Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 212 (9.10.1931)
- Date
- 1931-10-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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üft 9f8 OS JfSOt WELT genannt. Das südliche Burgenland beherbergte drei einst (beende Gemeinden: GOssing Reehnit* und Stadt* Schlaining, wovon diese nicht mehr besteht An ihrer Stelle ist eine neue Gemeinde in ObeTwart entstanden. Der Ursprung der jüdischen Gemeinden im nöfd* liehen Burgenlande geht auf die sagenumrankte Zeit der Entstehung der Ostmark zurück. So verlegt auch die Tradition die Gründung der Mattersdorfer Gemeinde in die Zeit Karls des Großen. Als nachher in den Stürmen der Völkerwanderung die ungestümen Avaren sie ver# nichtet hatten, soll sie unter dem Ungarkönig Andreas II. im Jahre 1222 neu entstanden sein. Immerhin legen die 1353 erbaute Mattersdorfer Synagoge und das Stadt* Privileg der Gemeinde Eisenstadt aus dem Jahre 1373 Zeugenschaft dafür ab, daß diese Judensiedlungen schon in sehr alter Zeit im Lande heimisch waren. Mit dem ab« klingenden Mittelalter geraten die Juden un.er den Schutz der adeligen Gutsherren, an die der Kaiser das ganze Gebiet verpachtet hatte und die ihre jüdischen Unter« tanen im großen ganzen wohlwollend behandeln, so daß die burgenländischen Gemeinden bald eine Zufluchtsstätte vertriebener Juden werden. 1496 werden in Eisenstadt aus Steiermark Vertriebene aufgenommen und 1526 finden Oedenburger Flüchtlinge gastliche Aufnahme in Eisenstadt tmd Mattersdorf. Aber auch in der Geschichte der burgenländischen Juden achwinden die Jahre nicht ungetrübt dahin: Die Judengemeinden werden ein Spielball im Kampfe zwischen Thron und Adel. Die Kaiser haben nicht Übel Lust, sie immer wieder zu verjagen, der Hochadel widersetzt sich aber der Vertreibung — aus eigenem Interesse, das die rührige judische Bevölkerung richtig einzuschätzen weiß. Schließlich müssen die Juden aber doch daran glauben: Sie werden 1670 anläßlich der Judenvertreibung aus Wien und Niederösterreich auch aus Eisenstadt, Mattersdorf und Kobersdorf verwiesen. Ein Teil dieser Flüchtlinge wendet sich nach Polen, Preußen, Bayern und Italien, während andere in Mähren und Ungarn der baldigen Rückkehr harren. Sie werden in ihren Hoffnungen auch nicht getäuscht. Denn bereits 1675 wird ihnen erlaubt, sich im nördlichen Burgenland, auf den Besitzungen der Familie Esterhazy, anzusiedeln. Einige Jahre später er« halten die Juden, unter ihnen viele ehemals in Wien wohnhafte Familien, einen Schutzbrief vom Fürsten Ester« häzy, in dem ihnen selbst für den Kriegsfall der Schutz gewährleistet wird. Und in der Tat löst der Fürst im Kuruzzenauf stand 1704 sein Versprechen ein, indem et. seine Schutzbefohlenen in der Festung Forchtenstein unterbringt und solcherart vor einem traurigen Geschick bewahrt, das ihren Volksgenossen um dieselbe Zeit in Ungarisch>Brod widerfährt. Allerdings wurde der hohe Schutz nicht umsonst ge» währt. Die Juden hatten für ihn hohe Steuern zu ent* richten, fanden aber stets eine wohlwollende Behandlung, die so weit ging, daß der Fürst ihnen Synagogen errichten ließ, und genossen eine weitgehende Autonomie. Die Judengemeinden galten als politische Gemeinden und Eisenstadt nannte sich stolz „Fürstlich Esterhazysche Judengemeinde", wo der Gemeinderichter als Sinnbild seiner Macht ein mit dem fürstlichen Wappen versehenes Zepter führte. Gemeinsames Schicksal und gemeinsame Interessen veranlaßten bald die Judengemeinden im nörd« liehen Burgenlande, sich zu einem Verbände der sieben Gemeinden zusammenzuschließen, der bis 1835 bestand und in dem Eisenstadt die führende Rolle spielte. Als bei der Neuordnung der Verwaltung in Ungarn fünf der Gemeinden (Deutsch»Kreutz, Eisenstadt, Kittsee, Laokenbach und Mattersdorf) in das Oedenburger Komitat eingegliedert und daher straffer zusammengefaßt wurden, schlössen sich diese zu einem Verband der fünf .Gemeinden zusammen. Die Gemeinden im südlichen Burgentand, dem ehemaligen Eisenburger Komitat, führen ihren Ursprung erst auf die Vertreibung der Juden aus der benachbarten Steiermark 1496 zurück. 