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Die neue Welt · 1931-10-09 · Heft 212 (9.10.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 212 (9.10.1931)
Date
1931-10-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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fetter* DIB NEUE WELT Nr. m SIEGM. KORNHEHL aitosmuscHMMiiRii Zerträte; IX., Betgganse 19, Tal. A-17-3-99 u. A»l6-9*34 1| Lieferant *ilr Heilanstalten | Ii JUMtUunaen für igg-WfclscIi ii onter Aufgicht des Ehrwürdigen Rabbinat* der l*r, Koltas^emeinde Wien Automstelhino koststtlo» IX., BarggMf 1$ / XVIII., Winringen** »7 empfohlen. Ich hoffe bestimmt, daß mehrere französische Unternehmungen die Messe»Ausstellung dazu ausnützen werden, um ihre .Waren in den Levanteländern zu verbreiten. Wir haben Grund, mit Sicherheit anzunehmen, schloß Herr Jaffe unsere Unterredung, daß die bevor« stehende LevantesMesse Tel*Awiw 1932 eine sehr bedeus tende und segenbringende Rolle in der Entwicklung und Regulierung der Handelsbeziehungen /wischen Palästina und den übrigen Ländern des Nahen Ostens einerseits und der europäischen Handelswelt andererseits spielen wird. AUS PALÄSTINA. Kampf gegen die Volkszählung in Palästina — 15 Juden verhaftet Die von der Regierung; in Palästina eingeleitete V o 1 Je «5 z ä h 1 u n g hat unter den Juden große Erregung hervorgerufen. Sie wird als Vorarbeit für die Errichtung eines Legislative Aesembly (Parlament) mit arabischer Majori t ii t betrachtet. Die Ansicht,, daß ein solches Parlament dem Sinne des Mand ais zu wider lauft und den A uf b a u des Jüdischen Nationalheimes verhindern wurde, beherrscht die jüdische öffentliche Meimmg Palästinas und hat große Aufregung geschaffen. Es wurde eine ».jüdische Aati-Volkszahlungs-Orgänisation" geschaffen, deren Gründung' einigen zionistisch-revisionistischen Führern zugeschrieben wird. Die Organisation entfaltet trotz des Verbotes der Regierung eine rege Tätigkeit unter den Juden, um sie zur Boykott i e r u n g der Volkszählaing zu veranlassen. " In J er us a 1 e in wurde der bekannte Journalist und Führer, der revisionistischen Jugend Aba Akhi Mayer mit sechs Genossen verhaftet, weil sie Volfcszählnngs-Kundmachungen abgerissen. hatten. In Tel-Awiw wurden 15 junge Leute verhaftet, weil sie Plugzettel mit der Aufschrift: „Nieder mit der Volkszählung" und „Nieder mit de« Zählern" to den Straßen verteilt hatten. Aasteigen der Warenpreise in Palästina — Warnung der Regierung Jerusalem, 2. Oktober. Das weitere Sinken der englischen und somit auch der palästinensischen Währung hat ein weiteres Ansteigen der Nahrungsmittel- und Gebrauchs artikelpreise in Palästina zur Folge gehabt. Auch australisches Mehl ist gestiegen, da die Größhändler sich weigern, den tVerkanf in Palästina-Währung zu tätigen. ■* , Nachdem sich .unter der Bevölkerung eine Bewegung gegen die Annahme von Papiergeld bemerkbar machte, hat die Regierung eine Erklärung des Inhaltes herausgegeben, welche besagt, daß sowohl das Papiergeld als auch die Silber- und Nickelmünzen durch ein Depot in London voll gesichert und gleichwertig seien. Sie warnt vor Spekulationen mit der Währung. Die Regierung wendet sich auch gegen das Hinauftreiben der Preise. Wenn auch die Steigerung der Presse mancher aus dem Auslande bezogenen Artikel nicht zu umgehen sei, ist eine Preissteigerung Hei einheimischen Produkten ganz ungerechtfertigt. Ebenso bei Artikeln, welche au« Ländernmit Pfundwährting stammen. Krise des Schulwesens in Palästina Jerusalem, 4. Oktober. (J. T. A.) Bekanntlich haben alle in den hebräischen Schulen der Jewish, Agency in Palästina beschäftigten Lehrer im Juni <L J. Mitteilungen erhalten, daß ihr Anstellungsverhältnis mit