Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 91 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711707--1203-2714402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 91 föderation a4n englischer, Student und 'bekannter Anhänger Rothermeres ist, werden die Ungarn sicherlich 'beide Fragen ungehindert aufs Tapet bringen können. Unter solchen Umständen ist es War, daB von jeiten Rumäniens nur solche Studenten delegiert werden sollen, welche die Geschichte des Großwardeiner Kongresses und der Revisionsfbestrebungen genau kennen und die franzosische Sprache beherrschen. Unter den gewählten Delegierten befindet «ich auch der Student Georg Cromt. Wer ist nun dieser Cront? Der Führer der Plünderungensbanden und der Verwüstungen von Großwardem. Er war es, der an der Spitze der Studenten zu den Verwüstungen und Pogromen sowie dazu aufgehetzt hat, daß die Synagogen I» GroQwardein in Brand gesteckt und entweiht wurden. DIE NEUE WELT Seite 7 ' BAD ISCHL a w (SALZKAMMtRGUT) ✓ STRENG nV3 £ PENSION „NEUE WEIT" S EOlMOOSOASSi 10 Unter persönlicher Leitung des bekannten Restaurateurs ■ Adolf Qlatter, Wien VI, Schmalehofgasse 12 iOEdPPNET AB 17. JUNI Die antisemitischen Studenten halben aber auch noch den Antisemitenf{ihrer Professor Cuza ersucht, bei den Budapester Antisemiten für sie zu intervenieren. Es ist also mögWdh, daß sich aurf dem Studentenflcongreß eine Pogromparte* bindet." Habimahs Weg in die Heimat. Von A. S. Juris (Tel-Awiw): Die H a b i m a h sendet uns den untenstehenden, von A. S. Juris verfaßten Aufsatz, der die Auffassung über ihre Ziele und ihren Weg klarlegt. Anläßlich des Gastspiels des Moskauer Jüdischen Akademischen Theaters in Wien hat unser Theaterreferent ausgeführt, welche Werte wir der geistigen und seelischen Haltung dieses hebräischen Theaters zu verdanken haben. „Die frofien Erlebnisse der jüdischen Seele, die ihr chicksal in allen Stadien des Leids, des Heroismus, der Hingabe, der messianischen Idee durchlebte, gaben sich bei der Habimah in wundervollster Reinheit." Der Habimah stellte er die Entjudung der jüdischen Seele durch das Granowsky-Theater entgegen und legte damit unsere positive Einstellung zur Habimah und unsere skeptische zum Granowsky-Theater fest. Damit ist also die Darstellung unseres Standpunktes seitens eines . palästinensischen Blattes, das uns eine Bevorzugung Granowskys und eine Minderung der Habimah-Leistungen zum Vorwurf machen will, präzise und für immer widerlegt. Es ist ein Lebensgesetz in der Natur und noch mehr in der Kunst: die Sehnsucht, zu den Ursprüngen zurückzukehren, und der elementare Trieb, sich mit der Urquelle des Seins zu verschmelzen. Dieses Gesetz gilt für die historische Existenz eines Volkes als Ganzes ebenso wie für die einzelnen Kulturschöpfungen. Dieselben Ursachen, die zur Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Land führen, waren auch für sein einziges hebräisches Theater „Habimah" entscheidend. Für deren Lehrjahre war Moskau sicherlich der beste Platz und ein Stanislawsky oder Wachtangow sicherlich die besten Lehrmeister. Aber jede Studienzeit hat ein Ende: Ein Theater kann nicht allzulange Zeit als Lotosblume in fremden Gewässern herumirren. Für eine bestimmte Zeit hat es vielleicht seinen Reiz, als exotische Treibpflanze bewundert zu werden, solange Fremdartiges eigenartig und anziehend wirkt. Es gibt aber eine Grenze. So geschah es der „Habimah". Sie wuchs im naßkalten Moskau auf, obwohl ihre Adern von heißem orientalischem Blut übervoll wären. Sie hatte in allen Ländern Europas Erfolg geerntet, trotzdem