1527 geht das Gebiet in das Eigentum der mächtigen Grafen Batthyany über, die — ähnlich wie die Esterbazys im nördlichen Burgenlande — iden Juden ihren Schutz angedeihen lassen. Auch hier wird der Schutz nicht aus Liebe gewährt, auch hier haben , die Hoden hohe Abgaben zu leisten, erhalten aber dafür Privilegien von der gräflichen Familie, die ihnen gleichfalls Synagogen bauen läßt. Die den drei Gemeinden gewährte Autonomie war eine sehr weitgehende, denn sie räumte Ihnen auch Handels« und Gewerbefreiheit ein. Die jüdische Siedlung nahm denn auch eine günstige Entwicklung, die durch die Brandschatzung der Kuruzzentruppen 1704 nur fite kurze Zeit unterbrochen wurde. p Die sieben Gemeinden legten seit jeher größten [Wert auf jüdische Gelehrsamkeit Rabbi Sofer Awigdor Eieenstadt, g*b 1594 ein Gebetbuch mit deutscher Ueber« setiung heraus. Von berühmten rabblnischen Autoritäten sind im 17. Jahrhundert zu erwähnen: Aron Samuel Kremnitz in Eisenstadt und Chajim Büchner in Leeken« bach. Mit einem besonderen Glanz umgab in der ersten Hälft© des 18. Jahrhunderts die Eisenstädter Jeschiwah der am Polen stammende berühmte Rabbi Mehr Eisenstadt, auch Maharam Asch genannt In der Judengasse von Eisenstadt wirkte acht Jahre lang der spätere große Preßburger Rabbi Mosche Sofer, Die in Polen aufgenommene geistige Anleihe erstattete übrigen« Eisen« stadt getreulich zurück: von hier ging Rabbi Akiba Eger ans, der seine Tage in Posen beschloß und zu den be* rühmtesten Rabbinern des Ostens zählte. 1851 wurde der reichsd^utsche Esriel Hildesheimer zu» Rabbiner von , Eisenstadt gewählt, wo er versuchte, die überlieferte Jeschiwah auf moderne Grundlagen zu stellen. Auch im südlichen Burgenland blühte die talmudische Gelehrsam« keit, wenn sie sich auch auf die Höhe, die sie im nördlichen Teile erreichte, nicht aufschwingen konnte. Rabbinische Berühmtheiten waren m der «weiten Hälfte des 18. Jahr* hunderts Jehuda Löh Stassow und Eleaaar Kalir, beide in Stadt«Schlaining. Zwei Musikgenies gingen im 19. Jahrhundert aus den Judengassen des Burgenlandes hervor: Der Geiger Josef Joachim aus Kittsee und der Opernkomponist Karl Goldmark aus der ärmlichen Behausung des DeütsctuKreutzer Chasans. LudwigDdczi, der deutsch« ungarische Schriftsteller, ist unserer Generation schon fremd geworden, aber die ärztliche Wissenschaft nennt Prof. Moriz Benedikt noch immer stolz ihr eigen. Als im Revolutionsjahre 1848 die Einwanderung nach Wien und dem übrigen Oesterreich freigegeben wurde, begann der Untergang der burgenländischen Juden« gemeinden. Es setzte die Landflucht der Juden ein und die einst blühenden Gemeinden schmolzen allmählich zu kleinen Siedlungen zusammen. Nach und nach gaben sie die politische Autonomie — Mattersdorf als letzte 1903 — Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher ■ . (auch antiquarische) für Ente Kinder In der tadltchan •uthhandhing Herm' Jä&h5.%«ffri».» <6taM«*9) Leihbibliothek „.