Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 91 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711707--1202-2714401- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r Seite S DIE NEUE WELT Nr. 91 miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH 1 Ffir nieine 26 jährige Tochter BD liübsch, groß, schlank, gebildet, S 20.000 Mitgift, Wohnung, suche Intell, jüd. Bewerber in Lebensstellung. Unter „Genaue Angaben" a. d. Exped. d. Blattes. ES Tiiillllllllll!llllllllilllllllllllll|ll|l|l|||||!||||||||||||l|l|||||||Ü Auch seine Stellung zur Palästinafrage war bis dahin unbekannt. Dafür aber wurde zum Vizeminister dieses Ressorts Ormsby Gore berufen, ein Mann, der vom Kriegsbeginn an ein aufrichtiger Freund des Zionismus war und sich als Verehrer dieser Bewegung, wenn auch eigentlich mehr wegen ihrer geistig ideellen Seiten, erwiesen hat. Seine Berufung war die Bürgschaft dafür, daß auch die neue Regierung dem Zionismus gegenüber nicht unfreundlich sein werde. Als die neue Regierung das Parlament auflöste und Neuwahlen ausschrieb, nahm die Palästinafrage einen sehr wichtigen Platz in der allgemeinen Wahlpropaganda und den Wahlkämpfen im ganzen Lande ein. Viele von den der Regierung nahestehenden und von ihr subventionierten Zeitungen forderten, daß England sich aus Palästina zurückziehen und das Mandat einem anderen Staate überlassen möge. 6,Daily Mail", „Daily Express" und andere große Blätter brachten ganze Artikelserien gegen Englands1 Politik in Palästina, die, wie sie behaupteten, -eigentlich! die Politik der zionistischen Leitung, aber nicht die Politik der britischen Regierung zum Ausdruck bringe. Unter der Ueberschrift „The. Mistery of Chaim" („Das Mysterium Chaims") brachte „Daily Express" mit Anspielung auf den Vorrtamen Dr. Weizmanns einen Artikel, in welchem den Lesern die Meinung beigebracht werden sollte, daß hinter der britischen Politik eigentlich kein andere als Chaim Weizmann steht. Diese Blätter wandten sich auch an alle Wahlkandidaten mit der Rundfrage, ob sie entschlossen seien, im Falle ihrer Wahl im neuen Parlament dafür zu stimmen, daß England sich aus Palästina zurückziehe. Eine große Anzahl der Kandidaten, besonders die vom äußersten rechten Flügel, antworteten zustimmend. Unter diesen befand sich auch übrigens d i e Antwort des jüdischen Kandidaten Samuel Samuel, der erklärte, daß er nicht Zionist sei und dagegen sein werde, daß England in Palästina und Mesopotamien bleibe. Die Zahl solcher Antworten aus den Kreisen der Kandidaten war eine große, wenn auch nicht so groß, wie die Gegner des Zionismus gehofft hatten,' und auch das Gewicht der Personen, die solche Antworten gaben, war kein allzu schweres. Hingegen hatten viele und gerade die angeseheneren unter den Kandidaten der verschiedenen Parteien geantwortet, daß sie mit aller Entschiedenheit dagegen seien, daß England Palästina verlasse, und seine im. Mandat und .in der Balfour-Erklärung übernommenen Verpflichtungen den Juden und der großen Welt gegenüber nicht einhalten, soll. Unter diesen befanden . sich auch die Brüder Chamberlain, Amery, Lesjey Scott von der konservativen Partei, einer der angesehensten Führer der Liberalen, Sir John Simon, der berühmte Schriftsteller Wells und andere. Am klarsten kam der Standpunkt der Labpur Party auch damals schon zum Ausdruck. (Die offizielle Kundgebung wurde in Nr. 90 der „Neuen Welt" mitgeteilt.) Die Stellung der Regierung war anfangs keine ganz klare. Auch die konservative Regierung vermochte, obgleich sie unausgesetzt stark unter dem Einfluß der extremen Gegner , des Zionismus stand, das Wesen der britischen