Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1935-11-01 · 13-14 (November 1935) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
13-14 (November 1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2708078-2708082-2708087--256-2708377
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

der von den Österreichern wegen revolutionärer Propaganda verfolgt wurde, erschöpft und verwahrlost, im Begriffe, nach dem Auslande zu flüchten. Es war Einhorn, der spätere Staatssekretär im ungarischen Handelsministerium Eduard Horn. Natonek lieh ihm Pferd und Wagen, die er niemehr wiedergesehen hat. Natonek hat zuerst in Surany eine Schule geleitet und wurde später zum Oberrabbiner von jäszbereny gewählt. Dort hat er den König bei seinem Besuche in Jäszbereny mit einer ungarischen Rede begrüßt, eine damals seltene Leistung eines orthodoxen Rabbiners. Aber neben seinem Patriotismus mahnte er in seinen Reden stets,!das Mutterland Zion nicht zu vergessen und den Gedanken der [Rückkehr nach Zion wach zu erhalten. Das gab seinen Feinden Anlaß, ihn bei der Behörde als Verbreiter unpatriotischer Ideen anzuklagen. Trotz seiner Verteidigung hat er eine Rüge seitens der Behörde erdulden müssen. Als Rabbiner der Jäszberenyer Gemeinde hat er in Prag das wertvolle Werk ,,Schloscha kemazim“ (1859) herausgegeben und war Mitarbeiter des „Ben Chananaja“. Als aber der Herausgeber an Rabbi Sofer Kritik zu üben iwagte, antwortete Natonek scharf mit der Streitschrift „Rabbi Moses Sofer und der Magier Ben Chananaja“ (Prag 1865). den Jahren 1861—67 wirkte er in Szekesfehervär (Stuhlweißenburg). Er hat das religiöse und kulturelle Niveau dieser Gemeinde in ianerkennenwerter Weise gehoben. Um di,esü Zeit nahm die Bewegung zur Kolonisation Palästinas, wie sie von Montefiore und Rothschild begonnen wurde, einen großen Aufschwung. Da wurde Natonek von einer Begeisterung überwältigt, die ihn über seine nüchterne Umwelt emporgehoben hat. Er überraschte keine Gemeinde mit dem Entschlüsse sein Rabbjnat niederzulegen, um sich gänzlich der Aufgabe der Erwerbung Palästinas für (die Juden zu widmen. Die Gemeinde sah ihn ungern ziehen. Er setzte sich mit der Alliance, mit Rothschild und Montefiore in Verbindung, reiste nach Konstantinopel und fand dort freundliche Aufnahme. Er verhandelte mit dem Großvezier, der ihn im eigenen Tragsessel abholen und ihn durch Ehrenwachen begleiten ließ. Die türkischen Juden behandelten ihn mit großer Auszeichnung. Es gibt eine hebräische Ode eines bedeutenden Juden an Natonek. Er arbeitet ein großes Memorandum für die türkische Regierung aus. Ihm dünkt es, als (stünde er vor der zweitausend Jahre lange verschlossenen Pforte der Geula. Er rüttelte daran mit all seinen Kräften, nein, über seine Kräfte! Er bricht, erschöpft von ungewohnten Strapazen und Aufregungen zusammen. In Kreta brechen Unruhen aus, welche das Interesse und wohl auch die Lust für seinen Plan abschwächten. Sicherlich hat er auch den Undank und die Mißgunst seiner eigenen Volksgenossen, wie alle Seinesgleichen, in reichem Maße erfahren. Er kehrt gebrochen (nach Budapest zurück. Hier versucht er in seiner Ikurzlebigen Zeitschrift „Das einige Israel“ (1870) für sein Ideal feu werben. Ein kleiner Kreis von Freunden umgibt ihn mit Verehrung und Liebe und will ihn als Rabbiner 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.