„„,,,„„ Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! Für Anfragen Telephon R-41-4-20 bis auf Eisenstadt auf. Sie besteht heute noch als selb« ständig politisch verwaltete Gemeinde unter dem Namen UnterbergsEisenstadt. Heute noch werden an Sabbaten und jüdischen Festtagen die Zugänge zur Judenstadt mit Kette und Gittertor abgesperrt, damit kein durchfahrender Wagon die Sabbatruhe störe. Die überlieferte jüdische Gelehrsamkeit wird noch in den kleinen Jeschiwoth von Mattersburg und Deutsch*Kreutz gepflegt, — kleine Erben einer großen Vergangenheit. Was verspricht die fünfte Levante*Messe Tel* Awiw 1932? (Ein Gespräch mit big* & Jaffe) Von J, Scbechtmann (Paris) Die föt den Frühling 1932 bestimmte fünfte Levante-Messe und Ausstellung in Tel« Awiw verdient die größte Aufmerksamkeit seitens der jüdischen Oeffentlichkeit. In Paris weilt augenblicklich einer der Veranstalter dieses wichtigen Unternehmens, Ing. J a f f e, welcher speziell in Angelegenheiten der Tel* Awiwer Ausstellung eine Reise nach Italien und Frank* reich unternommen hat. Herr Jaffe ist auch einer der Direktoren der Gesellschaft „M i s c h a r w e T a a s s i a", die die Organisation der Levante*Messe übernommen bat, Mitglied aller palästinensischen Handelskammern und Exekutive»Mitglied des Verbandes palästinensischer Indu» striellen. Wir hatten die Gelegenheit, mit dem Herrn Jaffe über die Aufgaben und Aussichten der Levante*Messe eine Unterredung zu haben. Unsere Gesellschaft „Mischar we Taessia" — sagte Herr Jaffe — besitzt bereits eine bedeutende Erfahrung in der Veranstaltung von palästinensischen Ausstellungen. Außer den vier früheren palästinensischen Messen in Tel*Awiw haben wir in den ' letzten Jahren eine Reibe palästinensischer Ausstellungen in Europa organisiert: so im Jahre 1925 (während des 14. Zionistenkongresses) in Wien; im Jahre 1926 in Warschau und Lodz; in diesem Jahre haben wir den Palästina*Pavill on auf der internationalen Kolonialausstellung in Paris organisiert; außerdem haben wir „Basare" des Jüdischen Nationalfonds in Bukarest, Chisinau, Zagreb, London u. e. veranstaltet. Die im kommenden Frühling in Tel*Awiw bevor* stehende Messe*Ausstellung wird die fünfte sein. Die früheren vier hatten einen überwiegend lokafcpalästinensi« sehen Charakter, und die Beteiligung der ausländischen Firmen war verhältnismäßig unbedeutend. Diesmal, haben wir umgekehrt die Absicht, unsere Hauptaufmerksamkeit eben den ausländischen Unternehmungen zu widmen- Wir sind bestrebt, eine Brücke zwischen Europa und den Ländern des Nahen,Ostens zu schaffen. Die geographische Lage Palästinas ist prädisponiert für diese Rolle. Die nahe bevorstehende Eröffnung der Bagdader Eisenbahn und des Hai fer Hafens wird Pa« lästina zum wichtigsten Knotenpunkt des Nahen Ostens machen. Man darf auch die Tatsache nicht unterschätzen, daß fast in allen Levanteländern die jüdischen Kaufleute bedeutende ökonomische Positionen besitzen. Es ist auch zu beachten, daß die Levante*Kaufleute (aus Syrien, Aegypten, Mesopotamien, Zypern, Persien) sehr selten gewillt und imstande sind, europäische Messen zu besuchen: die Reise ist teuer, die Sprache ist fremd. Europäische Unternehmungen, die ernste KÖRPERLICHE UND GEISTIGE FRISCHE sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere IM ALTER Bewahren und mehren Sie d'ese Schätze durch ständige sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel für ai<e Zwecke der Körperpflege - Einreibungen. Packungen (Umschläge » Mundwasser usw, — ist DIANA f RANZBRANNTWEIN mH MttttMl In Jcstem b«M«r«n QtMltJItt« «rttlkltllcli Verlangen 81« ausdrücklich „DIANA" und nehme« 81s nur „DIANA*4 J Mlasjrwirwa» HMfcthnwaiaa Und en*fftsch seraefeMiwtiMa Absicht