den* 30, September zu Ende geht. Solche Kündigungen ergingen an etwa 00 fest angestellte und an alle, provisorisch angestellten Lehrer. Beabsichtigt war, den Lehrerstab nm etwa 50 fest angestellte und 50 provisorisch angestellte Lehrer z u verringern; eine solche Verringerung war durch die Herabsetzung des Unterrichtsbudgets der jewish Agency von 27.000 Pfand auf 57.000 Pfund notwendig geworden. Die restlichen Lehrer sollten wieder angestellt werden. Da nun bis jetzt keiner der Lehrer eine Benachrichtigung über seine Wiederanstellung erhalten hat, wird das neue Schuljahr verspätet beginnen. Eine Abordnung der Lehrerschaft begab sich zur Exekutive der jewish Agency, um mit ihr die Lage au erörtern, Ep wurde der Lehrerschaft für Dienstag, den 6. Oktober, eine definitive Regehing in Aussicht gestellt. Inzwischen ist die Eröffnung der Schulen, die «*m letzten Sonntag hätte stattfiode-n -sotten, verschoben worden, Tribüne dhe* Patta» Knlonialam ■ K Wü»m Selbsterniedrigung Folgendes Schreiben ist eingelangt: „Wien, W. September. An den Herausgeber der ' J^euen Welt". — Ich habe dieser Tage die Pariser Kolonialausstellung besucht und den Palästina- Pavillon eingehend besichtigt. Ich kann dde abfällige Kritik über den Pavillon, welche von vielen Seiten laut wurde, nicht gutheißen. Es ist verhältnismäßig viel und sehenswertes Material da. Hingegen habe ich gefunden, daß die Anordnung, vom' i'üdisch nationalen Standpunkt aus besehen, tief edauerlich ist. Daß das neue Palästina ein Werk der zionistischen Bewegung ist, kommt nirgends zum Ausdruck; die Worte „Zionistisch", „Zionistische Organisation" usw. sind kaum zu finden. Dafür prangt über der statistischen Wandzeichnimg, welche die Entwicklung des hebräischen Schul Werkes darstellt, in fußhohen Goldlettern die Aufschrift: ,.Sc h u 1 we r k der jüdischen Agentur (Jewish Agency). Zwanzig Jahre schwerster zionistischer Arbeit und Aufopferung haben dos Werk geschaffen. Jetzt verschweigt man das Wort Zionismus und setzt das Wort „jüdische Agentur", das den Juden und Nichtjuden nichts sagt. Nur ein Eingeweihter weiß, daß „Jewish Agency" heute einen durch Nichtzionistcn erweiterten Körper darstellt, er weiß aber auch, daß seit dieser „Erweiterung" die Beiträge für Palästina, also auch für das Schulwerk, rapid gesunken sind, weit unter die Hälfte. Dafür wird das Wort „zionistisch" schamhaft unterdrückt. Hochachtend e. r." Die Redaktion „Die Nene Welt" hat das traurige Kapitel „Erweiterte Jewish Agency" in vielen Betrachtungen restlos erschöpft. Was im Briefe beschrieben, das ist nur eine der kleinen Folgen der Aktion Professor Weizmanns und seiner Freunde. In sechsjährigem Kämpfen und Verhandeln wurde die Kraft der Organisation vergeudet, ihr nationaler Charakter untergraben. Das Resultat weniger als Null, ein Nogativum, weniger Geld und weniger politisches Ansehen. Es sei eine neueste Errungenschaft der „Erweiterten Jewish Agency" vermerkt, als Ergänzung zum Briefe. Aus New York meldet die Jüdische Telegraphen-Agentur: „Nach seiner Rückkunft aus Europa hat der Präsident des Rates der Jewish- Asency, Herr Cyrus Adler, Pressevertretern gegenüber vorstehende Erklärung abgegeben: „Ich will einen Punkt klarmachen, denen hiervon hängt meiner Meinung nach der weitere Bestand der Jewish Agency ab. Die Stellungnahme znm Briefe der Premierministers MacDonald und zu anderen politischen Angelegenheiten ist durch die Beschlüsse der Jewish Agency endgültig festgelegt. Die Jewish Agency ist weder für Reden auf dem Zionistenkongres.se verantwortlich, noch an Beschlüsse der Z i o n i sten* kongresse irgendwie gebunden. Nur die Aenßerungen und Handlungen der Jewish Agency sind für die Britische Regierung