Palästinapolitik nicht von Grund auf zu ändern. Allerdings hat die konservative Regierung an diese ihre Anhänger eine nicht unwichtige Konzession machen zu müssen geglaubt. In der offiziellen Erklärung des damaligen Kolonienministers findet sich zum ersten Mal eine sehr wichtige und interessante Redewendung. An der Stelle, wo er die Erklärung abgibt/ daß die neue Regierung gewillt Sei, die Politik der vorangegangenen Regierung auch weiterhin zu befolgen, sagt er nicht, daß darunter die Politik der Balfour-Erkläjrung oder die Politik des Mandats zu verstehen sei, sondern spricht von der Politik des Weißbuches. Das Weißbuch, das ursprünglich eigentlich als Kommentar zur Balfour-Dekla* ration herausgegeben worden war, ist auf diese Weise plötzlich zu einer selbstständigen politischen Enunziation avanciert, .welche allein — und nicht die Balfour-Deklaration — die Regierung verpflichte. Dieses Weißbuch hat die Flügel des Zionismus: arg gestutzt. Und es ist kein Zweifel, daß die Tatsache, daß die Gegnerschaft gegen den Zionismus als politisches Kampfmittel an Heftigkeit nachgelassen hat, dein Umstand zuzuschreiben ist, daß die Gegner sich dieser Wirkung des Weißbuches bewußt wurden. iwjjnw 'iw jjjiw BAD GLEICHENBERG PENSION FRANZENSBURG * BEREITS ERÖFFNET! * Neil renoviert, schöne trockene, sonnige Zimmer. Reichliche Verpflegung von S 7.50 bis S 9.~ täglich. Unter persönlicher Leitung der Besitzerin Frau E, Komet u. Pruehter Der Weltverband jüdischer Frauen. Präsidentin Frau Rebekka Kohut. Wie bereits berichtet, hat in Hamburg eilte Ta* gung von Delegierteri jüdischer Frauenverbände stattges* funden, in welcher die Gründung eines Weltverbartdesi beschlossen wurde. In der allgemeinen Aussprache betönte Frau Irma L i n d h e i m, die frühere Präsidentin der Hadassah in Amerika, die Notwendigkeit einer n a t i onalen Erziehung der Jugend, aber auch einer nationalen Erfassung der Elternschaft, damit die Kinder in einer Sphäre der jüdischen Ethik aufwachsen. Frau Hoifmann (Wien) wies auf das Beispiel des verstorbenen Oberrabbiners Professor Chajes hin, der praktische religiös-nationale Erziehungsarbeit geleistet und nachhaltig gewirkt hat und dessen Parole es war, daß es Aufgabe jeder Generation sei, das! Erbe des Judentums ifi die künftige Nation hlnüberzuretten. Sodann wurde über die in den Referaten berührte Frage der Agunoth diskutiert. Frau Paula 011 e n d o r f (Deutschland) referierte über soziale Frauenarbeit in. den verschiedenen Ländern. Sie machte Vorschläge bezüglich der landwirtschaftlichen Ausbildung der jüdischen Mädchen, denn das Landleben erhält die Grundlage der jüdischen Familie. Frau Rebekka Kohut hob die Bedeutung der Ausbildung der Mädchen für handarbeitliche Leistungen hervor. Frau Irma Lindheim wies auf die wertvolle Arbeit des Frauen- und Mädchenvereins Hadassah hin. Frau Rosenblatt (Palästina) berichtete über die schwierige soziale Arbeit unter den Frauen und Mädchen Palästinas, die darauf hinzielen^ den „Chaluka"-Geist zu überwinden. Frau Inez C. Pollak vom National Council of Jewish Women referierte über Berufsberatung in Amerika und über das Vorurteil, das gegen das jüdische Mädchen herrscht. Dem National Council .of Jewish Women vereinigten sich 226 Ortsgruppen, dje jüdische Bevölkerung, aus welcher die Sektionen sich zusammensetzen,; beziffert sich auf 4,300.000 Seelen. In vielen Orten haben die jungen Mädchen unter Vorurteilen zu leiden, sie werden aus gewissen Stellungen ausgeschlossen, so z. Bs a u s Banken, die von Nicht ju'den geleitet werden^ Gewisse Läden schljeßen Jüdinnen als Veri Schwedens beste Rasierklinge iasiert schnell, angenehm, erhält die Haut zart. \ . ■ ■ iMi|;>i« .,' ■' -. .