haben, diese Levente*Kaufleute für ihre Waren au interessieren, müssen sich die Mühe geben, ihnen nähe» zukommen. In dieser Hinsicht bietet Palästina große Vorzüge. Es Hegt im Zentrum der Levanteländer; die arabischsprechenden Kaufleute finden hier ein sprach* lieh verwandtes Milieu. Und der Gedanke, TeWVwiw in eine Art „kleines Levante*Leipzig" zu ver* wandeln, erscheint unter diesen Bedingungen als sein: - aussichtsreich. Palästina importiert jetzt aus dem Auslande Waren für 7 Millionen Pfund jährlich. Es braucht Rohstoffe und fertige Fabrikate. Besonders groß ist die Nachfrage nach landwirtschaftlichen und industriellen Maschinen, Baumaterialien und Rohstoffen. Bereits die vier früheren Messen in Tel*Awiw haben ihre Existenzberechtigung in glänzendster Weise bewiesen. Ihre Besucherzahl wuchs ununterbrochen, die Zahl der Aussteller, ansässiger und ausländischer, stieg beträchtlich. Die kommende fünfte Messe*Außstellung wird ohne Zweifel ihre Vorgängerinnen weit überflügeln. Ihre Fläche (zirka 40,000 Quadratmeter) wird größer als vor drei Jahren sein; auch die Zahl der Pavillons wird beträchtlich anwachsen. Es wird ein spezieller Ver* gnügungspark, nach dem Beispiel der europäischen Luaa« parks, errichtet werden. England zeigt großes Interesse an der Aus* Stellung. Großbritannien wird einen speziellen britischen Pavillon bauen lassen; auoh spezielle Pavillons für Aegypten und Zypern werden geplant. Eine Reihe deutscher, tschechoslowakischer, jugoslawischer und italie* nischer Unternehmungen bekunden aktives Interesse an der TeWAwiwer Messe. De Levante»Messe wird in einer besonders günstk gen Zeit stattfinden. Das Frühlingsfest bringt immer einen starken Touristenstrom; der Karneval und die erste allweltliche „Makkab lade" werden gleichfalls viel zur Belebung des Fremdenverkehrs beitragen. Zu der* selben Zeit werden auch einige sehr wichtige Konferenzen einberufen werden. Eine bedeutende Rolle wird die Kon* ferenz aller Handelskammern des Nahen Ostens spielen, welche den Fragen der Handelsent* Wicklung der Levanteländer und der Regulierung der Be* Ziehungen zwischen den Produzenten und Konsumenten gewidmet sein wird. Ein noch größeres Interesse in allen Galuthländern wird gewiß die erste allweltliche TozerethaHaarezoLagolarKonferenz hervor* rufen. Diese Konferenz wird die bereits seit langer Zeit gereiften Probleme der Organisation des Absatzes der Palästina<Produkte in der Diaspora behandeln; es wird sich darum handeln, das Interesse des jüdischen Massen« konaumenten in der ganzen Welt für die Palästina*Waren zu erwecken und zu verwerten, ein Agenturennetz und eine Exportbank zu schaffen, die Falsifizierung der P«lästlna*Produkte und den Mißbrauch mit der Palästina« Marke zu verhüten. «~ Was sind die Ziele Ihrer Reise nach IteKen und Frankreich? — In Italien ist es mir gelungen, das Interesse der Regierungskreise für die Entwicklung des italienischen Exports nach den Levanteländern zu erwecken. Es werden Verhandlungen über die Errichtung eines speziel« len italienischen Pavillons auf unserer Aus« Stellung geführt. Eine Reihe bedeutender Italienisoher Unternehmungen haben versprochen, ihre Produkte (Radioapparate Autos, Pneus, Textilien u. a.) zur Aus* Stellung zu senden. Auch in Paris beabsichtige ich die Regierungskreiso zu bewegen, einen französischen Pavillon auf unserer Messe zu errichten. Der französische Konsul in Palästina hat in einem Schreiben an das französische Außenministerium und an den Office national pour le Commerce extftrieur die aktivste Beteiligung Frankreichs an unserer LeventetMeeee ante wanntet