und die Palästina- Regierung von offizieller Bedeutung. Die erwählte Exe« kutive ist nur eine Exekutive der Ageney und nur\ der Agency verantwortlich." Wegwerfender kann man vom 2 ionist e nkongreß wohl schwer sprechen. Die Darlegungen zeigen, wie tief die zionistische Organisation, die Schöpfung Theodor Herzlsf im Ansehen gesunken ist, was man ihr zumuten datrf, ohne eine Zur tick Weisung zu riskieren. Wenn man so was liest, wird man über die Anschriften im Pariser Palästina-Pavillon nicht 6ehr verwundert sein. Man wird vielleicht erkennen, wie gut es gewesen wäre, hätte der Zionistenkongreß den Antrag der Revisonisten auf gütliche Lösung des Verhältnisses zu Herrn Cyrus Adler und Genossen angenommen. Wozu ist diese kranke Mischehe »g»nt. Mitgift ist nicht da lind Liebe auch nicht ... Aus Rumänien Kein Blut, Taufwasscr soll fliehen Während der Antisemitenführer Professor Cuza die Judenfrage nach dem einfachen Rezept des Totschlagens lösen will, scheint der Ministerpräsident Jorga, ebenfalls ein gelehrter Herr und Universitäts« Professor, die Methode sanfter Ueberredung zu bevorzugen, Auch er ist der Ansicht, daß die Juden au verschwinden haben. Aber nach seinem Wunsche soll nicht Blut, sondern nur Taufwasser fließen. Er begnügt sich nicht dtitntt, höchstpersönlich die Juden zum Eintritt in die alleinseligmachende Christenkirche einzuladen, er veranlaßt auch die Lehrer an den staatlichen Schulen, die jüdischen Kinder mehr oder minder energisch vom jüdischen Irrglauben loszulösen. * Bukarest, 3. Oktober. Vorige Woche wohnte Ministerpräsident Professor Jorga auf der Durchreise durch Raninic-Sarat in dem dortigen Kloster einemGottesdienst bei, zu dem sich auch einig« Juden eingefunden hatten. Beim Verlassen der Kirche wandte sich der Herr Ministerpräsident an die jüdische Gruppe und sagte: „Nichtwahr, es ist schön bei uns? Schöner als bei euch", worauf der Kaufmann B. gelassen erwiderte: „Auch bei uns ist es so schön." Da replizierte Professor Jorga: „Aber nein, bei uns ist es schöner und ihr würdet gut tun, wenn ihr euch allesamt taufen ließet. Ein Sohn ist zufriedener, wenn er der Erbe, zweier Testamente ist als 222 Milch Trink-und Speisehalle 222 Vegetarische and malische Speisen M. Eilen h Volkstümliche Preise 13 ngaitf) If*. Förstern. 7 Bis 12 Uhr nachts offen eines einzigen. Ziehet das alte Kleid aus und ziehet ein neues an. dann wird es keinen Antisemitismus mehr geben!' Bukarest, 4. Oktober. Ungeachtet der Verordnung, daß jüdische Schüler vom Besucii der christlichen R e •! i g i o n s s t u n d e befreit sind, kommt es jetzt häufig vor. daß jüdische Schüler an rumänischen Staatsschuld! unter dem moralischen Druck, der mitunter von einzelnen Lehrkräften auf sie ausgeübt wird, dem christlichen Religionsunterricht b e iw ohne n. Zu welch schweren inneren Konflikten dieser Vorgang bei jüdischen Schülern führen kann, zeigt ein Fall, der sich vor kurzem an einem Bukarest er Lyzeum ereignete, lvin Schüler, Sohn eines ß u k a r e s t c r R a b b irier s, war von seinem Direktor, der mit dem an der Schule als Religionslehrer wirkenden Popen eng befreundet ist. veranlaßt worden, an dem christlichen Religionsunterricht teilzunehmen. Obwohl der Schüler erklärte, er werde einen jüdischen Religionskurs besuchen, bestand der Direktor unter dem Hinweis, es werde in der christlichen Ueligionsstunde zunächst das Alte Testament, das ja auch für die Juden bestimmt sei. behandelt werden, auf seinem Verlangen. An der Schule steht ein vom Unterricht s in i n i s t e r i u in ii |) p r o I) i e r t e s R e l igi on s 1 eh r b ii c h in Verwendung, in dem an die Geschichte von Kain und Abel folgende Betrachtung angeschlossen ist: „Ebenso wie