nur wenige ihre Sprache verstanden, sie wurde überall als Wunderkind aus der Frömde verhätschelt. Aber Gastspiele als Dauerzustand werden auch für das interessierteste Publikum langweilig, für das Theater selbst verhängnisvoll. Eine Bühne muß irgendwo zu Hause sein, irgendwo Wurzeln fassen. Das trieb die „Habimah" nach Erez-Israel. Und wirklich — das Land erfüllte der „Habimah", was sie ersehnt hatte: endlich Muttererde, endlich jüdisches Volkstum, endlich hebräischsprechendes Publikum, das sie mit unbeschreiblichem Jubel begrüßte. Hier war der natürliche Boden für den „Ewigen Juden", für den im „Golem" vorgeahnten Erlösungsgedanken. Und trotzdem viele bereits den „Dybuk" in Polen und Amerika und in .Erez-Jsrael gesehen hatten,, fand er doch immer und immer wieder überfüllte Häuser, Doch auch hier konnte die loi|ernde Begeisterung der ersten Zeit nicht immer auf gleicher Höhe bleiben; das Land ist klein, der Städte nicht viel: Tel-Awiw — Jerusalem und wiedereinmal Jerusalem — Tel-Awiw. Und das Publikum besteht zum größten Teil aus Menschen, die in schwerer Arbeit sich erst ihre Existenz schaffen. Hier lagen gewisse Gefahrenmomente, Und als die „Habimah" in Erez-Israel ihr Jubiläumsfest feierte, war für sie ein neuer Wendepunkt erreicht. Das ganze Land stand im Zeichen dieses zehnjährigen Festes, eines zähen und hartnäckigen Ringens um eine höhere jüdisch-menschliche Kunst. Hier wurde ein Fest gefeiert, das ein Symbol der jüdischen Renaissance ira Heinjatslande war. Was die „Habimah" in einer so kürzen Spanne Zeit geschaffen, klingt wie eine Legende. Sie hatte dem erstarrten Hebräisch, der längst als tot geglaubten Sprache der Bibel, ein neues Leben eingehaucht, ihr den alten Glanz wiedergegeben. Sie war in finsteren Jahren jüdischen Schicksals ein Leuchtturm und Wegweiser. Nun ist sie, als Pionier altneujüdischer Kultur zu den Pionieren jüdischer Arbeit im jüdischen Lande heimgekehrt, So schloß das zehnjährige Jubiläum der „Habimah" die Periode des Tastens und Suchens ab und wurde zum Feste der Heimkehr, des Heimatfindens. Zwei neue Aufgaben hafuun die „Habimah" zu er-- fällen. Di« alte jüdische Welt in Europa geht zugrunde: das Städtchen und sein Stil. Aber was im Leben muß untergehen, kann im Bilde auferstehen: in Bild und Lied und Tanz. Da ist Theater die beste Lebensversicherung für Verschollenes und Untergehendes. Anderseits wächst in Palästina eine neue Generation auf, die nichts von Freud und Leid des jüdisdien Sdiicksals im Exil Weiß. Es besteht die Gefahr der vollständigen Entfremdung zwischen den Generationen, der Unterbrechung der Entwicklungskontinuität. Hier muß das Schauspiel das Bindeglied zwischen europäischem Judentum und dem Neuvolk im Neuland sein. So ist die Wahl des ersten Stückes zu verstehen, das die „Habimah" neu herausbrachte: „Der Schatz" von Schalom Alejchem, dem jüdisdien Mark Twain. Eine bessere Wahl konnte nicht getroffen werden. Hier bewiesen Künstler und Regie, was man aus einer Komödie dieser Art machen kann. Die Aufführung wurde ein seltenes Ereignis. Der außerordentliche Farbenreichtum der Bilder ergänzt höchst wirkungsvoll die gedämpfthumorvolle Stimmung des Inhalts. Diesen sonst ganz einfachen Inhalt hat die „Habimah" zur vollkommenen Neuschöpfung umgestaltet. Und das Spiel: eine vollständige Harmonie im Größten und Kleinsten, Szenen von tiefster Tragik und schallendem Gelächter, Rhythmus von Anfang bis zum Ende — Rhythmus, der den Atem nimmt. Aus dem Nichts fast eine ganze strahlende stürmisch-bewegte Welt hervorgezaubert, eine Freude für Auge und Ohr; Ein