-'j . « ■ ,< . ■ k ä u f er in n en aus. ."Auch, bei" der Anstellung als Privatlehrerin begegnet das jqdj'scHe."( Mädchen Schwierigkeiten. Hier soll' die' 'Befufsberätün^!' einsetzen; eine Erweiterung der Berufsarten, tut not. Das jüdische Mädchen soll; für .solche .Berufe ausgebildet werden, die. weniger, über* füllt' sind. : : ■ '■ Frauenkulturarbeit in Palästina und Jewish Agency. Fraü Anitta Müll er* Cohen (Wien) referierte über den Einfluß der Kulturarbeit in Palästina auf die Frauen?' Wir leben, so führte - sie aus, in einer Zeit der politischen, sozialen und ethischen Neugestaltung. Im Zentrum unseres Lebens steht das Problem der Gemeinschaft; J ü d i s c he Kultur i s tu ntrennbar mit Palästina verbunden. Ueberall findet der Jude eine fertige Kultur, der er sich mehr oder minder anpassen muß. Nur in Palästina hat er Gelegenheit, schöpferisch seineeigene Kultur weiter' zu entwickeln. Wir wollen Kultur als; die Höherentwicklung der Menschheit betrachten. Wir wollen das jüdische. Leben umgestalten. Wir glauben, daß in Palästina, wo der Jude stärkere Lebenskraft und Lebenssicherheit hat, viele Trennungen innerhalb des Judentunis schwinden werden. Nach den Verwüstungen des Weltkrieges ist jeder Aufbau; eine Kulturtat und die Erfüllung einer produktiven Aufgabe kommt nicht nur einem Volke zugute. Der Aufbau Palästinas ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern eine Frage seelischen und moralischen Fortschrittes^ Pas Bild eines rein jüdischen, Lebens in Palästina, dje Schaffung eines geistigen und moralischen Reservoirs, die aufopfernde Arbeit unserer Pionjere, das sind Dinge, von denen wir eine Renaissance des Judentums überall erwarten. In Palästina wandelt sich auch das FrauenideaLEs kommen n e u e W e r te, neue Anschauungen und Begriffe in das Lebe" der jüdischen Frau. Es wird ein neuer kultureller jüdischer Frauentyp geschaffen. Die Frauen in Palästina ringen um die große Sache Mensch und Werk. Sie sprechen weniger von Kultur,, sie leben Kultur. Die Rednerin beleuchtete die Ziele der „Histadruth Naschim Iwrioth", die' seit Jahren die Frauen Palästinas zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung organisiert. Sie berichtete über .die soziale Arbeit in Palästina, die auch ein Mittel zur Völkerverständigung ist. Die Kulturarbelt 4er jüdischen Frauen Palästinas hat auch die Stellung der mohammedanischen Frau verbessert. Die Rednerin kam zu dem Schlüsse, daß der jüdischen Frau eine große Rolle bei dem Wiederaufbau Palästinas, bei der „dritten Heimkehr", zugewiesen sen ist. In der Schlußsitzung der Weltkonferenz hielt Frau Rebekka Kohut ein großangelegtes Referat über Notwendigkeit und Aufgaben eines internationalen jüdischen Frauenbundes. Die Konferenz war stark besucht. Auch zahlreiche Gäste wohnten dieser Sitzung bei. Nachher er- Iihhiiii lilillilililllllllllHIillilllMHIi STRENG IttO SELCHWAREN-FABRIK Wl«n, XX., Klosterncuburgerstrafte 66 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Maysrsohn ,Vl3KD-fy •»KII^PT yhid qöuddpi \mn wi nw nrwn rinn 'jrrn no yfym mjn raa ,wbv )r\nrvm tmd Täglich frische und erstklassige Spezial-Erzeugnisse feinster Wurstu. Selchwaren. — Provinzversand WILHELM PET VAN. SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., KJosterneuburgerstraUe 60 Telephon A-43-I-59 mmmmm griffen einige der prominentesten Frauen führerinnen das Wort, um sich für die Gründung des Weltverbandes auszusprechen. Hierauf wurde einhellig beschlossen, einen Weltverband jüdischer Frauen zu gründen, dessen Ziel es sein soll, die Probleme der jüdischen Frauen In allen