Kain hat das jüdische Volk seinen Bruder, den Heiland Christus, getötet. Aber wie Kain wird das Volk, das den Gottessohn getötet hat, das Zeichen von Gottes Fluch an der Stirn tragen." Als der jüdische Schüler bei einer Prüfung aufgefordert wurde, die Geschichte von Kain und Abel zu erzählen, gab er sie in der Form, wie sie in der Bibel enthalten ist. wieder. Der Pope forderte jedoch, daß der Schüler die Frage auf Grund der im Lehrbuch enthaltenen Fassung beantworte und klassifi-'-rte ihn, als er dien verweigerte, mit der Note „Ungenügend". Die berufenen jüdischen Instanzen haben Schritte eingeleitet, um eine Wiederholung solcher Fälle unmöglich zu machen. Die Chinndikonferenz des Misradii Ueber Initiative des Misradu-I.andes Verbandes fand am 29. September eine Ghinuch'-Konferenz statt, die zahlreich besucht war.'Präsident Rabb. Sal. Friedinann eröffnete die Konferenz und verweist in seinen einleitenden Worten auf die Notwendigkeit der Verbesserung des E r ziehun gs w es ens in Wien, dem diese Konferenz dienen soll. — Kultus Vorsteher Bauminger übernimmt den Vorsitz. Prof. Moses Rath ergreift das Wort und begrüßt in hebräischer Sprache die Konferenz im Namen der Kultusgemeinde. Ueber die Wichtigkeit der religiös-nationalen Erziehung spricht Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. David Feuchtwang. Er bezeichnet das Erziehungssy stein des Misrachi als das einzig wahrhaft jüdische und als einzig gangbaren Wog für die Erziehung der jüdischen Jugend. Er weist auf die tristen Verhältnisse in bezug auf den Unterricht in den Fächern der jüdischen Religion in den Wiener Schulen hin und kennzeichnet es als trauriges Ergebnis dieser Unterrichtsmethoden, daß die Absolventen diese Anstalten bar jedes jüdisclien Wissens verlassen. Er schließt mit dem Appell an die jüdischen Eltern, der Erziehung der Jugend mehr Augenmerk zuzuwenden und den Misrachi in seinen Bemühungen um die Verbesserung der jüdischen Erziehung zu unter' stützen. Sodann erstattet Rabbiner Fisch mann (Jerusalem) ein großangelegtes Referat über j üd.is che Erzieh ungsproblcmc Er überbringt zunächst die Grüße der Misrachi-Weltorganisation und des jüdischen Jischuw in Erez Israel. Er führt unter anderem aus: Ich bedauere sehr, zu Ihnen nicht in unserer Sprache sprechen zu können, da ich in der Beherrschung der hebräischen Sprache eine der ersten Voraussetzungen für normales nationales Leben sehe. Was wir unserer Jugend einpflanzen müssen, ist Liebe und Verständnis für unsere Tthora, für unser Land und unsere Sprache. Diese müssen die Grundlage des Erziehungswesens des Misrachi in Wien sein. Wien ist die zweitgrößte jüdische Kehillah Europas und sind die Augen Erez Israels auf diese Stadt gerichtet. Es;ist himmelschreiend, wenn in Wien von etwa 40.000 jüdischen Kindern kaum ein Prozent im w a h r haf t jüdischen Geiste erzogen wird. Bedenken Sie, daß auch Sie selbst, die Sie noch vom Geiste des Cheders beeinflußt sind, doch sohon meist dem Einfluß der Galuth, der Großstadt unterliegen. Wie soll es erst um das jüdische Gefühl Ihrer Kinder und Enkelkinder beschaffen sein? Wir haben in Erez Israel einst ganz klein angefangen und doch steht bereits heute ein gewaltiges Erziehungswerk da, das kaum seinesgleichen hat. In 67 Lehranstalten aller Typen werden zirka 10,000 Kinder im wahrhaft jüdischen Geiste erzogen, und möge es Ihnen als Beweis für den Erfolg und die Beliebtheit dieser Musteranstalten dienen, daß unsere Schule sowohl die Enkelkinder des Agudah-Führers Rabbi Chaim Sonueuf e l d ajs auch die Kinder des A r b e i t c r f ü h r e r? Ben-Gurieu besuchen. Langanhaltender stürmischer Beifall dankte Ikh-

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