wahres „Habimah"« Symposion.! , Die zweite( Aufgabe: das' neuerwachende Leben des jüdischen Palästinas ist, künstlerisch noch ein Brachfeld und wartet seines Gestalters,: das neue Leben und die neuen Menschen, der Geist des opferfreudigen Pioniertums, die dreifache Renaissance des Landes und des Volkes und der Sprache, die Synthese vom Orient und Okzident im Sinne eines höheren Menschentums. All das muß in der Kunst seinen'Ausdruck finden. Hier will die „Habimah" auch initiatorisch wirken. Schon durch die Tatsache ihres Seins auf Heimatboden und Sprachboden hofft sie die hebräischen Dichter zu originellen JVerken dramatischer Kunst zu inspirieren* Es ist ihre tiefste Ueberzeugung, daß sie noch in diesem Jahre ein solches Werk aufführen kann. Ein Film aus dem neuen Leben in der alten Heimat soll die Arbeit des ersten Palästina-Jahres abschließen. Daneben arbeitet die „Habimah" an der Vorbereitung von C a 1derons „Die Locken des Absaloms", das unter dem Namen „Davids Krone" demnächst aufgeführt wird. Es ist des Pioniertums der „Habimah" höchstes Ziel, sich hier in Erez Israel zu verwurzeln: als Ausgangspunkt und Hebelpunkt. Sie will hier ein Theater des Judentums werden, das nach tausendjährigem Wandern heimgefunden hat. Sie will aus der neujüdischen Kultur ins Allmenschliche hinauswirken —" im Geiste des Prophetentums, das immer wieder in die weite Welt hinauswollte und eine Welt zu erlösen sich anmaß. Auf diesem Wege geht die „Habimah",. Das ist ihr tiefster urjüdischer Sinn — das die menschliche Kunstmission ihres Schaffens, Die Elias-Stiftung und ihr Schicksal» Wie die Widmung eines Juden verwaltet wird. Es sind jetzt genau 15 Jahre her, daß der Milliardär Jacques Elias in Bukarest sein Testament errichtete! Sieben. Jahre später starb er. Der Verstorbene hat, geleitet von dem Gedanken, daß die damals sehr unleidlichen Beziehungen zwischen Rumänen und Juden durch «ine große, von einem Juden errichtete, dauernde Kulturötittuing für das rumänische Volk gebessert werden könnten, diee r umänische Akademie der Wissenschaften zur Universalerbin seines immensen Vermögens eingesetzt Seit" her verwaltet die Bukarester Akademie der Wissenschaften die reiche Jacques-M.-EliaS"Stiftung, und der soeben herausgegebene Bericht des Kuratoriums dieser Stiftung beweist, wie die Akademie den Intentionen des Erblasser* gerecht zu werden bestrebt ist- Elias hatte auch einige kleinere Legats für jüdischreligiöse Zwecke bestimmt. So sollte die Akademie der Wissenschaften unter anderen auch der türkisch-israelitjc sehen Kultusgemeinde in Wien jährlich 10.000 österrei* chische Kronen für ihren Tempel und 5000 Kronen jährlich für ihre Schule für immerwährende Zeiten auszahle!,. Auch dem Rabbiner sollten 700 Kronen für die Verrichtung des Kaddischgebetes während des Trauerjahres angewiesen werden. Das Testament ist im Jahre 1914 errichtet worden. Dann kam der Weltkrieg, der die österreichische Krone völlig entwertete, und als es schließlich zur Auszahlung der Legate an die spaniolische Gemeinde in Wien kam, stellte sich die Universalerbin, das ist die rumänische Akademie der Wissenschaften auf den Standpunkt, „Krone ist Krone" und mutete der spanioiischen Gemeinde zu, in wörtlicher Erfüllung des Testamentes jährlich einen Schi l ling, sage und schreibe einen Schilling für den Tempel und fünfzigGroschen jährlich für die Schule anzunehmen. Es ist selbstverständlich, daß der Vorstand der spamolischen Gemeinde in Wien sich diesen Hohn nicht gefallen lassen konnte, und auch nicht geneigt war, die angebotene lächerlich geringe