Ländern zu behandeln und den Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft zu fördern. Die Ziele des Weltverbandes wurden auch in einer Reihe von Resolutionen festgelegt, die die folgenden Angelegenheiten betreffen: Die Frauen sollen für die Stärkung des Friedensideals wirken. Religiöse und kulturelle jüdische Erziehung soll gefördert und die jüdischen Lehranstalten sollen gestützt werden. Die jüdischen Frauen treten für die Einführung der hebräischen Sprache im jüdischen Unterricht ein. Der Weltverband und die ihm angeschlossenen Frauenbünde treten für die Einführung des Frauenwahlrechtes in den jüdischen Gemeinden ein. Der Weltverband wird dahin wirken, daß ein orthodoxes Rabbinerkollegium geschaffen wird, dem die Regelung der Agunoth-Frage nach dem jüdischen . Gesetz obliegen soll. Die jüdischen Frauen arbeiten an dem Wiederaufbau Palästinas mit. Die jüdischen Frauen der ganzen Welt protestieren gegen die Einführung des Numerus-clausus für jüdische Studenten an den Universitäten gewisser Länder. Der Frauen- und Mädchenschutz wird auf internationaler Grundlage angestrebt. Der Weltverband jüdischer Frauen setzt eine Kommissifen zum Studium der jüdischen Bevölkerungspolitik ein. Zur Präsidentin des Weltverbandes jüdischer Frauen wurde die Prääsidentin der W^ltkonferenz, .Frau Rebekka. K o h u t, Amerika, gewählt. Vizepräsidentinnen sind Frau Bettina Brenner und Frau Paula Ollendorff, Deutschland, Frau Anitta Müller-Cohen, Oesterreich, Frau Klarten, Polen, Frau Caroline Wysenbeck-Franken, Holland, Lady Herbert Samuel, England. Zur Sekretärin wurden Frau Sternberg, Amerika, zur Schatzmeisterin Frau Abraham, Schweiz, gewählt. General Bern. Zu der in Nr. 90 gemeldeten Gedächtnisfeier für General B e m schreibt uns Herr Dr. Salomo Rappaport: „Gestatten Sie mir die Bemerkung, daß Joseph Bern nidit nur nicht als Kind jüdischer Eltern geboren wurde, sondern rein polnischer Abstammung war und in keiner Beziehung zum Judentum stand." — Wir haben die Mitteilung der J. T, A. entnommen. Vertreter der rumänischen Studentenschaft. Ein Banden!Uhrer als Delegierter am Internationalen Studentenkongreß; Aus Bukarest wird uns geschrieben: Dieser Tage hat der antisemitische rumänische Studentenverband seinen neuen Präsidenten und gleichzeitig auch die Delegierten für den Jn Budapest abzuhaltenden internationalen Studentenikongreß gewäMt. Zum Präsidenten wurde Georg S a ribul e sc u und zum Delegierten nach'Budapest unter anderen Georg Cront gewählt, Ueber die PersönlichJkeit der beiden Prominenten, macht „Curentul" die folgenden Mitteilungen: Georg Sarbulescu ist Mediziner des fünften-Jahrganges, ihat Jedoah bloß Prüifungs'zeugnlsse des ersten Jahrganges und müßte noch aus dreißig Gegenständen Prüfung machen, um. mit seinen Studien in Ordnung zu kommen. Sein Winken auf kulturellem Gebiet besteht darin, daß er am 6. Mai 1928 gemeinsam mit anderen Studenten in die Wohnung des Universjtätsrektors Pangrati eingedrungen ist und dort den diensthabenden Patrouillenführer der Polizei Vasile Sentrohi verprügelt hat. Saribulescu wurde damals verhaftet, nach Jilava gebracht-und im. September 1928 vom Bukarester Kriegsgericiht zu einem Monat Gefängnis verurteilt, weMie Strafe er auch in Jfeva verlbüßt 'hat. ,£>er Budapester internationale Studentenkongreß", sc'hrei'bt das Blatt weiter, „ist für die rumänische Studentenschaft von außerordentlicher Bedeutung, Die Delegation des ungarischen Stud'entemverbandes wird zweifellos die Vorgänge von Großwardein sowie die Stellung« na<bme zur Revision des Friedensvertrages zur Sprache bringen. Da der Präsident der internationalen Studentenr < \