Basel: Die Basler „N a t i o n a 1 z e i t u n g" weist in einem Leitartikel auf „Zusammenhänge" zwischen dem Ungeheuer von „Loch Neß" und dem Pamphlet „Die Protokolle der Weisen von Zion" hin. Obwohl jede wisenschaftliche Erfahrung gegen die Existenz eines prähistorischen Ungetüms im Loch Neß spricht, haben trotzdem Millionen von Menschen all das Vorhandensein eines solchen Ungeheuers geglaubt»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.