Abfertigungssumme anzunehmen, und in Wien den Prozeß anstrengte. Das Urteil aus diesem, vom jüdischen Gesichtspunkt aus betrachteten recht traurigen Prozeß ist noch nicht gefällt. Aber der Bericht der Verwalterin der großen Elias-Stiftung weist mit stolzer Genugtuung darauf hin, daß die rumänische Akademie der Wissenschaften im Geiste des „hochherzigen Stifters" sein Vermögen für die Förderung und Entwicklung der rumänisch-nationalen Kultur verwendet, und daß Jacques M. Elias sich den dauernden Dank des rumänischen Volkes übers Grab hinaus verdient habe. Dem gegenüber muß eine der wenigen jüdischen Institutionen, welche mit geringfügigen Legaten bedacht wurden, mit der Univensalerbin einen peinlichen Prozeß führen, damit auch den jüdischen Anstalten gegenüber „im Geiste des Erblassers" gehandelt werde. Die nationalarabische Bewegung Die arabische Jugend in Palästina. Im „Haaretz" vom 19. Mai veröffentlicht R. Moss e r i einen interessanten Artikel über die Entwicklung der ara-bisdhen Jugendiveribände in den letzten Jahren. Er schildert ihren Ursprung, der auf dem Konflikt zwischen der älteren Fiührergeneration, die den Jungen keine Berücksichtigung sc'henkte, zurückzuführen ist, und berichtet dann iim einzelnen über die verschiedenen Strömungen, die sich in diesen Vereinigungen geltend machten. Im inneren Leben der jungen arabischen Generation spielten die Probleme der Uelbergangsperiode, in der siüh das gesamte soziale und Jcuilturelile Leben des Orients (befindet, naturgemäß eine große RoWe. Die Organisation der Verlbände sei nach dem religiösen Bekenntnis in christlichen und mohammedanischen Vereinen erfolgt. Bis* her sei der Versuch der radikalen Elemente, eine Politisierung der Vereinigungen zu erreichen, noch jedesmal auf den Konferenzen abgelehnt worden, da man den zerstörenden Einfluß der politischen Arbeit aui den Bestand der Verbände fürohte. Dodh sei gerade in letzter Zeit eine verstärkte Tätigkeit der 'radikalen Elemente festzustellen. In Jaffa habe vor einer Woche eine Konferenz der radikalen Gruppe stattgefunden, bei der eine Partei auf der Grundlage folgender Forderungen gegründet werden sollte: 1absolute Selbständigkeit des Landes, 2. Aufhebung der BaMour-Deklaration, 3. Konstituienunig einer nationalen, vor einem Parlament verantwortlichen Regierung, und 4. Abzug der Engländer von Palästina. Es sei noclh nicht bekannt, welches Ergebnis diese Zusanwnenikunift gehabt 'halbe, aber es sei Jedenfa'Hs klar, daß sich die nationailaraibische Bewegung in Palästina an einem Wendepunkt befinde. Die Stunde des Entsclheidungsikampfes zwischen den konservativen Führern der alten Generation, die in den toten Körper der arabischen Exekutiv« neuen Geist einzuhauchen versuchten, und der Jugend, die sictti einen neuen Weg suche, sei gekommen. Predigten. Am Wochenteste finden bei dem um 8 Uhr 30 Minuten besinnenden Morgengottesdienste Predigten statt, und zwar: l„ Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. Max Grunwald), am M. Juni; II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. Max Grunwald), am 15. Juni; XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht), am 15. Juni; XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach), am 14. Juni; XXI., Holzmelstergnsse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann), am 15. Juni. Wochen-Kalender Juni 1929 P"»D ü*snn Siwan 5689 14 Freitag 6-1 Sabbateingang 7.56 Wochenfest 1 fflyav 15 Samstag 7-1 Sabbataii8gang 8,47 Wochenfest 2 T|1PW 16 Sonntag 8~n 17 Montag 9~» 18 Dienstag 10-i ■•• 19 Mittwoch. n-w 20 Donnerstag 12